- Bulletin 25-96
- 26. März 1996
Bundespräsident Roman Herzog hielt aus Anlaß des symbolischen
Spatenstichs für den Neubau des Bundespräsidialamtes am 14. März
1996 in Berlin folgende Ansprache:
Meine sehr verehrten Damen und Herren, vor allem lieber Herr von
Weizsäcker, ich begrüße Sie alle herzlich hier auf der Baustelle für
das neue Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamtes. Heute soll,
wie das so üblich ist, durch einen Spatenstich symbolisch der Beginn
der Bauarbeiten freigegeben werden. Das ist dies sicherlich auch der
Augenblick, um allen denen Dank zu sagen, die es durch ihren
Einsatz und ihre Arbeit möglich gemacht haben, daß wir heute die
dritte Etappe auf dem langen Weg zur Fertigstellung in Angriff
nehmen können. Mit dem heutigen Baubeginn befinden wir uns in
jeder Hinsicht im selbstgesetzten Zeitplan. Ich möchte nur daran
erinnern, daß die gegenwärtige Entscheidung über die Realisierung
des vom Preisgericht 1994 auf den ersten Platz gesetzten Entwurfs
der Architekten Gruber und Kleine-Kraneburg erst nach einer
Überarbeitungsphase im Februar 1995 getroffen werden konnte. Es
ist also von diesem Zeitpunkt an gerade ein Jahr vergangen. Dieses
Jahr wurde genutzt, wie sich das gehört, für die
- baurechtlichen und planungsrechtlichen Voraussetzungen sowie
- für die haushaltsmäßigen Rahmenbedingungen und
- für die architektonischen und technischen Festlegungen.
Diese zügige Arbeitsweise ermutigt mich zu der Voraussage, daß das
Bundespräsidialamt dann tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte 1998
als erste Bundesbehörde komplett von Bonn nach Berlin umziehen
kann. Allerdings möchte ich heute noch nicht soweit gehen, Sie alle
schon zu dem in meinem Langzeitterminplan vorgemerkten
Übergabetermin, 22. Juli 1998, einzuladen, soweit gehts dann doch
nicht. Sie sehen aber daraus, daß wir Vertrauen in die Bauverwaltung
setzen, und das wird ja dann hoffentlich auch ein Ansporn sein; denn
viel Dispositionsmasse ist in meinem Terminplan dann nicht mehr
vorhanden.
Das Schloß Bellevue als Amts- und Wohnsitz des
Bundespräsidenten verkörpert Kontinuität und Identifikation. Seit
1959 ist das Haus in schwieriger Zeit als Symbol der Bindung und
Verbindung der jeweiligen Bundespräsidenten zu Berlin angesehen
worden. Es bestand kein Anlaß, den Amtssitz jetzt nach der
Wiedervereinigung und dem Beschluß des Deutschen Bundestages,
nach Berlin umzuziehen, zu ändern. Das hat zur natürlichen Folge,
daß auch das Verwaltungsgebäude für die Mitarbeiter des
Präsidialamtes in unserer unmittelbaren Nähe gebaut werden muß.
Die Nähe des Amtes zum Amtssitz des Bundespräsidenten ist, wie
ich täglich neu erfahre, unabdingbar für die Amtsführung des
Staatsoberhauptes. Ich erlebe täglich, wie es ist, wenn man darauf
achtet, möglichst viel in Berlin zu sitzen, und alle Mitarbeiter in Bonn
zu wissen. Das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht gut ist und der
auch nicht im übrigen dadurch gelöst werden kann, daß man hier den
Sitz des Bundespräsidenten läßt und dann in irgendeiner weit
entfernten Ecke Berlins etwa, wie es gelegentlich vorgeschlagen
worden ist, das Präsidialamt baut.
Es versteht sich von selbst, daß
wir bei der Bauausführung die Eingriffe in Natur und Landschaft auf
das unumgängliche Maß beschränkt haben und weiter beschränken
werden, damit hängt auch die Stelle zusammen, an der das neue
Präsidialamt entstehen wird. Für Eingriffe, die nicht zu vermeiden
sind, schaffen wir einen Ausgleich durch Bereitstellung anderer
Grünflächen und durch Geldleistungen. So wird die Grünfläche an
der Paulstraße mit Mitteln des Bundes in eine hochwertige
Parkanlage für die Berliner umgestaltet. Für Ersatzpflanzungen von
Bäumen und Maßnahmen des Natur- und Denkmalschutzes zahlt der
Bund etwa 3,5 Mill. DM an das Land Berlin.
Der Entwurf der
Architekten Gruber und Kleine-Kraneburg hat alle Voraussetzungen
dafür, daß er von den Berlinern akzeptiert wird. Welches Gebäude,
um es so zu sagen, kann von sich schon behaupten, bereits nach der
ersten Presseveröffentlichung einen Spitznamen bekommen zu
haben? Wir wissen, wie schnell das in Berlin geht. Aber das scheint
ein zeitlicher Rekord zu sein. Neben der "Gold-Else" wird sich das
"Präsidenten-Ei", finde ich, ganz gut machen. Die herzerfrischende
Berliner Respektlosigkeit holt dieses Amt, wie ich hoffe, auch in die
Herzen der Berliner. Ich bin sicher, daß sich das Gebäude
harmonisch in die Parklandschaft einfügen wird und das es Berlin
schöner und architektonisch reicher machen wird.
Langweilige Gebäude gibt es genug! Deshalb haben wir uns für ein
unverwechselbares und dennoch unaufdringliches Gebäude
entschieden. Vielleicht entwickeln die Berliner dafür ein wenig
hauptstädtischen Stolz. Ich wäre glücklich darüber. Und um die
Sache, die wir hier betreiben, nicht allzulang ausufern zu lassen,
wünsche ich jetzt einen reibungslosen und guten Bauverlauf, und
wenn wir es hinter uns gebracht haben, dann lade ich Sie nach dem
Spatenstich zu einem kleinen Imbiß und zu einem kleinen
Stehempfang ein, bei dem wir auf das Gelingen des Bauvorhabens
anstoßen können.