„Enge und vertraute Nachbarn“ in einer Welt im Umbruch

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem Bundespräsidenten der Schweiz, Guy Parmelin „Enge und vertraute Nachbarn“ in einer Welt im Umbruch

Bundeskanzler Merz und der Schweizer Bundespräsident Parmelin haben bei ihrem Treffen die enge Partnerschaft und vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Länder gewürdigt. Unter anderem wolle man die Wirtschaftsbeziehungen im beiderseitigen Interesse weiter vertiefen.

13 Min. Lesedauer

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 19. Mai 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßt Guy Parmelin, Bundespräsident der Schweiz, im Bundeskanzleramt.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die weltweiten Konflikte waren Thema der Gespräche von Bundeskanzler Merz und dem Schweizer Bundespräsidenten Parmelin.

Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Deutschland und die Schweiz seien „sprachlich, wirtschaftlich und geografisch eng miteinander verbunden“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz beim Besuch des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin am Dienstag in Berlin. Täglich überquerten zehntausende Pendlerinnen und Pendler die Grenze zu ganz selbstverständlich, wovon die Wirtschaft in beiden Ländern profitiere.

Die andauernde iranische Blockade der Straße von Hormus nannte der Bundeskanzler einen „großen Schaden für uns beide“, da Deutschland und die Schweiz sehr stark vom Export abhängig seien. „Wir leben von offenen Handelswegen und niedrigen Zöllen auf der Welt.“ Merz forderte, die Freiheit der Seewege schnellstmöglich wiederherzustellen und forderte den Iran abermals auf, an den Verhandlungstisch zu kommen.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz:

21:11

Video Pressekonferenz des Kanzlers und des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen und ein besonders herzliches Willkommen dem amtierenden Bundespräsidenten der Schweiz, Guy Parmelin. Bienvenue à Berlin! Herr Präsident, ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, Sie heute in Berlin zu empfangen.

Wir haben ja sehr gute Beziehungen zueinander, und ich will Ihnen für die Gastfreundschaft bei der gegenwärtigen Eishockey-Weltmeisterschaft danken, auch wenn ich zugeben muss, dass das Spiel gestern Abend nicht nur Freude ausgelöst hat. Aber die deutsche Mannschaft hat leidenschaftlich gekämpft, und am Ende haben die Schweizer Gastgeber ihre ‑ ‑ ‑

Bundespräsident Guy Parmelin:

Das haben wir nicht vertieft.

Bundeskanzler Merz:

Nein, aber selbst wenn wir es vertieft hätten, wäre es keine Belastung unserer Beziehungen geworden. Aber die Schweiz ist ein guter Gastgeber, und Sie sind gestern Abend Ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Dazu gratulieren wir herzlich. Sie sind wieder einmal hervorragende Gastgeber, wie zuletzt auch bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen.

Meine Damen und Herren, die Schweiz und Deutschland sind sprachlich, wirtschaftlich und geografisch eng miteinander verbunden. Für zehntausende Pendler ist das tägliche Wechseln von einem Land in das andere selbstverständlich. Jeden Tag auch die Grenze zu überqueren, wird praktisch gar nicht mehr wahrgenommen. Davon profitiert die Wirtschaft auf beiden Seiten.

Deutschland ist der größte Handelspartner der Schweiz. Diese Beziehungen wollen wir weiter ausbauen. Wir investieren in die nötige Infrastruktur, etwa durch den in diesem Jahr beginnenden Bau des Pfaffensteigtunnels. Dieser Tunnel wird eine bessere Anbindung der Grenzregion an den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof bringen.

Aber für unsere Wettbewerbsfähigkeit sind auch andere Infrastrukturvorhaben wichtig und von großer Bedeutung. Ich begrüße es daher sehr, dass die Europäische Union und die Schweiz ihre Abkommen nun vertiefen und modernisieren wollen. Das dient beiden Seiten. Wir wünschen uns von uns aus eine zügige Umsetzung für unsere beiden Länder.

Wir sind zwei Länder, die sehr stark vom Export abhängig sind, und wir leben von offenen Handelswegen und niedrigen Zöllen auf der Welt. Deswegen ist die iranische Blockade der Straße von Hormus für uns beide ein großer Schaden. Wir setzen deshalb mit unseren Partnern darauf, die Freiheit der Seewege so schnell wie möglich wiederherzustellen. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, wird Deutschland auch bereitstehen, wie Sie alle wissen, sich mit militärischen Fähigkeiten dafür zu engagieren. Dafür muss aber der Iran an den Verhandlungstisch kommen. Er muss aufhören, auf Zeit zu spielen, er darf nicht länger die Region und die ganze Welt zur Geisel nehmen, und vor allem muss das militärische Nuklearprogramm beendet werden.

Unter dem Vorsitz der Schweiz hat sich auch die OSZE erstmalig seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf einen Haushalt einigen können. Das ist eine beachtliche diplomatische Leistung, zu der wir gerne beigetragen haben und zu der wir gratulieren. Die Schweiz bemüht sich wie Deutschland um ernsthafte Verhandlungen auch über ein Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine. Wir teilen miteinander die Überzeugung, dass ein tragfähiger Frieden nur gemeinsam mit der Ukraine, mit Russland, mit den USA und mit den Europäern erreicht werden kann.

Bis es so weit ist, bleibt für uns die konsequente Unterstützung der Ukraine von höchster Bedeutung. Das gilt für militärisches Gerät und Ausrüstung ebenso wie für zivile Hilfsgüter. Kyjiw weiß, die Regierung der Ukraine, der Präsident der Ukraine, sie alle wissen, dass sie sich auf Deutschland und Europa verlassen können.

Herr Bundespräsident, noch einmal herzlich willkommen! Deutschland und die Schweiz sind enge und vertraute Nachbarn. In einer Welt im Umbruch arbeiten wir zwischen unseren beiden Ländern sehr eng und vertrauensvoll zusammen. Wir tun das im gemeinsamen Interesse. Wir teilen auch viele Werte und Grundüberzeugungen miteinander. Deswegen noch einmal sehr herzlichen Dank für Ihren Besuch. Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Deutschland. Wir wollen Sie gerne auch weiter im beiderseitigen Interesse vertiefen.

Bundespräsident Parmelin:

Meine Damen und Herren, danke für Ihre Worte, Herr Bundeskanzler, und die Gelegenheit zum Austausch. Deutschland und die Schweiz verbindet weit mehr als nur die gemeinsame Sprache. Wir teilen eine starke Innovationskraft und die Fähigkeit, uns rasch an sich verändernde Bedingungen anzupassen.

Der Bundeskanzler und ich haben heute intensiv über Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Stabilität gesprochen. Dabei haben wir auch das zunehmend herausfordernde internationale Umfeld mitberücksichtigt. Für die Schweiz ist klar: Deutschland ist unser wichtigster Handelspartner. Täglich überqueren Waren, Ideen und Menschen unsere gemeinsame Grenze. Zehntausende Arbeitsplätze sind auf eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern angewiesen. Umso entscheidender ist es, gemeinsam unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Für die Schweiz bedeutet dies, langfristig in Bildung und Forschung zu investieren, mit Offenheit und Verlässlichkeit. Unser Land zählt zu den innovationsstärksten Volkswirtschaften der Welt. Dies verdanken wir nicht nur unseren Unternehmen und Hochschulen, sondern auch unserer engen Einbettung in den europäischen Wirtschafts- und Forschungsraum und hier insbesondere der Zusammenarbeit mit Deutschland. Aus diesem Grunde wollen wir diese Kooperation noch weiter ausbauen. Ein konkretes Beispiel für diese enge Zusammenarbeit ist die in wenigen Wochen bevorstehende Eröffnung des ETH Campus in Heilbronn. Gemeinsame Forschungsprojekte an Universitäten, die engen Kooperationen von Start-ups bis zur Industrie oder verzahnte Wertschöpfungsketten in Schlüsselbranchen zeigen, dass Innovation heute grenzüberschreitend entsteht.

Vor diesem Hintergrund habe ich Bundeskanzler Merz und seine Delegation über die innenpolitischen Schritte beim Ratifizierungsprozess des Vertragspakets zwischen der Schweiz und der EU informiert. Dessen Ziele sind Planungssicherheit, Investitionsschutz und fairer Wettbewerb. Diese Wettbewerbsfähigkeit und entsprechende Innovationen, aber auch unsere Demokratien benötigen ein Umfeld von Frieden und Sicherheit.

Die internationale Lage führt uns täglich vor Augen, wie instabil dies ist, und die Kriege in der Ukraine und im Nahen und Mittleren Osten stellen uns vor große politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Gleichzeitig erleben wir tiefgreifende geopolitische Verschiebungen. Auch hier teilen die Schweiz und Deutschland ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung für den Erhalt der demokratischen Institutionen, für die Achtung des Völkerrechts und für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger.

Die Schweiz ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Als neutrales Land leistet sie neben humanitärer Hilfe wichtige Beiträge zur internationalen Stabilität durch diplomatische Vermittlung und als Gastgeberin von Dialogformaten. Darüber hinaus engagiert sich die Schweiz aktiv in internationalen Organisationen, etwa mit ihrem diesjährigen Vorsitz der OSZE. Gleichzeitig stehen wir überzeugt an der Seite jener, die sich für das Völkerrecht, für freie Märkte und für Kooperation einsetzen. Ich möchte abschließend betonen: Die Schweiz ist bereit, Verantwortung zu übernehmen bei uns in Europa und darüber hinaus.

Besten Dank, Herr Bundeskanzler, für die Einladung zu dem heutigen Treffen und den konstruktiven Austausch. Ich freue mich auf weitere Begegnungen im Laufe meines Präsidialjahres – es bleiben noch ungefähr sieben Monate.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!