Interview mit WorldSkills-Germany-Geschäftsführer

"Du kannst in deinem Beruf Großes leisten" 

Der Geschäftsführer von WorldSkills-Germany, Hubert Romer, hat die deutsche Delegation bei der Berufe-WM in Russland geleitet. Ein Gespräch über gefragte Auszubildende, Trendberufe und die nächsten Ziele der deutschen Mannschaft.

Hubert Romer ist der Geschäftsführer von WorldSkills Germany

Hubert Romer ist Geschäftsführer des Vereins WorldSkills Germany. Zu den Vereinsmitgliedern zählen viele Unternehmen, die selbst ausbilden.

Foto: WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Hubert Romer hat mit seinem Team ein bewegtes Jahr hinter sich: Im August nahm die deutsche Delegation von WorldSkills an der Berufsweltmeisterschaft im russischen Kasan teil. Zwei Gold-, drei Bronze- und 19 Exzellenzmedaillen sind die Bilanz. Nun waren Romer und seine erfolgreiche deutsche Mannschaft zu Gast im Kanzleramt.     

Herr Romer, die WM in Russland ist jetzt drei Monate her. Im Rückblick: Sind Sie zufrieden mit dem Abschneiden der deutschen Mannschaft?

Hubert Romer: Wir sind sehr zufrieden. Man sieht, dass wir seit Jahren einen positiven Entwicklungstrend haben. In den Medaillen-Rankings sind wir deutlich nach vorne gesprungen. Auch bei den Industrie-Skills haben wir eine sehr positive Entwicklung. Besonders freut mich, dass das Team als Ganzes diesen Sprung gemacht hat. Zum Glücklichsein haben aber ehrlich gesagt noch ein paar Medaillen gefehlt.

Was zeichnet die jungen Leute aus, die sich bei WordSkills engagieren?

Romer: Ganz besonders ist es die hohe Sozialkompetenz. Die Teilnehmer haben ein sehr hohes Verantwortungsgefühl für sich und die anderen. So können sie auch gut und angemessen mit der besonderen Ehre umgehen, bei den Wettbewerben Deutschland zu vertreten. Dazu kommen jeweils der große Wunsch und der Wille, etwas Außerordentliches zu leisten, sich zu engagieren und auch weiterzukommen. Sie stärken mit ihrem Einsatz die berufliche Bildung, die Wordskills-Wettbewerbe und auch die Berufsorientierung von anderen jungen Menschen. Es ist was ganz Tolles, was unsere Champignons an die Gesellschaft zurückgeben wollen. Sie sind Botschafter und Vorbilder für die berufliche Bildung.

Inwieweit hat der Empfang im Kanzleramt eine Signalwirkung für die berufliche Bildung?

Romer: Es gibt aus meiner Sicht vor allem eine Botschaft: Du kannst in deinem Beruf und bei dem, was du machst, Großes leisten. Du kannst mit deiner Leistung und deinem Engagement ganz nach oben kommen: Das ist allgemein und für die berufliche Bildung eine ganz wichtige Botschaft. Die duale Ausbildung kann ein Sprungbrett für die Karriere sein.   

Wie ist es denn um die berufliche Bildung in Deutschland aus Ihrer Sicht bestellt, gerade auch im internationalen Vergleich?

Romer: Oft hören lesen wir ja Schlagzeilen wie, der Stellenwert der akademischen Bildung sei höher. Ich sage, es hat sich auf einer guten Ebene eingependelt. Mal ist die berufliche Ausbildungsquote höher als die akademische und umgekehrt. Wir merken, dass sich auch immer mehr Abiturienten für berufliche Bildung interessieren. Da ist sehr viel in den vergangenen Jahren passiert, gerade bei der Durchlässigkeit der Bildungsketten.

Der Stellenwert ist noch nicht so wie man es sich wünschen mag. Aber wir erkennen wirklich eine signifikante Verbesserung. Im Vergleich mit USA oder skandinavischen Ländern haben wir beispielsweise viel höhere Ausbildungs-Quoten. Unser Land zeichnet im internationalen Vergleich vor allem eine große Chancenvielfalt aus.

In vielen Branchen und Regionen ist in Deutschland ein Fachkräftemangel zu spüren. Wie beurteilen Sie dies, gerade auch mit Blick auf WorldSkills?

Romer: Wir haben tatsächlich diesen Fachkräftemangel. Es gibt beispielsweise Modeberufe, wie Medienberufe, mit einem starken Überangebot. Und auf der anderen Seite sind beispielsweise Bereiche wie die Gastronomieberufe, wo es einen großen Mangel gibt. Und dazwischen gibt es zahlreiche Berufe mit sehr unterschiedlichen Bedarfen. Wir als WorldSkills haben zum Glück eine wachsende Zahl von jungen Leuten, die sich engagieren wollen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Wettbewerbe bekannter werden und die Aufmerksamkeit größer wird.

Der Fachkräftemangel in einigen bestimmten Branchen macht uns jedoch Sorgen. Dort müssen wir noch aktiver für einen Imagewandel sorgen. Es gibt durch die Digitalisierung mittlerweile so viele Berufe, die auch in technischer Hinsicht wahnsinnig spannend geworden sind. Das müssen wir mehr kommunizieren.

Was sind die nächsten Ziele und Termine Ihrer Mannschaft?

Romer: Wir haben derzeit die nächsten Euroskills in Graz im kommenden Jahr vor Augen. Das ist ein besonderes Highlight, sich hier auf europäischer Ebene messen zu können. Dementsprechend trainieren wir bereits dafür. Weil wir uns als Bildungsorganisation verstehen, sind wir auch sehr bei der Berufsorientierung aktiv. Da haben wir mehrere Projekte wie "Digital Youngsters", wo wir mit jungen Menschen gemeinsam in die Zukunft schauen. Und WordSkills Shanghai 2021 wirft schon seine Schatten voraus. Dafür starten wir jetzt unmittelbar nach dem Empfang im Kanzleramt mit den Vorbereitungen.     

An der Weltmeisterschaft der Berufe im August dieses Jahres in Russland nahmen knapp 1400 junge Fachkräfte aus knapp 70 Ländern teil - 39 aus Deutschland. Um Medaillen gerungen wurde in den Bereichen Handwerk, Industrie und Dienstleistung. WorldSkills Germany fördert und unterstützt nationale und internationale Wettbewerbe nicht-akademischer Berufe. Die Förderinitiative betreibt damit Marketing für die berufliche Bildung und will so die Anerkennung dualer Ausbildungsberufe steigern.