80 Jahre Vereinte Nationen
Die Charta der Vereinten Nationen wurde am 26. Juni 1945 unterzeichnet und ist das Gründungsdokument der UN. Ihre Entstehung ist das Ergebnis einer Reihe von internationalen Bemühungen zur Förderung des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit.
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26. Juni 1945: Feierliche Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen in San Francisco mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gründungsstaaten.
Foto: ullstein bild
Sie ist das Gründungsdokument der Vereinten Nationen, zu denen sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Juni 1945 zahlreiche Nationen der Welt zusammenschlossen: die Charta der UN. Ihre Entstehung ist Ergebnis eines langwierigen politischen Prozesses. An dessen Ende sollte eine neue internationale Organisation stehen, die dazu beitragen sollte, künftige Konflikte zu vermeiden und Frieden und Sicherheit auf globaler Ebene zu fördern.
Jährlich im September kommen die Mitgliedstaaten zur Generalversammlung in New York zusammen. In diesem Jahr sitzt mit Annalena Baerbock zum dritten Mal eine Deutsche der Generalversammlung der Vereinten Nationen vor. Sie ist die fünfte Frau, die den Vorsitz für ein Jahr inne hat.
Als Reaktion auf die globalen Herausforderungen und Konflikte, die sich aus dem Krieg ergeben hatten, begründeten im Jahr 1945 50 Staaten eine Organisation, die künftig den Weltfrieden und die internationale Sicherheit wahren sollte. Am 26. Juni 1945 wurde die Charta in San Francisco unterzeichnet. Vier Monate später, am 24. Oktober 1945, trat sie in Kraft.
Vorgeschichte: Die Idee einer internationalen Organisation zur Förderung des Friedens und der Sicherheit entstand nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung des Völkerbunds im Jahre 1919. Allerdings scheiterte der Völkerbund daran, den Zweiten Weltkrieg nicht verhindern zu können.
Zweiter Weltkrieg: Während des Zweiten Weltkriegs erkannten die Alliierten die Notwendigkeit eines neuen internationalen Systems, das effektiver als der Völkerbund sein sollte, um den Frieden zu wahren und Konflikte zu verhindern. Die Idee für eine neue internationale Organisation wurde bereits 1942 auf der Konferenz von Kairo und der Konferenz von Teheran von den Alliierten Führern Roosevelt, Churchill und Stalin diskutiert.
Konferenz von Dumbarton Oaks: Zwischen August und Oktober 1944 fand in Washington, D.C. die Konferenz von Dumbarton Oaks statt. Vertreter der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, des Vereinigten Königreichs und Chinas trafen sich, um die Grundzüge einer neuen internationalen Organisation zu erörtern. Sie legten den Grundstein für die Struktur der UN, einschließlich der Generalversammlung, des Sicherheitsrats, des Wirtschafts- und Sozialrats, des Treuhandrats und des Internationalen Gerichtshofs.
Konferenz von San Francisco: Die offizielle Verfassungskonferenz der Vereinten Nationen fand vom 25. April bis 26. Juni 1945 in San Francisco statt. Daran nahmen 50 Nationen teil, die die Charta ausarbeiten sollten. Diese Konferenz war umfangreicher als die von Dumbarton Oaks und beinhaltete eine breitere Beteiligung von Staaten, einschließlich der Alliierten der Achsenmächte, die zu dieser Zeit noch im Krieg standen.
Während dieser Konferenz wurden zahlreiche Verhandlungen geführt und Kompromisse gemacht, insbesondere in Bezug auf die Zusammensetzung und die Befugnisse des Sicherheitsrats. Dessen ständige Mitglieder (USA, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich, Frankreich und China) erhielten Vetorechte, um sicherzustellen, dass die wichtigsten Weltmächte in der Lage waren, ihre Interessen zu schützen.
Unterzeichnung und Ratifizierung: Die Charta wurde am 26. Juni 1945 von den Vertretern der 50 Gründungsstaaten unterzeichnet. Die Charta trat am 24. Oktober 1945 in Kraft, nachdem sie von den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats sowie von einer Mehrheit der Unterzeichnerstaaten ratifiziert worden war.
Ziele und Prinzipien: Die UN-Charta besteht aus einer Präambel und 19 Kapiteln, die die Ziele, Aufgaben und Organe der Vereinten Nationen sowie deren Beziehungen zu anderen internationalen Organisationen und Staaten beschreiben. Sie betont die Bedeutung von Frieden, Gerechtigkeit, Respekt vor Menschenrechten und Selbstbestimmung sowie die Förderung internationaler Zusammenarbeit und wirtschaftlichen Fortschritts.
Organisation: Die Charta legt die Struktur der UN fest, die aus sechs Hauptorganen besteht: der Generalversammlung, dem Sicherheitsrat, dem Wirtschafts- und Sozialrat, dem Treuhandrat – der 1994 aufgelöst wurde –, dem Internationalen Gerichtshof und dem Sekretariat.
Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten: Die Charta beschreibt die Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten, einschließlich der Pflicht, die Ziele der UN zu unterstützen und die Maßnahmen des Sicherheitsrats zu befolgen.
Die Entstehung der Charta der Vereinten Nationen war ein bedeutender Schritt in der Geschichte der internationalen Beziehungen und spiegelt das kollektive Bestreben wider, einen dauerhaften Frieden und eine stabilere Weltordnung zu schaffen.
Die UN-Generalversammlung ist das Hauptorgan der Vereinten Nationen, in dem alle 193 Mitgliedstaaten vertreten sind. Sie nimmt eine Ausnahmestellung innerhalb der Vereinten Nationen ein, die sie zum Drehkreuz sämtlicher Aktivitäten der Vereinten Nationen macht. Dabei sind alle Mitglieder im einzigen Plenarorgan der UN mit gleichen Rechten vertreten.
Die Hauptaufgaben der Generalversammlung umfassen:
Beratende Funktion: Die Generalversammlung bietet eine Plattform für Diskussionen über internationale Fragen und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Staaten. Sie kann Empfehlungen aussprechen und Resolutionen verabschieden, die, obwohl sie rechtlich nicht bindend sind, politisches Gewicht haben.
Budget und Finanzen: Die Generalversammlung ist für die Festlegung des Haushalts der Vereinten Nationen verantwortlich und überwacht dessen Ausführung. Die Generalversammlung entscheidet auch über die Beiträge der Mitgliedstaaten zum UN-Haushalt.
Entwicklung und Friedenssicherung: Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung der internationalen Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, Bildungs- und humanitären Bereichen. Zudem kann sie Maßnahmen zur Friedenssicherung und Konfliktlösung unterstützen.
Wahlen: Die Generalversammlung wählt die nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, die Generalversammlungspräsidenten, den Generalsekretär und andere wichtige UN-Positionen.
Überwachung der Arbeit der UN: Sie überwacht die Arbeit der anderen UN-Organisationen und -Programme und kann Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Effizienz und Wirksamkeit aussprechen.
Die Generalversammlung trifft sich jährlich in einer ordentlichen Sitzung, die im September beginnt, und kann auch außerordentliche Sitzungen einberufen, um dringende Fragen zu behandeln. Ihre Entscheidungen werden in der Regel durch Mehrheitsbeschlüsse gefasst, wobei bestimmte wichtige Fragen, wie die Wahl des Generalsekretärs, eine Zweidrittelmehrheit erfordern.
Die erste offizielle Generalversammlung der Mitgliedstaaten, auch Vollversammlung genannt, fand am 10. Januar 1946 in London statt. Unter dem Motto „Gemeinsam besser: 80 Jahre und mehr für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte“, läuft seit dem 9.September 2025 die 80. Sitzungsperiode der Generalversammlung.
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Die gleichzeitige Aufnahme beider deutscher Staaten in die Vereinten Nationen am 18. September 1973 war ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der internationalen Beziehungen und spiegelte die sich verändernden geopolitischen Verhältnisse während des Kalten Krieges wider. Es war ein Ergebnis der Ostpolitik der BRD unter Bundeskanzler Willy Brandt, die auf Entspannung und Koexistenz mit den osteuropäischen Staaten abzielte.