Grußwort der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Dr. Stefanie Hubig,

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Gewalt ist keine Privatsache; sie geht uns alle an. Kaum jemand lebt diesen Satz so konsequent wie Sie, liebe Frau Professorin Stövesand, und alle, die sich im Verein „Stadtteile ohne Partnergewalt“ engagieren. Es ist eine sehr gute Nachricht, dass die Bundesfachstelle heute ihre Arbeit aufnimmt. Auch wenn ich nur digital dabei sein kann, ich bin es von ganzem Herzen. Und wir als Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz unterstützen Sie gerne dabei.

Denn wir müssen gemeinsam etwas tun: Die Zahlen sind alarmierend. Nach dem aktuellen Bundeslagebild „Häusliche Gewalt“ des Bundeskriminalamts wurden in Deutschland in 2024 im Schnitt rund 700 Menschen täglich Opfer häuslicher Gewalt, in 70 Prozent der Fälle waren es Frauen. Fast jeden zweiten Tag wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Konkret bedeutet das: Gestern wurde in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet – und morgen wird eine weitere getötet. Der Gedanke daran ist schwer zu ertragen. Wir müssen Betroffene dringend besser schützen. Und deshalb handeln wir als Bundesregierung:

  • Familiengerichte können Gewalttäter künftig zum Tragen einer elektronischen Fußfessel und zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs verpflichten.
  • Wir stärken die psychosoziale Prozessbegleitung, damit Betroffene den Weg zu Polizei und Gericht gehen – und ihn auch durchstehen.
  • Wir wollen auch klarstellen: Wenn ein Vater die Mutter schlägt, müssen die Familiengerichte das beim Sorge- und Umgangsrecht berücksichtigen.
  • Mit unserem Gesetz gegen digitale Gewalt werden wir stärker gegen die Gewalt im Netz vorgehen.
  • Und mit der bundesweiten Aufklärungskampagne „Dein Mut findet Rückhalt“ möchten wir Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass es Hilfe gibt. Wir wollen die Gesellschaft dafür sensibilisieren hinzusehen, Unterstützung anzubieten und Betroffene auf ihrem Weg in ein gewaltfreies Leben zu bestärken. Das ist wichtig, besonders im ländlichen Raum.

Hinschauen, nachfragen und Hilfe anbieten: Darum geht es. Und genau das ist der Kern von StoP. Beim „Gärtnern gegen Gewalt“, beim Stricken oder beim Nachbarschaftsfrühstück entstehen Netzwerke, die tragen. Das reicht von Menschen, die beim Weg zur Polizei begleiten oder beim Umzug helfen. Die Botschaft an Betroffene lautet: Du bist nicht allein. Hilfe ist da.

Meine Damen und Herren, mit StoP beschreiben Sie eine konkrete Utopie: Nachbarinnen und Nachbarn, die den Fernseher nicht lauter drehen, wenn nebenan geschrien wird, sondern hinhören und nachfragen. Menschen, die sich zusammentun, um Betroffene ganz konkret zu unterstützen, beispielsweise mit einer Telefonkette von Nachbarn. Stadtteile, in denen Betroffene wissen: Hier werde ich verstanden, hier bekomme ich Hilfe.

Mit der Bundesfachstelle kann diese Utopie überall in Deutschland Wirklichkeit werden – in der Stadt wie auf dem Land. Die Bundesfachstelle hat ihren Sitz an einem besonderen Ort: den Atelier Gardens am Tempelhofer Feld. Und wie im nachhaltigen Garten geht es in Ihrem Verein darum, gemeinsam etwas aufzubauen und wachsen zu lassen. Österreich – davon werden Sie später noch hören – zeigt, wie das gelingen kann: Dort ist StoP in nur wenigen Jahren auf über 40 Standorte gewachsen.

Dem ganzen Verein und allen, die sich in den Stadtteilen engagieren, danke ich herzlich für Ihren Einsatz. Sie zeigen jeden Tag: Eine aktive Nachbarschaft kann einen echten Unterschied machen. Ich wünsche Ihnen eine tolle Kick-off-Veranstaltung und der Bundesfachstelle einen guten Start!