zur Weltbiodiversitätskonferenz vor dem Deutschen Bundestag am 16. Oktober 2026 in Berlin:
- Bulletin 103-2
- 16. Oktober 2026
Sehr geehrter Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Vielen Dank der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für die Einreichung des Antrags, sodass wir heute Gelegenheit haben, zum Ende der Sitzungswoche und vor der Weltnaturkonferenz in Armenien über diese besondere Konferenz und den Schutz der Grundlagen unseres Lebens und Wirtschaftens zu diskutieren.
Gerne greife ich ein paar Punkte auf, die Sie, Herr Kollege Ebner, genannt haben. Wir haben – ganz grundsätzlich – in den vergangenen Jahrzehnten die Voraussetzungen der Natur für unser Leben als zu selbstverständlich hingenommen, so als seien die immer da und müssten nicht auch in größerem Maße geschützt werden. Das gilt besonders für das Thema Wasser. Jetzt im Herbst erleben wir extrem niedrige Pegelstände am Rhein. Die Bilder vom Bodensee haben viele von uns gesehen und auch erschüttert. Vielleicht haben Sie auch die Bilder vom nackten Matterhorn in der Schweiz gesehen; diese Ikone sieht aus wie eine Wüstenlandschaft. Und England hat 80 Prozent seiner Fläche zum Dürregebiet erklärt – England!
Das zeigt, wir brauchen einen neuen, besseren Umgang mit Wasser und der Natur insgesamt: um ihrer selbst willen, damit sie uns auch weiter versorgen kann mit dem, was wir zum Leben brauchen. Das gilt – und das ist der große Unterschied zur nationalistischen Partei in diesem Parlament – nicht nur national, sondern das gilt vor allen Dingen auch international. Deswegen werden wir uns aus der internationalen Zusammenarbeit niemals zurückziehen, wir werden sie verstärken. Gerade die Natur macht an den Landesgrenzen nicht halt, sondern braucht unsere internationale Kooperation.
Wir werden keine Fische mehr in der Ostsee sehen, wenn wir nicht alle Anrainerstaaten für saubere Flüsse gewinnen. Wir werden die hohe See, die Ozeane, nur bewahren können, wenn sich die Staaten der Welt zusammentun, so wie es mit dem Hochseeschutzabkommen gelungen ist. Liebe Steffi Lemke – ich sehe dich hier –, herzlichen Dank für die Vorarbeit, die ich in New York vor drei Wochen vollenden konnte, um diese Ratifikationsurkunde, die der Bundestag hier in breiter Mehrheit beschlossen hat, zu übergeben. Das ist ein wichtiger Schritt der internationalen Zusammenarbeit.
Nur mit einer intakten Natur, mit großer biologischer Vielfalt können wir die Lebensbedingungen in der Welt, insbesondere in Afrika, erhalten. Das ist wichtig auch für die Kolleginnen und Kollegen, die sich mit der Frage von Flucht und Migration beschäftigen. Nur wenn man in seiner jeweiligen Region leben kann, sich ernähren kann, nur dann hat man dort auch eine Chance, nicht nur zu überleben mit seiner Familie und seinen Kindern, sondern dann bleibt man dort auch und schlägt Wurzeln.
Wir in Deutschland haben in den vergangenen Jahrzehnten große Erfolge erzielt. Die Flüsse sind sauberer als früher. Die Luft ist gesünder. Arten wie Seeadler oder Wildkatzen, sie kehren zurück.
Global werden wir auf der Weltnaturkonferenz eine Zwischenbilanz ziehen. Wir werden erstmals bewerten, wie weit die Staatengemeinschaft mit Blick auf die Biodiversitätsziele für 2030 gekommen ist. Auch dort gibt es Fortschritte, aber es ist auch klar: Wir sind noch weit entfernt von den Zielen, die wir uns selbst gesteckt haben. Herr Kollege Ebner, Sie haben gesagt, Sie werden selbst dort dabei sein. Ich freue mich sehr darüber, dass das Parlament dies nicht nur begleitet, sondern sich auch aktiv in den internationalen Dialog mit einbringt.
Mir würde es darum gehen, dass wir in Armenien noch mal eine Schippe drauflegen. Ich bin mit dem dortigen Minister, der die Federführung für die Verhandlungen hat, in intensivem Austausch über mein Haus, aber auch persönlich. Ich möchte, dass wir die bestehenden Ziele so rasch wie möglich erreichen und alles, was auf dem Weg dorthin liegt, zur Seite tun. Wir in Deutschland tragen dafür eine besondere Verantwortung; denn Naturschutz ist eine Menschheitsaufgabe.
Insbesondere die Länder mit der größten biologischen Vielfalt liegen im Globalen Süden. Diese Länder erwarten zu Recht, dass wir sie auch in Zukunft mit dieser Aufgabe nicht alleinlassen. Wir gehören zu den wichtigsten Unterstützern im internationalen Naturschutz. Da können wir verdammt stolz drauf sein, es ist aber auch unsere Verpflichtung.
Ich will allen demokratischen Fraktionen im Bundestag für ihre Unterstützung ausdrücklich danken.
Ich weiß, dass die internationalen Aufgaben angesichts der großen Herausforderungen im eigenen Land immer besonders kritisch beäugt werden. Herr Kollege Moser hat auf die Tropical Forest Forever Facility, also den Schutz des Regenwaldes, hingewiesen. Ja, die Lunge der Erde, der Regenwald in Brasilien, aber auch in Afrika ist auch für uns in Deutschland zentral: für unsere Luft, für unsere Atmosphäre, für die Frage der Biodiversität in den jeweiligen Ländern und damit auch für die intakte Natur. Deswegen tun wir gut daran, dass wir die Länder dort darin unterstützen, dass sie den Regenwald nicht abholzen, sondern erhalten und damit auch unsere Sauerstoffquelle erhalten – in Deutschland und in der Welt.
Und das ist sehr gut angelegtes Geld.
Ich war ja gestern im Haushaltsausschuss und habe meinen Etat verteidigt. Ich bin auch den Kollegen dort dankbar, dass sie mich dabei unterstützt haben, dass wir auch ein bisschen umschichten konnten unterjährig. Ich bin dankbar, dass es gelungen ist, auf der Konferenz der Vereinten Nationen in New York große amerikanische Stiftungen dazu zu bekommen, dass sie unser eingesetztes Geld für die zehn größten beziehungsweise wichtigsten afrikanischen Schutzgebiete verdreifachen. Das ist Public-private-Partnership, das ist gemeinsames Arbeiten von Staat und von privaten Stiftungen zum Erhalt der Artenvielfalt, der Biodiversität und vor allem der Lebensräume für viele Menschen in Afrika. Und ich bin sehr froh, dass uns das gelungen ist. Vielen herzlichen Dank!
Ich möchte, dass solche Beispiele weiter vorangehen, dass wir insbesondere in Deutschland mit unserem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz nicht nur die Wiedervernässung von Mooren, das Aufforsten, die Diversität, angepasst an den Klimawandel unserer Wälder, und die Renaturierung von Flüssen stärken, sondern dass wir die Zivilgesellschaft dabei mit unterhaken. Naturschützer sind Lebensschützer – sie brauchen unsere demokratische Unterstützung auch aus diesem Haus.
Vielen herzlichen Dank.