Mehr als 5.300 schutzbedürftige Personen ausgeflogen

Evakuierung aus Afghanistan Mehr als 5.300 schutzbedürftige Personen ausgeflogen

Nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban hat die Bundeswehr bis zum 26. August deutsche Staatsangehörige, Bürger weiterer Staaten, afghanische Ortskräfte sowie weitere zu Schützende aus Kabul ausgeflogen. Bundeskanzlerin Merkel erklärte die Luftbrücke am Donnerstag für beendet. Die Entwicklungen der letzten Tage sind im Folgenden aufgelistet.

++++ Freitag, 27. August 2021 ++++

Am Freitagabend landeten die Soldatinnen und Soldaten auf dem Fliegerhorst im niedersächsischen Wunstorf. Mit der Rückkehr des Einsatzverbands endete die Evakuierungsmission. Die Soldaten, aber auch die Diplomaten der Deutschen Botschaft in Kabul und die Bundespolizisten vor Ort hätten „Unglaubliches geleistet“, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. 

Bereits am Freitagmorgen hatte Bundesaußenminister Heiko Maas am Berliner Flughafen Mitarbeiter des Auswärtigen Amts empfangen, die an der Evakuierung beteiligt waren. Maas dankte ihnen für ihren Einsatz unter „extrem schwierigen und hochgefährlichen Bedingungen“.

++++ Donnerstag, 26. August 2021 ++++

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Donnerstagabend die Evakuierungen aus Kabul für beendet. „Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag", sagte sie auf einer Pressekonferenz. Man verhandele mit Hochdruck, wie weiter Menschen das Land verlassen könnten, so Merkel.

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Der letzte A400M der Bundeswehr hat den afghanischen Luftraum verlassen, er ist 18.20 Uhr in Kabul gestartet. Der militärische Evakuierungseinsatz ist beendet. 

Der Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten hat Priorität - alle sind wohlbehalten auf dem Rückweg. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte sich am Donnerstagabend zur aktuellen Situation.  

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Am Abend ereigneten sich am Flughafen von Kabul mehrere Selbstmordattentate, denen Dutzende Menschen, darunter mindestens 13 US-Soldaten, zum Opfer fielen. Dies sei „ein absolut niederträchtiger Anschlag in einer sehr, sehr angespannten Situation", verurteilte Bundeskanzleirn Angela Merkel die Gewalttaten.

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Am Nachmittag ist erneut ein A400M in Taschkent gelandet - mit an Bord 154 zu Schützende aus Kabul. Insgesamt wurden bisher 5347 Menschen evakuiert, darunter mehr als 4100 Afghaninnen und Afghanen.

Jetzt ist die sensibelste Phase, die Terrorbedrohungen verschärfen sich. Wir arbeiten fieberhaft weiter an den Evakuierungen, gleichzeitig geht es um den Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten.

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Der um 08.35 Uhr MESZ in der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandete A400M der Bundeswehr ist um 09.42 Uhr MESZ mit mehr als 150 schutzbedürftigen Menschen in Richtung Taschkent in Usbekistan gestartet.

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Die Evakuierungsoperation der Bundeswehr läuft weiter: Der um 07.15 Uhr MESZ in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartete  A400M der BundeswehrimEinsatz ist um 08.35 Uhr MESZ auf dem Flughafen in Kabul gelandet. Er soll hier weitere schutzbedürftige Menschen aufnehmen.

++++ Mittwoch, 25. August 2021 ++++

Am Mittwoch wurden 539 schutzbedürftige Menschen aus Kabul evakuiert. Insgesamt wurden bisher 5.193 Menschen durch die Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen.

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Der Bundestag hat dem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zugestimmt. Bis zu 600 Bundeswehrsoldaten sind in der afghanischen Hauptstadt im Einsatz. Die Abgeordneten billigten das Mandat mit großer Mehrheit.

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Heute Mittag hat Bundeskanzlerin Merkel vor dem Deutschen Bundestag eine Regierungsklärung zur Lage in Afghanistan abgegeben. Die Entwicklungen der letzten Tage seien furchtbar und bitter – für viele Menschen in Afghanistan seien sie eine Tragödie. 
Deutschland sei in Afghanistan kein Sonderweg gegangen und habe, wie die gesamte internationale Koalition, die Geschwindigkeit der Entwicklung unterschätzt. Deutschland habe seit 2001 gemeinsam mit den Verbündeten gehandelt  – und tue dies nun auch beim Evakuierungseinsatz. Mit Blick auf viele wichtige Fragen sei es zu früh für „fundierte oder gar abschließende Antworten“.
Der Fokus liege jetzt auf drei Punkten: Erstens auf der Fortsetzung der Evakuierungsoperation – so lange wie möglich. Zweitens auf der Unterstützung der Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen bei der Notversorgung der Menschen. Und drittens auf den Gesprächen mit den Taliban - auch, um nach der Evakuierung weiter Menschen zu schützen.

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Das Bundesverteidigungsministerium teilte am Morgen mit, dass am gestrigen Dienstag 983 Personen von Kabul nach Taschkent in Sicherheit gebracht wurden. „So viele wie an keinem anderen Tag und wir beschleunigen weiter. Mit Hochdruck evakuieren wir soviele wie möglich“, so das Ministerium.

Insgesamt wurden nun auf 31 erfolgreich durchgeführten Evakuierungsflügen mehr als 4.600 Personen in Sicherheit gebracht. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sind darunter rund 3.700 afghanische Staatsbürger, von denen etwa die Hälfte Frauen und Mädchen sind. Auch viele Journalisten und Menschenrechtsaktivisten konnten ausgeflogen werden. 

++++ Dienstag, 24. August 2021 ++++

Am heutigen Nachmittag haben die Staats- und Regierungschefs der G7 zur Lage in Afghanistan beraten. Auch UN-Generalsekretär Guterres und Nato-Generalsekretär Stoltenberg nahmen an der Videokonferenz teil. Nach den Gesprächen teilte Bundeskanzlerin am Abend mit, die Zusammenarbeit beim Evakuierungseinsatz sei sehr eng, jeder helfe jedem. Weitere Informationen zu den Ergebnissen der G7-Beratungen finden Sie in unserem Bericht.

06:51

Video Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel nach der Videokonferenz der G7-Staats- und Regierungschefs

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Am frühen Abend teilte das Verteidigungsministerium mit, dass die Lage am Flughafen in Kabul weiter angespannt und hochemotional sei. Mit Hilfsgütern werde versucht, auch vor Ort zu helfen. Die Bundeswehr habe mittlerweile mehr als 4.000 Menschen evakuiert.

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Allein am gestrigen Montag konnte die Bundeswehr 944 Personen aus Kabul in Sicherheit bringen. Die Zahl der insgesamt evakuierten Menschen liegt jetzt bei über 3.650, wie das Bundesverteidigungsministerium am Morgen mitteilte. Heute finden weitere Pendelflüge statt: „Wir fliegen weiter, so lange es geht“. 

++++ Montag, 23. August 2021 ++++

Das Auswärtige Amt teilte am Abend mit, dass die Bundesregierung zusätzlich zu den laufenden Evakuierungen aus Afghanistan auch mit Blick auf die politische Zukunft des Landes weiter alle zur Verfügung stehenden Gesprächskanäle nutzt. Außenminister Maas hat heute unter anderem mit dem Vorsitzenden des Nationalen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, gesprochen. Zudem hat er mit seinem katarischen Amtskollegen telefoniert und sich dabei auch für die Unterstützung Katars bei der Evakuierung deutscher und ausländischer Staatsangehöriger bedankt.

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Fast 3.000 Menschen hat die Bundeswehr bis Montagmittag aus Afghanistan ausgeflogen. Regierungssprecher Steffen Seibert dankte im Namen der Bundeskanzlerin und der gesamten Bundesregierung allen, die an diesem Einsatz beteiligt sind. Sie leisteten „eine fabelhafte Arbeit“ unter schwierigsten, gefährlichen und auch seelisch belastenden Bedingungen.

00:47

Video Dank für Arbeit unter schwierigsten Bedingungen

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Die Bundeswehr hat am Montag wichtige Hilfsgüter nach Kabul geflogen. Diese sollen die schwierige humanitäre Lage am Flughafen verbessern. An Bord waren unter anderem Nahrung, Bekleidung sowie Windeln und Babykleidung.

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Regierungssprecher Steffen Seibert teilte heute mit, dass es am morgigen Dienstag zu einer Videoschaltkonferenz der G7-Staats- und Regierungschefs zum Thema Afghanistan kommen wird. Die Bundesregierung begrüßt diese Initiative des britischen Premierminister Johnson ausdrücklich. „Das bietet die Gelegenheit, im G7-Rahmen zu koordinieren und sich abzustimmen“, so Seibert. Dabei werde es nicht nur um die konkreten Evakuierungsmaßnahmen, humanitäre Fragen oder Flüchtlingsfragen gehen, sondern auch um die künftige Herangehensweise an die Taliban bzw. die künftige afghanische Regierung.

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Das Bundesverteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass die Bundeswehr bis jetzt knapp 3.000 zu schützende Personen evakuiert hat. Die Lage am Flughafen ist weiterhin sehr schwierig. In der Nacht ist es am North Gate zu einem Feuergefecht gekommen, an dem amerikanische und deutsche Kräfte beteiligt gewesen waren. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind unverletzt, eine afghanische Sicherheitskraft wurde getötet, drei weitere verwundet.

++++ Sonntag, 22. August 2021 ++++

Die Bundeswehr in Taschkent bereitet zurzeit den Transport von circa 13 Tonnen Hilfsgütern für die Menschen auf dem Flughafen Kabul vor, darunter Babynahrung, Windeln, Decken, Kleidung und Wasser. Weitere 13 Tonnen sind unterwegs von Deutschland nach Usbekistan.

Soldaten der Bundeswehr beladen ein A400M-Flugzeug mit Hilfsgütern.

Soldaten der Bundeswehr beladen ein A400M-Flugzeug mit Hilfsgütern für Menschen am Flughafen Kabul.

Foto: Bundeswehr

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Um 17 Uhr tagt erneut der Krisenstab der Bundesregierung unter der Leitung von Außenminister Heiko Maas. Die Lage in Kabul ist weiterhin sehr schwierig, die Gates zum Flughafen weitgehend geschlossen. Die Evakuierung der Menschen auf dem Flughafen geht weiter.

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Die Evakuierungsoperation geht weiter: Um 12.41 Uhr MESZ ist der um 11.19 Uhr MESZ in Kabul gestartete A400M mit 196 evakuierten Menschen an Bord auf dem Flughafen in Taschkent gelandet, weitere Maschinen sind unterwegs.

Die Lage in Kabul ist nach wie vor sehr schwierig. Es wird alles getan, so viele Schutzbedürftige wie möglich pro Flug nach Taschkent auszufliegen.

++++ Samstag, 21. August 2021 ++++

Am späten Abend ist der um 20.35 Uhr (MESZ) in Kabul gestartete A400M mit 20 evakuierten Menschen an Bord auf dem Flughafen in Taschkent gelandet. Damit wurden bisher insgesamt 2.134 schutzbedürftige Personen von der Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Samstag mit dem Präsidenten der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, zur Lage in Afghanistan gesprochen. Die Bundeskanzlerin und Präsident Erdoğan waren sich einig, dass die Evakuierung schutzbedürftiger Menschen aus Afghanistan weiterhin höchste Priorität hat.

Die beiden vereinbarten zudem enge Zusammenarbeit bei der Unterstützung der Arbeit internationaler Organisationen, insbesondere des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, in Afghanistan und seinen Nachbarstaaten.

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In der Nacht  hat die Bundeswehr 172 und in einem zweiten Flug 7 Personen evakuiert. Das Ziel der Bundeswehr bleibt es, so schnell wie möglich so viele zu Schützende wie möglich auszufliegen.

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Die beiden am Freitag in Wunstorf verladenen Hubschrauber vom Typ Airbus H145M sind in Kabul angekommen. Sie dienen der Bundeswehr zur Unterstützung der Evakuierung von schutzbedürftigen Personen in Afghanistan.

++++ Freitag, 20. August 2021 ++++

Bei ihrem Besuch in Moskau hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, über die Situation in Afghanistan gesprochen. Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban gelte es nun, Racheakte und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung zu verhindern, so die Kanzlerin. Außerdem wäre es „sehr schade“, wenn erreichte Fortschritte etwa in der Gesundheitsvorsorge oder im Schulwesen zunichte gemacht würden.

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Das Bundesverteidigungsministerium hat heute dem Deutschen Bundestag mitgeteilt, dass es die Operation in Afghanistan erweitert. Noch heute werden zwei Hubschrauber des Typs H-145M nach Kabul verlegt. Dadurch sollen zu Schützende von ihrem Aufenthaltsort in Kabul auf den Flughafen gebracht werden.

Ein Mehrzweckhubschrauber H145M wird in ein Großraumtransportflugzeug vom Typ Airbus A400M verladen.

Die Bundeswehr wird in Kabul auch Hubschrauber des Typs H145M einsetzen (Archivbild).

Foto: Bundeswehr / Johannes Heyn

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Insgesamt 365 schutzbedürftige Menschen sind in der Nacht mit zwei weiteren Flügen der Bundeswehr von Afghanistan nach Usbekistan geflogen worden, meldet das Verteidigungsministerium. Damit hat die Bundeswehr in elf Flügen mehr als 1600 Menschen aus 38 Nationen aus Kabul evakuiert. Auch heute werden gefährdete Personen über die Luftbrücke in Sicherheit gebracht.

++++ Donnerstag, 19. August 2021 ++++

Am Abend ist ein A400M der Bundeswehr mit mehr als 230 Personen an Bord in Taschkent gelandet. Ein weiterer A400M ist zurzeit in Kabul, um die nächsten schutzbedürftigen Menschen zu evakuieren.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer informierte im Anschluss an eine Sonder-Innenministerkonferenz zu Afghanistan, dass man sich einig sei, weiterhin Ortskräfte, deren Familienangehörige sowie besonders gefährdete Personengruppen aus Afghanistan schnellstmöglich nach Deutschland in Sicherheit zu bringen. Seehofer betonte, dass besonders schutzbedürftige Menschen so behandelt werden wie Ortskräfte, also von Deutschland aufgenommen werden, ohne ein Asylverfahren durchlaufen zu müssen. „Für Bürokratie ist keine Zeit, wir müssen handeln“, so Innenminister Seehofer.

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Bundeskanzlerin Merkel unterstrich am Mittag während eines Besuches in Gießen, dass Deutschland mit Hochdruck dabei sei, Menschen aus Afghanistan zurückzuholen. „Das ist eine koordinierte internationale Aktion, bei der Deutschland auch eine wichtige Rolle spielt“, so Merkel. Dabei drückte sie auch Ihren Dank gegenüber den Soldatinnen und Soldaten aus: „Das ist alles andere als einfach. Das ist ein hochkomplizierter Einsatz.“ Erneut dankte sie Usbekistan für die intensive Zusammenarbeit und brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass es Deutschland gelingen werde, „noch möglichst viele Menschen nach Hause zu bringen oder in Schutz und Sicherheit zu bringen“.

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Video Kanzlerin Merkel am Donnerstag zur Evakuierungsmission der Bundeswehr

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In der Nacht erreichte ein weiterer A400M Taschkent. Die Zahl der Evakuierten stieg damit auf über 900, wie das Bundesverteidigungsministerium am Morgen mitteilte. Das Auswärtige Amt erklärte, dass 69 Deutsche mit einem Flug der Niederlande aus Kabul ausreisen konnten. Auch Deutschland werde weiter Staatsangehörige seiner Partnerländer evakuieren. 

++++ Mittwoch, 18. August 2021 ++++

Das Bundesverteidigungsministerium teilte am Abend mit, dass ein weiterer A400M mit mehr als 220 Personen an Bord in Taschkent gelandet ist. Das Auswärtige Amt erklärte, es handle sich überwiegend um afghanische Staatsbürger, unter ihnen mehr als 80 Frauen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute mit US-Präsident Joe Biden über die Lage in Afghanistan gesprochen. Bundeskanzlerin Merkel betonte dabei aus deutscher Sicht die Notwendigkeit, möglichst vielen afghanischen Bürgerinnen und Bürgern, die Deutschland unterstützt haben, die Ausreise zu ermöglichen. Die Bundeskanzlerin und Präsident Biden vereinbarten weitere enge Zusammenarbeit, auch zwischen der Bundeswehr und amerikanischen Sicherheitskräften am Flughafen Kabul. Sie waren sich einig, möglichst viele schutzbedürftige Menschen auszufliegen.

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Außenminister Maas teilte am Abend mit, dass Deutschland seit Sonntag rund 500 Menschen aus Kabul ausgeflogen und in Sicherheit gebracht habe – darunter 100 afghanische Staatsbürger. Die Evakuierungen sollen in den nächsten Tagen in gleichem Umfang fortgesetzt werden. „Das kann nur der Anfang sein“, so der Außenminister. „Wir wollen weiterhin so viele Menschen wie nur irgendwie möglich aus Afghanistan in Sicherheit bringen.“ Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass das Zeitfenster für die Luftbrücke begrenzt sei. Maas teilte zudem mit, dass Botschafter Potzel mittlerweile in Doha eingetroffen sei und dort erste Gespräche geführt habe – auch mit Vertretern der Taliban.

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Nach einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages erklärte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer, dass mehr als 1900 Ortskräfte und ihre Familien bereits in Deutschland seien. Man werde weiter alles dafür tun, die zu Schützenden aus Kabul auszufliegen und in Sicherheit zu bringen.

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Das Bundeskabinett hat heute Vormittag den Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur militärischen Evakuierung aus Afghanistan beschlossen. Bis zu 600 Soldaten sollen die laufende Evakuierung aus der afghanischen Hauptstadt Kabul absichern. Der Einsatz ist bis zum 30. September 2021 befristet. Der Bundestag muss jedem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr zustimmen. Da in diesem Fall Gefahr in Verzug war, kann die Zustimmung des Parlaments entsprechend Paragraf 5 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes auch nachträglich erfolgen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Bericht zum Kabinettsbeschluss. 

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In der Nacht erreichte eine weitere A400M aus Kabul Usbekistan. An Bord waren 139 Menschen – darunter deutsche, andere europäische und afghanische Staatsbürger, wie das Auswärtige Amt mitteilte.  Das Verteidigungsministerium unterstrich: „Wir evakuieren, solange es geht, weiter.“ Für Mittwoch sind weitere Evakuierungsflüge geplant. Um den Prozess so zügig wie möglich zu gestalten, wird ein Pendelverkehr eingerichtet: Zwei A400M werden mehrmals täglich zwischen Usbekistan und Kabul hin- und herfliegen.

Bundeswehrsoldaten und einige weitere Personen stehen vor einer offenen A400M auf dem Flughafen Taschkent.

Drehscheibe Taschkent: Die A400M der Bundeswehr steuern von Kabul aus zunächst Usbekistan an, von dort geht es für die Evakuierten dann weiter nach Deutschland.

Foto: Bundeswehr/Marc Tessensohn

++++ Dienstag, 17. August 2021 ++++

Am Abend informierten Außenminister Maas und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer über die aktuelle Situation in Kabul und den Stand des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr. Außenminister Maas erklärte, dass sich derzeit 180 Personen am Flughafen Kabul befinden, die ausgeflogen werden können. Er sei zuversichtlich, dass dies gelinge. „Alles wird abhängen von den Entwicklungen vor Ort“, so Maas. Die Taliban ließen nur ausländische Staatsbürger zum Flughafen durch. Es sei nun wichtig, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Partnern Lösungen dafür zu finden, dass auch Ortskräfte ausgeflogen werden können.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer teilte mit, dass sich robuste, auf solche Einsätze spezialisierte Kräfte der Bundeswehr in Kabul am Flughafen befinden. Über Nacht konnte gemeinsam mit der US-amerikanischen Seite die Infrastruktur so aufgebaut werden, dass heute die ersten 129 Personen aus 15 Nationen ausgeflogen wurden. Kramp-Karrenbauer teilte mit, dass nun mehrere Evakuierungsflüge geplant sind, die Umsetzung aber stets von der konkreten Sicherheitssituation am Flughafen Kabul abhänge. 

06:40

Video Gemeinsames Pressestatement von Außenminister Maas und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit dem französischen Staatspräsidenten Macron, mit dem britischen Premierminister Johnson, dem italienischen Ministerpräsidenten Draghi sowie dem UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge Grandi zur Lage in Afghanistan gesprochen. Weitere Telefonate mit Staats- und Regierungschefs, auch aus der Region rund um Afghanistan, sind vorgesehen.
Bundeskanzlerin Merkel tauschte sich mit ihren Gesprächspartnern über die laufenden Bemühungen aus, eigene Staatsbürger und afghanische Ortskräfte auszufliegen, und vereinbarte diesbezüglich enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung vor Ort.
In allen Telefonaten unterstützte Bundeskanzlerin Merkel das Pressestatement des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, das aufruft zu Verzicht auf Gewalt, Respekt von Menschenrechten und zur Bildung einer inklusiven Regierung

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Am frühen Nachmittag konnte die A400M wieder in Richtung Taschkent/Usbekistan starten. An Bord: 125 evakuierte Personen, darunter deutsche Staatsbürger, afghanische Ortskräfte sowie weitere zu schützende Personen, so das Verteidigungsministerium. Außenminister Maas erklärte: „Die Luftbrücke ist angelaufen und wird intensiv fortgesetzt, sofern die Sicherheitslage dies irgendwie zulässt“.

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Gegen Mittag teilte das Verteidigungsministerium mit, dass der zweite A400M in Kabul gelandet sei und die Evakuierung der zu Schützenden laufe. Dies hätten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in der Nacht vorbereitet. Das Ministerium betonte: „Die Lage in Kabul ist extrem unübersichtlich. Es gilt nach wie vor: Wir fliegen solange wie möglich, so viele zu Schützende wie möglich aus Afghanistan aus.“

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Außenminister Maas erklärte ebenfalls am Morgen, dass weitere Evakuierungsflüge im Laufe des Tages erwartet werden. Die Lage am Flughafen in Kabul habe sich weiter stabilisiert, so Maas. Die Bundeswehr sichere den Zugang. Die Deutsche Botschaft habe eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um den Abflug zu ermöglichen.

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„Wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen zusammen mit den US-Amerikanern eine richtige Luftbrücke aufbauen können. Dafür sehen wir bis zu 600 Soldaten vor“, sagte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer am Morgen.

++++ Montag, 16. August 2021 ++++

„Lassen Sie uns alle in Gedanken bei jenen sein, die jetzt nach Afghanistan fliegen, um Menschen zu retten und bei jenen, die dort unten auf Rettung warten“, betonte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Außenminister Maas erklärte: „Wir werden nichts unversucht lassen, so viele Menschen wie möglich zu retten. Wir koordinieren mit Hochdruck die Evakuierungsmaßnahmen. Es wird eine große Herausforderung werden, die Menschen sicher zum Flughafen zu bekommen. Aber auch daran arbeiten wir“. 

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Die Sicherungskräfte der Bundeswehr sind in Kabul geblieben, um weitere Evakuierungsflüge vorzubereiten, teilte das Verteidigungsministerium am Montagabend mit. 

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Eine Landung in Kabul war zunächst aufgrund einer großen Anzahl von Menschen auf der Landebahn nicht möglich. Später gelang die Landung und die Maschine konnte von Kabul aus in Richtung Taschkent/Usbekistan fliegen.
An Bord des Flugzeugs waren auch sieben zu schützende Personen. Am Dienstag erklärte das Auswärtige Amt dazu: „Aufgrund der chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt war gestern Nacht nicht gewährleistet, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden“. Auch eine Aufnahme von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufhielten, sei nicht möglich gewesen. Das Flugzeug musste Kabul nach kurzer Zeit wieder verlassen. „Mit Unterstützung der jetzt in Kabul eingetroffenen Kräfte der Bundeswehr arbeiten wir unter Hochdruck daran, dies im Laufe der nächsten Stunden für erste Evakuierungsgruppen zu ermöglichen“, so das Auswärtige Amt.

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Am Montagmorgen war eine erste Transportmaschine vom Typ A400M von Wunstorf in Richtung Kabul gestartet. Im Laufe des Tages folgten zwei weitere A400M sowie ein A310, um den Evakuierungseinsatz durchzuführen. Ziel ist der Aufbau einer „Luftbrücke“ zwischen Kabul und Deutschland.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet am Morgen auf dem Fliegerhorst Wunstorf.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet auf dem Fliegerhorst Wunstorf.

Foto: picture alliance/dpa/Frankenberg

++++ Sonntag, 15. August 2021 ++++

In der Nacht zu Montag werden Transportflugzeuge des Typ A400M nach Kabul aufbrechen, teilte das Verteidigungsministerium mit. „Wie unterstützen das Auswärtige Amt bei der Evakuierung der zu Schützenden. Dazu wird in einem Nachbarland eine logistische Drehscheibe eingerichtet, von dort aus gehen die Charterflüge nach Deutschland.“ Das Ziel des Einsatzes sei es, deutsche Staatsangehörige, afghanische Ortskräfte und weitere zu Schützende nach Deutschland zu bringen. „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Es ist ein gefährlicher Einsatz, in den wir unsere Soldatinnen und Soldaten jetzt schicken“, betonte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer.

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Maas erläuterte, dass das Botschaftspersonal zum militärischen Teil des Flughafens in Kabul verlegt wird. Ein operatives Kernteam der Botschaft werde in Kabul bleiben, „um die notwendige Arbeits- und Handlungsfähigkeit zu erhalten, um die weiteren Evakuierungsmaßnahmen in den nächsten Tagen mit begleiten zu können.“

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Außenminister Maas erklärte: „Die Nachrichten und die Bilder, die uns zurzeit aus Afghanistan erreichen, sind wirklich nur schwer zu ertragen.“ Oberste Priorität habe nun die Sicherheit der deutschen Staatsangehörigen, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der deutschen Botschaft sowie der Menschen, mit denen Deutschland in den letzten Jahren in Afghanistan zusammengearbeitet habe. „Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen. Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen“, so Maas.