Forschung

"Polarstern" startet große Arktismission

Im Herbst 2019 bricht die "Polarstern" nach Norden auf. Das deutsche Forschungsschiff soll sich einfrieren lassen - um mit dem Eis durch die Arktis zu driften. So wollen Wissenschaftler den Klimawandel besser verstehen, von dem die Polarregionen besonders stark betroffen sind. Deutschland unterstützt die Arktisforschung auf vielfältige Weise, auch mit einer internationalen Konferenz Ende Oktober in Berlin.

Die Wissenschaftler verschiedener Arbeitsgruppen arbeiten auf dem Meereis des Weddelmeeres.

Deutsches Forschungsschiff "Polarstern": Eine Arktis-Mission von noch nie da gewesener Größenordnung.

Foto: Alfred-Wegener-Institut /Mario Hoppmann

Deutschland engagiert sich verstärkt in der internationalen Arktisforschung. Im Herbst 2019 wird das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven zur MOSAiC-Expedition aufbrechen. Es soll sich für ein ganzes Jahr lang einfrieren lassen und mit der Eisdrift die zentrale Arktis durchqueren.

Expeditionsleiter Professor Dr. Markus Rex hat riesige Erwartungen an die Reise: "Wir werden die wesentlichen Klimaprozesse erfassen, um den Klimawandel besser zu verstehen." Eine Operation dieser Größenordnung habe es in der Arktis noch nie gegeben. 600 Menschen aus 17 Nationen sind beteiligt und fünf zusätzliche Eisbrecher werden im Einsatz sein, um die Versorgung der "Polarstern" sicherzustellen.

Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" ist das wichtigste Werkzeug der deutschen Arktisforschung und das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts. Es kann sogar in der Packeiszone arbeiten, denn mit seinem doppelwandigen Stahlrumpf und seinen 20.000 PS bricht es bis zu 1,5 Meter dickes Eis. Die "Polarstern" ist für Temperaturen bis zu -50 Grad Celisus ausgelegt und bietet einer Crew von bis zu 44 Seeleuten sowie 55 Wissenschaftlern und Technikern Platz. Seit ihrer Indienststellung 1982 hat sie 1,5 Millionen Seemeilen zurückgelegt, etwa 2,7 Millionen Kilometer.

Das Eis schrumpft, der Permafrostboden taut

Kaum eine andere Region der Erde hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so sehr erwärmt wie die Arktis. Das Meereis der Arktis schrumpft immer weiter und nimmt sowohl in seiner Ausdehnung als auch in seiner Dicke ab. Der Permafrostboden taut weiter. Der Einfluss auf das sensible Ökosystem ist nur schwer vorhersagbar. Sicher ist aber: Der fortschreitende Verlust dieses Lebensraums bedroht gleichermaßen deren Bewohner und ihre belebte Umwelt.

"Was in der Arktis geschieht, beeinflusst stark das weltweite Klima und damit auch uns in Europa", sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Sie betont die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit für die Arktisforschung: "Angesichts der schnellen und tiefgreifenden Veränderungen des Klimas in der Arktis ist Forschung notwendig – denn dieser Wandel betrifft uns alle."

MOSAiC-Expedition des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern.

MOSAiC-Expedition des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern. Forschung, Drift im Eis (Nordpol).

Foto: Bundesministerium für Bildung und Forschung/Alfred-Wegener-Institut

Arktisforschung der Zukunft

Die Arktis rückt Ende Oktober ebenfalls in den Fokus der weltweiten Wissenschaftspolitik: Wissenschaftsministerinnen und -minister aus der ganzen Welt kommen am 25. und 26. Oktober 2018 zur Zweiten Arktischen Wissenschaftsministerkonferenz (2nd Arctic Science Ministerial) in Berlin zusammen.

Repräsentanten aus 30 Nationen werden unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der indigenen Völker der Arktis über die Arktisforschung der Zukunft diskutieren, um die internationale wissenschaftliche Kooperation in der arktischen Region zu stärken. Zu diesem Treffen haben Deutschland, die Europäische Kommission und Finnland gemeinsam eingeladen.

Begleitet wird die Arktische Wissenschaftsministerkonferenz von öffentlichen Veranstaltungen, die die Faszination der Arktis transportieren und für den dramatischen Wandel dieser Region sensibilisieren sollen. So kann an Veranstaltungen von wissenschaftlichen Partnern teilgenommen werden.

Forschungskooperationen zur globalen Erwärmung

Das Bundesforschungsministerium fördert gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation (MON) die deutsch-russische Kooperation in der Arktisforschung. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Forscherinnen und Forscher beobachtet, wie sich die arktischen Ökosysteme drastisch verändert haben.

Zudem nahmen im Juli 2018 zwölf deutsch-britische Verbundprojekte ihre Arbeit auf. Ziel dieser Vorhaben ist es, den Einfluss der Erwärmung auf das globale Klima und auf die Lebensgemeinschaften in den Polarregionen zu untersuchen.

"Weil der Ozean immer wärmer wird, finden wir dort ganz andere Tier- und Pflanzenarten als früher", erklärt die Polarforscherin Heidemarie Kassens vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeamforschung in Kiel. Die Arten würden aus den wärmeren Breiten in die Arktis einwandern. Die Wissenschaftlerin zieht ein beunruhigendes Resümee aus mehreren Jahrzehnten Polarforschung: "Ich habe den Klimawandel in der Arktis mit eigenen Augen gesehen."

Der arktische Ozean bedeckt eine Fläche von mehr als 14 Millionen Quadratkilometern und erreicht damit fast die Größe der Antarktis. Obwohl er der kleinste und flachste der fünf großen Ozeane der Welt ist, haben die hier stattfindenden Veränderungen doch großen Einfluss auf das weltweite Klima.



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