Kindern Sorgen und Ängste nehmen 

Interview zur Corona-Plattform für Kinder Kindern Sorgen und Ängste nehmen 

Der diesjährige Internationale Kindertag am 1. Juni steht im Schatten von Corona: Es gibt viele Fragen, Unsicherheiten und Ängste, gerade unter den Kleinsten. Die interaktive Online-Plattform Corona4Kids bietet kindgerechte Infos zur Pandemie. Lara Surrey hat das Projekt ins Rollen gebracht. Im Interview berichtet sie von der Idee hinter der Webseite, Sprachenvielfalt und warum die Plattform auch für Eltern spannend ist.

Lara Surrey, eine junge Frau mit rotblondem schulterlangen Haar und violettem Schal, steht in einem Park und schaut in die Kamera.

Die 31-jährige Lara Surrey leitet das Projekt "ExplainCorona4Kids".

Foto: Ahmad Jubeh

Frau Surrey, worum geht es bei der Online-Plattform Corona4Kids?

Lara Surrey: Corona ist ja das Thema schlechthin seit vielen Monaten, von dem Kinder natürlich auch viel mitbekommen. Sei es über Radio und Fernsehen, oder generell in ihrem Alltag und über den Austausch mit den Eltern. In dieser Situation halten wir es für wichtig, Kindern auch Hintergründe und Zusammenhänge zu Corona zu erklären, damit sie diese noch besser verstehen können. Denn wo Informationen fehlen, können schnell Ängste entstehen, und das wollen wir vermeiden. Es geht beispielsweise darum, zu erklären, warum wir uns gerade in einer bestimmten Form verhalten und was wir uns davon versprechen. Wir wollen den Kindern ein Gefühl von Selbstwirksamkeit vermitteln.

Wie ist die Plattform entstanden?

Saurrey: Ich hatte die Idee anlässlich des Aufrufs zum #WirVsVirus-Hackathon der Bundesregierung. Als angehende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin habe ich ja viel mit der Zielgruppe Kinder zu tun. Und da ist mir schon ganz am Anfang der Krise aufgefallen, welchen großen Informationsbedarf es bei Kindern gibt. Sie haben unendlich viele Fragen rund um das Virus. So kam es zu der Idee, eine Plattform für etwa Sechs- bis Zwölfjährige zu erstellen.

Unter dem Motto #WirVsVirus hatte die Bundesregierung Mitte März zum Hackathon aufgerufen. Das Ziel: Digitale Lösungen, wie den Herausforderungen der Pandemie begegnet werden kann. Mehr als 28.000 User haben sich beteiligt, zahlreiche Projekte sind entstanden. 34 besonders vielversprechende Projekte, darunter "ExplainCorona4Kids", wird das Bundesforschungsministerium jetzt mit insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro fördern.                   

Was ist das Konzept der Seite?

Surrey: Wir wollen in kindgerechter und verständlicher Sprache und anhand seriöser Quellen wichtige Informationen anbieten. Warum muss ich Abstand halten? Worauf muss ich beim Händewaschen achten?

Aber es geht nicht nur um die reine Wissensvermittlung für sechs- bis zwölfjährige Kinder. Es soll ihnen vor allem Freude machen, die Seite zu besuchen. Und das wollen wir dadurch erreichen, dass sie selbst aktiv sein können, in dem sie sich beispielweise an einem Quiz oder an einem Online-Spiel beteiligen. Bei dem Quiz können sie ihr Wissen über das Corona-Virus testen und so die wichtigen Verhaltensweisen besser verinnerlichen. Nicht zuletzt bietet unsere Mal-Aktion die Möglichkeit, der eigenen Kreativität durch selbstgemalte Bilder freien Lauf zu lassen.

Viele Internetseiten werden zumindest in eine andere Sprache übersetzt. Wie ist das bei Ihnen?

Surrey: Die Inhalte unserer Plattform werden aktuell sogar in 16 verschiedenen Sprachen angeboten! Daran erkennt man, dass die Sprachenvielfalt bei uns eine sehr große Rolle spielt. Dabei hat uns eine große Zahl von Übersetzerinnen und Übersetzern unterstützt. Bei der Auswahl der Sprachen haben wir Wert darauf gelegt, dass es sich um Sprachen aus Herkunftsländern von vielen Menschen in Deutschland handelt. Kinder, die sich in der deutschen Sprache noch nicht sicher fühlen, können die Informationen auf unserer Seite durch die vielen Übersetzungen trotzdem gut verstehen. Das gilt für Eltern natürlich genauso.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Surrey: Die Eltern sind für uns auch eine ganz wichtige Zielgruppe. Denn sie sind diejenigen, die mit ihren Kindern über Corona reden. Unsere Seite soll Müttern und Vätern die Möglichkeit geben, weniger Dinge selbst erklären zu müssen. Wichtige Verhaltenstipps finden die Kinder ja beispielsweise direkt bei uns. Außerdem gibt es die Chance, dass sich Eltern und Kinder gemeinsam interessante Inhalte auf unserer Seite anschauen. Dadurch schaffen wir etwas Verbindendes. Das ist uns gerade in der aktuellen Zeit sehr wichtig.     

Eine bedeutende Rolle bei der Ansprache der Eltern spielen auch unsere Alltags- und Beschäftigungstipps. Wir haben viele Ideen zusammengetragen, wie sich zuhause gut die Zeit vertreiben lässt. Diese reichen vom Murmelbahn bauen aus Klopapierrollen bis hin zum eigenen Picknick in der Wohnung. Tipps gibt es bald auch zum Thema Homeschooling. Das wird die meisten Eltern und Kinder wahrscheinlich ja noch eine ganze Weile betreffen.

Gibt es denn schon Reaktionen von Kindern und Eltern?

Surrey: Wir haben schon eine ganze Menge Feedback bekommen. Zum Beispiel von Eltern, die sich zusammen mit ihren Kindern die Seite angeschaut und uns geschrieben haben. Oder von Kindern und Eltern, die wir nach ihrem Eindruck gefragt haben. Es gab sehr viele positive Rückmeldungen, das hat uns natürlich gefreut. Aber auch manche Kritik oder Anregung, was man noch besser oder anders machen kann.

Die Alltags- und Beschäftigungstipps werden wir auf jeden Fall ausbauen. Auch wollen wir noch mehr Anregungen zum Homeschooling geben. Hierzu wurde sich beispielsweise eine Art Wochenplaner zum Ausdrucken gewünscht. Fest steht auch schon, dass wir mehr Videos anbieten werden.

Die Seite ist übrigens auch für Kinder mit Lernbeeinträchtigungen und für Leseanfängerinnen und -anfänger geeignet. Dafür wurde die Plattform zusätzlich als Version in "Einfacher Sprache" entwickelt.

Die zur Eindämmung der Corona-Pandemie notwendigen Einschränkungen sind eine Belastungsprobe für viele Familien. Auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums finden Sie einen Überblick zu wichtigen Beratungs- und Hilfsangeboten.