bei der Eröffnung der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2026 am 4. September 2026 in Berlin:
- Bulletin 80-2
- 7. September 2026
Sehr geehrte Frau Chardon,
sehr geehrter Herr Dr. Zinkann,
sehr geehrter Herr Weber,
liebe Partnerinnen und Partner der IFA,
Ausstellerinnen und Aussteller aus Deutschland, Europa und der Welt,
sehr geehrte Damen und Herren,
willkommen auf der IFA 2026 in Berlin!
1924 eröffnete hier auf dem Berliner Messegelände die erste Große Deutsche Funkausstellung. 1971 kehrte die IFA schließlich nach Berlin zurück, und seitdem ist Berlin ihr Standort. Aus der Funkausstellung ist die IFA, eine der Weltleitmessen für Consumer- und Home-Tech geworden. Mein Dank gilt dem Land Berlin und der Messe Berlin, die der IFA Jahr für Jahr eine Bühne geben!
Ich komme gerade von meinem Rundgang. Ich war zwei Jahre nicht hier, und ich muss sagen: In zwei Jahren in diesem Sektor passiert unglaublich viel! Beeindruckt haben mich auch die deutschen Unternehmen – beispielsweise Miele, BSH – mit viel Innovation, sehr gutem Design und nachhaltigen Lösungen.
Was man auch konstatieren muss: Es gibt natürlich viele Anbieter, bei denen man sieht, mit welcher Geschwindigkeit dort gearbeitet wird. Ich denke, das ist auch ein Anspruch für uns.
Ich habe viele Jahre in diesem Sektor gearbeitet und weiß, was hinter einem guten Produkt steckt: Entwicklung, Investitionen, Mut und Entscheidungen, die der Kunde oft nicht sieht, aber im Produkt spürt. Solche Entscheidungen werden hierzulande jeden Tag getroffen von großen deutschen Unternehmen, von Marken wie Miele, Bosch, Siemens, Kärcher, FRITZ!Box oder auch Familienunternehmen wie Liebherr, von einem innovativen Mittelstand und von Start-ups, die die Dinge einfach anders machen. Ausdrücklich danke ich auch den internationalen Herstellern, die Innovationen aus aller Welt nach Berlin bringen. Ich glaube, das ist genau die Mischung, die wir brauchen. Ich freue mich auch, dass wir so viele Start-ups jetzt hier haben. Dafür herzlichen Dank!
Denn die Zukunft ist nicht einfach da, sie wird gebaut. „The Future is Now“ lautet das Motto der IFA. Doch wer diese Zukunft gestaltet, woraus Wachstum und Wohlstand entstehen, das ist nicht entschieden. Das muss jeden Tag erarbeitet werden. Und genau darum geht es.
Was ein Produkt ist, auch das verändert sich. Früher war ein Gerät im Wesentlichen fertig, wenn es das Werk verließ. Heute wird es aktualisiert. Selbst der Ofen kriegt ein Update. Heute wird er aktualisiert, erhält neue Funktionen und lernt mit künstlicher Intelligenz (KI) aus seiner eigenen Nutzung. Damit verschiebt sich auch der Wettbewerb. Im Zeitalter der KI ist das Produkt nämlich nicht nur das, was vom Band läuft. Produkt ist auch die Fähigkeit, immer schneller die nächste, bessere Version vom Band laufen zu lassen.
Aber mehr ist nicht automatisch besser. Menschen kaufen keine Parameter, keine KI. Sie kaufen gewonnene Zeit, Verlässlichkeit, Komfort, Sicherheit, Vertrauen, Erfahrung, Gefühl. Und ein gutes Produkt lässt uns die Wirkung spüren, aber nicht die Komplexität.
Handel und Service, auch hier vertreten, sind dabei kein Anhängsel. Der Handel zeigt dem Kunden, was ein Produkt für ihn leistet, hilft bei der Auswahl und gibt damit ein Versprechen. Ob das Versprechen im Alltag hält, entscheidet sich im Service: bei der Installation, beim Update, bei der Reparatur. Auch der Handel bringt Innovation zum Kunden und auch die Erfahrung des Kunden zurück zum Hersteller.
Was wollen die Kunden? Sie wollen eben nicht immer mehr neue Funktionen. Sie wollen Geräte, die ihnen Arbeit abnehmen. Wenn ein Produkt seine Umwelt wahrnimmt und selbstständig in ihr handelt, wird aus digitaler Intelligenz physische Wirkung.
Und damit sind wir bei der Robotik, ein ganz großes Feld. Robotik beginnt nicht beim menschenähnlichen Roboter, sondern auch bei Systemen, die saugen, mähen, Waren sortieren, Material bewegen oder Menschen in der Pflege unterstützen. Die Grenze zwischen intelligentem Gerät und Roboter wird fließend.
Für Deutschland und Europa liegt darin eine besondere Chance. Unsere Stärke: Maschinenbau, Sensorik, Automatisierung, Sicherheit, Präzision und Produktion. Wir bauen Dinge, die im wirklichen Leben funktionieren, und jetzt statten wir sie auch mit Intelligenz aus.
Aber diese Fenster bleiben nicht lange offen. Wir dürfen uns eben nicht auf Ideen, Komponenten beschränken und die Skalierung anderen überlassen. Tempo ist die Währung, das Gebot der Stunde!
Eine gute Idee allein hat natürlich keinen Wert für unsere Stärke. Ein Prototyp beweist, dass etwas möglich ist. Aber erst die Produktion, die Skalierung in großer Stückzahl beweist, dass daraus Wohlstand entstehen kann. Deshalb brauchen wir Forschung, Daten, Rechenleistung, Produktion, Wachstumskapital und den Zugang zum Kunden. Fehlt eines dieser Teile, bleibt die Idee so oft ein Prototyp.
Wer in entscheidenden Bereichen weder eigene Fähigkeiten noch verlässliche Partner hat, verliert den Handlungsspielraum. Digitale Souveränität heißt nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit – Technologien prüfen, Anbieter wechseln, Standards setzen und auch Nein sagen können. Souveränität heißt auch: Technologie beherrschen, Wachstum schaffen. Wir wollen nach wie vor offene Märkte, mit starken Partnern allemal. Wer hier forscht, investiert, produziert und Arbeitsplätze schafft, gehört dazu. Aber Europa muss wieder stärker der Ort sein, an dem Zukunft entwickelt, gebaut und skaliert wird.
Die Zukunft wird von Unternehmen gebaut, aber der Staat entscheidet mit, ob sie hier gebaut wird. Wir haben viel zu tun. Deshalb darf er Veränderungen nicht nur ankündigen, er muss sie liefern.
Drei Dinge will ich ansprechen, die der Staat liefern muss: Freiraum, Geschwindigkeit und die nötige Infrastruktur.
Zum Freiraum: Seit November letzten Jahres bis zum Sommer haben wir 43 konkrete Entlastungsmaßnahmen umgesetzt. Bürokratieabbau, Genehmigungsbeschleunigung – die beschlossenen Vorhaben schaffen bisher eine Entlastung von 10,4 Milliarden Euro im Jahr. Wir arbeiten jetzt gerade am nächsten Kernstück: dem Berichtsentlastungsgesetz. Damit wollen wir Berichtspflichten im vierstelligen Bereich streichen und die Logik umkehren. Künftig muss nämlich jedes Ministerium begründen, warum eine Pflicht weiterhin nötig oder rechtlich zwingend ist – und nicht umgekehrt, ich muss erklären, warum ich es weghaben will. Diese Beweislastumkehr ist eines der ambitioniertesten Vorhaben, das Deutschland seit vielen Jahren auf den Weg gebracht hat. Das ist auch rechtlich, handwerklich nicht leicht.
Zweitens: Geschwindigkeit. Genehmigungs- und Infrastrukturausbau beschleunigen wir nachhaltig. Bei Infrastrukturgenehmigungsverfahren, die sehr, sehr lange dauern, wollen wir mit der Hilfe von KI bis zu 80/90 Prozent Zeit wegnehmen und diese Verfahren dadurch beschleunigen. An dieser Lösung arbeiten wir, damit sie zum Standard wird.
Drittens: Kapazität. Bis 2030 werden wir die Rechenkapazität in Deutschland verdoppeln und die KI-Rechenleistung vervierfachen. Wir haben gute Projekte, die diesen Zeitplan auch belegen – und das werden wir auch hinkriegen.
Lassen Sie mich noch eine wichtige Sache zum Abschluss sagen: Innovation kommt häufig, sehr häufig von unten. Ich freue mich, dass Deutschland wieder aufwacht. Wir haben nämlich im ersten Halbjahr 2026 Rekordzahlen bei den Gründungen mit 3.053, nach einem Rekordjahr im Jahr zuvor. Das ist natürlich erst ein Anfang. Wir sehen aber auch, getrieben durch KI, wie viele tolle, junge Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Land Innovation betreiben. Wir haben eine wachsende Zahl von Unicorns. Natürlich ist das jetzt erst etwas, was sich verstetigen und beschleunigt werden muss. Aber ich glaube, das ist ein gutes Signal. Und wir werden uns dafür einsetzen, dass wir das unterstützen und weiter beschleunigen: Genehmigungen weiter verkürzen, europäische Regeln vereinfachen, privates Kapital für Skalierung mobilisieren. Auch beim Datenschutz kämpfen wir dafür, dass wir ihn nur noch einmal interpretieren und nicht 17-mal in Deutschland.
Für all das ist die IFA der richtige Ort. Denn hier kommen Hersteller, Start-ups, Handel, Kunden zusammen – genau das braucht Innovation! Und gleichzeitig, Herr Dr. Zinkann, kann man hier sehen, welche Möglichkeiten Miele mit einer Innovation wie dem digitalen Produktpass verbindet. Er bündelt nämlich Informationen über ein Gerät – von der Herstellung über Service, Reparaturen bis zur Nutzung. Miele kommt damit einer gesetzgeberischen Pflicht einfach voraus, weil es sinnhaft ist, sozusagen eine Produktidentität im Digitalen zu bauen. Das finde ich ein fantastisches Produkt! Aber er wird ja gleich selbst erklären, wie das funktioniert.
„The Future is Now“ – nehmen wir das wörtlich. Bauen wir diese Zukunft hier in Deutschland und Europa, offen und mit Partnern aus aller Welt!
Vielen Dank.