Starkes Zeichen der Einigkeit

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Statement von Bundeskanzler Merz zum Abschluss des G7-Gipfeltreffens in Évian-les-Bains Starkes Zeichen der Einigkeit

Bundeskanzler Merz hat nach dem G7-Gipfel in Frankreich eine positive Bilanz gezogen. Sowohl zu Iran als auch zur Ukraine gebe es klare gemeinsame Botschaften. Zudem sei die notwendige Diskussion über geoökonomische Ungleichgewichte vorangekommen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Mittwoch, 17. Juni 2026
Bundeskanzler Merz hinter einem Mikrofonpult beim G7-Gipfel in Évian.

Kanzler Merz bezeichnete es als Erfolg, dass beim G7-Gipfel eine gemeinsame Sprache zu den großen außen- und sicherheitspolitischen Fragen gefunden wurde.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Bundeskanzler Friedrich Merz hat zum Abschluss des G7-Gipfels in Évian-les-Bains in Frankreich die gemeinsame Gipfelerklärung zu Iran und zur Ukraine als Erfolg bezeichnet. Gerade in der gemeinsamen Sprache zur Ukraine stecke die „sehr klare Botschaft“, dass die Unterstützung aus dem Kreis der G7-Staaten heraus so stark wie selten zuvor ist. Die gemeinsame Hartnäckigkeit habe sich ausgezahlt, auch wenn es weiter ein schwieriger Weg zum Frieden bleibe. „Aber wir sind einen Schritt weitergekommen“, so der Kanzler.

Bereitschaft zum Engagement in der Straße von Hormus

Dies gelte auch für den Nahen Osten. Die Einigung der Vereinigten Staaten mit Iran sei ein „großer Erfolg“. Ihm müssten nun weitere Verhandlungen folgen. Bundeskanzler Merz betonte erneut, dass Deutschland auch hier helfen werde. Dies könne ein militärisches Engagement in der Straße von Hormus mit entsprechendem Bundestagsmandat beinhalten. 

Schließlich sei zudem die notwendige Diskussion um geoökonomische Ungleichheiten vorangekommen. Ein Teil davon seien währungspolitische Ungleichgewichte, über die weiter gesprochen werden müsse. Bei kritischen Rohstoffen und Künstlicher Intelligenz sei zudem eine noch engere Zusammenarbeit verabredet worden.

Lesen Sie hier die Mitschrift des Pressestatements:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, zunächst einmal zwei Vorbemerkungen: Erstens, wir sind ein bisschen später als geplant. Das hängt damit zusammen, dass wir heute Morgen später angefangen haben. Es hat noch eine ganze Reihe von Vorbesprechungen gegeben.

Die zweite Vorbemerkung, die ich machen möchte, bevor ich zum Inhalt komme: Ich möchte Präsident Macron für die wirklich sehr gute Führung durch diesen G7-Gipfel, aber auch die sehr gute Vorbereitung in den letzten Wochen herzlich danken. Sie wissen, dass auch wir uns mit ihm zusammen intensiv auf diesen G7-Gipfel in Évian vorbereitet haben.

Ich muss im Ergebnis sagen: Es hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Ich ziehe auch am zweiten Tag des G7-Gipfels eine positive Bilanz. Wir haben gestern in verschiedenen Formaten eine noch engere Zusammenarbeit bezüglich kritischer Rohstoffe und künstlicher Intelligenz verabredet. Wir werden über künstliche Intelligenz auch gleich noch mit den Tech-Unternehmen beim Mittagessen sprechen. Aber bestimmend bleibt, und das war heute Morgen auch so, das ganze Thema der Geopolitik und der geopolitischen Ungleichgewichte.

Wir haben uns bereits in der Nacht auf eine gemeinsame Gipfelerklärung zum Iran und zur Ukraine geeinigt. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt, denn es ist das erste Mal überhaupt seit dem Amtsantritt von Präsident Trump, dass wir bei einem G7-Gipfel eine gemeinsame Erklärung abgeben und eine gemeinsame Sprache zu den großen außen- und sicherheitspolitischen Fragen unserer Zeit finden. Das, finde ich, ist wirklich ein Erfolg. In der Sache steckt in unserer Erklärung nämlich eine sehr klare Botschaft: Die Unterstützung der Ukraine ist aus diesem Kreis heraus so stark wie selten zuvor. Alle G7-Partner werden ihren militärischen und ihren finanziellen Beitrag für die Ukraine verstärken. – Ebenso deutlich ist die Botschaft an Russland: Alle G7-Partner werden den Druck auf Moskau erhöhen, auch durch Sanktionen. – Das setzt einen neuen Ton, auch in der transatlantischen Einigkeit und Entschlossenheit. Es bringt uns vielleicht Friedensverhandlungen einen entscheidenden Schritt näher.

Wir haben dafür in den letzten Wochen systematisch gearbeitet. Ich will es noch einmal wiederholen: Keir Starmer, Emmanuel Macron und ich haben in London zusammen mit Wolodymyr Selenskyj unsere Positionen abgestimmt und gut vorbereitet. Unsere diplomatischen Berater haben sich auch mit den USA und mit den anderen europäischen Partnern abgestimmt, insbesondere mit Italien und mit Polen, die über den gesamten Prozess hinweg in unsere Beratungen und in unsere Überlegungen einbezogen waren. Gelungen ist das, weil wir die Gunst der Stunde genutzt haben; denn es lag ja auf der Hand, dass wir sozusagen eine Verbindung zwischen dem, was in der Ukraine notwendig bleibt, und dem, was jetzt mit dem Iran möglich war, herstellen.

Auch zum Iran setzen wir in Évian eine klare Botschaft. Als G7 begrüßen wir die Einigung, die zwischen Präsident Trump und der iranischen Führung erzielt werden konnte. Das ist ein wirklich großer Erfolg. Wir sehen es auch heute, zum Beispiel beim Ölpreis. Dass er jetzt weiter zurückgeht, ist ein gutes Zeichen, und offensichtlich werden auch die Lieferbeziehungen systematisch wieder aufgenommen.

Diesem Abschluss dieser Vereinbarung müssen nun auch weitere Verhandlungen folgen, insbesondere eine zweite Verhandlungsrunde. Wir sind uns über das Ziel völlig einig. Die Straße von Hormus muss ohne jede Einschränkung offen sein, ohne Wenn und Aber, und Iran muss sein Nuklearprogramm dauerhaft und nachweisbar beenden. Der Frieden muss halten, und das gilt nicht nur für den Iran, das gilt auch für den Libanon, insbesondere für den Südlibanon. Über die dortige Lage haben wir uns ausführlich unterhalten.

Deutschland wird helfen. Es liegt in unserem Interesse, dass der Frieden hält. Wir brauchen einen stabilen Nahen und Mittleren Osten. Wir brauchen eine Klarheit bei den Seewegen und freie Seewege. Wir brauchen stabile Energiepreise. Unsere Hilfe kann auch ein militärisches Engagement vor Hormus beinhalten. Ein entsprechendes Mandat wird die Bundesregierung dem Bundestag vorschlagen, wenn und sobald die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind.

Meine Damen und Herren, abschließend: Demokratie ist schwierig, und Diplomatie braucht Hartnäckigkeit, aber wir sind aus dieser Runde der demokratischen Staaten heraus, denke ich, in diesen zwei Tagen erfolgreich gewesen. Wir werden jetzt weitere Gespräche, weitere Verhandlungen in verschiedenen Zusammensetzungen führen müssen. Aber hier in Évian hat sich unsere gemeinsame Hartnäckigkeit ausgezahlt. Keine Frage, es bleibt ein weiterhin schwieriger Weg zum Frieden. Aber wir sind einen Schritt weitergekommen, im Iran und auch in der Ukraine.

Abschließend erlauben Sie mir, zu sagen, dass wir auch in der notwendigen Diskussion über geoökonomische Ungleichgewichte einen Schritt weitergekommen sind. Ich habe in meinen Anmerkungen noch einmal auf die währungspolitischen Probleme hingewiesen. Wir begegnen einer Volkswirtschaft mit einer unterbewerteten Währung in der Größenordnung zwischen 25 und 30 Prozent gegenüber anderen Wirtschaftsräumen. Das ist ein so massiver Wettbewerbsnachteil, über den wir sprechen müssen, und wir haben auch verabredet, dass wir darüber sprechen. Über das Format muss noch abschließend Einigkeit erzielt werden. Aber währungspolitische Ungleichgewichte sind eben auch ein Teil geoökonomischer Ungleichgewichte, und dieses Thema haben wir heute noch einmal – auch auf meine Intervention hin – besprochen. Ich habe es auch abschließend noch einmal mit Präsident Trump besprochen, der das seinerseits ebenso sieht, weil er ja auch in Amerika davon betroffen ist. Insofern gibt es auch hier noch einmal eine sozusagen abschließende Bewertung eines Sachverhalts, der aber sehr viel weitere Arbeit von uns gemeinsam erfordert.

Das war es. Vielen Dank.