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MINT-Gipfel

Junge Frauen dringend gesucht

Mehr junge Frauen für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern - darum ging es beim MINT-Gipfel in Berlin. Zwar stieg der Anteil der Studentinnen in diesen Fächern zuletzt. Trotzdem sind Frauen in MINT-Berufen deutlich in der Minderheit. Mit einem Aktionsplan will die Bundesregierung gegensteuern.


Ein junges Mädchen baut einen Elektromotor.

Mehr junge Menschen, insbesondere Frauen, in MINT-Berufen: Das ist das Ziel des Aktionsplans der Bundesregierung.

Foto: picture alliance / Monika Skolim

Als Beate Albrecht am ersten Berufsschultag in ihre Klasse kam, blickten sie 21 junge Männer an. Sie war die einzige Frau. Mittlerweile hat sich die angehende Industriemechanikerin an ihren "Exoten-Status" gewöhnt. Und kann dem auch Gutes abgewinnen: "Ich habe eine Umkleide für mich allein. Außerdem fragen immer alle, wie es mir geht", erzählt die 18-Jährige. Auch fachlich bereue sie nicht, sich für diese Ausbildung entschieden zu haben.

Vanessa Westphal ist begeisterte Elektrotechnik-Ingenieurin. Dass sie einen technischen Beruf gewählt hat, war alles andere als selbstverständlich. "In der Schule war mein Lehrer der Meinung, Frauen könnten kein Mathe. Das hat mich erst verunsichert, bald aber so motiviert, dass ich die Klassenbeste war", erinnert sich die 26-Jährige.

Nur wenige Frauen in MINT-Ausbildungsberufen

Zwei junge Frauen, die im MINT-Bereich ihre berufliche Zukunft sehen.

In ihrer Mehrheit entscheiden sich Mädchen nach der Schule eher für soziale Berufe oder beispielsweise für Ausbildungen mit Bürotätigkeiten. Im MINT-Bereich werden nur elf Prozent der Ausbildungsverträge mit jungen Frauen abgeschlossen. Etwas besser sieht die Lage an den Hochschulen aus. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil von Frauen in MINT-Studiengängen um 64 Prozent erhöht (2006/2007 bis 2016/2017).

Mehr Frauen als Vorbilder nötig

Ansporn für den MINT-Gipfel in Berlin, an diese Fortschritte anzuknüpfen und die Anstrengungen zu verstärken. Konkret gilt es beispielsweise, mehr erfolgreiche Mentorinnen zu finden, die als Vorbilder anderen Frauen Mut machen, den Schritt in einen MINT-Beruf zu wagen. Darüber hinaus soll "MINT-Bildung" noch viel selbstverständlicherer Teil der Allgemeinbildung werden.

Bundesregierung investiert 55 Millionen Euro

Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan aufgelegt, um bei mehr jungen Leute, insbesondere Frauen, Interesse an den MINT-Fächern zu wecken. Hierfür stehen bis 2022 insgesamt 55 Millionen Euro bereit.   

Das Bundesbildungsministerium will vor allem die Zielgruppe der Zehn- bis 16-Jährigen ansprechen. Im Herbst ist ein Wettbewerb geplant, der Initiativen auszeichnet, die MINT-Angebote außerhalb des Schulunterrichts anbieten. Beteiligen können sich Verbünde aus Bildungsträgern, Stiftungen, Vereinen und Hochschulen.           

MINT-Aktionsplan schafft virtuellen Marktplatz  

Weiteres Vorhaben des MINT-Aktionsplans: eine bundesweite Plattform, mit der sich digital Angebote um Naturwissenschaften und Technik besser finden lassen. Ziel ist insbesondere die Vernetzung der verschiedenen Akteure. Das Portal soll sich als virtueller Marktplatz etablieren und gute MINT-Praxis in die Fläche bringen.

Darüber hinaus will der Aktionsplan alle Maßnahmen rund um die MINT-Förderung bekannter machen. Dazu hat die Bundesregierung ein eigenes Kommunikationskonzept auf die Beine gestellt. Das Ziel: Frauen in MINT sollen als etwas Positives und Alltägliches wahrgenommen werden soll.

Die Bundesregierung setzt sich auf vielfältige Weise dafür ein, mehr Menschen für MINT zu begeistern. Neben dem MINT-Aktionsplan gibt es den MINT-Pakt: Hier engagieren sich mehr als 300 Partner, um junge Frauen auf die guten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in MINT-Berufen aufmerksam zu machen. Außerdem empfängt die Bundeskanzlerin jährlich zum Girls' Day Schülerinnen, um das Interesse der Mädchen an Naturwissenschaften und Technik zu erhöhen.

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