Unterstützung für Stabilität und Wachstum Syriens

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem Präsidenten Syriens al-Scharaa Unterstützung für Stabilität und Wachstum Syriens

Bundeskanzler Friedrich Merz sicherte dem Präsidenten der Arabischen Republik Syrien, Ahmed al-Scharaa, bei dessen Besuch im Bundeskanzleramt zu: Deutschland werde Syrien auf dem Weg in eine gute Zukunft unterstützen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Montag, 30. März 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa am Rednerpult im Kanzleramt.

Bundeskanzler Friedrich Merz empfing den syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa zu Gesprächen im Kanzleramt.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Politische Stabilität und wirtschaftliches Wachstum würden entscheidend sein, damit der Wiederaufbau gelingt, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz während einer Pressekonferenz nach seinem Gespräch mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa. Dazu sollen maßgeblich diejenigen Syrerinnen und Syrer beitragen, die mit neuen Erfahrungen und neuen Ideen aus Deutschland und aller Welt nach Syrien zurückkehren, betonte Merz.

Der Bundeskanzler ermutigte Präsident al-Scharaa: „Schaffen Sie im neuen Syrien Raum für alle Syrerinnen und Syrer ungeachtet ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres Geschlechtes.“

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wirtschaft: Beide Länder haben vereinbart, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Syrien zu stärken. Die Bundesregierung unterstütze mit Fachwissen und Beratung dabei, attraktives Investitionsklima auch für deutsche Unternehmen zu schaffen – durch entsprechende Reformen, Rechtssicherheit und den Aufbau einer funktionierenden Verwaltung, so der Bundeskanzler. Zur Umsetzung wurde die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce beschlossen, die ihre Arbeit rasch aufnehmen soll, kündigte der Bundeskanzler an.
  • Migration: Die Rahmenbedingungen in Syrien hätten sich seit dem Machtwechsel grundlegend verbessert. „Schutzbedarfe müssen deshalb neu bewertet werden“, sagte Bundeskanzler Merz mit Blick auf die eine Million Syrerinnen und Syrer, die in Deutschland Zuflucht vor dem Bürgerkrieg gefunden haben. Es brauche eine verlässliche Rückkehrkooperation bzw. -option – insbesondere und zuallererst für diejenigen, die „unsere Gastfreundschaft missbrauchen und sich nicht an unsere Gesetze halten“, betonte der Kanzler. Hieran solle nun gemeinsam gearbeitet werden.
  • Wiederaufbau: Die Bundesregierung will dabei helfen, Syrien wieder zu stabilisieren. In diesem Jahr würden dafür mehr als 200 Millionen Euro bereitgestellt, sagte Merz. Damit sollen unter anderem der Bau der Wasserversorgung in Hasakah, Suweida und Aleppo unterstützt werden sowie der Wiederaufbau von Krankenhäusern.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

31:39

Video Pressekonferenz des Bundeskanzlers und des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute in Berlin Präsidenten Ahmed al-Scharaa aus Syrien sehr herzlich willkommen heißen darf. Sehr geehrter Herr Präsident, noch einmal herzlich willkommen in Berlin!

Vor etwas mehr als einem Jahr haben die Menschen in Syrien nach Jahrzehnten der Unterdrückung eine Diktatur abgeschüttelt. Das war ein historischer Moment. Die Bilder der Befreiung der Gefangenen aus den Folterkellern, die Bilder des Jubels auf den Straßen haben uns bewegt und klingen lange nach. Deutschland stand in den langen Jahren des Assad-Regimes immer an der Seite des syrischen Volkes. Eine Million Syrerinnen und Syrer hat in diesen Jahren in Deutschland Zuflucht vor dem Bürgerkrieg gefunden. Nun hat der Aufbau eines neues Syriens begonnen. Ich weiß: Die Mehrzahl der Syrerinnen und Syrer, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben, will zurück in ihre Heimat. Sie wollen die Heimat wiederaufbauen. Sie wollen sicher, frei und in Würde leben.

Diese Menschen, Herr Präsident – ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie das so zum Ausdruck gebracht haben –, sind Ihnen willkommen. Das ist heute wohl die entscheidende Botschaft Ihres Besuches hier in Berlin. Ich teile diese Auffassung.

Politische Stabilität und wirtschaftliches Wachstum in Syrien werden entscheidend sein, damit der Wiederaufbau gelingt. Dazu sollen maßgeblich diejenigen beitragen, die mit neuen Erfahrungen und neuen Ideen aus ihren Jahren in Deutschland und in aller Welt nach Syrien zurückkehren. Sie werden in Syrien eine wichtige Rolle spielen, nach Jahren der Zerstörung von Unternehmen, von Schulen, von Kindergärten, von Krankenhäusern. Dies alles wiederaufzubauen wird eine enorme Kraftanstrengung.

Wir wollen diesen Aufbau aus Deutschland unterstützen. Wir haben in den letzten Wochen ein ehrgeiziges gemeinsames Arbeitsprogramm für Wiederaufbau und Rückkehr ausgearbeitet, das nun in die Umsetzung geht. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass Syrerinnen und Syrer aus Deutschland in ihre Heimat zurückkehren können. Die Bundesregierung unterstützt die syrische Regierung dabei mit ihrem Fachwissen, mit Beratung, Institutionen wiederaufzubauen und Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum in Syrien zu schaffen. Wir haben zur Umsetzung die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce beschlossen, die ihre Arbeit rasch aufnehmen wird. Schon in wenigen Tagen wird es eine entsprechende Delegationsreise nach Syrien geben. Auf deutscher Seite werden sich daran insbesondere die Ministerien für Inneres und für wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich beteiligen. Aber auch das Bundeskanzleramt wird mit einer Abteilungsleiterin daran mitwirken.

Wir werden zugleich helfen, Syrien wieder zu stabilisieren. In diesem Jahr stellen wir allein dafür mehr als 200 Millionen Euro bereit. Wir unterstützen unter anderem den Aufbau der Wasserversorgung in Hasakah, Suwaida und Aleppo. Wir ermöglichen den Wiederaufbau von Krankenhäusern. Wir ermöglichen die Qualifizierung von Lehrkräften an Berufsschulen.

Wir haben zudem vereinbart, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Syrien zu stärken. Dazu gehört ein attraktives Investitionsklima auch für deutsche Unternehmen durch entsprechende Reformen, Rechtssicherheit und den Aufbau einer funktionierenden Verwaltung in Syrien.

Heute Morgen hatten deutsche Unternehmen schon Gelegenheit mit dem syrischen Staatspräsidenten in einem Round-Table-Gespräch zusammenzukommen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich darüber sehr positive Rückmeldungen von Ihnen bekommen habe. Ich freue mich auch darüber, dass bereits erste konkrete Projekte vereinbart wurden, zum Beispiel von den Unternehmen Knauf und Siemens Energy.

Ein gutes Jahr nach dem Ende des Krieges haben sich die Rahmenbedingungen in Syrien jetzt grundlegend verändert. Schutzbedarfe müssen deshalb neu bewertet werden. Das heißt auch: Wer keinen Anspruch mehr auf Aufenthalt in Deutschland hat, der wird Deutschland auch wieder verlassen. – Wir brauchen deshalb eine verlässliche Rückkehroption, eine Kooperation mit Syrien insbesondere und zuallererst für diejenigen, die unsere Gastfreundschaft missbrauchen – auch sie gibt es leider – und sich nicht an unsere Gesetze halten. Das ist auch im Interesse der überwältigenden Mehrheit der Syrerinnen und Syrer, die sich in unserem Land verantwortungsvoll an Recht und Gesetz halten. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, dass wir daran gemeinsam arbeiten wollen.

Lassen Sie mich schließlich auch sagen: Wir freuen uns über die vielen syrischen Fachkräfte, seien es Ärzte oder Ingenieurinnen, die sich in unserem Land gut integriert haben. Sie leisten einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft und können, wenn sie zurückkehren wollen, sicherlich auch wertvolle Erfahrungen in den Wiederaufbau ihres Heimatlandes einbringen.

Herr Präsident, Sie arbeiten unter schwierigsten Bedingungen an einer guten Zukunft für Ihr Land. Ich ermutige Sie namens der ganzen Bundesregierung ausdrücklich: Schaffen Sie im neuen Syrien Raum für alle Syrerinnen und Syrer ungeachtet ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres Geschlechtes. Gewalt gegen Minderheiten und Andersdenkende muss der Vergangenheit angehören. Gleiches gilt für die terroristische Bedrohung, die über Jahre von Syrien ausging. Ich weiß, wie engagiert Sie auch dafür eintreten und dies auch bereits erfolgreich getan haben.

In diesem Sinne: Herr Präsident, auf die Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in eine gute Zukunft können Sie zählen. Wir haben darüber ausführlich in unserem persönlichen Gespräch, aber auch beim Mittagessen gesprochen.

Erfolg ist angesichts des andauernden Irankrieges in dieser Region wichtiger denn je. Denn dieser Krieg betrifft uns alle. Er ist in unserem Alltag eingekehrt. Seit Wochen steigen die Benzinpreise und die Energiepreise in deutschen Haushalten und Unternehmen. Schließlich: Wir müssen vor Synagogen und jüdischen Gemeinden erneut den Polizeischutz verstärken. – Wächst sich dieser Krieg zu einem regionalen Großkonflikt aus, dann kann er Deutschland und Europa noch stärker belasten, so stark, wie wir es zuletzt in der COVID-19-Pandemie oder zu Beginn des Ukrainekrieges erlebt haben.

Die militärischen und die strategischen Fragezeichen sind also groß. Darüber sind wir uns mit den europäischen Partnern einig. Aber wir helfen gemeinsam mit unseren Partnern, eine Lösung zu finden. Das wissen Sie. Das Beste ist, dass dieser Krieg so schnell wie möglich an sein Ende kommt. Wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, dann wird Deutschland selbstverständlich bereit sein, seinen Beitrag zur freien Schifffahrt in der Straße von Hormus zu leisten. Wir haben dafür bereits umfangreiche Vorschläge gemacht. Ich möchte ausdrücklich vorschlagen, dass wir dies auch im Rahmen einer internationalen Kontaktgruppe tun, damit wir eine bestmögliche Koordinierung zwischen den Staaten ermöglichen, die zu helfen bereit sind, so wie Deutschland.

Meine Damen und Herren, in diesem Sinne noch einmal ein herzliches Willkommen Präsident Scharaa! Ich freue mich sehr, dass wir heute ein so gutes erstes Gespräch miteinander führen konnten. Ich denke, daraus kann eine sehr gute Zusammenarbeit werden, nicht nur zwischen den Regierungen, sondern insbesondere zwischen Syrien und Deutschland. In diesem Sinne: Herzlich willkommen!

Präsident Ahmed al-Scharaa:

Im Namen Gottes, des Allerbarmers! Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Pressevertreter, in meinem Namen und im Namen des syrischen Volkes möchte ich zu Beginn dem deutschen Bundeskanzler, der deutschen Regierung und dem deutschen Volk meine tiefe Dankbarkeit ausdrücken. Sie haben ihre Tür für mehr als eine Million Syrer aufgemacht, die geflüchtet sind. Sie haben ihnen ermöglicht, hier Sicherheit zu finden und ihre zerstörten Leben wiederaufzubauen. Syrien ist ein historisches Land, ein wichtiges Land für Europa. In Europa hat Deutschland eine Führungsrolle. Wir können eine menschliche Brücke zwischen beiden Ländern aufbauen. Syrien kann nun stärker auf die internationale Bühne zurückkommen, auch in Richtung Europas. Wir haben uns aus den Ruinen erhoben und wollen unser Land nun wiederaufbauen.

Herr Bundeskanzler, wir haben heute verschiedenste Themen besprochen, den Wiederaufbau, die syrischen Flüchtlinge, Sicherheit und Stabilität in der Region. Unsere Gespräche waren von einer gemeinsamen Vision geprägt, dass wir vor allem das gemeinsame Verständnis haben, dass wir auch im Gesundheits- und im Bildungsbereich wiederaufbauen müssen.

Wir haben eine strategische Vereinbarung mit Siemens für die Entwicklung des Kraftwerks Deir Ali für die kommenden Jahre unterzeichnet. Das ist eine offizielle strategische Partnerschaft. Sie wird Syrien helfen, wieder Strom zu erhalten, auch in der Zukunft.

Wir haben sehr viele Syrer auch hier in Deutschland, 1,3 Millionen Menschen mit syrischen Wurzeln, davon 6.000 Ärzte. Viele von ihnen tragen auf effektive Weise zur deutschen Wirtschaft bei. Wir sind stolz darauf, dass die Syrer sehr schnell gelernt haben, hier viel beitragen und in wichtigen Berufen arbeiten. Mit unseren Freunden in der deutschen Regierung wollen wir eine Art Kreislauf für die Syrer aufbauen, die hier sind, sodass sie nach Syrien zurückkehren können und auch das Land wieder aufbauen können, aber dass die, die hierbleiben wollen, natürlich auch weiterhin hier arbeiten können.

Die syrische Souveränität und territorialer Zusammenhalt sind nicht verhandelbar. Das Gewaltmonopol des Staates müssen wir durchsetzen. Wir werden nicht erlauben, dass jemand anders Waffen trägt. Es geht darum, die Staatsgewalt durchzusetzen. Wir wollen natürlich einen Rechtsstaat. Wir wollen die Sicherheit aller ermöglichen, für alle Syrer, ohne Ausnahme. Die Stabilität Syriens und das Wohlergehen seiner Bevölkerung sind unsere Prioritäten. Wir wollen Terrorismus bekämpfen. Wir wollen den Captagonschmuggel bekämpfen. Das sind unsere Prioritäten. Wir wollen in einer ehrlichen Partnerschaft zusammenarbeiten, und wir wollen auch in großer Transparenz mit Ihnen zusammenarbeiten. Wir arbeiten auch mit der OPCW zusammen, was die Chemiewaffen angeht.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich kann hier nur sagen, dass die regionalen Entwicklungen bei uns seit Ende Februar sehr besorgniserregend sind. Wir sehen mit großer Besorgnis die militärische Eskalation. Wir verurteilen auf das Schärfste, dass unsere arabischen Bruderstaaten angegriffen werden, um alte Rechnungen zu begleichen.

Wir verurteilen auch die israelischen Angriffe auf syrisches Territorium. Es ist so, dass Israel neue Gebiete in Syrien besetzt, und das entspricht nicht den moralischen Vorstellungen und auch nicht den gesetzlichen Vorstellungen.

Wir wollen ein neuer Staat werden, ein Staat der Institutionen, ein Rechtsstaat. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung, in denen die Menschen Furcht hatten, brauchen wir heute eine gute Verfassung, die die Würde des Menschen bewahrt. Wir wollen das Gedankengut etablieren, dass wir gemeinsam arbeiten, auch unsere Wirtschaft wieder aufbauen, uns für den Markt in Deutschland öffnen, für den Markt in Europa. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Deutschland und mit Europa haben einen Umfang von mehr als 400 Milliarden Euro, und wir wollen natürlich, dass sich das für die Interessen unserer beiden Länder gut entwickelt.

Nach 2025 sind wir überzeugt, dass dies ein historischer Zeitpunkt ist. Wir brauchen einen Partner, mit dem wir Brücken aufbauen können, und Deutschland ist natürlich dieser Partner. Ich danke Ihnen sehr herzlich, Herr Bundeskanzler, und ich danke Ihnen auch für den herzlichen Empfang hier!