Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier

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Es ist mir eine große Ehre, heute hier zu sein. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, und Ihnen, Frau Araneta Marcos, für Ihre Gastfreundschaft. Seien Sie versichert: Meine Frau und ich sind überaus froh, dass wir diesen Besuch noch nachholen konnten.

Es gibt in Deutschland einen Ort, der wie kein zweiter für die deutsch-philippinischen Beziehungen steht. Und obwohl er gerade einmal gut 3.000 Einwohner hat, kennen die meisten Filipinos ihn: Wilhelmsfeld bei Heidelberg. Dort lebte José Rizal, Ihr Nationalheld. Dort vollendete er vor genau 140 Jahren „Noli me tangere“, jenes Werk, das den Kampf Ihres Volkes für Freiheit und Selbstbestimmung in wunderbare Worte fasste.

Als José Rizal im Alter von 35 Jahren hingerichtet wurde, endete dieser lange Kampf der Filipinos gegen die Kolonialherrschaft noch nicht. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte Manila seine dunkelsten Stunden, wurde die Stadt in Schutt und Asche gelegt – neben Warschau und Stalingrad eine der am stärksten zerstörten Städte weltweit. Innerhalb weniger Wochen verloren mehr als 100.000 Zivilisten ihr Leben und Manila große Teile seiner jahrhundertealten Architektur. Ein Jahr danach, 1946, erlangten die Philippinen endlich ihre Unabhängigkeit. Ein Volk, das so lange für die Freiheit gekämpft hat, vergisst nicht, was sie wert ist.

Auch wir in Deutschland wissen: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit. Diese Werte zu verteidigen, bleibt unsere gemeinsame Aufgabe. Sie sind das Fundament unserer Partnerschaft.

Sicherheitspolitisch stimmen wir uns eng ab – wenn es um die Freiheit der Seefahrt geht, um die Verteidigung der regelbasierten internationalen Ordnung, um den Schutz von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.

Und auch wirtschaftlich bauen wir auf stabile Beziehungen. Hunderte deutsche Unternehmen investieren hier vor Ort in die Zukunft dieses Landes. In Deutschland wiederum leben heute 30.000 Filipinos. Sie arbeiten als Ingenieure, Wissenschaftler, Pflegekräfte oder im Dienstleistungsbereich. Sie sind Botschafter zwischen unseren Gesellschaften – genau wie Rizal es einst war. Umgekehrt entdecken immer mehr deutsche Touristen die Philippinen für sich, seine mehr als 7.600 Inseln, seine 170 Sprachen, seine weltweit einzigartige Biodiversität, die einen mit Bewunderung und Demut erfüllt.

Die Bilder von dem schweren Erdbeben im Süden Ihres Landes haben viele Menschen in Deutschland sehr betroffen gemacht, auch mich. All jenen, die durch die Naturkatastrophe Angehörige oder ihre Existenzgrundlage verloren haben, gilt unser Mitgefühl. Zusätzlich sind die Philippinen als Inselstaat besonders stark von Taifunen und steigendem Meeresspiegel betroffen. Der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel bleibt unseren Ländern ein Anliegen.

Ich möchte nun mein Glas erheben auf José Rizal, auf Wilhelmsfeld – oder Noli Village, wie es auf den Philippinen auch genannt wird –, auf unsere Partnerschaft und auf die Freundschaft zwischen unseren Völkern!

Mabuhay ang Pilipinas! Mabuhay ang kaibigan!