Berlin und Baku bauen Partnerschaft aus

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Aserbaidschans Präsidenten Alijew Berlin und Baku bauen Partnerschaft aus

Mit einer Gemeinsamen Erklärung bauen Deutschland und Aserbaidschan ihre bilateralen Beziehungen aus. Beim Besuch von Präsident Alijew ging es auch um die Gründung eines deutsch-aserbaidschanischen Wirtschaftsrats und die regionale Stabilität im Südkaukasus.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 21. Juli 2026
Bundeskanzler Merz und Präsident Alijew beim Handshake, in den Händen halten sie unterzeichnete Dokumente.

Bei dem Besuch Alijews wurde auch eine Erklärung zwischen Deutschland und Aserbaidschan über eine strategische Agenda der bilateralen Partnerschaft unterzeichnet.

Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Der 2025 zwischen Aserbaidschan und Armenien geschlossene Friedensvertrag sei historisch und eröffne die Chance, diesen Jahrzehnte währenden Konflikt zu überwinden, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew. Von Frieden, Sicherheit und Stabilität im geopolitisch so wichtigen Südkaukasus würden auch Deutschland und die EU profitieren. „Was immer wir dazu beitragen können aus deutscher und europäischer Sicht, werden wir tun“, sagte der Kanzler nach dem Empfang des aserbaidschanischen Präsidenten im Bundeskanzleramt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Aserbaidschan: Sowohl Deutschland als auch Aserbaidschan seien von den Kriegen in der Ukraine und im Iran sicherheitspolitisch und wirtschaftlich massiv betroffen. Die Konflikte seien im Einzelnen sehr unterschiedlich. Doch man würde sich überall für Verhandlungslösungen einsetzen, da nur sie am Ende Frieden und Stabilität ermöglichen, sagte Merz.
  • Ausbau der Wirtschafts- und Energiepartnerschaft: Er sei „sehr froh, dass sich die Beziehungen unserer Länder dynamisch entwickeln“, sagte der Bundeskanzler. Die im Rahmen des Besuchs erfolgte Zeichnung einer Gemeinsamen Erklärung durch Merz und Alijew lege einen Grundstein für den weiteren Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit. Diesem Ziel dient auch die Gründung eines deutsch-aserbaidschanischen Wirtschaftsrats, die Merz als „wichtiges Signal“ an die Unternehmen in beiden Ländern wertete. Im Fokus stehe dabei die Zusammenarbeit bei der Versorgung mit Erdöl und Erdgas über den Südlichen Gaskorridor. „Hier wollen wir unsere Energieversorgung mit Aserbaidschan weiter diversifizieren“, bekräftigte der Kanzler.
  • Neue Handelskorridore und Investitionsrahmen: Da der Südkaukasus auch als Verbindung zwischen Europa und Asien immer mehr an Bedeutung gewinne, gelte es das Potenzial neuer Verkehrs- und Handelskorridore zu heben. Der Bundeskanzler berichtete außerdem von konstruktiven Gesprächen zu einem Vorschlag Aserbaidschans für ein Investitionsprogramm, das auch deutschen Firmen vor Ort neue Chancen eröffnen könnte.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

28:41

Video Pressekonferenz des Bundeskanzlers und des Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen. Ich freue mich, dass ich heute den Staatspräsidenten von Aserbaidschan, Ilham Alijew, in Berlin herzlich willkommen heißen darf. Wir holen heute Ihren Besuch nach, den wir schon für den März des laufenden Jahres geplant hatten. Wir mussten ihn wegen des Irankriegs verschieben.

Das zeigt auch: Unsere Länder können sich in diesen Tagen großen Krisen und Kriegen nicht entziehen. Dies gilt für den Nahen und Mittleren Osten, dies gilt aber auch für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Deutschland und Aserbaidschan sind von diesen Kriegen massiv in ihren sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen getroffen. So unterschiedlich beide Konflikte im Einzelnen auch sind: Wir setzen uns überall für Verhandlungslösungen ein. Dabei leitet uns die Überzeugung, dass nur Verhandlungslösungen am Ende dauerhaft Frieden, Sicherheit und Stabilität bringen werden.

Herr Präsident, Frieden, Sicherheit und Stabilität brauchen wir auch im Südkaukasus. Deutschland und die Europäische Union haben jedes Interesse daran, dass diese geopolitisch so wichtige Region zur Ruhe kommt. Herr Präsident, wir begrüßen Sie aus diesem Grunde besonders herzlich in Deutschland und beglückwünschen Sie zu dem Friedensvertrag, den Sie zwischen Aserbaidschan und Armenien besiegelt haben. Dies ist ein historischer Vertrag, und dieser historische Vertrag eröffnet die Chance, einen über Jahrzehnte währenden Konflikt zu überwinden. Was immer wir dazu vonseiten Deutschlands und Europas beitragen können, werden wir gern tun; denn eine größere Stabilität in der Region eröffnet auch neue Möglichkeiten für die verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit unserer beiden Länder.

Ich bin sehr froh, dass sich die Beziehungen unserer Länder dynamisch entwickeln. Präsident Steinmeier hat im Frühjahr 2025 als erstes deutsches Staatsoberhaupt Aserbaidschan besucht. In diesem Jahr findet ein intensiver Parlamentsaustausch statt. Wir legen heute mit der Zeichnung einer gemeinsamen Erklärung einen Grundstein für den Ausbau unserer Beziehungen. Zugleich wird heute – und Sie sind Teilnehmer dieser Zeremonie gewesen – die Gründung eines deutsch-aserbaidschanischen Wirtschaftsrats vereinbart. Das ist ein wichtiges Signal an die Unternehmen in beiden Ländern: Es ist uns ernst mit dem Ausbau der Beziehungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan.

Besondere Bedeutung hat auch vor dem Hintergrund der andauernden Krise im Mittleren Osten die Zusammenarbeit bei der Versorgung mit Erdöl und Erdgas über den südlichen Gaskorridor. Herr Präsident, wir haben ausführlich darüber gesprochen: Wir wollen hier unsere Energieversorgung mit Aserbaidschan weiter diversifizieren. Wir haben heute auch über den Ausbau von erneuerbaren Energien sowie über Wasserstoff gesprochen.

Wir sind außerdem in konstruktiven Gesprächen zu einem Vorschlag Aserbaidschans für ein Investitionsprogramm. Dieses Programm könnte auch deutschen Firmen in Aserbaidschan neue Chancen eröffnen.

Der Südkaukasus gewinnt auch als Verbindung zwischen Europa und Asien an Bedeutung. Neue Verkehrs- und Handelskorridore schaffen wirtschaftliches Potenzial, das wir gemeinsam heben wollen.

Herr Präsident, Sie wissen es: Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sind Investitionen über große Distanzen häufig nicht einfach. Entscheidend sind immer auch die richtigen Rahmenbedingungen vor Ort. Auch hierüber haben wir heute gesprochen. Durch die beiden gemeinsamen Erklärungen des heutigen Tages sind wir einen großen Schritt weitergekommen.

In diesem Sinne, Herr Präsident, noch einmal herzlichen Dank für Ihren Besuch in Berlin heute, und auf weiter gute Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und Deutschland.

Präsident Ilham Alijew:

Danke, Herr Bundeskanzler. – Zunächst vielen herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und dafür, dass Sie mich zu diesem offiziellen Besuch eingeladen hatten. Ich bedanke mich dafür sehr herzlich.

Ich bin sehr erfreut, noch einmal bei Ihnen in Ihrem Land zu sein. Ich bin mir sicher, dass die heute unterzeichneten Dokumente unsere Beziehungen auf ein neues Niveau heben werden. Der strategische Dialog wird jetzt beginnen; das hatten wir uns erwünscht und haben es heute auch erreicht.

Zur Erweiterung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern wurden heute Dokumente unterzeichnet. Ich bin mir sicher, dass der gemeinsame Wirtschaftsrat gut funktionieren wird und gute Erfolge erzielen wird. Unsere bilaterale Agenda ist ziemlich breit; das haben wir sowohl unter vier Augen als auch gemeinsam besprochen. Deutschland ist eine der führenden Wirtschaftsmächte der Europäischen Union und übt auch Einfluss im Südkaukasus aus.

Die deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen bestehen aber nicht nur aus bilateralen Beziehungen, sondern auch aus Beziehungen zur gemeinsamen Region, was einen enormen Beitrag zur Entwicklung leistet. Viele deutsche Firmen sind erfolgreich in Aserbaidschan tätig ‑ über 200 deutsche Firmen sind in Aserbaidschan aktiv. Ich bin mir sicher, dass sich diese Zahl weiter erhöhen wird und dass die deutschen Firmen in Aserbaidschan noch aktiver werden, was gemeinsame Investitionen betrifft. Dafür werden wir auch konkrete Vorschläge unterbreiten.

Sie haben auch von der Zusammenarbeit im Energiebereich gesprochen. Auch in diesem Bereich haben wir Erfolge erzielt. Ab diesem Jahr wird das aserbaidschanische Erdgas auch nach Deutschland importiert. Damit wird das aserbaidschanische Erdgas heute in zehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union geliefert, was natürlich ein enormer Beitrag zur Energiesicherheit ist. Aserbaidschan exportiert auch eigenes Erdöl nach Deutschland, und in Zukunft wird auch sogenannte grüne Energie in die EU beziehungsweise nach Europa exportiert. Die Zusammenarbeit im Bereich der Energiesicherheit wird also sehr breit sein.

Auch der Bereich der Transitverbindungen hat eine große Bedeutung für die deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen, und die deutschen Firmen erzielen Erfolge in diesem Bereich. Aserbaidschan vervollständigt seine Transportinfrastruktur.

Aserbaidschan ist auch ein Mitglied des Konsultationsrates in Zentralasien geworden, und mit diesem Schritt ist Aserbaidschan in gewisser Weise zu einer Brücke zwischen Zentralasien und Europa geworden. Dadurch wird die Rolle Aserbaidschans in diesem Bereich weiter wachsen.

Wir haben in vielen Bereichen konkrete Aktionspläne erarbeitet. Auch im Zusammenhang mit der heutigen Erklärung haben wir konkrete Maßnahmen vorbereitet. Es werden einige Arbeitsgruppen gebildet, damit die heute unterzeichneten Dokumente so schnell wie möglich umgesetzt werden.

Ich möchte mich auch für den Beitrag Deutschlands zum Friedensprozess im Südkaukasus bedanken. Nach langen Jahren normalisieren sich die aserbaidschanisch-armenischen Beziehungen wieder. Die Paraphierung des Friedensabkommens in Anwesenheit des US-Präsidenten Donald Trump und die Tatsache, dass wir in Washington auch eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet hatten, haben einem Konflikt ein Ende gesetzt, der mehr als 30 Jahre angedauert hat. Aserbaidschan hat gleich nach der Unterzeichnung dieses Abkommens tatkräftige Schritte eingeleitet. Heute bekommt Armenien aus Aserbaidschan sowohl Diesel als auch Benzinprodukte. Das ist ein großer Beitrag zur Energiesicherheit Armeniens. Beim Export und Import von Erdölprodukten gibt es aus gewissen Gründen gewisse Probleme; das müssen wir auch berücksichtigen. Gleichzeitig erweitert sich der Transport oder der Transit von Waren über aserbaidschanisches Territorium nach Armenien enorm. Die Transitwaren werden also über aserbaidschanisches Territorium nach Armenien gefahren.

Wir erleben gerade nach vielen Jahren, in denen sich aserbaidschanische Gebiete unter Besatzung befanden, eine historische Phase. Aserbaidschan hat der Besatzung mit eigener Kraft ein Ende gesetzt. Aserbaidschan hat die vier Resolutionen des UN-Sicherheitsrates selbstständig verwirklicht, hat Armenien einen Frieden vorgeschlagen und hat eine positive Rückmeldung erhalten. In diesem Bereich spielen Deutschland und die deutsche Regierung eine große Rolle. Wir schätzen das sehr hoch, auch das deutsche Außenministerium. In den Verhandlungen gab es Treffen auf dem Niveau der Außenminister.

Abschließend möchte ich gerne über die Beziehungen zwischen der EU und Aserbaidschan sprechen. Wir haben in diesem Jahr den Präsidenten des EU-Rates, Herrn Costa, und auch die Kommissionspräsidentin, Frau von der Leyen, in Aserbaidschan zu Besuch gehabt. Diese Besuche waren enorm wichtig. Sie haben dazu beigetragen, dass sich die Beziehungen zwischen der EU und Aserbaidschan verstärkt haben. Dass Deutschland eine führende Rolle unter den Mitgliedstaaten der EU spielt, spricht auch dafür, dass Deutschland in den europäisch-aserbaidschanischen Beziehungen eine große Rolle spielt, und ich bin mir sicher, dass Deutschland auch in Zukunft eine große Rolle dabei spielen wird.

Noch einmal vielen Dank, Herr Bundeskanzler, für die Einladung! Danke dafür! Ich lade Sie auch gerne zu einem offiziellen Besuch nach Aserbaidschan ein.