Think20-Dialogforum

Chancen der Globalisierung nutzen

Forschungsinstitute und internationale Think Tanks haben Empfehlungen an die G20 diskutiert - es geht um die Lösung globaler Herausforderungen. Für die Bundeskanzlerin gibt es vor allem einen Ansatz: Multilateralismus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Moderator Evan Davis beim T20 Global Solutions Summit.

Die Kanzlerin ist Gast beim Think20-Dialogforum.

Foto: Bundesregierung/Zahn

Es gebe nichts Besseres als den multilateralen Ansatz, um die Gestaltung der Globalisierung nicht Akteuren zu überlassen, "die ausschließlich ihre eigenen Interessen und nicht das Gemeinwohl im Blick haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Global Solutions Kongress in Berlin. Im Mittelpunkt des Dialogforums standen unter anderem Fragen danach, wie die G20 mit den derzeitigen Spannungen in der internationalen Handelspolitik umgehen sollen; wie ökonomischer Erfolg mit sozialem Fortschritt vereinbar ist und wie eine gute internationale Gesundheitspolitik aussehen kann.

Die T20 sind ein politisch unabhängiges Netzwerk von Forschungsinstituten aus den G20-Ländern. Seit 2012 organisiert es einen Dialog unter ihren Mitgliedern und entwickeln Lösungsvorschläge zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Die deutsche Bundesregierung hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie das deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) gebeten, den T20-Prozess während der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 in die Hand zu nehmen.

Für weltoffenen Handel

Merkel bekannte sich "zu offenen Märkten und zum multilateralen, regelgebundenen Handelssystem". Im Zentrum müsse dabei eine starke Welthandelsorganisation (WTO) stehen. "Das multilaterale Regelwerk schafft Rechtssicherheit und damit auch Planbarkeit für Unternehmen". Freier und fairer Handel sei ein zentraler Motor für wirtschaftlichen Fortschritt, so die Kanzlerin. 

Vereinte Nationen als Ort des gemeinsamen Handelns

Das Klimaabkommen von Paris und die Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung seien prominente Beispiele dafür, dass die internationale Staatengemeinschaft zu weitreichenden Beschlüssen fähig ist. "Diese und andere Abkommen gilt es aber auch umzusetzen", sagte Merkel. Sie verwies auf die Millenniumsziele der Vereinten Nationen (VN). Damit sei es tatsächlich gelungen, die extreme Armut auf der Welt stark zu verringern.

Merkel warb für einen zeitweisen deutschen Sitz im VN-Sicherheitsrat. "Deutschlands Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der VN steht für unser Bekenntnis zur Internationalen Ordnung - und dafür, dass wir bereit sind, Mitverantwortung zu tragen." Die UN seien für viele multilaterale Ziele wie Flüchtlings- und Entwicklungshilfe unerlässlich. Deutschland wolle hier einen entscheidenden Teil beitragen. 

Fluchtursachen bekämpfen, Afrika unterstützen

Afrika brauche mehr Investitionen in Bildung, Ausbildung, Beschäftigung und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, so Merkel. "Die Jugend Afrikas braucht Perspektiven."

Mit den afrikanischen Partnerländern wolle sie für die Bedingungen sorgen, die nachhaltige Privatinvestitionen zulassen. Diese könnten in den Handel, die Infrastruktur und erneuerbare Energien fließen. Eine der Bedingungen sei gute Regierungsführung.

G20 brauchen ein menschliches Gesicht

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, sprach auch eine ganz andere Bedingung an: Die G20 braucht "ein menschliches Gesicht". Die G20-Gruppe der großen Industrie und Schwellenländer sowie andere multilaterale Foren würden nur dann mehr öffentliche Akzeptanz gewinnen, wenn sie die Sorgen und Hoffnungen der Menschen im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung stärker berücksichtigen.

Zu den Vortragenden gehörten neben der Bundeskanzlerin auch Außenminister Heiko Maas, Finanzminister Olaf Scholz, Umweltministerin Svenja Schulze sowie die Nobelpreisträger George Akerlof und Edmund Phelps. Auch dabei waren Entscheidungsträger von internationalen Organisationen wie der OECD, der VN und der Weltbank.

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