Freiwillige Helden des Alltags

Bürgerschaftliches Engagement zu Corona-Zeiten Freiwillige Helden des Alltags

Aufgrund der Corona-Pandemie sind viele Einsatzstellen der Freiwilligendienste geschlossen. An anderen Orten wie Krankenhäusern oder Altenheimen werden Helferinnen und Helfer hingegen dringend gesucht. Das Bundesfamilienministerium vermittelt offene Stellen über eine spezielle Internet-Plattform. Freiwillige schildern ihre Eindrücke aus der Praxis.

Das Bild zeigt die Teilnehmer am Freiwilligendienst Daniela Kuper, Robin Kirsch, Dilara Görün, Alexander Böhm und Lotte Burmeister.

Fünf von über 100.000: Daniela Kuper, Robin Kirsch, Dilara Görün, Alexander Böhm und Lotte Burmeister (v.l.n.r.) sammeln derzeit im Freiwilligendienst wichtige Erfahrungen.

Foto: Sophie Hetche, Timothy Stephens, Gerhard Seeger/Malteser Hilfsdienst e.V., Alexander Böhm, Justin Feierabend

Über 100.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich einige Monate Zeit für einen Freiwilligendienst. Engagieren kann man sich etwa bei den Jugendfreiwilligendiensten, zu denen das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr zählen. Bürgerinnen und Bürger jeden Alters sind beim  Bundesfreiwilligendienst an der richtigen Stelle.

Dilara Görün (23)

Die gebürtige Frankfurterin Dilara Görün entschied sich nach dem Bachelor-Studium für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Sie möchte sich, wie viele andere auch, sozial engagieren und damit einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. "Vor und während meines Studiums hatte ich nie die Möglichkeit dazu gehabt, deshalb werde ich erst nach diesem Jahr weiter studieren", erklärt sie. Normalerweise gibt Dilara Görün Erste-Hilfe-Kurse. Jetzt verteilt sie Lebensmittel an die Hausnotrufkunden der Malteser in Frankfurt. "Wir wollten auch während der Corona-Zeit aktiv bleiben und anderen Menschen helfen, und da kam die Idee eines Lebensmittelservices", sagt die 23-Jährige. Viele ältere Menschen sind sehr froh, dass es nun dieses Angebot gibt. Per Telefon können Sie ihre Bestellungen abgeben, "wir notieren alles und liefern am nächstfolgenden Tag bis vor die Haustür aus". Dabei kommt es dann auch oft zu Gesprächen, natürlich immer auf Abstand. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die vielen Telefonate und persönlichen Kontakte mit den Kunden, die vor Rührung geweint haben, weil sich auch in dieser Zeit jemand um sie kümmert. "Viele Angehörige wohnen leider oftmals viel zu weit weg, um jeden Tag zu unterstützen", berichtet Dilara Görün.

Alexander Böhm (19)

Nach dem Abitur im letzten Jahr traf Alexander Böhm aus Weimar-Roth, einem kleinen Dorf in der Nähe von Marburg, die Entscheidung für ein FSJ. Nach Abschluss des Jahres plant er ein Lehramtsstudium. "Ich möchte damit einen Eindruck bekommen und unterscheiden können, ob es in Richtung Grundschule oder weiterführende Schule für mich geht", so der 19-Jährige. Derzeit ist er an einer Grundschule für die zweite Klassenstufe tätig. Dort hilft er Schülerinnen und Schülern beim Lernen, begleitet und motoviert sie beim Sport und unterstützt sie bei den Hausaufgaben. Seit der Corona-Pandemie ist alles anders, da Grundschulen und Kitas geschlossen sind. "Ich wurde deshalb von der Schule freigestellt und war dann zwei Wochen ohne Tätigkeit Zuhause. Dann bekam ich die Anfrage vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), ob ich nicht anderweitig unterstützen kann", erzählt Alexander Böhm. Seitdem fährt er Stoffballen für die dringend benötigten Mundschutz-Masken an Ehrenamtliche aus. Die fertigen Mundschutz-Masken holt er anschließend ab und gibt Sie an das DRK zurück, die diese dann an Kranken- und Pflegeheime sowie Kinderheime in der Umgebung verteilen. "Es ist schön, dass ich auch in dieser Zeit helfen kann, aber ich freue mich trotzdem, wenn ich wieder zurück an die Grundschule gehen kann", berichtet Alexander Böhm abschließend.

Lotte Burmeister (19)

Lotte Burmeister aus Achim bei Bremen strebt eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin an. Um die notwenige Berufserfahrung im medizinischen Bereich zu sammeln, hat die 19-Jährige sich auch für ein FSJ entschieden. Vor ein paar Monaten vermittelte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Abiturientin an das Aller-Weser-Klinikum in Achim. Dort arbeitet sie auf der Station der allgemeinen Unfallchirurgie, die nun kurzerhand zur Corona-Station umfunktioniert wurde. "Es war und ist eine sehr spannende Zeit für mich: von heut auf morgen haben sich meine Tätigkeiten komplett verändert", erzählt sie. Vor der Corona-Zeit hatte sie viel mehr Kontakt zu den Patientinnen und Patienten. "Ich habe beispielsweise das Mittagessen ausgeben, die Menschen auf Station begleitet oder bei den alltäglichen Dingen geholfen", berichtet Lotte Burmeister. Nun bereitet sie Isolierzimmer vor, bestückt die entsprechenden Räume mit Sauerstoffmasken und ist dafür verantwortlich, dass genügend Schutzausrüstung für das Personal vorhanden ist. Sorgen vor einer möglichen Ansteckung macht sich die 19-Jährige nicht. Allerdings gehören auch ihre Großeltern zur Risikogruppe, weshalb sie deshalb von Besuchen absehen muss. "Trotz alledem ist es für mich auch eine sehr spannende Zeit im Klinikum tätig zu sein, die Abläufe kennen zu lernen und helfen zu können. Das motiviert mich sehr", so Lotte Burmeister.

Freiwilligendienste ermöglichen es, sich gemeinwohlorientiert im sozialen und ökologischen Bereich, aber auch in weiteren Bereichen wie Sport, Integration, Kultur und Bildung sowie im Zivil- und Katastrophenschutz zu engagieren. Die Einsatzstellen können den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein monatliches Taschengeld als Anerkennung für das geleistete Engagement zahlen. Die Höchstgrenze liegt bei etwa 400 Euro. Bei den Sozialversicherungen ist der Freiwilligendienst einem Ausbildungsverhältnis gleichgestellt. Die Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt die Einsatzstelle.

Robin Kirsch (16)

Auch Robin Kirsch aus Marpingen plant nach dem FSJ eine Ausbildung. Er möchte Pflegassistent werden. "Nach dem Schulabschluss habe ich jetzt die Möglichkeit genügend Berufserfahrung im Bereich der Pflege zu sammeln, um zu schauen, ob das wirklich das Richtige für mich ist", so der 16-jährige. Derzeit arbeitet er in einem Seniorenheim im Saarland. Aufgrund der aktuellen Pandemie dürfen Familienangehörige momentan die Einrichtung nicht betreten. Besonders jetzt während der Corona-Zeit zeigt sich deshalb, wie sehr die Menschen auf gute Pflegerinnen und Pfleger angewiesen sind. "Wir sind derzeit die einzigen Kontaktpersonen für die Menschen in unserer Einrichtung", berichtet Robin Kirsch. An seinem Arbeitsalltag hat sich sonst aber nicht viel geändert, "außer, dass wir jetzt alle einen Mundschutz tragen", erklärt er. Für ihn steht jetzt schon fest: er wird mit Abschluss des Jahres dort seine Ausbildung beginnen.

Daniela Kuper (19)

Seit sieben Monaten arbeitet Daniela Kuper im Bundesfreiwilligendienst an der Christophorus Schule in Rheine - einer Förderschule mit dem Schwerpunkt für geistige Entwicklung. Dort unterstützt sie seither Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten beim Unterricht. Aufgrund der Corona-Pandemie musste auch sie ihre Tätigkeit an der Schule vorerst beenden. Die Caritas Rheine vermittelte Sie deshalb an die regionale Tafel weiter. Dort teilt Daniela Kuper Lebensmittel und Getränke an Bedürftige aus. "Ich musste mit Erstaunen feststellen, welche Übermengen an aussortierten Lebensmitteln in den Supermärkten anfallen und danach an die Tafel weitergegeben werden", erzählt sie. Außerdem beeindrucken sie die vielen Ehrenamtlichen, die diese Arbeit täglich machen, berichtet Daniela Kuper weiter. Die 19-Jährige hat auch während dieser Zeit sehr viel Spaß an der Arbeit, denn der Kontakt zu Menschen ist ihr wichtig. "Ich erfahre hier besonders viel Dankbarkeit und freue mich den Menschen helfen zu können. Dennoch würde ich gerne nach der Corona Zeit wieder zur Schule zurückkehren, weil der Arbeitstag dort noch abwechslungsreicher ist und die Arbeit mehr zu meiner persönlichen Weiterbildung beiträgt", sagte Daniela Kuper.

Für Freiwillige ist ein Wechsel der Einsatzstelle während der Corona-Zeit möglich. Für Interessierte vermittelt das Bundesfamilienministerium dringend zu besetzende Stellen seit Anfang April über die Plattform Freiwillige helfen jetzt.