Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier

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Herzlich willkommen! Wenn ich richtig gerechnet habe, feiert das Programm „Afrika kommt!“ in diesem Jahr seinen 18. Geburtstag. Und sicher ist es in vielen Ihrer Heimatländer so oder so ähnlich wie bei uns: Für junge Menschen in Deutschland ist dieser 18. Geburtstag ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben und ganz oft auch ein großer persönlicher Aufbruch.

Für alle, die „Afrika kommt!“ bereits seit Längerem verbunden sind, ist es bei diesem Empfang nicht zu übersehen: Auch für mich als Bundespräsidenten gab es erst vor wenigen Monaten einen solchen Aufbruch, von Schloss Bellevue hierher an den Spreebogen, in die unmittelbare Nachbarschaft des Deutschen Bundestages und des Kanzleramts – ein Schritt, architektonisch zunächst einmal vom 18. ins 21. Jahrhundert, ein Schritt, der notwendig war, um die erforderliche Sanierung von Schloss Bellevue einzuleiten.

Wir wissen, dass ein solcher Ortswechsel eben häufig auch mit einem Perspektivwechsel einhergeht. Man blickt anders auf das Vertraute und Gewesene. Und wenn es gut läuft, entdeckt man auch viel Neues. Und das gilt auch umgekehrt: Menschen verändern auch die Orte, an die sie kommen. Und genau das tun Sie alle im Rahmen des Programms „Afrika kommt!“.

Liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, sicher haben Sie hier in Deutschland vieles ganz neu entdeckt – Menschen, unsere Geschichte, unsere Kultur und nicht zuletzt natürlich auch unsere Unternehmenskultur. Und ich wünsche Ihnen allen, dass diese Erfahrungen Sie stärken und Sie sie auf Ihren weiteren Lebensweg mitnehmen.

Und Sie haben nicht nur Eindrücke gesammelt, Sie haben auch Eindruck hinterlassen: bei den Menschen, denen Sie begegnet sind, in den Unternehmen, in denen Sie in den vergangenen zwölf Monaten gearbeitet haben – in der Automobilbranche, im Maschinen- und Gerätebau, in der medizinischen oder pharmazeutischen Forschung, im Softwarebereich oder bei Unternehmen, die IT-Lösungen oder Finanzdienstleistungen anbieten. Sie haben Dinge angestoßen, sie haben Ihre Ideen eingebracht und etwas verändert – mit Ihrem Wissen und Können, mit Ihren Erfahrungen, mit Ihrem Engagement und natürlich mit Ihrer Persönlichkeit.

Und damit gelingt Ihnen etwas ganz Wichtiges: Sie verändern auf diese Weise durch Ihr Zutun den deutschen Blick auf Afrika und tragen dazu bei, dass hoffentlich so manche Klischees und Stereotypen, die es immer noch gibt, überwunden werden – in der medialen Berichterstattung, auch in den öffentlichen Debatten und vielleicht auch bei manchem, der in Wirtschaft und Politik Verantwortung trägt. Für all das sind wir Ihnen sehr dankbar!

Dankbar bin ich aber auch den Unternehmen, die sich für „Afrika kommt!“ engagieren, um Ihnen als Partner in diesem Stipendienprogramm zur Seite zu stehen und Sie zu begleiten. Ich weiß, dieses Engagement ist nicht selbstverständlich, zumal in diesen wirtschaftlichen Zeiten, in denen auf vielen Feldern gespart und gekürzt wird und unsere Wirtschaft mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Umso dankbarer bin ich, dass Sie, liebe Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Unternehmen, dieses wichtige Programm „Afrika kommt!“ unterstützen!

Denn ich bin und ich bleibe von einem überzeugt: Die globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, werden wir nur meistern, wenn wir sie gemeinsam, in starken Netzwerken und mit starken Partnern angehen – Partnern, wie wir sie auf dem aufstrebenden und dynamisch wachsenden afrikanischen Kontinent haben.

Dass es für „Afrika kommt!“ diesen Empfang beim Bundespräsidenten gibt, ist mittlerweile schöne Tradition. Jeder einzelne Jahrgang – Sie sind bereits der 14. – hat unsere Verbindung über die Kontinente hinweg gestärkt, in Ihrem Fall mit Nigeria, Burundi, Äthiopien, Ruanda, Uganda, Sierra Leone, Sudan, Südafrika, Senegal, Simbabwe, Sambia, Angola und Kenia.

Mir war es in der Vergangenheit ganz wichtig, regelmäßig nach Afrika zu fahren und die Länder dort zu besuchen. Zehn Afrikareisen allein in meinen zwei Amtszeiten als Bundespräsident habe ich unternommen, einige als Außenminister liegen davor. Ich war zuletzt in Ägypten, Ghana und Angola. Und ich freue mich, dass im November noch einmal meine elfte und gleichzeitig letzte Afrikareise als Bundespräsident ansteht: Côte d’Ivoire, Ghana und Kenia stehen auf dem Programm. Alle drei Länder stehen für wirtschaftliche Dynamik und für Zukunftschancen vor allem für junge Menschen.

Wenn ich mir heute bei diesem Zusammentreffen noch etwas wünschen darf, dann sind es zwei Dinge: Erstens, dass es für mich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt, der dieses Programm mit genauso viel Herzblut begleitet, wie ich es versucht habe zu tun. Und zweitens, dass es in Zukunft auch Unternehmerinnen und Unternehmer gibt, die dieses so wichtige Programm unterstützen. So viele talentierte Fach- und Führungskräfte aus Afrika würden gern die Chance ergreifen. Meine Bitte ist: Geben wir sie ihnen!

Mein großer Dank geht an alle, die „Afrika kommt!“ möglich gemacht haben in der Vergangenheit und auch heute, und an Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, für Ihr Interesse und Ihre Neugier auf unser Land. Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg und alles Gute, wenn Sie in Ihre Heimatländer zurückkehren. Und jetzt freue ich mich auf das Gespräch mit Ihnen.