Pressestatements des Kanzlers und Indiens Premierminister Modi
Bundeskanzler Merz hat in Indien Premierminister Modi zu Gesprächen getroffen. „Deutschland und Indien sind zwei große Demokratien und zwei starke Volkswirtschaften, die vieles miteinander verbindet“, sagte der Kanzler. Darauf würden beide Länder aufbauen.
- Mitschrift Pressekonferenz
- Montag, 12. Januar 2026
Laut Kanzler Merz teilen Deutschland und Indien ein fundamentales Interesse, die gemeinsame strategische Partnerschaft zu vertiefen.
Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu Beginn seiner Indienreise von Premierminister Narendra Modi in dessen Heimatbundesstaat Gujarat empfangen worden. Die Einladung dorthin sei eine ganz besondere Ehre, so der Kanzler. Gujarat gilt als Wiege des modernen Indien – von dort aus führte der Nationalheld Mahatma Gandhi seinen gewaltlosen Kampf für Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie.
In dem gemeinsamen Pressestatement mit Premierminister Modi unterstrich der Kanzler, dass die Voraussetzungen für die erneuerte und vertiefte Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien kaum besser sein könnten als gegenwärtig. „Deutschland als der einwohnerstärkste und wirtschaftlich stärkste Staat der Europäischen Union und Indien als die größte Demokratie der Welt, uns verbinden grundlegende Werte“, sagte Merz. „Das hochdynamische Indien und das technologisch führende Land Deutschland, wir teilen wesentliche Interessen.“ Gegen Jahresende sollen Regierungskonsultationen in Berlin stattfinden.
Lesen Sie hier das Wichtigste in Kürze:
- Internationale Ordnung: Deutschland und Indien seien nicht in allen Fragen immer nur einer Meinung, aber es gebe große Übereinstimmungen, so der Kanzler. „Wir setzen uns für eine internationale Ordnung ein, in der wir frei und sicher leben können“, so der Kanzler. Sicherheitspolitisch wollen beide Länder enger zusammenrücken. In Gujarat wurde hierzu eine Absichtserklärung unterzeichnet, die eine engere Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrien vorsieht.
- Wirtschaftliche Beziehungen: Freihandel und offene Märkte – diese Prinzipien betonte der Kanzler. Beide Länder vereinbarten, die Zusammenarbeit in zentralen Bereichen wie Kritischen Mineralien, Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung zu vertiefen. Zudem müssten die Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU nun dringend abgeschlossen werden, so der Kanzler.
- Bildung und Fachkräfte: „Gut ausgebildete Fachkräfte sichern unseren Wohlstand in Deutschland“, sagte Kanzler Merz. Indien verfüge über hervorragend ausgebildete junge Menschen, das sei eine Chance für beide Seiten. Deshalb würden Wege für legale und geordnete Migration gebahnt, über duale Ausbildungs- und Studienangebote, gezielte Visaverfahren und Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen.
Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressestatements:
Premierminister Narendra Modi:
Exzellenz, mein lieber Freund, Herr Bundeskanzler Friedrich Merz, Vertreter beider Länder, Vertreter der Medien, meine sehr verehrten Damen und Herren, guten Tag! Es ist mir eine große Freude, den Bundeskanzler Friedrich Merz heute, am Geburtstag von Swami Vivekananda, begrüßen zu dürfen. Es ist ein glücklicher Zufall, dass Swami Vivekananda es war, der eine Philosophie ins Leben gerufen hat und eine spirituelle Brücke zwischen Indien und Deutschland gebaut hat. Heute findet nun dieser Besuch des Bundeskanzlers statt, und dieser Besuch des Bundeskanzlers inspiriert unsere Beziehungen weiter und intensiviert die engen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Es ist nicht nur sein erster Besuch in Indien, sondern auch sein erster Besuch in Asien. Das ist ein klares Zeichen für die Bedeutung Indiens, die er den Beziehungen zu Indien beimisst. Ich danke ihm deshalb für seine persönliche Aufmerksamkeit und sein Engagement.
Indien verpflichtet sich und verschreibt sich der Stärkung der Beziehungen zu Deutschland. In Gujarat sagen wir „Aavkaro Mitho Aapje Re“, und das bedeutet: Wir begrüßen Sie mit Wärme und Herzlichkeit. Dieses Gefühl bezeichnet unser Willkommen, und so heißen wir Bundeskanzler Merz hier in Indien willkommen.
Verehrte Freunde, dieser Besuch des Bundeskanzlers findet in einer besonderen Zeit statt. Letztes Jahr haben wir 25 Jahre strategische Partnerschaft gefeiert, und dieses Jahr feiern wir den 75. Jahrestag der Einrichtung der diplomatischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Diese Meilensteine sind nicht nur Errungenschaften, sondern auch Symbole unserer gemeinsamen Ziele, unseres gegenseitigen Vertrauens und der zunehmenden und sich intensivierenden Zusammenarbeit. Enge Zusammenarbeit zwischen Ländern wie Deutschland und Indien ist wichtig für die gesamte Menschheit.
Der wachsende bilaterale Handel und gegenseitige Investitionen haben neue Impulse für unsere strategische Partnerschaft gesetzt. Der bilaterale Handel ist auf einem Rekordhoch, auf dem höchsten Niveau, und wir haben die 50-Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. Mehr als 2000 deutsche Unternehmen sind in Indien präsent, und das schon sehr lange. Das ist ein Zeichen dafür, dass großes Vertrauen in Indien gesetzt wird und dass es unbegrenzte Möglichkeiten in Indien gibt. Heute Morgen haben wir beim deutsch-indischen CEO-Forum einen lebendigen Eindruck davon bekommen.
Verehrte Freundinnen und Freunde, die technologische Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland wurde im Laufe der Jahre weiterhin gestärkt, und heute kann der Einfluss ganz klar gesehen werden. Im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten Indien und Deutschland eng zusammen. Wir haben ähnliche Prioritäten. Wir haben beschlossen, das deutsch-indische Exzellenzzentrum einzurichten, um die Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stärken. Das wird eine gemeinsame Plattform für Wissensaustausch, Technologie und Innovation sein.
In Bereichen wie Kampf gegen den Klimawandel, Energie, Stadtplanung und städtische Mobilität bringen wir gemeinsam neue Projekte voran. Das neue Großprojekt, ein Megaprojekt zwischen Unternehmen beider Länder im Bereich des grünen Wasserstoffs, wird ein sogenannter Gamechanger im Bereich der Energie in der Zukunft sein.
Indien und Deutschland arbeiten zusammen, um sichere, verlässliche Lieferketten zu schaffen. Die Absichtserklärungen, die heute unterzeichnet wurden, werden unserer Zusammenarbeit Stärke verleihen und neue Impulse setzen.
Unsere zunehmende Zusammenarbeit im Bereich Verteidigung und Sicherheit zeigt unser gegenseitiges Vertrauen und ist ein Zeichen für unsere gemeinsamen Ansichten. Ich möchte meinen herzlichen Dank für vereinfachte Verfahren im Bereich Industrie- und Verteidigungszusammenarbeit zum Ausdruck bringen. Wir arbeiten an einer Roadmap, um die Zusammenarbeit zwischen unseren Rüstungsindustrien zu vertiefen. Das gibt neue Möglichkeiten und Chancen für eine gemeinsame Produktion und gemeinsame Entwicklungen.
Liebe Freundinnen und Freunde, die zwischenmenschlichen Kontakte zwischen Indien und Deutschland sind tief und tief gewachsen. Wir haben einen Blick in deutsche Geschichte und Literatur, und Frau Cama hat die indische Flagge in Deutschland ausgerollt. Das verleiht unserem Wunsch nach Freiheit Ausdruck.
Heute verändern wir diese historische Beziehung in eine moderne Partnerschaft. Ich konzentriere mich besonders darauf, die Mobilität und … (akustisch unverständlich) zu fördern. Indien verfügt über talentierte Jugendliche, und sie leisten einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wirtschaft. Wir werden wichtige Schritte unternehmen, dies weiter zu fördern. Die gemeinsame Absichtserklärung zur Global-Skills-Partnerschaft ist ein Symbol für dieses Vertrauen. Das wird die Einwanderung von Fachkräften im Bereich des Gesundheitswesens vereinfachen.
Wir haben auch vereinbart, im Sport zusammenzuarbeiten. Auch da können unsere Jugendlichen Verbindungen schaffen und Brücken bauen.
Die umfassende Roadmap zur weiterführenden Bildung, die wir heute vorbereitet haben, verleiht unserer Partnerschaft neue Impulse im Bereich der Bildung. Ich lade deutsche Universitäten ein, ihre Campus in Indien zu eröffnen.
Ich möchte Bundeskanzler Merz auch dafür danken, dass Sie visafreien Transit für indische Staatsbürger angekündigt haben. Auch das wird helfen, die Menschen beider Länder näher miteinander zu verbinden.
Ich freue mich auch, dass in Gujarat in Zusammenarbeit mit dem deutschen maritimen Museum ein Gebäude gebaut werden wird. Das ist ein historischer Schritt dafür, die maritime Geschichte sichtbar zu machen.
Im Bereich der traditionellen Medizin pflegt die ayurvedische Universität von Gujarat eine sehr enge Verbindung und Zusammenarbeit mit Deutschland. Die Absichtserklärung, die zu diesem wichtigen Thema unterzeichnet wurde, wird unsere Zusammenarbeit in diesem Bereich weiter stärken.
Freundinnen und Freunde, Indien und Deutschland haben immer zusammengearbeitet. Die Auswirkungen unserer Freundschaft sind auch auf globaler Bühne sichtbar. Gemeinsame Projekte in Ländern wie Ghana, Kamerun und Malawi sind ein erfolgreiches Modell unserer trilateralen Entwicklungszusammenarbeitspartnerschaft. Das haben wir der Welt gezeigt. Wir werden unsere gemeinsamen Anstrengungen für die Entwicklung des globalen Südens weiter fortsetzen. Der Indopazifik ist eine Region, der beide Länder hohe Priorität einräumen. Um unsere Koordinierung in diesem Bereich und in dieser Region zu verstärken, werden wir einen Konsultationsmechanismus ins Leben rufen.
Heute haben wir verschiedene globale und regionale Themen besprochen. Dazu zählen auch die Ukraine und Gaza. Indien war immer für eine friedliche Lösung aller Probleme und Streitigkeiten und unterstützt alle Bemühungen, die dahingehend unternommen werden. Wir sind einer Meinung: Der Terrorismus stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die ganze Menschheit dar. Indien und Deutschland werden gemeinsam gegen den Terrorismus weiterkämpfen.
Indien und Deutschland sind sich einig, dass, um globale Herausforderungen anzugehen, Reformen globaler Institutionen absolut notwendig sind. Unsere gemeinsamen Bemühungen im Rahmen des UN-Sicherheitsrates und der G4 sind ein Beweis für diese gemeinsame Ansicht.
Exzellenz, im Namen von 1,54 Milliarden Indern möchte ich Sie noch einmal ganz herzlich in Indien willkommen heißen und begrüßen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere heutigen Diskussionen unseren Beziehungen neue Energie einflößen werden. Ich möchte Ihnen herzlich für Ihren Besuch danken, für Ihre persönliche Freundschaft und die tiefe Freundschaft gegenüber Indien. Herzlichen Dank!
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Exzellenz, sehr geehrter Herr Premierminister, lieber Narendra Modi, meine Damen und Herren, die erste Reise in diesem Jahr führt mich in der Tat nach Indien. Es ist auch zugleich die erste Reise nach Südostasien, die ich als Bundeskanzler unternehme. Ich will damit ein Zeichen für die strategische Partnerschaft mit Indien setzen. Diese strategische Partnerschaft mit Indien hat für Deutschland, hat auch für mich eine hohe Priorität.
Sie haben es bereits gesagt: 75 Jahre diplomatische Beziehungen verbinden uns. 75 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen gilt heute mehr denn je: Unsere beiden Länder suchen eine tiefe, eine weiter vertiefte Zusammenarbeit. Ich hatte Gelegenheit, heute Morgen das Geburtshaus von Mahatma Gandhi zu besuchen. Von Mahatma Gandhi gibt es sinngemäß den Satz: Sei die Veränderung, die du dir für die Welt wünschst. Das wollen wir gemeinsam beherzigen, lieber Narendra Modi. Wir wollen die Beziehungen zwischen Indien und Deutschland auf ein neues, auf ein noch höheres Niveau bringen!
Sie haben mich heute in Ihre Heimat eingeladen, in Ihren Heimatstaat, in die Heimat Gujarat. Ich möchte mich für diese ganz besondere Geste sehr herzlich bedanken. Sie ist ein Zeichen einer tiefen Verbindung zwischen unseren beiden Ländern, aber sie ist auch ein freundschaftliches Zeichen mir gegenüber. Dafür danke ich Ihnen. Diese Stadt hier, in der wir heute sind, Ahmedabad, ist in gewisser Weise die Wiege für das moderne Indien. Von hier aus führte Gandhi seinen gewaltlosen Kampf für Freiheit, für Selbstbestimmung, für Demokratie.
Die Region Gujarat, dieser Teil Indiens, steht für eine beeindruckende wirtschaftliche Dynamik, für eine Dynamik Indiens von der Textilindustrie über hochmoderne, smarte Industrieparks bis hin zu einer heute lebendigen Start-up-Szene. Die Region ist zudem ein pulsierender Standort für Hochschulen, für Ingenieure, für angewandte Forschung. Hier in Gujarat ist also mit Händen zu greifen, worum es uns beiden bei diesem heutigen Besuch von mir geht, nämlich die grundlegenden politischen Werte, die uns verbinden, die enormen wirtschaftlichen Chancen, die sich vor uns auftun, und unsere immer engere Verflechtung mit Blick auf Fachkräfte und Bildung.
Gerade angesichts der tiefen geopolitischen Veränderungen und Umbrüche in der Welt teilen wir ein fundamentales Interesse daran, unsere strategische Partnerschaft zu vertiefen. So wichtig Europa und die transatlantischen Beziehungen für uns Deutsche bleiben, müssen wir heute ein weiteres, ein größeres Netz an Partnerschaften knüpfen, und zwar schnell und mit langem Atem zugleich.
Indien ist dabei ein Wunschpartner für Deutschland. Die Voraussetzungen für unsere erneuerte und vertiefte Partnerschaft könnten kaum besser sein als gegenwärtig. Deutschland als der einwohnerstärkste und wirtschaftlich stärkste Staat der Europäischen Union und Indien als die größte Demokratie der Welt, uns verbinden grundlegende Werte. Das hochdynamische Indien und das technologisch führende Land Deutschland, wir teilen wesentliche Interessen. Genau darauf bauen wir.
Ich möchte, meine Damen und Herren, drei Schwerpunkte nennen. Erstens: Wir setzen uns für eine internationale Ordnung ein, in der wir frei und sicher leben können; denn die Welt ordnet sich gerade, wo wir uns heute hier treffen, neu. Sie ist zunehmend geprägt von Großmachtpolitik und Denken in Einflusssphären. Es wehen raue Winde, gegen die wir uns gemeinsam wappnen müssen. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist der wohl drastischste Ausdruck dieses Umbruchs. In dieser neuen Welt werden wir gemeinsam die Werte und die Interessen behaupten, die uns miteinander verbinden.
Nein, wir sind nicht in allen Fragen immer nur einer Meinung. Das sind wir auch mit unseren meisten europäischen Nachbarn nicht. Aber die Übereinstimmungen, die wir miteinander haben, sind gleichwohl sehr groß.
Deshalb wollen wir auch sicherheitspolitisch enger zusammenrücken. Wir absolvieren gemeinsame Übungen unserer Luftwaffe und Marine zur Sicherheit im Indopazifik. Wir führen militärische Hafenbesuche durch und stimmen uns in neuen Konsultationsformaten miteinander ab. Von besonderer strategischer Bedeutung ist vor diesem Hintergrund, dass wir die Zusammenarbeit unserer Verteidigungsindustrien vertiefen. Das stärkt beide Seiten. Das trägt auch dazu bei, dass Indien weniger auf andere angewiesen ist, etwa auf Russland.
Wir haben dazu heute – Sie haben es mitgesehen – wegweisende Absichtserklärungen unterzeichnet. Eine davon sieht unter anderem vor, dass unsere Verteidigungsindustrien im Bereich Entwicklung und Produktion enger zusammenarbeiten, Innovationen vorantreiben und globale Lieferketten stärken. Wir bauen aber nicht nur unsere verteidigungspolitische Zusammenarbeit weiter aus, wir bauen auch unsere zivilen wirtschaftlichen Beziehungen aus.
Meine Damen und Herren, wir erleben auf der Welt eine unselige Renaissance des Protektionismus. Sie richtet sich gegen die Prinzipien von Freihandel und offenen Märkten, auf die Länder wie Indien und Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer gesetzt haben und auf die wir auch für die Zukunft unverändert gemeinsam setzen. Wir erleben, dass große Mächte Lieferketten und Rohstoffe zunehmend als Machtmittel nutzen. Wir wollen uns dem gemeinsam entgegenstellen. Wir vermindern einseitige Abhängigkeiten in unseren Lieferketten; das macht unsere beiden Volkswirtschaften widerstandsfähiger.
Indien als die am schnellsten wachsende Wirtschaft in den G20 ist hier für uns ein zentraler Partner im indopazifischen Raum. Sie haben es bereits gesagt, Herr Ministerpräsident: Mehr als 2000 deutsche Unternehmen sind heute schon in Indien aktiv, und immer mehr indische Unternehmen investieren auch in Deutschland. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von jetzt fast 50 Milliarden US-Dollar in Waren und Dienstleistungen, einem Rekordhoch, ist Deutschland Indiens wichtigster Partner in der Europäischen Union. Dabei rücken deutsche und indische Unternehmen gerade in Zukunftstechnologien immer enger zusammen. Deshalb haben wir vereinbart, die Zusammenarbeit in zentralen Bereichen wie kritische Mineralien, künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Telekommunikation, Wasserstoff und Batteriespeicherung zu vertiefen. Denn Innovation schafft Wachstum und braucht dazu die Wissenschaft und die Forschung. Wir bauen deshalb auch unsere Kooperationen in diesen Bereichen aus, beispielsweise im Indo-German Science and Technology Centre. Wir arbeiten zudem an der Einrichtung eines gemeinsamen Exzellenzzentrums für technologische Innovationen.
Meine Damen und Herren, dass mich heute eine große Delegation deutscher Spitzenunternehmen begleitet, zeigt diese Dynamik eindrucksvoll. Wir wollen nun Hemmnisse weiter abbauen und Chancen besser nutzen. Das haben wir heute mit Premierminister Modi und führenden Unternehmen bei einem runden Tisch der CEOs erörtert. Ich freue mich, dass wir dieses CEO-Forum nun verstetigen werden.
Um das volle Potenzial unserer Wirtschaftsbeziehungen auszuschöpfen, müssen wir jetzt dringend auch die Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen zwischen Indien und der Europäischen Union abschließen. Diese Chance dürfen und wollen wir nicht ungenutzt lassen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates werden Ende des Monats nach Indien reisen und dieses Abkommen, wenn es denn bis dahin abgeschlossen ist, unterzeichnen. Sie werden jedenfalls einen weiteren großen Fortschritt unternehmen, damit dieses Freihandelsabkommen zustande kommt.
Ich darf sagen, auch im Lichte der Entscheidungen vom vergangenen Freitag: Dass die Europäische Union das MERCOSUR-Abkommen nun endlich nach 25 Jahren abgeschlossen hat und in Kraft setzen kann, ist ein ermutigendes Zeichen, auf dem Weg der Freihandelsabkommen weiterzugehen.
Schließlich, drittens – Premierminister Modi hat darauf hingewiesen –: Wir wollen noch enger zu Bildung und Fachkräften zusammenarbeiten. Gut ausgebildete Fachkräfte sichern unseren Wohlstand in Deutschland. Sie sind motiviert, kreativ und innovativ. Deutschland braucht qualifizierte Profis im Handwerk, in der Industrie, in der Pflege, in der Informationstechnologie und in Ingenieursberufen. Indien verfügt über hervorragend ausgebildete junge Menschen. Das ist eine Chance für beide Seiten, die wir nutzen wollen. Wir bahnen deshalb die Wege für legale und geordnete Migration über duale Ausbildungs- und Studienangebote, gezielte Visa- und Fast-Track-Verfahren sowie Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen.
Meine Damen und Herren, 60.000 junge Inderinnen und Inder studieren heute schon in Deutschland, sie machen heute bereits die größte Gruppe ausländischer Studenten in Deutschland aus. Die Zahl der dringend benötigten hochqualifizierten indischen Fachkräfte in Deutschland wächst rasant. Jetzt schon gehören Inderinnen und Inder mit zu den erfolgreichsten Zuwanderern in Deutschland. Wir wollen das für die Zukunft weiter unterstützen und fördern. Wir wollen diesen Trend verstärken, beispielsweise durch einen Ausbau des digitalen Lernangebotes für die deutsche Sprache in Indien. Und schließlich: Wir schaffen mit der Global Skills Partnership einen Rahmen für indische Fachkräfte im Gesundheitswesen.
Lieber Narendra Modi, Sie haben darauf hingewiesen: Deutschland und Indien sind zwei große Demokratien und zwei starke Volkswirtschaften, die vieles miteinander verbindet. Darauf wollen wir aufbauen, und dadurch werden wir unsere Sicherheitspartnerschaft und unsere Partnerschaft insgesamt vertiefen. Wir werden unsere Wirtschaftsbeziehungen stärken, und wir werden gemeinsam Talente in Indien und in Deutschland fördern. Wir tun das zum Nutzen beider Seiten, wir tun es für eine Weltordnung, die unsere Interessen und die unsere Werte wahrt – und wir tun es, weil wir einander vertrauen und weil wir uns auch persönlich über die verschiedenen Begegnungen und insbesondere heute an diesem Tag nähergekommen sind. Ich bin deshalb sehr froh, heute in Ihrer Heimat zu sein. Ich freue mich schon jetzt, Sie zum Jahresende in Deutschland zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen zu begrüßen, deren Gastgeber wir in diesem Jahr in Deutschland sein werden.
Erlauben Sie mir, meine Damen und Herren, zum Abschluss aus gegebenem Anlass noch ein Wort zur Entwicklung in der nicht ganz so fernen Nachbarschaft in Iran:
Wir sehen seit zwei Wochen im ganzen Land immer mehr Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft auf die Straßen gehen. Sie demonstrieren friedlich für Freiheit und für ein besseres Leben in ihrem Land. Das ist ihr gutes Recht. Für den Mut, mit dem diese Menschen der unverhältnismäßigen, brutalen Gewalt iranischer Sicherheitskräfte widerstehen, gebührt ihnen größte Anerkennung. Ich rufe die iranische Führung auf, ihre Bevölkerung zu schützen, statt sie zu bedrohen. Die Gewalt, die die Führung in Teheran gegen das eigene Volk richtet, verurteilen wir auf das Schärfste. Diese Gewalt ist kein Ausdruck von Stärke, sondern sie ist ein Ausdruck von Schwäche. Diese Gewalt muss enden. Erlauben Sie mir, dass ich das zum Schluss gesagt habe, weil uns die Nachrichten aus Iran auch während unseres Treffens hier in Indien begleiten.
Noch einmal: Sehr geehrter Herr Premierminister, lieber Herr Modi, herzlichen Dank für die Gastfreundschaft, für die freundliche Aufnahme hier in Indien. Ich freue mich wirklich sehr auf die Fortsetzung unserer guten Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien, aber auch auf die Fortsetzung unserer persönlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit, die wir mit dem heutigen Tag begründen.