Die EU ist die Antwort auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit

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Pressestatement von Bundeskanzler Merz vor der Tagung des Europäischen Rates am 15. und 16. Oktober 2026 in Brüssel 
Die EU ist die Antwort auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit

Bundeskanzler Merz hat zu Beginn des Europäischen Rates drei Prioritäten definiert: Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigung und der Abbau von Bürokratie seien grundsätzlich, um Europas Handlungsfähigkeit und Souveränität langfristig zu sichern. 

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 15. Oktober 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem Pressestatement im Vorfeld des Europäischen Rats.

Bundeskanzler Friedrich Merz zum Auftakt des EU-Rats.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Zum Auftakt des Europäischen Rates, der vom 15. bis 16 Oktober 2026 in Brüssel stattfindet, sagte Bundeskanzler Merz, dass er sich dafür einsetzt, Europa zusammenzuhalten und die EU handlungsfähiger und souveräner zu machen. Die Europäische Union sei unverzichtbar, um die drängenden Herausforderungen der Gegenwart zu bewältigen. Zugleich müsse Europa seine Handlungsfähigkeit weiter stärken. 

Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt fordert der Bundeskanzler das Budget gegenüber dem Vorschlag der Europäischen Kommission deutlich zu reduzieren. Dieser liege 50 Prozent über dem laufenden Finanzrahmen und sei für die Mitgliedstaaten nicht tragbar. Bundeskanzler Merz erwartet bis Ende des Jahres einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen, damit Europa langfristig handlungsfähig und souverän bleibt.

Die Oktober-Sitzung des Europäischen Rates hat eine umfassende Agenda. Die Staats- und Regierungschefs beraten über die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit, Maßnahmen gegen hohe Energiepreise sowie die weiteren Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen ab 2028. Zudem stehen die Umsetzung der Agenda „Ein Europa, ein Markt“ und wirtschaftspolitische Antworten auf globale Herausforderungen auf der Tagesordnung. Weitere Schwerpunkte sind die Unterstützung der Ukraine, die europäische Verteidigungsbereitschaft sowie strategische Aussprachen zu Migration, EU-Erweiterung und Reformen. Daneben befassen sich die Staats- und Regierungschefs mit der Lage im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die maritime Sicherheit und globale Lieferketten.

Sehen Sie hier das das Statement im Video:

05:35

Video Pressestatement von Bundeskanzler Merz vor der Tagung des Europäischen Rates am 15. und 16. Oktober 2026 in Brüssel 

Lesen Sie hier das gesamte Statement:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich denke in diesen Tagen darüber nach, dass ich vor gut 30 Jahren meine politische Arbeit hier in Brüssel begonnen habe, in der bis heute andauernden Überzeugung, dass die Europäische Union die Antwort auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit ist. Sie ist heute noch wichtiger geworden, als sie es vielleicht vor gut 30 Jahren war. Insofern bin ich, seitdem ich im Amt bin, als Bundeskanzler darum bemüht, die Europäische Union zusammenzuhalten und alles zu tun, damit Europa handlungsfähig bleibt und souverän wird.

Folgendes will ich vorweg schicken, weil ich es im Augenblick sehr kritisch sehe: Wir befinden uns in sehr schwierigen Verhandlungen über die zukünftigen Finanzen der Europäischen Union. Ich bedanke mich bei der irischen Ratspräsidentschaft für den Vorschlag, der in die richtige Richtung geht, der aber noch längst nicht dort ist, wo wir sein müssen. Wir müssen das gemeinsame Budget gegenüber den Vorschlägen der Kommission deutlich reduzieren. Es kann sich kein Mitgliedsland in der Europäischen Union leisten, in diesem Umfang Beiträge an die Europäische Union zu zahlen. Nur zur Erinnerung: Der gegenwärtige Vorschlag liegt 50 Prozent über dem, was wir im laufenden Mehrjährigen Finanzrahmen finanzieren. Insofern stehen wir vor sehr schwierigen Verhandlungen. Ich rechne auch nicht damit, dass wir an diesem Wochenende, in diesen Tagen zu einem Ergebnis kommen.

Gleichwohl ist es wichtig, dass wir noch einmal über die Prioritäten sprechen, die wir setzen wollen. Die Prioritäten sind aus meiner Sicht Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung. Dabei machen wir Fortschritte, allerdings auch diese nicht so, wie ich sie zu Beginn des Jahres eigentlich erwartet habe. Wir haben zu Beginn des Jahres eine gute Tagung der Staats- und Regierungschefs in Alden Biesen gehabt, einen ganzen Tag, an dem wir uns mit Wettbewerbsfähigkeit und Binnenmarkt beschäftigt haben. Wir hatten Mario Draghi und Enrico Letta zu Gast, die uns beide sehr nachdrücklich gesagt haben: Ihr müsst mehr tun. ‑ Das haben wir uns auch vorgenommen. Aber wir sind weit hinter dem Zeitplan, den wir uns im Frühjahr des Jahres selbst gegeben haben.

Insofern stehen für mich das Thema „weniger Bürokratie in Europa“ und die Finanzen der Europäischen Union in einem sehr engen Zusammenhang miteinander. Wenn wir es nicht schaffen, die überbordende Bürokratie in Europa deutlich zurückzunehmen, dann macht es auch relativ wenig Sinn, über Geld zu reden. Insofern stehen diese beiden Themen in einem engen Zusammenhang miteinander. Ich hoffe, dass wir heute und morgen darüber intensiv diskutieren, sehr konstruktiv. Ich möchte, dass wir ein Ergebnis haben. Ich würde mir wünschen, dass wir auch noch bis zum Ende des Jahres mit dem Mehrjährigen Finanzrahmen zu einem Ergebnis kommen, obwohl die Vorstellungen innerhalb der Europäischen Union heute sehr weit auseinander liegen.

Wir stehen also vor schwierigen Verhandlungen. Aber ich gehe in diese Verhandlungen mit dem festen Willen, sie zu einem guten Ergebnis zu bringen. Denn noch einmal: Europa muss handlungsfähig bleiben und souverän werden. Das ist die Aufgabe, die wir im Augenblick nach meinem Empfinden nicht ausreichend erfüllen.