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Syrian Heritage Archive Project

Kulturelles Erbe Syriens bewahren

Der Krieg in Syrien zerstört das jahrtausendealte kulturelle Erbe des Landes. Das von der Bundesregierung unterstützte Projekt "Syrian Heritage Archive" will das Wissen über zerstörte Kulturgüter für die Nachwelt dokumentieren. Eine Ausstellung im Berliner Pergamon-Museum erlaubt eine virtuelle Erkundungsreise durch das syrische Kulturerbe.

Syrien ist eine wichtige Kulturlandschaft: Grundlegende zivilisatorische Errungenschaften wie die Entstehung des städtischen Lebens oder das Alphabet haben hier ihren Anfang genommen. Einzigartige historische und archäologische Denkmäler zeugen von der jahrtausendealten Geschichte des Landes. Die alten Kulturen des Nahen Ostens, die griechische und römische Antike sowie die byzantinische christliche und islamische Zeit haben überall im Land ihre Spuren hinterlassen.

Der nun schon seit acht Jahren andauernde Bürgerkrieg in Syrien hat große Teile dieses wertvollen Erbes zerstört. Um Forschungsdaten zu syrischen Kulturgütern für die Nachwelt zu erhalten und Grundlagen für künftige Kulturerhaltung zu schaffen, kooperiert das Deutsche Archäologische Institut mit dem Museum für Islamische Kunst im Projekt "Digitales Kulturerbe-Register für Syrien / Syrian Heritage Archive Project".

Leiter dieses Projekts ist Direktor des Museums für Islamische Kunst, Professor Stefan Weber. Er hat zwölf Jahre in Damaskus und Beirut gelebt und in vielen Restaurierungsprojekten gearbeitet. Er erklärt: "Wir sammeln systematisch Informationen und Fotos zerstörter Gebäude, insbesondere historisch wertvoller Denkmäler. Diese werden in einer separaten Datenbank mit dem Ziel dokumentiert, diese für spätere Wiederherstellungsmaßnahmen abzubilden und auszuwerten. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit syrischen und weltweiten Initiativen."

Professor Stefan Weber trägt einen dunkelblaune Sakko und ein weißes Hemd. Er steht vor einer Bücherwand.

Prof. Dr. Stefan Weber ist der Direktor des Museums für Islamische Kunst.

Foto: Museum für Islamische Kunst, Foto: Issam Hajjar (2018)

Projektziele: Digitalisierung und Archivierung

Bisher gibt es noch kein grenzüberschreitendes digitales Register für das syrische Kulturerbe. Verschiedene syrische und internationale Initiativen arbeiten daran, die zahlreichen Forschungsdaten, die in archäologischen und kunsthistorischen Projekten der letzten Jahrzehnte gesammelt wurden, zusammenzutragen und ein nationales Register für Syrien zu entwickeln.

Eine detaillierte Dokumentation des kulturellen Erbes Syriens schafft die Grundlage, um die eingetretenen Zerstörungen zu erfassen und beschädigte Kulturgüter eines Tages restaurieren zu können. Für eine zukünftige nationale Versöhnung kann das Wissen über das gemeinsame Kulturerbe zu einem wichtigen Baustein werden, erklärt Weber: "Seit Kriegsausbruch 2011 sind auch viele Kulturgüter in die Schusslinie geraten. Als Profi für Kulturerbe-Schutz fragt man sich natürlich, was man da machen kann. Wir können unser Wissen zur Verfügung stellen, um diesen einmaligen Schatz Syriens zu dokumentieren. Er kann dabei helfen, eines Tages Wunden zu heilen, wenn das Land wieder aufgebaut wird."

Zur Zerstörung durch den Krieg kommt hinzu, dass Plünderungen überall im Land irreparable Schäden verursachen. Grabräuber zerstören die für die Rekonstruktion vergangener Welten notwendige Schichtenfolge - diese kulturellen Wissensspeicher gehen für immer verloren. Oft werden archäologische Stätten systematisch auf der Suche nach antiken Objekten geplündert, erklärt Weber: "Wir haben sehr früh versucht, Kunstmarktbeobachtungen einzuschalten, um zu versuchen, Raubgrabungen zu stoppen. Das ist uns leider nicht gelungen. Zumindest in Deutschland haben diese Raubgrabungen aber dazu geführt, dass das Kulturschutzgesetz in Deutschland verändert und der Verkauf illegaler Waren aus Raubgrabungen deutlich erschwert wurde."

100 Jahre deutsch-syrische Forschung

Dabei reicht die archäologische und historische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Levante weit zurück, erzählt Weber: "Wir können bei unserer Arbeit auf Wissen aus langjähriger, sehr enger Kooperation mit Syrien zurückgreifen. Seit über 100 Jahren forschen Deutsche zu Syrien, seit 1984 gibt es das Deutsche Archäologische Institut in Damaskus und seit den 1960er Jahren forscht das Orient Institut in Beirut vor Ort. Die Dokumentation dieser Forschung ist erst einmal eine Zwischenlösung - auch, um ein Bewusstsein für diese syrischen Altertümer zu schaffen."

Auf einem gelben Aufsteller steht Aleppo, zu sehen sind menschen bei der Ausstellungseröffnung. Im Hintergrund ein großes archäologisches Fundstück.

Eröffnung der Ausstellung "Kulturlandschaft Syrien" in Berlin

Foto: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Milena Schlösser

Ausstellung im Berliner Pergamon-Museum

Die Kulturlandschaft Syriens und die durch den Krieg verursachten Zerstörungen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung "Kulturlandschaft Syrien: Bewahrung und Archivierung in Kriegszeiten" im Museum für Islamische Kunst im Berliner Pergamon-Museum. Besucherinnen und Besucher können mit Bildern, Dokumenten, 3D-Modellen, Filmen und interaktiven Bildschirmen die Kulturlandschaft Syriens virtuell erkunden. Im Rahmen der Ausstellung sind verschiedene Vorträge zu Forschungen in Syrien – insbesondere über Aleppo – gezeigt. Begleitend erscheint eine Publikation. Die Ausstellung läuft bis zum 26. Mai.

Das Projekt "Syrian Heritage Archive" wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Kulturerhalt-Programms gefördert. Damit fördert die Bundesregierung seit 1981 die Bewahrung des kulturellen Erbes in aller Welt – inzwischen mit insgesamt fast 80 Millionen Euro für über 2.860 Projekte in 144 Ländern.