Vollendung des Telekommunikationsnetzes - Meilenstein für den Aufbau Ost - Rede des Bundeskanzlers in Neubrandenburg

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Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hielt anläßlich des Festaktes der Deutschen
Telekom AG zur Einweihung des
Telekommunikationsnetzes in den neuen Ländern am
10. Dezember 1997 in Neubrandenburg folgende Rede:

Herr Ministerpräsident,
lieber Herr Dr. Sommer,
meine Damen und Herren Abgeordnete,
meine sehr verehrten Damen und Herren
und vor allem: liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Deutschen Telekom,

jeder, der einen Moment innehält und sich vergegenwärtigt, was in den
vergangenen Jahren in Deutschland und Europa und auch hier in dieser
wunderschönen Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern geleistet wurde, der kann
nachvollziehen, welch großartigen Anlaß wir an diesem Tag miteinander feiern:
Die Vollendung des digitalen Telekommunikationsnetzes ist ein Signal für eine
gute Zukunft und ein weithin sichtbares Zeichen für den Aufschwung in den
neuen Ländern. Ich möchte allen, die bei diesem großen Projekt mitgeholfen
haben - der Telekom, den Behörden und der Landesregierung - gratulieren und
ein herzliches Wort des Dankes sagen.

Was hier geleistet worden ist, läßt sich am besten ermessen, wenn wir uns die
Ausgangslage vor der Deutschen Einheit noch einmal vergegenwärtigen. In einem
meiner Gespräche mit Erich Honecker vor über zehn Jahren waren
Telefonverbindungen zwischen Ost und West ein Hauptthema. Position der
Bundesregierung war es damals, alles daranzusetzen, damit die Deutschen
diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs, wenn sie schon nicht zueinander
kommen könnten, wenigstens miteinander sprechen können sollten. Das alles,
meine Damen und Herren, liegt erst zehn Jahre zurück. Wenn man sich das vor
Augen hält, dann kann man verstehen, was dieser heutige Tag nicht nur für die
hier Anwesenden, sondern für uns alle - vor allem aber für die Menschen in den
neuen Ländern - bedeutet.

1989 war der technische Stand des Telekommunikationsnetzes der ehemaligen DDR
total veraltet. Es entsprach in keiner Weise mehr modernen Anforderungen. Ende
1990 gab es in den neuen Ländern und Ostberlin nicht einmal zwei Millionen
Telefonanschlüsse. Heute sind es über acht Millionen. Das bedeutet eine
Versorgungsdichte von fünfzig Telefonanschlüssen je hundert Einwohner - und
das ist ein Niveau, von dem vor sieben Jahren niemand zu träumen gewagt hätte.
In der DDR mußten viele Bürger mehr als zehn Jahre auf einen eigenen
Telefonanschluß warten. Viele stellten deshalb erst gar keinen Antrag. Ein
Großteil der hier Anwesenden weiß, was es bedeutete, selbst in dringenden
Angelegenheiten - etwa in wichtigen Familienangelegenheiten - sich telefonisch
nicht mitteilen zu können oder telefonisch nicht erreichbar zu sein.

Dabei wird deutlich: Miteinander zu sprechen ist nicht nur bloße
Kommunikation, sondern ganz einfach ein wichtiges Stück gelebter Freiheit.
Auch die heutige Feierstunde zeigt erneut, welch großartiges Geschenk die
Deutsche Einheit ist, die wir mit Zustimmung aller unserer Nachbarn in Ost und
West erreicht haben. Bei allen verständlichen Sorgen des Alltages sollten wir
dies nicht vergessen. Wir sollten auch ebenso klar sagen, daß wir,
insbesondere die Menschen hier in Mecklenburg-Vorpommern und in den neuen
Ländern, allen Grund haben, stolz zu sein auf das, was in diesen Jahren
geleistet wurde.

1990 haben auch die Telekom und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine
gewaltige Kraftanstrengung begonnen: Innerhalb kürzester Frist ist es
gelungen, das marode Telefonnetz der ehemaligen DDR vollständig zu ersetzen.
Dabei wurden 4500 Kilometer Glasfaserkabel und zehn Millionen Kilometer
Kupferkabel verlegt. In den vergangenen sieben Jahren wurden 50 Milliarden
D-Mark hier in den neuen Ländern und in Berlin investiert.

In den neuen Bundesländern - Sie haben es soeben gehört - ist heute das
weltweit modernste Telefonnetz zu finden. Es ist in manchen Bereichen besser
ausgestattet als in den alten Bundesländern. Dies ist ein großer Aktivposten
für den Standort Ostdeutschland. Dieses enorme Investitionsvolumen der Telekom
in den neuen Ländern ist vor allem auch der ostdeutschen Wirtschaft zugute
gekommen. Allein in den ersten drei Jahren nach der Wiedervereinigung hat die
Telekom alles in allem Aufträge im Wert von 17 Milliarden D-Mark an
ostdeutsche Firmen vergeben. Damit sind viele Zehntausende Arbeitsplätze
gesichert oder neu geschaffen worden.

Der heutige Tag macht es deutlich: Bei allen Schwierigkeiten, die es nach wie
vor gibt, kommt der Aufholprozeß in den neuen Ländern enorm voran. Natürlich
bedarf es noch großer Anstrengungen, um die Lasten von vier Jahrzehnten
kommunistischer Zwangswirtschaft abzutragen. Vieles ist mühseliger und
langwieriger, als wir es noch im Oktober 1990 erwartet hatten. Aber wir kommen
voran. Auch die neuesten Daten zeigen das. In der ostdeutschen Wirtschaft
findet ein Wechsel der Auftriebskräfte statt. Die Bauwirtschaft - das war
leider zu erwarten - verliert mit dem Fortschreiten des Aufholprozesses an
Gewicht. Im Gegenzug verzeichnet die ostdeutsche Industrie dynamische
Zuwachsraten - in diesem Jahr wird die Produktion dort gegenüber dem Vorjahr
um voraussichtlich zehn Prozent steigen. Das ist ein gutes, ermutigendes
Signal für den Aufbau Ost.

Wir werden auf diesem Weg weiter vorangehen. Vor allem wird es darum gehen,
nach und nach neue Beschäftigung zu schaffen. Alle Verantwortlichen sind
gefordert, die Voraussetzungen dafür weiter zu verbessern. Deshalb haben Bund
und Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften erst vor wenigen Tagen, beim
"Wirtschaftstag Ost" am 5. Dezember 1997, in Potsdam ihre Selbstverpflichtung
bekräftigt, bei ihren Entscheidungen der Schaffung von Arbeitsplätzen Vorrang
vor allem anderen einzuräumen.

Als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sage ich ganz deutlich: Die
Menschen in den neuen Bundesländern können sich auch künftig auf unsere
Solidarität verlassen. Von 1991 bis Ende 1997 werden netto insgesamt 900
Milliarden D-Mark an öffentlichen Transfers in die neuen Länder geflossen
sein. Dieses Geld ist gut angelegt. Es ist eine Abschlagszahlung auf eine gute
gemeinsame Zukunft.

Der Aus- und Aufbau der neuen Länder hat für mich auch weiterhin höchste
Priorität in der deutschen Innenpolitik. Sicher geht manches - auch für mich -
nicht schnell genug. Aber wir kommen Schritt für Schritt voran.

Solidarität heißt für mich, daß die Angleichung der Lebensverhältnisse
gelingt. Dies muß unser Ziel bleiben. Vor dem Fall der Mauer haben wir oft
genug gesagt: Wenn wir nur endlich zusammenkommen und im gemeinsamen Vaterland
frei leben könnten, dann würden wir alles in unseren Kräften Stehende tun,
dies zu verwirklichen. Jetzt haben wir die Chance dazu, und wir wollen sie
nutzen. Das ist und bleibt meine Position.

Vieles, was in den vergangenen Jahren neu geschaffen worden ist, wird den
Aufschwung Ost dauerhaft voranbringen. So hat der Bund bis heute weit über 70
Milliarden D-Mark in den Aufbau der Verkehrswege in den neuen Ländern
investiert. Das ist fast jede zweite Mark der Verkehrsinvestitionen des
Bundes. Die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit behalten trotz der schwierigen
Haushaltslage Priorität. Hier in Mecklenburg-Vorpommern ist der Neubau der
"Ostsee-Autobahn"

A 20 das Projekt Nummer eins. Diese Verbindung wird sich zu einer neuen
wirtschaftlichen Lebensader gerade auch der Region Neubrandenburg entwickeln.
Denn ohne diese Autobahn und ohne die neue Verkehrsinfrastruktur werden wir
viele Chancen zur Ansiedlung von neuen Betrieben nicht nutzen können. Zudem
bietet sich damit die Möglichkeit, die einzigartig schönen Erholungsgebiete
dieser Region besser erreichen zu können.

Meine Damen und Herren, was die Menschen hier in den sieben Jahren seit der
Deutschen Einheit geschaffen haben, gibt Anlaß zur Zuversicht. Ihre harte
Arbeit, ihre Einsatzbereitschaft, nicht zuletzt ihre Fähigkeit, sich auf
völlig veränderte Lebensbedingungen einzustellen, haben die Erfolge beim
Aufbau Ost erst möglich gemacht. Dafür gebührt ihnen größte Anerkennung. Mein
Dank gilt auch den Unternehmen - nicht zuletzt den ausländischen -, die hier
investieren. Die Telekom steht mit ihrem Engagement dabei ganz vorne. Die
Fertigstellung des digitalisierten Kommunikationsnetzes beweist dies
eindrucksvoll.

Meine Damen und Herren, ich bin davon überzeugt, daß wir allen Grund haben,
mit Optimismus in die Zukunft zu sehen. Deutschland gehört zu den größten
Industrienationen der Welt. Unsere Freunde und Partner wissen, daß wir uns in
einer schwierigen Übergangssituation befinden. François Mitterrand hat dazu
einmal in einer seiner Reden am Ende seiner Amtszeit gesagt, die Deutschen
hätten zwar jetzt große Probleme, aber sie wären nicht die Deutschen, würden
sie diese nicht bewältigen. Und er fügte wörtlich hinzu: "Danach werden sie
stärker sein als je zuvor." Ob das so sein wird, sei dahingestellt. Eines aber
ist gewiß: Unser Land mit seinen 80 Millionen Einwohnern und seiner
Wirtschaftskraft hat, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und gemeinsam
anpacken, eine gute Zukunft vor sich.

Seit dem Fall der Mauer haben in Deutschland und in der Welt dramatische
Veränderungen stattgefunden. Die rasanten Fortschritte in der Informations-
und Kommunikationstechnik haben das Zusammenwachsen der Welt und die
Globalisierung der Wirtschaft weiter vorangetrieben. Das wiedervereinigte
Deutschland steht heute vor gewaltigen Herausforderungen. Aber wir haben alle
Chancen, die Zukunft gut zu gestalten, wenn wir diese Chancen auch wahrnehmen
und uns darauf besinnen, was geschehen muß.

Die internationale Arbeitsteilung wird weltumspannend und immer intensiver.
Die grenzüberschreitenden Investitionen wachsen um 19 Prozent jährlich -
doppelt so schnell wie der Welthandel und dreimal so stark wie die
Weltproduktion. Dies bedeutet: Es gibt keine Nischen mehr, in denen wir uns
vor dem zunehmend kräftigen Wind der Konkurrenz verstecken können. Umgekehrt
gilt: Es entstehen für unsere exportorientierte Wirtschaft neue, aufstrebende
Märkte in der Welt. Die Bundesrepublik Deutschland ist die Exportnation Nummer
zwei in der Welt. Deshalb müssen wir uns auf die Veränderungen in unserem
Umfeld einstellen, auch und vor allem, wenn wir das Problem der
Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen wollen. Das bleibt das zentrale Thema
der deutschen Innenpolitik.

Die Bundesregierung hat deshalb ein umfassendes Reformprogramm in die Wege
geleitet. Alle im Programm für mehr Wachstum und Beschäftigung vom Frühjahr
1996 vorgesehenen Maßnahmen haben wir - soweit sie nicht im Bundesrat
blockiert werden - inzwischen verwirklicht. Nur so können wir den Standort
Deutschland für Investitionen attraktiver machen. Das ist auch der einzige Weg
zu neuen, zukunftssicheren Arbeitsplätzen.

Daß wir dabei auf dem richtigen Weg sind, zeigen die Wachstumserwartungen: In
diesem Jahr werden wir einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von zweieinhalb
Prozent erreichen. Wir haben alle Chancen, daß es im kommenden Jahr aller
Voraussicht nach nicht weniger als drei Prozent sein werden. Deutschland wird
seine Spitzenposition in der Welt aber nur halten und weiter ausbauen können,
wenn deutsche Unternehmen auch im Ausland investieren und Kooperationen mit
ausländischen Partnern eingehen. Wichtig für mehr Arbeitsplätze in Deutschland
ist aber auch, daß ausländische Investoren zu uns kommen. Das heißt: Wir
müssen alles tun, um unseren Standort fit zu machen. Wir müssen ihn weiter
verbessern und attraktiver machen für Investitionen aus aller Welt. Dabei
müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß viele Länder - auch in unserem
europäischen Umfeld - alle Anstrengungen unternehmen, um Investoren in ihr
Land zu holen. In diesem Wettbewerb sind wir alle gefordert: Tarifpartner,
Wirtschaft und Politik.

Die Bundesregierung setzt weiter auf Wachstum und strukturelle Reformen. Die
Diskussion um die Zukunft des Rentensystems wie auch die Frage der
steuerlichen Belastung und der Abgaben haben unmittelbar mit der
Zukunftssicherung des Standortes Deutschland zu tun. Wir müssen alles
daransetzen, daß sich Leistung wieder lohnt und die Steuersätze auf ein
international wettbewerbsfähiges Niveau zurückgeführt werden. Ich hoffe immer
noch, daß sich die Vernunft letztendlich durchsetzen wird. Die Notwendigkeit
der Rentenreform ist angesichts der dramatischen Veränderungen in der
Demographie unseres Landes unabweisbar. Handeln ist schon heute geboten, um
einem weiteren Anstieg der Lohnnebenkosten entgegenzuwirken.

Wir müssen zudem begreifen, daß wir für die Sicherung und Schaffung einer
ausreichenden Zahl neuer Arbeitsplätze eine neue Offensive der Selbständigkeit
brauchen. Wir werden die notwendigen neuen Arbeitsplätze im Land nicht
schaffen können, wenn wir uns dabei auf den Öffentlichen Dienst, auf den
Bereich der Großindustrie und der internationalen Konzerne konzentrieren.
Gerade in der Sozialen Marktwirtschaft muß die eigentliche Innovation aus den
kleinen und mittleren Betrieben kommen. Deswegen ist es ganz wichtig, daß wir
gerade auch jungen Leuten, die sich selbständig machen wollen, die notwendige
Unterstützung geben. In der Gesellschaft muß ganz selbstverständlich wieder
eine Grundstimmung entstehen, die dazu ermutigt, etwas zu wagen und zu
riskieren. Wenn rund 40 Prozent unserer Studenten an deutschen Hochschulen
sagen, daß sie am liebsten in den Öffentlichen Dienst gingen, kann uns das
nicht zufriedenstellen. Die Vergleichszahl in den Vereinigten Staaten liegt
bei 14 Prozent. Das muß uns doch zu denken geben.

Meine Damen und Herren, zu den Reformen, die wir durchgesetzt haben, zählt
auch die Privatisierung und Liberalisierung der Telekommunikation. Der
Börsengang der Deutschen Telekom AG war die bislang größte Plazierung in der
deutschen Börsengeschichte. Sie war - wie jeder erkennen kann - ein
großartiger Erfolg.

Die gesamte Telekommunikation wird ab dem 1. Januar 1998 zu einem offenen
Markt. Wettbewerb ist der wichtige Motor, um Innovationen und ihre Umsetzung
in neue Produkte und Dienstleistungen voranzubringen. Konkurrenz ist nicht
immer angenehm. Aber ich denke an den Satz Ludwig Erhards, den ich als junger
Student gehört habe: "Ihr müßt immer die Fenster und Türen aufreißen, damit
die frische Luft hereinkommt, auch wenn es manchmal kühl ist. Wenn ihr im
warmen Mief hocken bleibt, ist das angenehm, aber ihr schlaft ein." - Ich
denke, diese sehr wichtige Lebenserfahrung gilt auch für diesen wichtigen
Zukunftsbereich.

Zur Zukunftsfähigkeit unseres Standortes gehört es auch, die Chancen, die
sich mit neuen Technologien verbinden, konsequent zu nutzen. Das gilt gerade
für die neuen Informations- und Kommunikationstechniken. Die
Informationswirtschaft zählt zu den besonders dynamisch wachsenden Branchen
mit einem großen Potential zukunftsfähiger Arbeitsplätze. Mit dem
"Multimedia-Gesetz" haben wir Planungssicherheit und auch die notwendigen
unternehmerischen Freiräume geschaffen.

Schon heute gehört dieser Bereich zu den weltweit größten Wirtschaftszweigen.
Sein Gesamtumsatz beträgt bereits jetzt über 4000 Milliarden D-Mark, also
deutlich mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland. Für
die Zukunft rechnen Experten mit Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent pro
Jahr. Allein in Deutschland liegt der Umsatz von informationstechnischen
Produkten und Dienstleistungen bei über 380 Milliarden D-Mark. Das sind mehr
als zehn Prozent unserer gesamten Wirtschaftsleistung. Die Zahlen sprechen für
sich. Wir wollen die Chancen dieses Zukunftsmarktes für uns nutzen.

Natürlich wird immer auch das Gegenargument geäußert, die neuen Technologien
führten zu einer Einsparung von Arbeitsplätzen. Aber die Wirtschaftsgeschichte
hat gezeigt, daß die Zahl der Arbeitsplätze durch innovative Wachstumsschübe
bisher noch immer zugenommen hat. Zudem gilt: Wer sich gegen technische
Neuerungen sperrt, der verliert den Anschluß, über den wird die Entwicklung
hinweggehen. Gerade im Interesse zukunftsfähiger Arbeitsplätze müssen wir die
technologische Entwicklung vorantreiben. Nur so behalten wir die Möglichkeit,
in modernen Spitzentechnologien eine Führungsrolle zu gewinnen und
Arbeitsplätze zu schaffen oder zu sichern. Allein in Neubrandenburg und
Umgebung hat Telekom knapp 1900 Mitarbeiter. Hinzu kommen zahlreiche weitere
Arbeitsplätze durch Aufträge an das Handwerk und Baugewerbe.

Wenn wir den Weltruf deutscher Technologie sichern wollen, müssen wir weiter
auf den Zukunftssektor Telekommunikation setzen. Wir müssen insbesondere auch
dafür sorgen, daß gerade die jungen Menschen in unserem Land mit den modernen
Informations- und Kommunikationstechniken umgehen können. Deshalb hat die
Bundesregierung gemeinsam mit der Telekom die Initiative "Schulen ans Netz"
ins Leben gerufen. Bei dieser Gelegenheit will ich mich ausdrücklich dafür
bedanken, daß die Telekom diese Initiative tatkräftig mit unterstützt. Ich
begrüße es sehr, daß hier in Neubrandenburg im Rahmen dieses Programms
Einstiegsprojekte an verschiedenen Schulen laufen. Ich freue mich darüber.

Meine Damen und Herren, im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte und an
der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert können wir heute feststellen, daß wir
allen Grund zu einem realistischen Optimismus haben. Wann je hatte eine junge
Generation in Deutschland die begründete Aussicht auf ein ganzes Leben in
Frieden, Freiheit und auch Wohlstand? Wir haben zum ersten Mal die Chance,
jungen Leuten sagen zu können, daß sie einer Generation angehören, die nach
menschlichem Ermessen - und das konnte noch nie ein deutscher Regierungschef
jungen Leuten sagen - in keinen Krieg mehr ziehen muß, daß ihre Welt offen ist
und daß sie überall in Europa herumreisen können. Diese einmalige Perspektive
ist vor allem auch eine Frucht des Europäischen Einigungswerks, das es jetzt
mit aller Kraft fortzusetzen gilt.

Wir sind dabei, das Haus Europa zu bauen. Es ist ein Haus, in dem alle Völker
Europas in Frieden und Freiheit leben können, in dem wir Deutsche, Franzosen,
Briten und Italiener bleiben, in dem wir nicht unsere nationale Identität
aufgeben, uns aber in dem wunderschönen Wort Thomas Manns wiederfinden: Wir
sind deutsche Europäer und europäische Deutsche.

Der heutige Tag ist ein wichtiger Meilenstein für den Aufbau Ost und für den
Standort Deutschland in einem sich einigenden Europa. Sie, Herr Dr. Sommer,
und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben diesen Erfolg möglich gemacht.
Dafür herzlichen Dank und für die Zukunft alle guten Wünsche. Lassen Sie uns
die Botschaft des Teams Telekom, das jetzt zu Recht zur Mannschaft des Jahres
1997 gewählt wurde, einfach übernehmen: Wir wollen es wissen, wir wollen es
packen, wir wollen es schaffen. Es lohnt sich, für unser Land zu arbeiten.