Unkomplizierte Hilfe für Ausbildungsbetriebe

Berufsausbildung in Corona-Zeiten Unkomplizierte Hilfe für Ausbildungsbetriebe

Eine schwankende Auftragslage, das Einhalten von Hygiene-Regeln und eine ungewisse Zukunft: Die Corona-Pandemie ist für viele Ausbildungsbetriebe eine schwierige Zeit. Dabei ist die Sicherung des Fachkräfte-Nachwuchses wichtiger denn je. Die Bundesregierung unterstützt die Betriebe mit dem Programm "Ausbildungsplätze sichern".

Ein Friseur-Auszubildender und eine Auszubildende mit Masken

Friseurausbildung in Corona-Zeiten: Der Bund unterstützt Betriebe mit dem Programm "Ausbildungsplätze sichern".

Foto: SZ Photo/Stephan Rumpf

Alexander Dietz ist im Dauer-Einsatz. Der Sachgebietsleiter bei der Handwerkskammer München bekommt jeden Tag eine ganze Reihe neuer Anträge auf den Tisch. Absender sind Ausbildungsbetriebe, die sich die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung sichern möchten. Sie alle hatten in der Corona-Pandemie massive Schwierigkeiten, so Dietz.

"Vor allem Kfz-Betriebe mussten Kurzarbeit anmelden. Viele Anträge kommen auch von Betrieben aus dem Nahrungsmittelbereich, beispielsweise von Bäckern – ebenso aus der Feinwerkmechanik und der Orthopädietechnik. Häufig vertreten sind auch Schreiner und vor allem Friseurbetriebe", sagt Dietz.

Ausbildungs-Krise vermeiden

Betroffen ist nicht nur das Handwerk. Bundesweit kämpfen Betriebe auch aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung mit den Folgen der Pandemie. Damit die Corona-Krise nicht zu einer Ausbildungs-Krise wird, hat die Bundesregierung das Programm "Ausbildungsplätze sichern" initiiert.

Gefördert werden kleine und mittlere Unternehmen - das sind Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten. Für Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist es wichtig, ihnen besonders "unter die Arme zu greifen, damit sie auch in diesen Pandemiezeiten ihre Ausbildungsaktivitäten weiter fortführen können". Denn die Sicherung von Fachkräften für die Zukunft sei nach wie vor eine der wichtigsten Aufgaben.

Prämien-Hilfen für ausbildende Betriebe

Das Bundesprogramm richtet sich nicht nur an Betriebe aus allen Bereichen der Wirtschaft. Unterstützt werden auch ausbildende Einrichtungen in den Gesundheits- und Sozialberufen. Vorgesehen sind Prämien, wenn die Betriebe ihre Ausbildungskapazitäten erhalten oder ausbauen. Pro Ausbildungsvertrag beträgt die Fördersumme 2.000 beziehungsweise 3.000 Euro.

Gefördert werden auch Unternehmen, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls für Auszubildende und Ausbilder Kurzarbeit vermieden haben. Hilfen können Betriebe auch in Anspruch nehmen, wenn sie Auszubildende zeitlich befristet übernommen haben, deren Unternehmen die Ausbildung pandemiebedingt zeitweise nicht fortsetzen konnte. Firmen, die Auszubildende von insolventen Betrieben komplett übernehmen, bekommen eine Prämie von jeweils 3.000 Euro.

Eine weitere Initiative der Bundesregierung ist das Programm "JOBSTARTER plus": Hierbei werden seit sechs Jahren Firmen bei der betrieblichen Ausbildung unterstützt. Etwa 230 geförderte Projekte stehen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen beratend zur Seite.

Große Chance für die Betriebe 

Alexander Dietz von der Handwerkskammer München rechnet damit, dass in der nächsten Zeit noch weitere Firmen Anträge für den Erhalt der Prämien stellen. Er sieht das Bundesprogramm als Chance für die Betriebe, "in der schwierigen Zeit recht unkompliziert Unterstützung zu bekommen."

Die Förderung sei enorm wichtig – auch vor dem Hintergrund der überall zurückgegangenen Zahl angebotener Lehrstellen. Allerdings gibt es auch derzeit noch unbesetzte Ausbildungsplätze. In ganz Deutschland sollen es laut Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer rund 29.000 sein.

Bei Bewerbung kreativ sein   

Ausbildungs-Experte Dietz macht deshalb jungen Leuten Mut, sich auch jetzt in der Krise zu bewerben. Denn Lehrverträge für dieses Ausbildungsjahr könnten noch bis spät in den Herbst hinein abgeschlossen werden. "Ich rate jungen Menschen, kreativ und umtriebig zu sein, und mit den Ansprechpartnern direkt den Kontakt zu suchen: in den Betrieben, den Kammern und den Arbeitsagenturen."

Flexibilität beim Wunschberuf sei auch hilfreich. Als Tipp nennt Dietz das Nahrungsmittel-Handwerk. Dort hätten die Betriebe mehr Mühe, den passenden Nachwuchs zu finden. "Dabei ist beim Metzger, Bäcker oder Konditor gerade jemand besonders gut aufgehoben, der Lust am Verkauf und am Umgang mit Menschen hat", betont Dietz.

Währenddessen liegt auf seinem Schreibtisch der nächste Prämien-Antrag. Ein weiterer Betrieb, der auf Unterstützung hofft, um jungen Menschen einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen.