Das Leben von Menschen mit Demenz verbessern

Fragen und Antworten zur Nationalen Demenzstrategie Das Leben von Menschen mit Demenz verbessern

Die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in allen Lebensbereichen nachhaltig verbessern: Das ist das Ziel der Nationalen Demenzstrategie, die das Bundeskabinett verabschiedet hat. Was sind die genauen Inhalte der Strategie? Wie werden Betroffene und Angehörige unterstützt? Wichtige Fragen und Antworten.

Eine Altenpflegerin umarmt eine Seniorin in einem Seniorenheim.

Das Kabinett hat die Nationale Demenzstrategie verabschiedet: Betroffene sollen in der Mitte der Gesellschaft bleiben.

Foto: Jungeblodt/laif

Was will die Nationale Demenzstrategie erreichen?

Derzeit sind 1,6 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt – Tendenz steigend. Das zeigt die zunehmende Bedeutung des Themas. Die Nationale Demenzstrategie verfolgt das Ziel, die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern – und zwar nachhaltig. Dabei sollen besonders die Alltagsgestaltung und die gesundheitliche und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz vor Ort in den Blick genommen werden.

Es ist wichtig, dass Betroffene in der Mitte der Gesellschaft bleiben. Wer noch selbst einkaufen geht, wer weiterhin Teil eines Teams im Sportverein ist, wer im Kirchenchor aktiv bleiben kann und wer noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, hat noch lange ein gutes Leben. Die Nationale Demenzstrategie will Menschen mit Demenz und ihren Familien Mut machen und sie stärken.    

Was sind die konkreten Inhalte der Strategie gegen Demenz?

Innerhalb der Nationalen Demenzstrategie wurden 27 Ziele formuliert und insgesamt etwa 160 Maßnahmen vereinbart. Es gibt vier inhaltliche Schwerpunkte:

  • mehr Teilhabe für Menschen mit Demenz ermöglichen
  • die Angehörigen von Erkrankten stärker unterstützen
  • die medizinische und pflegerische Versorgung weiterentwickeln
  • mehr exzellente Forschung zu Demenz fördern.

Im Interview spricht Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, über die verschiedenen Formen einer Demenz, Betroffene unter 65 Jahre - und erläutert, worauf Angehörige besonders achten sollten. Das Gespräch lesen Sie hier.  

Wie sollen Betroffene und Angehörige unterstützt werden?

Ein wichtiger Schwerpunkt ist, Strukturen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz an ihrem Lebensort aus- und aufzubauen. Dazu gehört beispielsweise die Errichtung von "Vor-Ort-Netzwerken": In diesen lokalen Netzwerken entstehen Angebote der Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Beispielsweise können sie sich dort mit Ärztinnen und Ärzten, Vertreterinnen und Vertretern von Wohlfahrtsverbänden, Seniorenheimen und ehrenamtlichen Initiativen austauschen.        

Zusätzlich ist der Ausbau von regionalen Netzwerken geplant, die sich an Akteure richten, die an der pflegerischen Versorgung von Menschen mit Demenz beteiligt sind. Darüber hinaus ist vorgesehen, die Begleitung und Beratung von Betroffenen nach der Diagnose einer Demenzerkrankung zu verbessern. Auch die Gesundheitsförderung für pflegende Angehörige soll intensiviert werden. Denn die Pflegeleistung bringt Familienmitglieder immer wieder an ihre Belastungsgrenzen.

Was ist für Krankenhäuser und Forschung geplant?

Es ist entscheidend, dass Krankenhäuser demenzfreundlicher werden. Eine demenzsensible Gestaltung der Abläufe und ein entsprechend qualifiziertes Personal erleichtern unvermeidbare Krankenhausaufenthalte für demenzerkrankte Patientinnen und Patienten. Auch die räumliche Gestaltung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen soll sich an den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz orientieren.

Der Umbau der sozialen Infrastruktur betrifft aber auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens, beispielsweise den Nahverkehr oder kommunale Gebäude.

Die Forschung zur Demenz ist ein weiter wichtiger Baustein der Strategie. Denn bislang kann die Krankheit weder ursächlich behandelt noch geheilt werden. Umso wichtiger ist es, die Erforschung der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten voranzutreiben. Vorgesehen ist, die Vernetzung verschiedener Forschungsinstitutionen und -bereiche zu fördern und den Zugang zu Daten für Forschungszwecke zu erleichtern. Vor allem soll ermittelt werden, wie wissenschaftliche Erkenntnisse besser in die Praxis übertragen werden können.

Wie kann die Öffentlichkeit für das Thema Demenz stärker sensibilisiert werden?        

Um Vorurteile und Berührungsängste mit dem Thema Demenz abzubauen, ist eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit von großer Bedeutung. Daher ist es ein weiteres zentrales Ziel der Strategie, die Bevölkerung aufzuklären und zum Engagement aufzurufen. So soll beispielsweise die "Woche der Demenz" rund um den "Welt-Alzheimertag" mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen fest etabliert werden. Die Einbeziehung von Botschafterinnen und Botschaftern kann hierbei eine wichtige Rolle spielen. Auch in den sozialen Medien soll die Öffentlichkeitsarbeit zu Demenz zielgruppenspezifisch ausgebaut werden. Darüber hinaus ist ein Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler geplant.     

Wer sind die Akteure der Demenzstrategie?

Erarbeitet wurde die Strategie von der Bundesregierung gemeinsam mit zahlreichen Partnern. Seitens der Bundesregierung sind das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium zuständig, unter maßgeblicher Mitwirkung des Bundesforschungsministeriums. Die Akteure außerhalb der Bundesregierung sind die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Länder und Kommunen, die Zivilgesellschaft, die Verbände aus Pflege und Gesundheitswesen sowie der Wissenschaft.

Vorläufer der Nationalen Demenzstrategie ist die Allianz für Menschen mit Demenz, die von 2014 bis 2018 die Agenda "Gemeinsam für Menschen mit Demenz" umgesetzt hat. Daran anknüpfend wurde die Demenzstrategie entwickelt.