„Ein wichtiger Standort für die deutsche Wirtschaft“

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Pressekonferenz des Kanzlers in Bangalore „Ein wichtiger Standort für die deutsche Wirtschaft“

Auf seiner Indienreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz den Bosch Campus in Bangalore besucht. Indien wachse in die Topliga der deutschen Wirtschaftspartner hinein, so der Kanzler. „Das Potenzial für die Zukunft ist groß. Die Dynamik ist enorm.“

7 Min. Lesedauer

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 13. Januar 2026
Bundeskanzler Merz bei seinem Pressestatement vor dem Bosch Campus in Bangalore.

Die sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden auch aus Indien heraus wichtige Impulse für deutsche Unternehmen geben, stellte der Kanzler fest.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Einer der Schwerpunkte der Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Indien ist die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen. Im Technologie- und Start-up-Zentrum Bangalore besuchte er vor diesem Hintergrund den Bosch Campus, einen Standort mit 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das sei „eine beeindruckende Zahl, aber auch eine beeindruckende Innovationskraft“, so Kanzler Merz.

Er wies auf weitere deutsche Unternehmen hin: Etwa SAP mit 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem zweiten Standort, der gerade entsteht. „Siemens Healthineers, die Pharmaindustrie, alle Unternehmen, die technologisch getrieben sind, sehen diese großen Chancen, die sich an diesem Standort zeigen, die sich in ganz Indien zeigen“, sagte Merz. Die deutsche Wirtschaft profitiere zudem von indischen Fachkräften, die nach Deutschland kommen würden und eine beeindruckende Arbeitsbereitschaft zeigten. Zudem betonte der Kanzler in Bangalore erneut, dass es wichtig sei, möglichst bald zu einem Freihandelsabkommen mit Indien zu kommen.

Lesen Sie hier das Pressestatement im Wortlaut:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, noch einmal herzlich willkommen an die deutsche Presse hier in Bangalore in Indien. Ich freue mich sehr, dass wir die Gelegenheit haben, heute den Bosch Campus zu besuchen. Dies ist ein Unternehmen, das bereits seit über 100 Jahren in Indien tätig ist. Sie sehen hier einen Standort mit mittlerweile 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – eine beeindruckende Zahl, aber auch eine beeindruckende Innovationskraft. Wir können hier wirklich an Ort und Stelle erleben, welche Stärken die deutsche Industrie auch an solchen Standorten entwickelt.

Dieser Standort ist und bleibt ein wichtiger Standort für die deutsche Wirtschaft. Ich vermute, er wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Hier ist beeindruckende Fachkompetenz konzentriert. Es ist eine unglaubliche Dynamik, die wir hier auch in der wirtschaftlichen Entwicklung sehen.

Die Innovationsbereitschaft ist sehr stark abhängig von den jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von denen ich hier einige sehe. Aber das ganz sichere Gefühl ist: Es ist nicht nur Bosch, es sind auch viele andere Unternehmen, die gemerkt haben, die entdeckt haben, wie wichtig solche Standorte für die Entwicklung auch der eigenen Industrie in der ganzen Welt sind.

Ich gebe Ihnen ein zweites Beispiel: Die SAP unterhält heute schon ganz in der Nähe einen Campus mit 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und es entsteht gerade ein zweiter, in dem weitere 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgenommen werden sollen. Sie sehen also, welche Dynamik sich hier entwickelt. Siemens Healthineers, die Pharmaindustrie, alle Unternehmen, die technologisch getrieben sind, sehen diese großen Chancen, die sich an diesem Standort zeigen, die sich in ganz Indien zeigen.

Wir treffen hier auf eine sehr beeindruckende Zahl von sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das ist für die deutschen Unternehmen eine wichtige Ressource, die auch aus Indien heraus wichtige Impulse für deutsche Unternehmen und für deutsche Standorte gibt.

In Indien nehmen zurzeit rund 250.000 Menschen an Deutschkursen teil. Das ist der Standort auf der Welt mit der zweithöchsten Zahl an Deutschkursen, überwiegend getragen von den Goethe-Instituten, die sogar in Indien mit positiven Zahlen arbeiten. Sie machen also Umsatz und tragen mehr als nur sich selbst. Das zeigt auch, welche Chancen wir haben und welche Chancen wir nutzen. Es gibt übrigens keinen Standort auf der Welt, in dem mehr deutsche Visa ausgestellt werden als hier in Bangalore. 40.000 im Jahr werden für einen Aufenthalt in Deutschland ausgestellt.

Viele junge Inderinnen und Inder werden nach Deutschland kommen und in Deutschland als willkommene Fachkräfte im IT-Bereich, aber auch im Gesundheitswesen und in vielen anderen Bereichen arbeiten. Sie zeigen eine beeindruckende Arbeitsbereitschaft, auf die sich Deutschland stützen kann. Sprache und Kultur werden vermittelt. Ich glaube, das ist eine Bereicherung für beide Seiten.

So wächst Indien jetzt in die Topliga unserer Wirtschaftspartner hinein. Das Potenzial für die Zukunft ist groß; die Dynamik ist enorm. Viele Unternehmen – ich sehe es auch aus unserer Wirtschaftsdelegation – stützen sich auch auf Fachkräfte aus Indien. Es gibt viele weitere Beispiele. Ich will nur noch eines nennen: Auch das Unternehmen Airbus hat hier einen großen Absatzmarkt in Indien und gleichzeitig viele Fachkräfte, die für Airbus aus Indien heraus arbeiten.

Sie sehen, das alles ist Grund genug für mich, jetzt auch die Arbeiten an einem indisch-europäischen Freihandelsabkommen zu intensivieren. Ich werde unmittelbar nach meinem Besuch die EU-Kommissionspräsidentin informieren und sie noch einmal bitten, die Arbeiten jetzt so zu beschleunigen, dass wir möglichst bald zu einem Freihandelsabkommen mit Indien kommen können. Ich hoffe dann, dass die Prozeduren in Brüssel etwas schneller gehen als mit dem Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten, das ja gerade in der letzten Woche abgeschlossen werden konnte. Wir sollten uns die Chance nicht entgehen lassen, diesen Standort, diesen Kontinent, als wirklich präferierten Partner zu nehmen und mit ihm zusammenzuarbeiten. Das sind Chancen, die sich für beide Seiten in einem hohen Maße ergeben – für die deutsche Wirtschaft, aber eben auch für das Land Indien. Ich hoffe, dass mein Besuch dazu beiträgt, dies jetzt noch einmal auf ein höheres Niveau zu heben.

Ich bin auch sehr dankbar für die Gelegenheit, die ich habe, hier an diesem Standort von Bosch die Details einmal kennenzulernen. So etwas kann man nur aus der eigenen Anschauung sehen. Das kann man nicht im Fernsehen, das kann man nicht mit Büchern erfassen; das kann man nur sehen und lernen, wenn man am Standort selber ist. Ich bin dafür sehr dankbar und danke auch der Firma Bosch für die Einladung, hierherzukommen. Ich freue mich, dass wir die Gelegenheit haben, uns hier zu sehen.