Naturschutz und Energiewende vereinbaren

Neues Kompetenzzentrum eröffnet Naturschutz und Energiewende vereinbaren

"Ich möchte im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Energiewende mit dem Kompetenzzentrum einen konstruktiven Beitrag leisten", so Bundesumweltministerin Hendricks bei der Eröffnung. Die unabhängige Institution soll helfen, den Ausbau der Erneuerbaren im Einklang mit der Natur zu schaffen.

Pumpspeicher-Kraftwerk Goldisthal in Thüringen

Pumpspeicher-Kraftwerk in Thüringen: Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien verändern die Landschaft.

Foto: Vattenfall

Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende nimmt am 1. Juli 2016 seine Arbeit auf und steht allen Beteiligten der Energiewende und des Naturschutzes als fachkundiger Ansprechpartner zur Verfügung. Es ist unabhängig und neutral. Aufgabe ist es, alle Beteiligten und die betroffenen Bürger vor Ort in den Dialog zu bringen. Fachwissen und Erfahrungen aus bester Praxis sollen gebündelt werden. Bei Konflikten helfen Mediatoren beim Austausch.

Das Kompetenzzentrum soll einen wichtigen Beitrag leisten, um vor Ort gemeinsam gute Lösungen für eine naturverträgliche Umsetzung der Energiewende zu entwickeln und umzusetzen. Das Bundesumweltministerium fördert das Zentrum mit jährlich einer Million Euro für die nächsten vier Jahre.

Trägerin des Kompetenzzentrums ist die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz. 1993 übertrug Michael Otto seine Mehrheit am Handelskonzern Otto und damit einen Großteil seines Vermögens in eine neue gemeinnützige Stiftung. Diese fördert kulturelle, soziale und ökologische Projekte. Die Stiftung bringt umfangreiche Erfahrung im Dialog zwischen Wirtschaft, Naturschutz, Politik und Wissenschaft mit. Der Deutsche Naturschutzring (DNR)hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Gründung des Kompetenzzentrums in einem Konsultationsprozess mit mehr als 300 Gesprächen vorbereitet.

Energiewende umweltfreundlich

Zur Energiewende gibt es keine Alternative. "Die Erneuerbaren sind der Schlüssel der Energiewende und die Säulen unserer Klimapolitik", bekräftigte Bundesumweltministerin Hendricks. Die Weltklimakonferenz von Paris hat hierzu ein klares Signal gesetzt. Dennoch muss gleichzeitig der Schutz der biologischen Vielfalt im Auge behalten werden. Denn Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien verändern die Landschaft und können Auswirkungen auf Tiere, Natur und Lebensräume haben. So können beispielsweise Windparks die Flugrouten der Vögel beeinträchtigen. Der großflächige Anbau von Raps zur Kraftstoffgewinnung ist in seiner Monokultur eine Gefahr für Bienen, Insekten und Vögel. Das heißt: Auch die erneuerbaren Energien können zu erheblichen Problemen für die biologische Vielfalt führen.

Daher müssen die Aspekte des Naturschutzes frühzeitig und sachgerecht in den Planungs- und Genehmigungsprozessen aufgenommen werden. Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende bringt die Akteure von Naturschutz und Energiewende, staatliche Entscheider und Bürgerschaft an einen Tisch. Das hilft, mögliche Konflikte besser zu lösen. "Es geht darum, gute Lösungen gemeinsam zu entwickeln und den jeweils günstigsten Weg zu finden", erklärte Hendricks.

So steht es im Koalitionsvertrag

Die Forderung an die Politik ist: Der Naturschutz darf in der Diskussion um den Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht als lästiges Hindernis angesehen werden. Das hat die große Koalition in ihr Arbeitsprogram aufgenommen: "Die Energiewende ist naturverträglich zu gestalten", so steht es im Koalitionsvertrag. "Deswegen wird ein 'Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende' eingerichtet, um zu einer Versachlichung der Debatten und zur Vermeidung von Konflikten vor Ort beizutragen", heißt es weiter.

Mit der Eröffnung des Kompetenzzentrums am 1. Juli 2016 hat die Bundesregierung diese Zusage aus dem Pflichtenheft der Koalition eingelöst.

Das steht im Koalitionsvertrag: Energiewende gut umsetzen – Dialog und Beteiligung
"Zur Beratung von Bundesregierung und Parlament bei der Umsetzung der Energiewende strebt die Bundesregierung die Bildung eines „Forums Energiewende (Energierat)“ für einen ständigen Dialog mit Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und gesellschaftlich relevanten Gruppen an. Beim Vollzug der Projekte der Energiewende wird auf eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger geachtet…. Wir wollen die Energiewende naturverträglich gestalten und zugleich die hierfür notwendigen Verfahren und dafür geeigneten Strukturen schaffen. Deswegen wird ein Kompetenzzentrum „Naturschutz und Energiewende“ eingerichtet, um zu einer Versachlichung der Debatten und zur Vermeidung von Konflikten vor Ort beizutragen."

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