„Ein bedeutendes Bauwerk jüdischen Kulturerbes in Deutschland“

Das Bild zeigt den Innenraum der Carlebach-Synagoge.

Das Gotteshaus erstrahlt mit seiner reich verzierten, zweistöckigen Gebetshalle und bunten Glasfenstern in alter Schönheit.

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Die Lübecker Synagoge zählt zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern deutschlandweit, die die Zeit des Nationalsozialismus überstanden haben. Mit einem Festakt wurde sie am Donnerstag nach längerer Sanierung offiziell wiedereröffnet. Eine ständige Ausstellung im Hause soll künftig die Geschichte der Lübecker Juden veranschaulichen.

„Mit der Sanierung der Carlebach-Synagoge bewahren wir ein bedeutendes Bauwerk jüdischen Kulturerbes in Deutschland und Europa“, betonte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Wie viele andere Bauten zeigten auch die Synagoge in Lübeck und ihr prachtvoller Gebetssaal jüdisches Leben als inspirierenden Teil deutscher Geschichte und Gegenwart, so die Staatsministerin. Neben Grütters nahmen auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, an der Zeremonie teil.

Wechselvolle Geschichte des Gotteshauses bleibt sichtbar

Die Lübecker Synagoge wurde zwischen 1878 und 1880 nach Vorbild der Berliner Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße errichtet. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde das Gotteshaus im Innern verwüstet, das Gebäude selbst blieb verschont. Die reich verzierte Fassade im maurischen Stil mitsamt der prächtigen Kuppel rissen die Nationalsozialisten ab. Zurück blieb ein schlichter Backsteinbau.

Die Spuren der nationalsozialistischen Zerstörung wurden bei der Sanierung nicht verdeckt, die schlichte Fassade beibehalten. Der Innenraum erstrahlt heute wieder mit einer reich verzierten, zweistöckigen Gebetshalle und bunten Glasfenstern in alter Schönheit.

Das Lübecker Gotteshaus ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Die Kosten für ihre Sanierung in Höhe von insgesamt rund neun Millionen Euro wurden gemeinsam vom Bund, dem Land Schleswig-Holstein, der Hansestadt Lübeck und der Lübecker Possehl-Stiftung getragen. Der Bund beteiligte sich daran mit 3,6 Millionen Euro aus dem Kulturhaushalt. 

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Ursprünglich angedacht war die Eröffnung für August 2020 – wegen der Corona-Pandemie musste sie verschoben werden. Nun konnte die offizielle Feier im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nachgeholt werden. Das Jubiläum ist Anlass für zahlreiche Veranstaltungen in diesem Jahr. Möglichst viele Menschen sollen die Möglichkeit haben, jüdischer Geschichte zu begegnen und ebenso den Alltag jüdischer Menschen in Deutschland besser kennenzulernen. 

SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz sind UNESCO-Weltkulturerbe

Wie bedeutsam die jüdische Tradition in Deutschland war und ist, rief Ende Juli 2021 zudem die Entscheidung der UNESCO ins öffentliche Bewusstsein, die  SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz in die Liste des-UNESCO-Welterbes aufzunehmen. SchUM steht als Abkürzung für die mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte.

Die jüdischen Gemeinden in den drei Städten bildeten gemeinsam einen Verbund und waren im Mittelalter Vorreiter auf vielen Gebieten. So prägten sie Architektur, Kultur, Religion und Rechtsprechung jüdischer Menschen. Bis heute zeugen Bauwerke und Friedhöfe von der immensen Bedeutung, die diesen Gemeinden in der jüdischen Welt seit dem Mittelalter zugesprochen wird.

Konzerte, Ausstellungen, Musik, ein Podcast, Video-Projekte, Theater, Filme… Anlässlich des Jubiläums werden unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland bundesweit zahlreiche Veranstaltungen ausgerichtet. Alle Informationen finden Sie auf der  Webseite zum Jubiläumsjahr.

Zahlreiche Grabsteine stehen auf dem Friedhof "Heiliger Sand".

Der Friedhof „Heiliger Sand“ zeugt von rund 1000 Jahren jüdischer Geschichte in Worms. Er zählt seit diesem Jahr zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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