Jugend forscht 2026
Beim 61. Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ wurden Deutschlands beste MINT-Nachwuchstalente in Anwesenheit der Bundesbildungsministerin Karin Prien geehrt. Zu den besonderen Auszeichnungen zählt auch ein Preis, den der Bundeskanzler stiftet.
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Bundesbildungsministerin Prien betonte im Rahmen der Auszeichnung der diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger: „Die Welt von morgen wird durch die MINT-Fächer geprägt sein."
Foto: Stiftung Jugend forscht e. V./Schaeffler
„Wir suchen die Forscher von morgen!“ Mit diesem Aufruf startete der damalige stern-Chefredakteur Henri Nannen vor 61 Jahren die erste Wettbewerbsrunde von Jugend forscht. Seither haben mehr als 350.000 Kinder und Jugendliche an Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb teilgenommen. Seine Bedeutung ist bis heute ungebrochen: Gerade angesichts großer gesellschaftlicher und technologischer Herausforderungen braucht Deutschland junge Menschen, die ihre Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) entfalten und mit ihren Ideen die Zukunft mitgestalten.
Bundesbildungsministerin Karin Prien ist überzeugt: „Die Welt von morgen wird durch die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – geprägt sein. Überall ist die Wissenschaft gefragt. Ihre Bedeutung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.“ Sowohl für Wissenschaft und Forschung als auch für die Politik gelte deshalb, dass „das Denken in Schubladen uns nicht weiterbildet“. Vielmehr gehe es darum, Probleme zu sehen, Fragen zu stellen – über Ressort- und Fachbereichsgrenzen hinaus. Dabei sei die Nutzung von Daten und Künstlicher Intelligenz „für nahezu jede Forschungsarbeit heute unerlässlich“.
Deshalb sei es wichtig, dass junge Menschen früh die Freude am Forschen für sich entdecken und ihre Ideen in die Tat umsetzen können. „Dies zu unterstützen ist eines meiner wichtigsten Ziele“, bekräftigte Prien.
Preis des Bundeskanzlers für die „originellste Arbeit“
Beim „Gipfeltreffen“ der besten Jungforscherinnen und Jungforscher Deutschlands in Herzogenaurach wurden jetzt die Siegerinnen und Sieger der 61. Wettbewerbsrunde „Jugend forscht“ gekürt. Unter ihnen ist Tim Kammel (18 Jahre) aus Lemgo. Der Gymnasiast befasste sich mit der Physik von Sanduhren. Anhand eines eigenen Versuchsaufbaus analysierte er den Effekt unterschiedlicher Öffnungsgrößen und Trichterformen auf das Strömungs- und Laufverhalten des Sands und entwickelte eine Computersimulation der Dynamik. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, technische Prozesse wie beispielsweise das Entleeren großer Getreidesilos besser zu verstehen.
Für seine experimentelle Kreativität, methodische Vielseitigkeit und Disziplin erhielt Tim Kammel den „Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit”. Der Jungforscher wird seine Arbeit Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich vorstellen können: Am Dienstag, 15. September 2026, wird es einen feierlichen Empfang im Bundeskanzleramt in Berlin geben. Dazu sind auch alle weiteren Prämierten herzlich eingeladen.
Der besondere Preis des Bundeskanzlers wurde 1971 erstmals ausgelobt. Er unterstreicht die große Bedeutung der Förderung des Forschungsnachwuchses und die Wertschätzung, die diesem bundesweiten Wettbewerb zukommt. Die Einladung aller Bundessiegerinnen und Bundessieger sowie Platzierten zu einem Empfang im Bundeskanzleramt gehört seit 1981 zur Tradition des Wettbewerbs.
Anmeldezahlen deutlich gestiegen
Unter dem Motto „Maximale Perspektive“ hatten sich in diesem Jahr 11.327 Jungforscherinnen und Jungforscher aus ganz Deutschland angemeldet – eine Steigerung um fast 10 Prozent gegenüber 2025 (10.350). Der Anteil von Mädchen erreicht mit 41 Prozent den zweithöchsten Wert in der Jugend forscht Geschichte. „Das belegt eindrucksvoll, wie attraktiv der Wettbewerb für junge Menschen ist“, so die Bundesbildungsministerin.
Insgesamt wurden 6.302 Forschungsprojekte eingereicht (2025: 5.664). Für den Bundeswettbewerb, der gleichzeitig Finale und Höhepunkt der aktuellen Wettbewerbsrunde ist, hatten sich in Veranstaltungen auf Regional- und Landesebene 159 Jugendliche qualifiziert. Die jeweils besten fünf Projekte pro Fachgebiet werden mit Geld- und Sachpreisen wie beispielsweise Forschungspraktika und Stipendien ausgezeichnet.
Deutschlands beste MINT-Talente 2026 – die Bundessiegerinnen und Bundessieger
Götz Anft (19) aus Niedersachsen befasste sich mit Filamenten für den 3D-Druck und untersuchte, ob unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte dieser drahtförmigen Kunststoffwerkstoffe die Druckqualität und die mechanischen Eigenschaften eines Druckmodells beeinflussen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein reduzierter Feuchtigkeitsgehalt die Druckqualität positiv beeinflusst und etwa die Oberflächenbeschaffenheit der gedruckten Modelle verbessert.
Jamila-Cate Tran (20) aus Niedersachsen zeigte in einer statistischen Studie, dass sogenannte „SGLT-2-Hemmer“, die sowohl bei Diabetes den Blutzucker senken als auch nach einer Nierentransplantation Nieren und Herz schützen, ebenso Patientinnen und Patienten nach Nierentransplantationen helfen können, die nicht an Diabetes erkrankt sind. Schwere Nierenprobleme verringerten sich um 36 Prozent, die Sterblichkeit war um 45 Prozent niedriger.
Levi Jekic (16), Lennart Antritter (16) und Alexander Kluge (18) aus Bayern analysierten eine komplexe Metallverbindung aus Bismut, Zinn, Zink und Aluminium, die beim Verzinken von Stahl zum Schutz vor Korrosion verwendet wird. In einer Vielzahl von Messreihen fanden sie ein Mischungsverhältnis, das verhindert, dass die Legierung bei hohen Temperaturen spröde und brüchig wird.
Alexander Leukert (17) und Leon Heinisch (18) aus Baden-Württemberg zeigten mit einer selbst programmierten Simulation ("Stern-Planet-Mond-System"), wie ein Satellit auf stabilen Bahnen sicher durch ein komplexes System aus mehreren Himmelskörpern navigieren kann. Beide entdeckten, dass insbesondere in der Nähe bestimmter Punkte zwischen Planet und Monden kleine, geschlossene Bahnen möglich sind.
Aktuell läuft künstliche Intelligenz zumeist in großen, energieintensiven Rechnernetzen. Als Alternative entwickelte Malte Rauschenbach (15) aus Bayern eine Art Übersetzer, der KI-Modelle energiesparend und effizient in lokale Hardware für verschiedene Einsatzzwecke überträgt. Konkret programmierte der Jungforschende ein System, das neuronale Netze so umformt, dass sie auf flexibel anpassbaren Computerchips laufen können – vereinfacht gesagt sind es Bausteine, die sich für eine Aufgabe „umbauen“ lassen.
Ben Waldmann (17) aus Thüringen untersuchte, welche Rolle sogenannte Axion-Sterne (dichte Ansammlungen extrem leichter Teilchen, die Gas anziehen könnten) im frühen Universum spielten. Er entwickelte ein eigenes Rechenmodell und konnte damit die frühe Entstehung der ersten Sterne erklären. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Axion-Sterne stabile Zentren bilden, Gas lokal stark verdichten und so den Kollaps von Gaswolken begünstigen.
Stefan Weiß (20) aus Bayern konstruierte einen tragbaren Multifunktions-Kalibrator. Mit ihm lassen sich Digitalmultimeter – also Messinstrumente für Spannung, Strom und Widerstand – einfach und präzise testen. Damit taugt das Konzept als kostengünstiges und leistungsfähiges Werkzeug für Ausbildung, Labor und Reparatur.
Preise des Bundespräsidenten, der Bundesbildungsministerin und der Bundesforschungsministerin
Als Schirmherr von Jugend forscht stiftet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jedes Jahr den „Preis für eine außergewöhnliche Arbeit”. In diesem Jahr geht er an Viyona und Aarav Singh (beide 14) aus Sunnyvale, Kalifornien (USA). Die Zwillinge zeigten, dass sich die seltenen, spiegelbildlichen Varianten bestimmter Proteine mithilfe physikbasierter Modelle besser als mittels KI-basierter Modelle vorhersagen lassen. Um das „KI-Versagen“ zu erklären, kommen beide anhand ihrer Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass eine Kombination mit physikbasierten Modellen erforderlich ist, um eine wesentlich genauere Strukturvorhersage zu ermöglichen.
Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien ehrt die Jungforscherinnen und Jungforscher jährlich mit einem „Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit“: Julian Scharnowski (20) aus Baden-Württemberg konstruierte eine spezielle, kostengünstige Vakuumpinzette. Mit ihr lassen sich mittels Unterdruck winzige Elektronikbauteile präzise auf Platinen platzieren. Seine Messungen zeigten, dass die Vakuumpinzette leise, stabil und zuverlässig arbeitet – und preiswerter ist als vergleichbare Profiwerkzeuge.
Der „Preis für die innovativste Arbeit“, mit dem Bundesforschungsministerin Dorothee Bär junge Forscherinnen und Forscher auszeichnet, die mit ihrem Projekt eine besonders originelle, zukunftsweisende Lösung entwickeln, erhält Vincent Nack aus Bayern. Der 19-Jährige entwickelte ein KI-gestütztes System zum Schutz vor Telefonbetrug. Seine selbst programmierte Software prüft in Textform umgewandelte Gesprächsinhalte vollautomatisch und kann alle Formen von Täuschung in Echtzeit erkennen. Speziell Seniorinnen und Senioren soll die automatische Funktionsweise eine einfache Handhabung ermöglichen.
Der Startschuss für die 62. Wettbewerbsrunde erfolgt am 1. Juli 2026 bis zum 30. November 2026 können sich junge Menschen mit ihren Projekten hier bewerben: Jugend forscht.