„Ein guter Tag für Europa“

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Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach dem EU-Westbalkan–Gipfel „Ein guter Tag für Europa“

Beim EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro drehte sich alles um die Frage, wie die Beitrittsprozesse in die Europäische Union dynamischer gestaltet werden können. Bundeskanzler Merz und Präsident Macron hatten hierzu im Vorfeld Vorschläge unterbreitet.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 5. Juni 2026
Bundeskanzler Merz im Gespräch mit dem montenegrischen Ministerpräsidenten Milatovic

Auch ein Gespräch des Kanzlers mit dem Gastgeber des Gipfels, dem montenegrischen Ministerpräsidenten Milatovic, fand statt.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

„Die klare Botschaft des heutigen Tages ist und wird bleiben: Wir wollen euch, und wir wollen, dass die Staaten dieser Region bald Mitglieder der Europäischen Union werden“, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro. In Tivat hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und die Spitzen der EU-Institutionen mit Vertretern der sechs Partnerländer des westlichen Balkans – Albanien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien sowie Kosovo – ausgetauscht.

Deutschland und Frankreich hatten vor dem Gipfel gemeinsam Vorschläge vorgelegt, wie die Beitrittsverhandlungen vereinfacht und beschleunigt werden könnten. Diese seien sowohl im Europäischen Rat als auch bei den Westbalkanstaaten auf breite Zustimmung gestoßen, so Merz. Die informellen Gespräche auf dem Gipfel ließen ihn hoffen, dass man „sehr bald“ zu einer guten Lösung kommen werde.  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dynamisierung des Beitrittsprozesses: Man werde jetzt einen Prozess beginnen, der die „schrittweise Heranführung“ der Westbalkanstaaten an die Europäische Union ermögliche, so der Bundeskanzler. Angedacht sei beispielsweise ein Beobachterstatus an Sitzungen des Europäischen Rates. Ebenso wolle man die Westbalkanstaaten in die EU-Politik einbinden, zum Beispiel durch die Teilnahme am Zahlungssystem SEPA oder an Erasmus+.
  • Volle Mitgliedschaft: Bundeskanzler Merz betonte zugleich, dass die volle Mitgliedschaft aller Staaten der Westbalkanregion das Ziel bleibe. Es werde nun „sehr konkrete, allerdings auch individuelle Prozesse geben, auf die einzelnen Mitgliedstaaten des Westbalkans bezogen“.
  • EU-Erweiterung im Interesse der EU selbst: Die Europäische Union habe ein strategisches Interesse daran, diese Staaten an die Europäische Union zu binden. Es brauche zwar noch Beschlüsse, er sei aber hoffnungsvoll, dass man den Beitrittskandidaten „sehr bald“ das klare Signal geben könne: „Wir wollen euch.“

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, wir haben heute eine sehr erfolgreiche Begegnung mit den Westbalkanstaaten gehabt. In der Regel finden ja zweimal im Jahr die Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs mit den sechs Staats- und Regierungschefs der Beitrittskandidaten aus dem Westbalkan statt. Das Treffen im Dezember letzten Jahres war einigermaßen desillusionierend; es herrschte eine schwierige Stimmung. Diesmal war es deutlich anders.

Sie haben alle gesehen, dass Präsident Macron und ich einen Vorschlag über den weiteren Prozess gemacht haben. Ich muss sagen, ich bin ausgesprochen dankbar, dieser gemeinsame Vorschlag von Präsident Macron und mir auch auf breite Zustimmung im Europäischen Rat und bei den Westbalkanstaaten gestoßen ist und wir jetzt einen Prozess beginnen, der die schrittweise Heranführung der Westbalkanstaaten an die Europäische Union ermöglicht.

Die klare Botschaft des heutigen Tages ist und wird bleiben: Wir wollen euch, und wir wollen, dass die Staaten dieser Region bald Mitglieder der Europäischen Union werden. Das Ziel ist und bleibt die volle Mitgliedschaft aller Staaten der Westbalkanregion, weil wir ein strategisches Interesse daran haben, diese Staaten an uns, an die Europäische Union zu binden. Umgekehrt haben diese Staaten auch den Willen, Mitglieder der Europäischen Union zu werden.

Wir werden jetzt jedenfalls einen schrittweisen Prozess einleiten, der darin besteht, dass wir zunächst einmal den Weg in die Institutionen öffnen, sodass es zum Beispiel möglich sein wird, als Beobachter an den Sitzungen des Europäischen Rates und vielleicht auch des Europäischen Parlaments – das muss das Parlament in eigener Zuständigkeit entscheiden – teilzunehmen. Wir geben jetzt wirklich ein klares politisches Signal, dass die Prozesse beschleunigt werden; auch das ist unser gemeinsamer Wille. Es wird jetzt keine Ausreden mehr geben, sondern es wird sehr konkrete, allerdings auch individuelle, auf die einzelnen Mitgliedstaaten des Westbalkans bezogene Prozesse geben.

Wir sind hier in Montenegro. Montenegro ist ganz offensichtlich das am weitesten vorangeschrittene Land aus dieser Gruppe. Auch der gesamte Prozess über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union kann bald abgeschlossen werden. Andere werden noch etwas länger brauchen. Ein Land hat noch gar keinen Antrag gestellt, keinen Antrag stellen können. Insofern wird das jetzt Schritt für Schritt gehen.

Ich kann aber noch einmal sagen – und bin sehr dankbar dafür –: Es gibt eine große Zustimmung auf beiden Seiten, der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie den Westbalkanstaaten, dem Vorschlag von Präsident Macron und mir zu folgen, diesen Prozess jetzt etwas anders zu strukturieren, als wir das bisher getan haben. Ansonsten würde es bis zum Abschluss aller Beitrittsverhandlungen und der Ratifizierung dauern, bis überhaupt einmal jemand in Brüssel dabei ist. Das ändern wir jetzt, und wir werden diesen Prozess jetzt auch noch etwas ausarbeiten.

Es wird dazu auch Beschlüsse geben müssen; aber die informellen Gespräche, die hier heute stattgefunden haben, lassen mich hoffen, dass wir jetzt sehr bald zu einer wirklich guten Lösung kommen und auch das klare Signal an die Bevölkerung und das klare Bekenntnis an die Mitgliedstaaten geben: Wir wollen euch. Es wird auch konkrete Schritte geben, die das praktisch umsetzen, zum Beispiel die Teilnahme dieser Staaten am europäischen Zahlungssystem SEPA, die Beteiligung an Erasmus+ und die Ermöglichung, am Roaming in der Europäischen Union teilzunehmen. Das sind konkrete Schritte, die wir jetzt einleiten können, ohne dass die Vollmitgliedschaft zur Voraussetzung gemacht wird.

Insofern ist heute, glaube ich, nicht nur ein sonniger Tag, sondern auch ein guter Tag für Europa, ein guter Tag für diese Region hier. Wie wir alle wissen, hat diese Region historisch immer wieder eine besondere Rolle gespielt hat und ist nach wie vor mit erheblichen Spannungen belastet. Wir können diese Spannungen aber auflösen, indem wir der Region jetzt insgesamt die Perspektive zum Beitritt in die Europäische Union etwas konkreter dargelegt haben und darüber auch ein Einvernehmen erzielt haben.

Vielen Dank!