Sprechen Sie Bahndeutsch?
Rund um die Bahn gibt es etliche Begriffe und Redensarten, die ins gängige Vokabular eingeflossen sind. Wir alle verwenden sie im Alltag, aber kaum jemand kennt ihre Herkunft. Höchste Eisenbahn also, dass wir den Bezug herstellen – damit wir am Ende nicht nur Bahnhof verstehen!
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Bahndeutsch ist Teil unseres Alltags – doch woher kommen die Redewendungen überhaupt?
Foto: Getty Images/Nikada
Bedeutung:
„Höchste Eisenbahn“ bedeutet nichts anderes als: Jetzt aber fix, es ist höchste Zeit.
Herkunft:
Die Redewendung geht auf den Berliner Schriftsteller Adolf Glaßbrenner zurück. In seinem Theaterstück „Ein Heiratsantrag in der Niederwallstraße“ (1847) lässt er einen zerstreuten Menschen, der ständig Begriffe vertauscht, sagen: „Es ist die allerhöchste Eisenbahn, die Zeit is schon vor drei Stunden anjekommen.“
Bedeutung:
Die rote Laterne trägt, wer Schlusslicht, also auf dem letzten Platz ist.
Herkunft:
Die rote Laterne war früher üblich, um den letzten Wagen eines Zuges zu kennzeichnen. Dieses sogenannte Zugschlusssignal bestand aus einer Petroleumlampe mit rot gefärbter Scheibe.
Bedeutung:
Wer nur Bahnhof versteht, versteht nichts – oder möchte nichts verstehen.
Herkunft:
Der Ausdruck stammt aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Damals wollten die erschöpften Soldaten einfach nur nach Hause – und nach Hause ging es vom Bahnhof aus. Dieser Wunsch war so vorherrschend, dass alle anderen Gespräche nebensächlich und mit dem Satz beendet wurden: „Ich verstehe nur Bahnhof.“
Bedeutung:
Wer auf den fahrenden Zug aufspringt, ahmt eine bereits erfolgreiche Sache nach.
Herkunft:
Als Straßenbahnen und Züge noch Trittbretter als Einstiegshilfe hatten, sprang während der Fahrt immer wieder jemand darauf, um „schwarz“ mitzufahren. Das waren die sogenannten Trittbrettfahrer – Menschen, die etwas konsumieren, ohne dafür zu bezahlen.
Bedeutung:
Wer seine Leistung steigern will, muss sich noch etwas mehr bemühen.
Herkunft:
Die Redensart stammt aus der Zeit, als die meisten Lokomotiven mit Kohle und ähnlichen Brennstoffen angetrieben wurden. Diese wurden mit Schaufeln aus den Vorratsbehältern entnommen. Wollte man die Leistung der Dampflok erhöhen, musste man weiter schaufeln – also eine Schippe nachlegen und „Dampf“ machen.
Bedeutung:
Wer die Weichen stellt, gibt die künftige Richtung vor.
Herkunft:
Ob damals per Hand durch die Weichenwärter oder heute voll automatisiert: Vom Stellwerk aus werden die Weichen der Bahnschienen so gestellt, dass alle Züge dort ankommen, wohin sie fahren sollen. Weniger bekannt ist, dass die Weiche ihren Ursprung nicht auf dem Gleis, sondern in der Flussschifffahrt hatte. Der Begriff geht zurück auf die Ausweichstellen im Wasserverkehr.
Bedeutung:
Auf dem Abstellgleis landet, wer aus seinem Wirkungskreis verdrängt wurde.
Herkunft:
Ein Abstellgleis wird bei der Eisenbahn benutzt, um Schienenfahrzeuge abzustellen, die für den Fahrbetrieb nicht mehr benötigt werden. Dabei kann es sich um eine Abstellzeit von einigen Stunden bis hin zum dauerhaften Abstellen ausgemusterter Fahrzeuge handeln.
Bedeutung:
Zu spät! Es ist nicht(s) mehr zu ändern.
Herkunft:
Die Redewendung geht auf die Durchsage zurück, mit der die Abfertigung der Züge kommentiert wurde: „Liebe Fahrgäste, der Zug ist abgefahren.“ Vor dem Zeitalter der Eisenbahn spielte es keine Rolle, ob man sich ein paar Minuten verspätete – die Postkutsche wartete. Der Zug jedoch hielt sich an festgelegte Fahrpläne.
Bedeutung:
Bitte kein Stress – ältere Menschen sind nicht mehr die Schnellsten.
Herkunft:
Die ersten D-Züge wurden 1892 bei der Preußischen Staatsbahn eingesetzt. D-Zug steht für Durchgangszug: So wurden die Schnellzüge bezeichnet, deren Waggons durch Wagenübergänge verbunden waren und komplett durchlaufen werden konnten. Diese Züge galten als besonders sicher – und vor allem schnell.
Bedeutung:
Zweigleisig fährt, wer zwei Wege gleichzeitig verfolgt, um sein Ziel zu erreichen.
Herkunft:
Eine zweigleisige Bahnstrecke ist zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit mit zwei parallel verlaufenden Gleisen ausgestattet – je einem für beide Fahrtrichtungen.