"Digitale Engel" als Mutmacher und Türöffner

Interview zum Tag der älteren Generation "Digitale Engel" als Mutmacher und Türöffner

Chatten mit den Enkeln, sicheres Einkaufen im Netz: Die Corona-Pandemie zeigt, wie wertvoll digitale Angebote sein können – gerade auch für ältere Menschen. Das Projekt "Digitaler Engel" hilft ihnen vor Ort, Internet und Social Media für ihren Alltag zu nutzen. Projektleiterin Katharina Kunze berichtet, wobei ältere Menschen besonders oft Hilfe benötigen.

Porträt einer jungen Frau.

Katharina Kunze, Projektleiterin der "Digitalen Engel".

Foto: Andi Weiland | Deutschland sicher im Netz e.V.

Frau Kunze, welche genaue Aufgabe übernehmen die "Digitalen Engel"?

Katharina Kunze: Die "Digitalen Engel" - ein mobiles Ratgeberteam - reisen mit einem Infomobil durch ländliche Regionen Deutschlands, um älteren Menschen vor Ort mit ihren digitalen Anliegen zu helfen. Im Großen und Ganzen ist es unser Ziel, Seniorinnen und Senioren mehr Teilhabe durch Digitalisierung und damit eine selbstbestimmtere Lebensgestaltung zu ermöglichen. Dazu treffen die Referentinnen und Referenten die Menschen im persönlichen Gespräch und ermuntern sie dazu, die Mehrwerte digitaler Angebote zu erkennen und diese Angebote souverän zu nutzen.

Es geht uns darum, die Chancen der Digitalisierung für ältere Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse sichtbarer zu machen. Dazu gehört es auch, Ängste und Vorbehalte zu thematisieren und abzubauen. Darüber hinaus vernetzen wir uns mit unseren Partnerinnen und Partnern und Akteuren direkt in den Regionen und schaffen so langfristig Strukturen für die digitale Aufklärungsarbeit vor Ort.

Unter strikter Einhaltung von Hygieneregeln sind die "Digitalen Engel" seit Ende September wieder unterwegs. Das Projekt ist Teil der Umsetzungsstrategie der Bundesregierung zur Gestaltung des digitalen Wandels. Es wird von der Initiative "Deutschland sicher im Netz e.V." umgesetzt, gefördert vom Bundesfamilienministerium. Katharina Kunze koordiniert als Projektleiterin von Berlin aus die Aufklärungsarbeit des "Digitalen Engels".

Welche Beratungs- und Unterstützungsangebote bieten Sie an?

Kunze: Wir möchten ältere Menschen zunächst einmal bei ganz alltäglichen Vorhaben und Aktivitäten in der digitalen Welt unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Lebensmittel zu bestellen, Messenger-Dienste zu nutzen oder die Wohnung mit Smart Home-Lösungen auszustatten. Wir arbeiten deshalb sehr praxisnah und erklären, wie solche und andere digitale Angebote das Leben erleichtern und bereichern können.

Mit unseren Partnerinnen und Partnern vor Ort organisieren wir unter anderem Veranstaltungen zu verschiedenen Themen und bieten unsere Beratung an. Zudem verbreitet das Projekt zielgruppengerechte Materialen mit einfachen Tipps und Hilfestellungen. Im Zuge der Corona-Pandemie haben wir Erklär-Videos produziert, einen täglichen Online-Videotreffpunkt veranstaltet und eine Telefonsprechstunde eingerichtet.

Bundesfamilienminsiterin Giffey mit einem Ratgeberteam vor an einem Infomobil

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey mit dem Ratgeberteam am Infomobil der "Digitalen Engel".

Foto: Jörg Farys | Deutschland sicher im Netz e.V.

Wobei benötigen Seniorinnen und Senioren am häufigsten Unterstützung?

Kunze: Ältere Menschen, insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Gebieten, haben teilweise wenig Berührungen mit der digitalen Welt. Hier möchten wir für sie die "Türen öffnen" und ihnen individuelle Beratung zu allen ihren Fragen anbieten. Die Unterstützung reicht dabei von Anliegen wie der Einrichtung eines neuen Mobiltelefons bis hin zu Veranstaltungen zum Thema Online-Banking. Wichtig ist es, Unsicherheiten bei den Seniorinnen und Senioren abzubauen. Wir wollen verdeutlichen, dass die Digitalisierung viele Vorteile bereithält und unterstützen die Menschen dabei, dies zu erkennen und die Möglichkeiten zu nutzen.  

Wie sieht eine Beratung vor Ort aus?

Kunze: Die "Digitalen Engel" sind Expertinnen und Experten beim Thema Digitalisierung und haben Erfahrung in der Arbeit mit älteren Menschen. Wichtig ist es für uns, einen Austausch auf Augenhöhe zu haben und persönlich auf die Menschen und Ihre Fragen eingehen zu können.

Zu den Beratungsangeboten des "Digitalen Engels" gehören zum einen offene Formate, bei denen das "Engel-Mobil" auf Marktplätzen Halt macht. Hier möchten wir Neugier wecken und ältere Menschen erreichen, die bis dato womöglich gar kein Interesse an digitalen Angeboten und entsprechenden Beratungsangeboten hatten. Zum anderen halten wir Veranstaltungen zu bestimmten Themen ab. Dort gibt es zunächst einen Vortragsteil und im Anschluss einen praktischen Teil mit Anwendungsbeispielen. So können die Seniorinnen und Senioren gleich üben. Bei jeder einzelnen Veranstaltung erstellt das Team einen "Wegweiser", der auf lokale und regionale Angebote hinweist. Somit können wir sicherstellen, dass die Menschen auch im Anschluss an unsere Beratung Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in ihrer Nähe finden.

In Potsdam hat der Neustart der Tour des "Engel-Mobils" Ende September begonnen. Bis Juni 2022 fahren die "digitalen Engel" alle Bundesländer an und machen überwiegend in ländlichen Regionen Halt. Der genaue Tourenplan ist unter www.digitaler-engel.org/tourenplan zu finden.

Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich aktuell aus der Corona-Pandemie für den digitalen Engel?

Kunze: Die Corona-Pandemie hat dem Verein und dem Projekt noch deutlicher vor Augen geführt, wie wichtig unsere Arbeit ist. Die Digitalisierung kann älteren Menschen helfen, Distanz zu ihren Lieben zu überwinden. Sie kann aber auch unterstützen, wenn es zum Beispiel darum geht, öffentliche Orte wie den Supermarkt zu meiden, indem Lebensmittel online bestellt werden. Die große Herausforderung für den "Digitalen Engel" ist es, den persönlichen Kontakt und das persönliche Gespräch auch in Zeiten wie diesen aufrechtzuerhalten und weiterhin ganz konkret auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen – trotz möglicherweise räumlicher Distanz.

Der internationale Tag der älteren Generation wird auf Beschluss der Vereinten Nationen seit 1991 an jedem 1. Oktober begangen. Der Aktionstag soll auf die Situation und Belange der älteren Generation aufmerksam machen. Was das Bundesfamilienministerium für Seniorinnen und Senioren unternimmt, finden Sie hier.