Finanzprodukte

Online-Portalen nicht blind vertrauen

Ob Ratenkredit, Kfz-Versicherung oder ein anderes Finanzprodukt – wollen Verbraucher einen neuen Vertrag abschließen, ist die Auswahl groß. Sehr beliebt sind deshalb Online-Vergleichsportale. In sie vertrauen Verbraucher, um das beste Angebot zu finden. Oft werden die Nutzer jedoch getäuscht.

Junger Mann mit Laptop.

Um bei Finanzprodukten das beste Angebot zu finden, sind Online-Vergleichsportale sehr beliebt.

Foto: Photothek/Grabowsky

Finanzprodukte sind häufig nicht direkt vergleichbar. Dafür sind sie zu komplex. Verbraucher vertrauen deshalb darauf, dass Online-Portale eine Auswahl treffen, die sich an ihren Interessen orientiert. Auch gehen sie davon aus, dass das Ranking nach objektiven Kriterien erstellt wird. Doch das ist oft nicht der Fall.

Zu diesen Ergebnissen kam eine Studie, die die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) beim Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Auftrag gegeben hat. Die Studie untersuchte die fünf gängigsten Vergleichsportale für die drei Finanzdienstleistungsprodukte: Giro-Konten, Ratenkredite und Kfz-Versicherungen.

Finanzvergleichsportale täuschen Objektivität vor

Alle untersuchten Portale vermittelten den Eindruck, im Verbraucherinteresse zu handeln – so die Studie. Bei drei von fünf untersuchten Portalen wurden jedoch Produkte schon von vornherein herausgefiltert, für die ein Vertragsabschluss über das jeweilige Portal nicht möglich ist. So kann es passieren, dass gerade das für den Verbraucher beste Produkt ganz aus dem Vergleich herausfällt.

Auch beim Ranking der Produkte werden Verbraucher getäuscht. Viele gehen davon aus, dass die Angebote nach aufsteigendem Preis angezeigt werden – also das günstigste zuerst. Wenn jedoch Vergleichsseiten nur Angebote von Vertragspartnern präsentieren und andere herausfiltern, dann ist das Ergebnis nicht objektiv.

Die Forscher konnten bei keinem der untersuchten Produkte nachvollziehen, ob der Marktvergleich vollständig war. Auch die Finanzierung der untersuchten Portale, das Zustandekommen der Rankings und die Aktualität der Daten waren laut Studie nicht transparent dargelegt.

Unabhängigkeit darlegen

Wenn Vergleichsportale ihre Unabhängigkeit beweisen wollen, sollten sie verständlich und an deutlich hervorgehobener Stelle darlegen, wie das Ranking zustande gekommen ist, betonen die Forscher des IFF. Die für die Verbraucher wichtigen Informationen sollten nicht nur "irgendwo" auf der Seite vorkommen, sondern gut wahrnehmbar sein.

Auch die Finanzierung des Geschäftsmodells sollte transparent sein. Denn nur so kann dem Verdacht entgegengetreten werden, dass die Online-Portale weniger dem Vergleich als vielmehr der Produkt-Vermittlung dienen.

Was Nutzer tun können

Auch wenn es zeitaufwändig ist und der Grundidee von Vergleichsportalen zuwider läuft: Verbraucher sollten sich auf mehreren Portalen informieren und die Rankings vergleichen, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. Auch unabhängige Testergebnisse, zum Beispiel der Stiftung Warentest, sollten in die Entscheidungsfindung einfließen.

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