Kanzler ehrt Preisträgerinnen und Preisträger von „Jugend forscht“
Bei einem Empfang würdigte Bundeskanzler Friedrich Merz die Preisträgerinnen und Preisträger des 61. Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ und ihre Leistungen. Der Kanzler verlieh dabei auch den „Preis für die originellste Arbeit“ an einen 18-jährigen Schüler.
Für den Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ qualifizierten sich 159 Jugendliche mit insgesamt 116 Projekten.
Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Preisträgerinnen und Preisträger der 61. Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“ im Bundeskanzleramt empfangen. In seiner Rede dankte er den über 11.000 Forscherinnen und Forschern aus ganz Deutschland, die sich in diesem Jahr beteiligt hatten.
Beim Empfang verlieh Friedrich Merz den „Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit“. Preisträger in diesem Jahr ist Tim Kammel, 18 Jahre, aus Nordrhein-Westfalen. Der Gymnasiast befasste sich mit der Mechanik und der Physik von Sanduhren. Anhand eines eigenen Versuchsaufbaus analysierte er den Effekt unterschiedlicher Öffnungsgrößen und Trichterformen auf das Strömungs- und Laufverhalten des Sands und entwickelte eine Computersimulation der Dynamik. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, technische Prozesse wie beispielsweise das Entleeren großer Getreidesilos oder die Dosierung eines Medikaments in der Pharmazie besser zu verstehen.
Im Interview erzählt Tim Kammel von seiner Projektidee, den besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung und was er macht, wenn er nicht gerade forscht.
Die Einladung aller Bundessiegerinnen und Bundessieger sowie der Platzierten (2. bis 5. Preise der sieben Wettbewerbskategorien) zu einem Empfang im Bundeskanzleramt und die Überreichung des „Preises des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit“, der mit 3000 Euro dotiert ist, unterstreicht die große Bedeutung des Wettbewerbs und die Wertschätzung des Forschungsnachwuchses.
Bundeskanzler Merz würdigte das Engagement der Schülerinnen, Schüler, Studentinnen und Studenten, die seit mehr als sechs Jahrzehnten an kreativen Ideen forschen und Höchstleistungen erbringen. Dabei brauche Deutschland den Einsatz natürlicher Intelligenz, nicht nur Künstlicher Intelligenz, betonte Friedrich Merz.
Das Wichtigste aus der Rede des Bundeskanzlers:
- Vorbild „Jugend forscht“: Deutschland lebe von Exzellenz, von guten Ideen, Innovationen, Erfindungen und von jungen begeisterten Menschen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wettbewerb „Jugend forscht“ seien daher auch Vorbilder für viele Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten.
- Berufliche Karriere: Aus dem Wettbewerb seien „große Talente“ hervorgegangen, die sich als Wissenschaftler und Unternehmensführer in den Dienst von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft eingebracht hätten.
- Bildungspolitik: Die Ergebnisse der diesjährigen PISA-Studie müssen „uns allen“ ein großer Ansporn sein, in der Bildungspolitik und in den MINT-Fächern besser zu werden.
Unter dem Motto „Maximale Perspektive“ fand der 61. Bundeswettbewerb vom 28. bis 31. Mai 2026 in Herzogenaurach statt. Bundespatenunternehmen in diesem Jahr war die Schaeffler AG.
Für den Bundeswettbewerb, qualifizierten sich 159 Jugendliche mit insgesamt 116 Projekten. Sie setzten sich zuvor in insgesamt 120 Wettbewerbsveranstaltungen auf Regional- und Landesebene durch. Die Projekte teilen sich in sieben Fachgebiete auf: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik. Die jeweils besten fünf Projekte pro Fachgebiet werden mit Geld- und Sachpreisen wie beispielsweise Forschungspraktika und Stipendien ausgezeichnet.
Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:
Meine Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler, Preisträgerinnen und Preisträger,
herzlich willkommen im Bundeskanzleramt! Ich freue mich sehr, dass Sie und Ihr heute Morgen da seid und dass ich erneut die Gelegenheit habe, so viele junge Menschen bei uns zum Empfang für die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs „Jugend forscht“ willkommen zu heißen.
Sie stehen in diesem Jahr für insgesamt rund 11.000 Schülerinnen und Schüler, Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus ganz Deutschland mitgemacht haben. Wir sind jetzt seit mehr als 60 Jahren mit dem Wettbewerb unterwegs. Ich finde, das ist ein großer Erfolg, der sich sehen lassen kann, wenn seit sechs Jahrzehnten junge Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten an kreativen Ideen forschen und Höchstleistungen erbringen.
Viele Ehemalige haben im Übrigen große Karriere gemacht; das werden Sie verfolgt haben. Aus diesem Wettbewerb heraus sind in Deutschland große Talente entstanden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmensführer haben ihr Talent eingebracht in den Dienst unseres Landes, in den Dienst von Wissenschaft und Forschung, auch mit großartigen Ergebnissen in unserer Wirtschaft.
Ich brauche Ihnen das nicht besonders zu sagen, aber ich will es trotzdem tun: Karin Prien, die zuständige Bundesministerin und ich, wir freuen uns wirklich, dass Sie so engagiert dabei sind, dass Sie das auch in diesem Jahr wieder so engagiert gemacht haben und Sie Ihre Neugier und Ihre natürliche Intelligenz einsetzen und nicht nur künstliche Intelligenz. Ich finde, gerade in diesen Tagen muss man das einmal sagen. In diesem Sinne heiße ich Sie noch einmal sehr, sehr herzlich willkommen hier in Berlin.
Meine Damen und Herren, vielleicht ein ganz grundsätzliches Wort zur Bildungspolitik ich darf das auch im Namen von Karin Prien sagen : Wir haben in der letzten Woche mit größter Besorgnis die Ergebnisse der PISA-Studie zur Kenntnis genommen. Das muss uns allen zusammen ein großer Ansporn sein, in der Bildungspolitik besser zu werden, mit Anstrengungen besser zu werden, auch in den MINT-Fächern besser zu werden, für die ja viele von Ihnen stehen. Sie sind diejenigen, die auch Vorbilder sind für viele Schülerinnen und Schüler, für viele Studentinnen und Studenten, die sich durch das angespornt fühlen sollen, was Sie leisten.
Deswegen will ich einfach nur einmal herzlichen Dank sagen; denn das ist alles wichtig für unser Land. Unser Land lebt von Exzellenz, lebt von guten Ideen, lebt von Innovationen, lebt von Erfindungen, lebt von jungen Menschen, die mit Begeisterung an der Arbeit sind und das sind Sie alle. Deswegen ein herzliches Willkommen und einen großen Beifall für Sie alle!
Die Stiftung Jugend forscht hat das Projekt in diesem Jahr „Maximale Perspektive“ genannt. Das ist das Motto, unter dem in diesem Jahr die Forschungsprojekte ausgetüftelt wurden. Maximale Perspektive zu haben heißt auch, neue Möglichkeiten zu öffnen, den Blickwinkel zu weiten für das, was unmittelbar vor einem liegt, einen neuen Weg einzuschlagen, den zuvor noch niemand gegangen ist.
Wir haben in diesem Jahr ein besonders interessantes Beispiel, wie ich bei der Vorbereitung gelesen habe, und ich bin gespannt auf das, was ich hier gleich sehen werde. Tim Kammel vom Engelbert-Kaempfer-Gymnasium in Lemgo hat im Fachgebiet Physik ein Projekt entwickelt, bei dem es um die Frage geht - ich habe ehrlich gesagt ein bisschen gelacht, als ich es gelesen habe -: „Wie tickt eine Sanduhr?“ Das werden wir gleich sehen. Dabei geht es um die Genauigkeit von Sanduhren und deren Mechanik. Ich vermute einmal, wir kennen alle Sanduhren, aber die wenigsten von uns kennen das, was wir hier gleich vorgeführt bekommen. Er hat in einer Sanduhr eine ganz neue wissenschaftliche Frage entdeckt, und dieser Frage ist er mit seiner Computersimulation auf den Grund gegangen. Wir freuen uns also, gleich zu hören, was genau dahintersteckt. Wir sind, glaube ich, alle sehr gespannt. Lieber Tim Kammel, ganz herzlichen Glückwunsch, insbesondere zum diesjährigen Sonderpreis, und herzlich willkommen!
Meine Damen und Herren, ich will auch nicht versäumen, den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern ein herzliches Wort des Dankes für die Begleitung der Preisträger in diesem Jahr zu sagen. Ich will auch nicht versäumen, der Stiftung herzlich zu danken Frau Bönsch, Sie stehen heute erneut stellvertretend für die Stiftung hier. Last but not least möchte ich auch noch dem Partnerunternehmen des Jahres 2025/26, der Schaeffler AG, und ihrem Chef Klaus Rosenfeld danken. Herzlich willkommen auch Ihnen beiden. Schön, dass Sie heute dabei sind und dass Sie dieses Projekt unterstützt haben.
Meine Damen und Herren, das war es schon von meiner Seite. Ich wünsche Ihnen allen noch einmal ein herzliches Willkommen im Bundeskanzleramt. Und jetzt schauen wir uns einmal an, wie die Sanduhr tickt.
„Wir suchen die Forscher von morgen!“. Unter diesem Motto rief 1965 der damalige stern-Chefredakteur Henri Nannen erstmals zur Teilnahme an Jugend forscht auf. In der ersten Wettbewerbsrunde waren es „nur“ 244 Mädchen und Jungen, die sich beteiligten. Bis heute haben sich mehr als 350.000 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler am Wettbewerb beteiligt. Der Preis des Kanzlers hat eine lange Tradition: 1971 wurde er das erste Mal vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt gestiftet.