Klimaschutz ist überall möglich - Nachahmen erwünscht

Wettbewerb "Klimaaktive Kommune" Klimaschutz ist überall möglich - Nachahmen erwünscht

Jedes Dorf und jede Stadt kann auf unterschiedlichem Weg zu mehr Klimaschutz und Klimaanpassung beitragen. Besonders kreative Ideen wurden auf virtuellem Weg ausgezeichnet. Der Erweiterungsbau des Schubart-Gymnasiums in Aalen produziert selbst so viel Energie, wie er verbraucht - und die Schule spart mit vielen Fenstern eine Menge Strom.

Foto zeigt das Schubart-Gymnasium

Die Stadt Aalen (Baden-Württemberg) hat einen Preis für den Null-Energie-Neubau des Schubart-Gymnasiums gewonnen. 

Foto: Hearts&Minds/Difu

Die Preisträger des Bundeswettbewerbs "Klimaaktive Kommune 2020" kommen aus allen Ecken Deutschlands. Ihre Ideen unterscheiden sich - ihre Ziele sind die gleichen: Sie wollen das Klima schützen und sich dem Klimawandel anpassen. Zehn Gemeinden wurden für ihre herausragenden Klimaschutzprojekte ausgezeichnet. Das Bundesumweltministerium habe die Förderung des kommunalen Klimaschutzes mit dem Corona-Konjunkturprogramm der Bundesregierung noch einmal verbessert, sagte Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter bei der Preisverleihung in Berlin. Es könne damit in Kommunen als Beschleuniger für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Weg in die Zukunft dienen.

Alte Gebäude umbauen: CO2 und Energiekosten sparen

Dass Denkmal- und Klimaschutz sich nicht ausschließen, zeigt das thüringische Geisa: Sämtliche Gebäude in der denkmalgeschützten Altstadt und darüber hinaus wurden an zwei Nahwärmenetze angeschlossen. Die Gebäude werden jetzt mit Wärme aus modernen, energieeffizienten Holzschnitzel-Anlagen versorgt. Damit senkt die Stadt ihre Kohlendioxid-Emissionen und ihre Energiekosten. Mit dem gesparten Geld finanziert sie weitere Energieeffizienzprojekte.

Die Stadt Aalen in Baden-Württemberg hat mit dem Neubau eines Teils des Schubart-Gymnasiums nicht nur optimale Lernbedingungen geschaffen. Der Neubau produziert selbst so viel Energie, wie er auch verbraucht. Besonders interessant: Auf großen Technikeinsatz wird verzichtet. Stattdessen werden – wo immer möglich – natürliche Prinzipien wie etwa Licht, Thermik und Erdwärme genutzt. Zum Beispiel strahlt durch große Fensterfronten und Oberlichter viel Tageslicht ins Gebäude. Im Vergleich zu konventionellen Bauten kann die Schule damit 50 Prozent Kunstlicht und eine Menge Strom sparen.

Der Main-Taunus-Kreis produziert in 30 Anlagen eigenen Ökostrom. Um entstehende Stromüberschüsse nicht zum Einspeisetarif zu verkaufen, sondern selbst zu nutzen, hat der Landkreis das Strombilanzkreismodell entwickelt. Dabei werden die Stromüberschüsse aus den Anlagen mit dem Stromverbrauch von weiteren Gebäuden des Landkreises verrechnet, für die noch kein eigener Ökostrom erzeugt wird. Der Landkreis muss dadurch weniger Strom zukaufen und spart jährlich einen fünfstelligen Betrag. Die eingesparten Gelder werden in weitere Ökostromanlagen investiert.

Stadt- und Energie-Pflanzen sorgen für besseres Klima

"Dresden baut grün" - die Stadtverwaltung hat die Klimaanpassung angepackt: Fassaden und Dächer aller städtischen Gebäude sollen begrünt werden. Freiflächen werden so umgestaltet, dass sie Regenwasser aufnehmen können.

Auch Osnabrück setzt auf grüne Dächer: Sowohl die Stadt als auch private Eigentümer und Eigentümerinnen wollen ihre Dächer bepflanzen. Die Stadtverwaltung hat dafür ein Gründachkataster geschaffen, ökologische Kriterien erarbeitet und ein Förderprogramm aufgelegt. Die Fördermittel des Programms "Grün statt Grau" mussten bereits erhöht werden. Denn sehr viele Osnabrückerinnen und Osnabrücker wollen den Weg zu einer klimagerechten Stadt mitgehen.

In St. Wendel macht die "Durchwachsene Silphie" dem Mais Konkurrenz. Zur Erzeugung von Biogas wird meistens Mais als Energiepflanze eingesetzt. Die Silphie ist weniger anfällige für Trockenperioden oder Starkregen und sie benötigt keine Pflanzenschutzmaßnahmen. Zudem leistet der Anbau der Silphie einen hohen Beitrag zum Insektenschutz.

Menschen zum Mitmachen motivieren

München mobilisiert mit ihrer Kampagne "München Cool City" Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz im Alltag. Die Klimaschutzkampagne bietet in wechselnden Themenjahren viele Informationen und Anreize, um Klimaschutz in den eigenen Alltag zu integrieren. Dazu gehören Mitmachaktionen und Gewinnspiele, um die Menschen zu mehr Klimaschutz im Alltag zu motivieren. Herzstück der Öffentlichkeitsarbeit für die Kampagne "München Cool City" sind imposante, 3,6 Meter hohe und 2,6 Tonnen schwere blaue "C"-Buchstaben, die das Münchner Stadtbild prägen.

In Steinfurt beteiligen sich ausgesuchte Haushalte ein Jahr lang an dem Selbstversuch "Klimaschutzbürger 2.0". Mit großem Erfolg integrierten sie Klimaschutzmaßnahmen in ihren Alltag. Schon nach wenigen Monaten sank ihr Ressourcenverbrauch um fast zehn Prozent. Die Erfahrungen wurden öffentlich und sollen so zum Nachmachen anregen.

Kommune und Jugend gemeinsam klimaaktiv

Gemeinsam für den Klimaschutz in Bremerhaven: Jugendliche können im "Jugendklimarat" an der Stadtgestaltung mitwirken. Sie bringen eigene Klimaschutzprojekte ein und lernen nebenbei, wie die Entscheidungsprozesse der Verwaltung ablaufen. Neben Projekten wie Baumpflanzungen oder Plastiktütentauschaktionen haben sie einen Klimastadttag organisiert und ein "Repair-Café" ins Leben gerufen. Aktuell will der Jugendklimarat Wiesenblumen in Bremerhaven aussäen und Bienenstöcke aufstellen.

Wettbewerb "Klimaaktive Kommunen"
Der mit 25.000 Euro dotierte Wettbewerb "Klimaaktive Kommunen" wird seit 2009 vom Bundesumweltministerium, dem Deutschen Institut für Urbanistik und den drei kommunalen Spitzenverbänden ausgerichtet. Er ist Teil der Nationalen Klimaschutzinitiative: Das Bundesumweltministerium fördert Klimaschutzprojekte in Kommunen, in der Wirtschaft, von Verbraucherinnen und Verbrauchern und in Schulen und Bildungseinrichtungen.

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