Verleihung der B'nai B'rith Goldmedaille für humanitäre Verdienste an den Bundeskanzler - Verleihungszeremonie am 25. Januar 1996 in München - Ansprache des Ehrenpräsidenten des B'nai B'rith Europa

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Verleihung der B'nai B'rith Goldmedaille für humanitäre Verdienste an den Bundeskanzler - Verleihungszeremonie am 25. Januar 1996 in München - Ansprache des Ehrenpräsidenten des B'nai B'rith Europa

  • Bulletin 10-96
  • 2. Februar 1996

Der Ehrenpräsident B'nai B'rith Europa, Joseph H. Domberger, hielt
anläßlich der Ehrung von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 25.
Januar 1996 in München folgende Ansprache:

Herr Bundeskanzler,
Herr Ministerpräsident,
verehrte Gäste,

unsere Organisation, die 153 Jahre existiert, verfolgt noch heute die
Ideale von "Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht". Ihre Aufgabe
war und ist es, "Israeliten zu vereinigen zur Förderung der höchsten
Interessen der Menschheit, ihnen die reinsten Grundsätze der
Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus einzuprägen, Kunst
und Wissenschaft zu unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen
zu lindern, Kranke zu besuchen und zu pflegen, den Opfern der
Verfolgung zu Hilfe zu kommen, Witwen und Waisen zu beschützen
und ihnen mit allen Kräften hilfreich beizustehen." In einem Buch aus
dem Jahre 1933, welches zum fünfzigjährigen Jubiläum des B'nai
B'rith in Deutschland ausgegeben wurde, las ich, was einen großen
Führer ausmacht. Heute würde man aus verständlichen Gründen
lieber "Staatsmann" sagen und so zitiere ich die alten Worte, die
noch heute gültig sind:

Staatsmann sein - bedeutet verantwortlich sein, sich verantwortlich
fühlen. Bedeutet: ein Ziel haben und sich nicht beirren lassen.
Bedeutet: bei Ehrungen und Anerkennungen das richtige Maß
eigenen Verdienstes setzen, bei Tadel oder Angriffen das Berechtigte
herausfinden. Bedeutet: die Fähigkeit, von Undank unberührt
bleiben, über Dank sich freuen können. Staatsmann sein bedeutet:
Einsamkeit in der Vielheit, Liebe trotz der Erkenntnis menschlicher
Schwächen, Opfer bei scheinbarer Rücksichtslosigkeit, wenig Muße,
doch Zeit für alle. Staatsmann sein heißt: von einem treibenden
Gedanken erfüllt sein, dessen Dauer das einzig Ruhende ist. Kurz,
Staatsmann sein bedeutet: Fels in der Brandung sein.

Wie passend sind diese Worte auf unseren heutigen Laureaten. Die
Mitglieder unserer Organisation als engagierte und verantwortliche
Bürger der Länder, in denen sie leben, ehren Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens aus Politik, Kunst und Wirtschaft als Zeichen der
Anerkennung oder auch als Beispiel und Ansporn für andere. So hat
der europäische B'nai B'rith in der Bundesrepublik Deutschland zum
Beispiel den ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Richard von
Weizsäcker, Professor Berthold Beitz und Professor Rolf Rodenstock
mit der Medaille für humanitäre Verdienste geehrt. Der B'nai B'rith
International ehrte seinerzeit in New York Bundeskanzler Willy
Brandt.

Zum ersten Mal ehrt der B'nai B'rith International auf
deutschem Boden, hier in München, mit der "President's Medal for
Humanitarianism" Herrn Bundeskanzler Kohl. Unsere besondere
Anerkennung gilt einem deutschen Politiker, einem Staatsmann,
einem Europäer, einem Kämpfer gegen Rassismus und Fremdenhaß,
einem Freund des Staates Israel und nicht zuletzt einem Freund und
Partner des B'nai B'rith. Er hat sich für Humanität, Frieden und für
vertrauensvolle Beziehungen zwischen der Bundesrepublik, ihren
Nachbarn, aber auch der jüdischen Gemeinschaft in seinem eigenen
Land, in Europa und den USA eingesetzt. Sein besonderes
Engagement für den Friedensprozeß im Nahen Osten, sein Verhältnis
zum Staate Israel, welches in seiner Amtszeit als Bundeskanzler sich
zukunftsweisend entwickelt hat und seine Rolle im Aufbau der
Europäischen Union, eines Europa, in dem wir jüdischen Bürger eine
aktive Rolle zu spielen haben, sind beispielhaft. Ausdruck dessen
sind seine unzähligen Reden im Bundestag, seine Ansprachen bei
Staatsempfängen im In- und Ausland, in denen er sich vehement
gegen Fremdenhaß, Antisemitismus und Vorurteile erhoben hat.
Ganz zu schweigen von seinen Hilfeleistungen bei Interventionen in
der Frage der Auswanderung von Juden aus der damaligen
Sowjetunion und für Juden in Syrien. Der B'nai B'rith dankt Herrn
Bundeskanzler Kohl für seinen tatkräftigen Einsatz und ehrt ihn als
Vorbild für andere und als Wegweiser zukünftiger Generationen. Herr
Bundeskanzler, darf ich Sie herzlichst bitten, sich zur
Verleihungszeremonie auf das Podium zu begeben.

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