verabschiedung der russischen streitkraefte aus deutschland

  • Bundesregierung | Startseite
  • Bulletin

  • Bundeskanzler

  • Schwerpunkte 

  • Bundesregierung

  • Aktuelles

  • Mediathek 

  • Service   

die offiziellen feierlichkeiten zur verabschiedung
der westgruppe der russischen streitkraefte fanden
am 31. august 1994 in berlin statt. aus diesem anlass
stattete der praesident der russischen foederation,
boris n. jelzin, der bundesrepublik deutschland
einen besuch ab.

festakt im schauspielhaus berlin

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt beim festakt
aus anlass der verabschiedung der russischen truppen
am 31. august 1994 im schauspielhaus berlin folgende
rede:

herr praesident der russischen foederation,
herr bundespraesident,
exzellenzen,
meine sehr verehrten damen und herren,

zunaechst moechte ich sie, herr praesident der russischen
foederation, lieber boris, ihre delegation, die vertreter
der westgruppe der streitkraefte sowie alle anderen
russischen gaeste herzlich bei uns willkommen heissen.
dies ist ein tag, den wir gemeinsam ersehnt haben,
und es ist ein tag, der unvergessen bleiben wird.
wir erleben seit einer reihe von jahren grosse historische
umbrueche auf unserem kontinent. der tag, an dem
wir heute hier in berlin zusammenkommen, ragt unter
den denkwuerdigen ereignissen als ein schlusspunkt
der nachkriegsgeschichte europas heraus. fast fuenfzig
jahre, nachdem die sowjetische armee das gebiet
des damaligen deutschen reiches erreichte, verlassen
russische soldaten heute unser land. sie gehen nicht
als besatzer, sie gehen als partner, sie gehen als
freunde.
der abzug der westgruppe der streitkraefte ist damit
nicht nur vertragsgemaess abgeschlossen, er erfolgt
sogar frueher als im zwei-plus-vier-vertrag vom 12.
september 1990 vereinbart. hierfuer moechte ich ihnen,
herr praesident, den russischen soldaten, ihren familien
und allen beteiligten unseren herzlichen dank aussprechen.
ich weiss, dass der heutige abschied manchen soldaten
schwer faellt. wo es moeglich war, haben wir geholfen
- beispielsweise beim bau von 45000 wohnungen in
ihrer heimat und auch bei umschulungsmassnahmen.
die reibungslose und in jeder weise korrekte durchfuehrung
des abzugs der truppen ist ein wichtiges, sie ist
ein hoffnungsvolles zeichen fuer unsere gute gemeinsame
zukunft. sie ist im besten sinne des wortes eine
vertrauensbildende massnahme!
noch vor zehn oder sogar sechs jahren haetten sich
die wenigsten das ereignis des heutigen tages vorstellen
koennen. die teilung deutschlands, europas, ja der
welt schien fest
zementiert. was sich freilich in historischer perspektive
als eine momentaufnahme der geschichte darstellt,
erschien damals vielen zeitgenossen wie fuer die
ewigkeit gemeisselt. wenn wir heute gemeinsam den
blick in die zukunft richten, wollen wir uns stets
an die ganze geschichte erinnern, an die hellen
seiten ebenso wie an die dunklen kapitel.
in den langen und guten perioden der deutsch-russischen
beziehungen haben unsere voelker einander viel gegeben
- in handel, wissenschaft und kultur. wir hoeren
heute die herrliche musik von ludwig van beethoven,
peter tschaikowsky und alexander borodin. die deutsche
malerei des 20. jahrhunderts ist ohne die praegenden
einfluesse von wassily kandinsky und marc chagall
nicht denkbar. schon seit dem mittelalter unterhielt
die hanse niederlassungen in russland. peter der
grosse holte deutsche als kaufleute, architekten,
ingenieure, aerzte und wissenschaftler nach petersburg.
katharina ii. rief deutsche siedler. von den grossen
russischen schriftstellern wie dostojewski und tolstoi
sind praegende wirkungen auf die deutschsprachige
literatur ausgegangen. rainer maria rilke traf leo
tolstoi bei seinen russlandreisen. im "stundenbuch"
gibt rilke seine reiseimpressionen in
wunderbarer weise wieder.
wir knuepfen jetzt an die guten perioden unserer
beziehungen an. wir wollen gute nachbarschaft in
einem europa freier und gleichberechtigter voelker.
wir gewinnen die zukunft aber nur, wenn wir die
lehren aus den dunklen kapiteln der vergangenheit
nicht vergessen. wahrhaftigkeit ist das fundament
dauerhafter freundschaft.
die unselige entwicklung in diesem jahrhundert war
das ergebnis von uebersteigertem nationalismus und
vormachtstreben, von rassenwahn und klassenhass.
totalitaere diktaturen und menschenverachtende ideologien
in unseren beiden laendern haben millionenfaches unglueck
ueber die menschen gebracht. die nationalsozialistischen
machthaber in deutschland verzerrten und erniedrigten
das bild russlands. der pakt der diktatoren hitler
und stalin legte die letzte schranke vor dem krieg
nieder, den die ns-gewaltherrschaft kurz darauf
entfesselte.

wir vergessen den deutschen ueberfall auf die sowjetunion
am 22. juni 1941 nicht. von deutschen und in deutschem
namen ist dem russischen volk schreckliches angetan
worden. wir verneigen uns vor den vielen millionen
toten, die der entsetzliche krieg ihr land kostete.
wir wollen und duerfen dies alles nicht vergessen
- und ebensowenig duerfen wir vergessen, was spaeter
deutschen in der revanche zugefuegt wurde. dies alles
darf weder verdraengt noch aufgerechnet werden, aber
wir wollen daraus lernen.
wir deutsche mussten die schmerzliche teilung unseres
vaterlandes erleben. die blockade berlins, das regime
der unfreiheit im osten unseres vaterlandes, mauer
und stacheldraht belasteten unsere beziehungen schwer
und nachhaltig. die grenze zwischen ost und west
verlief mitten durch diese stadt berlin. gleichzeitig
aber war die lage berlins in der geteilten welt so
kompliziert, dass hier die konfrontation am haertesten
war, aber auch der zwang zur maessigung und zur
beherrschung von krisen am groessten.
erst die vor knapp zehn jahren in der damaligen
sowjetunion eingeleitete politik des wandels und
der offenheit beendete letztlich die anomalie im
herzen europas. als am 9. november 1989 die mauer
fiel, entschied die sowjetische fuehrung, sich dem
nicht entgegenzustellen. ohne ihre mitwirkung in
den folgenden monaten waere die deutsche einheit
nicht zustande gekommen. wir deutsche werden uns
daran stets dankbar erinnern.
deutsche und russen stehen jetzt - und dies ist
eine grosse chance fuer uns alle - am anfang einer
guten zusammenarbeit. wir wollen unsere neue freundschaft
und partnerschaft festigen und weiter ausbauen.
sicherheit und wohlergehen in europa kann nicht
ohne, sondern nur in engem zusammenwirken mit russland
gewaehrleistet werden. die kuerzlich unterzeichneten
abkommen zwischen russland und der nato ueber partnerschaft
fuer den frieden und ueber kooperation mit der europaeischen
union sind essentielle bausteine fuer das europaeische
haus. viele der grossen herausforderungen, vor denen
wir heute gemeinsam stehen, sind nur noch in enger
zusammenarbeit zu bewaeltigen - das gilt fuer den
schutz der umwelt ebenso wie fuer die bekaempfung
grenzueberschreitender kriminalitaet und die nichtverbreitung
von massenvernichtungswaffen.
ich wuensche uns allen, dass unsere bilateralen beziehungen
von so guten nachrichten gekennzeichnet werden,
wie sie kuerzlich eher beilaeufig in den abendlichen
fernsehnachrichten gemeldet wurden: vor vier wochen
verliess das russische forschungsschiff "professor
multanowsky" den kieler hafen - an bord eine deutsch-russische
expeditionsmannschaft, die in der arktis wichtige
messungen zur klimaentwicklung der erde durchfuehrt.
ich gruesse gemeinsam mit ihnen, herr praesident, von
hier aus unsere wissenschaftler und techniker aus
st. petersburg und kiel, aus moskau und potsdam,
aus jakutien und freiberg in sachsen. unsere forscher
untersuchen zur zeit in der sibirischen laptev-see,
wie die eisbildung und meeresstroemung im nordpolarmeer
unser klima beeinflussen bzw. auf die erwaermung
des erdklimas reagieren. wir erwarten neue erkenntnisse,
die nicht nur fuer unsere laender und fuer europa,
sondern fuer die gesamte noerdliche hemisphaere und
fuer das globale klima nuetzlich sind. russische und
deutsche wissenschaftler arbeiten nicht nur bilateral
zusammen. in der raumfahrt kommt es zu einer immer
engeren kooperation der westeuropaeischen weltraum-agentur
esa mit russland. nichts symbolisiert unser gemeinsames
fortschreiten bei der friedlichen zusammenarbeit
deutlicher als die mitfluege deutscher
astronauten auf russischen raketen und raumstationen.
im oktober wird ulf merbold als deutscher esa-astronaut
ueber dreissig tage in der russischen mir-station mitarbeiten.
dies, meine damen und herren, sind nur wenige beispiele
fuer das, was wir zum wohl der menschen und des wissenschaftlich-
technischen fortschritts unternehmen koennen. herr praesident,
meine damen und herren, alle unsere guten wuensche
begleiten die soldaten und ihre familien, die in
disziplin und stolz unser land verlassen und heimkehren.
ich danke ihnen, herr praesident boris jelzin, und
dem grossen russischen volk, dass wir uns am ende
dieses jahrhunderts, das so viel leid, tod und traenen
sah, die hand zur freundschaft reichen koennen -
in dem festen willen, gemeinsam fuer frieden und
freiheit zu arbeiten. wir wuenschen unseren russischen
freunden auf ihrem gewiss nicht einfachen weg in
die zukunft glueck, erfolg und gottes segen.

der regierende buergermeister von berlin, eberhard
diepgen, eroeffnete den festakt im schauspielhaus
mit den folgenden worten:

heute beginnt eine neue epoche der deutsch-russischen
beziehungen. ich freue mich, sie an diesem historischen
tag in berlin begruessen zu duerfen.
die deutsche hauptstadt, jahrzehntelang als geteilte
stadt ein symbol des kalten krieges, ist heute eine
bruecke zwischen ost und west und ein ort, von dem
frieden und zusammenarbeit ausgehen.
die geschichte zwischen deutschland und russland
hat ihre hoehen und tiefen. es gab viele fruchtbare
epochen und zeiten wechselseitigen vertrauens. die
beziehungen waren aber besonders in diesem jahrhundert
durch zwei weltkriege und deren folgen schwersten
belastungen ausgesetzt. fuer viele deutschen bedeutete
das ende des letzten krieges, wie theodor heuss
es nannte, erloesung und untergang zugleich.
wir werden die grossen opfer nie vergessen, die russland
fuer die zerschlagung des nationalsozialismus gebracht
hat. die ehre der toten und die pflege ihrer graeber
auf deutschem boden werden uns daher mahnende verpflichtung
sein.
wir danken heute gleichzeitig fuer den unverzichtbaren
beitrag russlands zur wiedervereinigung deutschlands
in freiheit. die beziehungen unserer beiden laender
wurden 1990 durch die historischen verhandlungen
in moskau und im kaukasus auf eine neue grundlage
gestellt.
sie, herr bundeskanzler, haben damals, als viele
die deutsche teilung fuer dauerhaft hielten, unbeirrt
an der wiedervereinigung unseres vaterlandes festgehalten.
die fuehrung der damaligen sowjetunion hat diesem
wunsch im geist gutnachbarlicher beziehungen stattgegeben.
es wurde zur rechten zeit das richtige getan und
damit ein neues, ein hoffnungsvolles kapitel der
europaeischen geschichte eingeleitet.
wenn heute die russischen soldaten berlin und deutschland
verlassen, dann sehen wir in ihnen botschafter des
friedens und der deutsch-russischen freundschaft.
wir vertrauen gemeinsam auf eine gute und friedvolle
zukunft. dabei wissen wir: "die gute zeit faellt
nicht vom himmel, sondern wir schaffen sie selbst.
sie liegt in unseren herzen", wie dostojewski einst
meinte.
moege vom heutigen tag frieden fuer unsere laender
und fuer ganz europa ausgehen, zum wohle unserer
kinder und fuer das glueck kommender generationen.

kranzniederlegung am russischen ehrenmal

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt am russischen
ehrenmal in treptow anlaesslich der verabschiedung
der russischen streitkraefte am 31. august 1994 in
berlin folgende ansprache:

soldaten russlands und der deutschen bundeswehr,
herr praesident, liebe gaeste aus russland,
liebe deutsche mitbuergerinnen und mitbuerger,

der heutige tag markiert einen wichtigen abschnitt
in der geschichte unserer voelker. heute ist ein
tag des abschieds und der erinnerung an vergangenes.
diese stunde hier gilt der erinnerung an unsere
toten, an unsere gefallenen brueder, an unsere gefallenen
vaeter, an die muetter, die bitteres leid in jenen
jahren getragen haben. heute ist aber auch ein tag
des neubeginns und der hoffnung auf eine gemeinsame,
glueckliche, freundschaftliche zukunft zwischen russland
und deutschland.
fast fuenfzig jahre nach dem einmarsch der sowjetischen
armee in deutschland verlassen sie, die soldaten
der russischen streitkraefte, heute unser land. im
namen meiner landsleute moechte ich ihnen heute lebewohl
zurufen. unsere wuensche fuer eine gute und glueckliche
zukunft begleiten jeden einzelnen von ihnen und
ihre familienangehoerigen. ich danke ihnen fuer ihre
disziplin und ihre kooperationsbereitschaft. ich
danke ihnen dafuer, dass wir uns in gegenseitigem
respekt und, was viel wichtiger ist, in freundschaft
die hand zum abschied reichen koennen.
mit dem heutigen tag enden auch dunkle kapitel in
den beziehungen unserer voelker in diesem jahrhundert.
wir gedenken heute vor allem der ungezaehlten opfer
des zweiten weltkrieges, des leids und des elends,
das dieser krieg gebracht hat. wir versprechen ihnen,
den soldaten russlands und den veteranen, dass wir
ihren in deutschland gefallenen kameraden ein ehrendes
andenken bewahren werden. unsere voelker haben einander
in der vergangenheit grosses leid zugefuegt. die erinnerung
an dieses leid wird bleiben. sie ist mahnung und
verpflichtung fuer die zukunft.
lassen sie uns gemeinsam den weg in die zukunft
gehen! lassen sie uns alles dafuer tun, dass die gegner
von einst von nun an partner und freunde bleiben!
den grundstein dafuer haben wir mit der engen und
vertrauensvollen zusammenarbeit der letzten jahre
gelegt. vor allem ihnen, herr praesident boris jelzin,
bin ich zu besonderem dank fuer das vertrauen und
die freundschaft verpflichtet, die uns verbinden.
nach dem ende des ost-west-konflikts geht es nun
darum, frieden und freiheit in ganz europa dauerhaft
zu sichern. viele in europa schauen dabei auf russland
und auf deutschland, und wir werden gemeinsam diesen
erwartungen gerecht werden. die nato hat den gegnern
von einst mit dem programm der "partnerschaft fuer
den frieden" die hand gereicht. ihr land hat dieses
angebot einer umfassenden zusammenarbeit angenommen.
russland und die nato werden auf diese weise nicht
nur politisch, sondern auch militaerisch eng zusammenwirken
- und zwar sowohl bei humanitaeren als auch bei
friedenssichernden einsaetzen.
so wie unsere regierungen den weg in die zukunft
gemeinsam gehen wollen, so werden soldaten der bundeswehr
und anderer nato-staaten gemeinsam mit soldaten
der russischen streitkraefte im rahmen der vereinten
nationen den frieden bewahren helfen. dies soll
uns gemeinsam zur ehre gereichen!
soldaten russlands, es ist ein bewegender augenblick,
wenn ihre stolze armee in frieden in ihre heimat
zurueckkehrt. im namen aller deutschen wuensche ich
ihnen und ihren familien fuer die zukunft alles gute
und gottes segen.

empfang im schloss bellevue

bundespraesident roman herzog hielt bei einem mittagessen
zu ehren des russischen praesidenten boris jelzin
im schloss bellevue am 31. august 1994 folgende ansprache:

an diesem fuer deutschland wie fuer russland historischen
tag ist es mir eine besondere freude und genugtuung,
sie hier in berlin zu begruessen. dies ist ihr zweiter
besuch in deutschland in diesem jahr, und lassen
sie mich dies sagen: und wir wissen diese geste
hoch zu schaetzen.
wir verabschieden heute gemeinsam die letzten russischen
truppen aus dem vereinigten deutschland. in wenigen
tagen werden auch die truppen frankreichs, grossbritanniens
und der vereinigten staaten berlin verlassen.
hier in berlin, wo die soldaten der roten armee
1945 im sieg ueber den nationalsozialismus einzogen,
setzen sie heute als praesident des demokratischen
russland mit ihrer persoenlichen anwesenheit ein zeichen
fuer ganz europa: russland und deutschland beseitigen
gemeinsam die restbestaende der nachkriegszeit mit
ihrer ideologischen und politischen konfrontation.
nirgends ist trennendes in europa staerker sichtbar
geworden und staerker empfunden worden als im angesicht
der berliner mauer. heute haben wir gemeinsam gewissermassen
die letzten steine dieser mauer abgetragen.
der heutige tag geht nicht nur deutsche und russen
etwas an: mit dem heutigen tag verlaesst der letzte
soldat der ehemals sowjetischen truppen das territorium
eines frueheren mitgliedstaates des warschauer paktes.
mit dem 31. august 1994 hat russland - das grosse
russland - eine politische und organisatorische leistung
ersten ranges zum nutzen von ganz europa vollbracht.
die politische konsequenz und zuverlaessigkeit, mit
der ihr land, herr praesident, trotz aller praktischen
schwierigkeiten den abzug termingerecht abgeschlossen
hat, kann nicht hoch genug eingeschaetzt werden.
die politische leistung, russland auf einen kurs
der demokratie und der europaeischen gemeinsamkeit
gebracht und gehalten zu haben, in der der truppenabzug
heute ohne jede krise und unsicherheit abgeschlossen
wird, bleibt in deutschland auf immer mit ihrem
namen, herr praesident jelzin, verbunden.
die westgruppe der truppen hat die von der politischen
fuehrung ihres landes gestellte aufgabe des abzugs
in voller loyalitaet, mit grossem verantwortungsbewusstsein,
mit disziplin und stetiger entschlossenheit erfuellt.
mit diesem abzug wurde in der tat eine herausragende
militaerische leistung erbracht, die unsere uneingeschraenkte
anerkennung verdient.
dass heute die letzten russischen truppen deutschland
verlassen, bedeutet nicht, dass deutsche und russen
nunmehr "auseinandergehen". ebensowenig werden wir
deutschen nunmehr russland "vergessen". im gegenteil:
wir werden in zukunft immer enger zusammenruecken,
in einem europa ohne mauern, ohne ideologische graeben
und ohne politische feindschaften.
herr praesident, ihnen ist ebenso bewusst wie mir,
dass wir bei dieser zusammenarbeit nicht bei null
anfangen, sondern an vieles anknuepfen koennen, was
bereits erreicht wurde. heute sind hier am tisch
zahlreiche vertreter aus wirtschaft und kultur,
wissenschaft und politik versammelt, die schon durch
ihre bisherigen beitraege und mit ihren namen dafuer
buergen. darueber hinaus sind an den stationierungsorten
der streitkraefte zahlreiche persoenliche kontakte
gewachsen, die in die zukunft weiterwirken werden.
das potential an wissen und
sprachkenntnissen, das vorhanden ist, soll und wird
nicht brachliegen.
in diesem sinne koennen wir nun gemeinsam, in enger
partnerschaft mit unseren europaeischen partnern
und nachbarn, in eine neue aera der europaeischen
politik, des europaeischen miteinanders eintreten.
zu diesem neuen miteinander gehoert auch, dass die
zusammenarbeit zwischen deutschland und russland
nicht mehr wie so oft in der vergangenheit eine
bedrohung fuer die nachbarn darstellt oder zu deren
lasten erfolgt. im gegenteil: je staerker wir auch
dritte in diese kooperation einbeziehen, um so wertvoller
wird der beitrag fuer das europaeische zusammenleben
sein.
deutsche haben schreckliches leid ueber die voelker
und menschen europas gebracht. fuer den sieg ueber
nationalsozialistischen terror haben die voelker der
sowjetunion, insbesondere das russische, unvorstellbare
opfer an menschen bringen muessen. wir werden das
niemals vergessen. um so dankbarer sind wir, dass
wir durch die zustimmung unserer nachbarn und partner
zur vereinigung unseres vaterlandes, aber auch durch
den heutigen abzug der truppen der ehemals sowjetischen
siegermacht, beweise neuen und festen vertrauens
unserer partner erhalten haben, dass deutschland
ein verbuendeter ist beim aufbau eines neuen, eines
anderen, eines gemeinsamen europa.
der abzug der russischen truppen aus deutschland und
den staaten des frueheren warschauer paktes verbreitert
die basis fuer das vertrauen, das russland in der
zukunft bei seinen europaeischen nachbarn finden
wird. dieser truppenabzug, herr praesident, ist die
staerkste vertrauensbildende massnahme, die wir uns
vorstellen koennen. wir wollen dieses gegenseitige
vertrauen auch untereinander weiterhin pflegen und
uns auch des vertrauens, das man in unsere beiden
staaten setzt, wuerdig erweisen.
in der europaeischen tragoedie des zweiten weltkriegs
und der nachkriegszeit erschoepft sich die gemeinsame
geschichte von deutschen und russen nicht. wir blicken
auf jahrhunderte engster kultureller und wirtschaftlicher
verflechtung unserer voelker zurueck. viele namen
stehen fuer diese wechselseitige verflechtung und
bereicherung: puschkin und lermontow ebenso wie
tschaikowsky und kandinsky.
an diese tradition wollen wir jetzt anknuepfen, auf
sie aufbauen. nicht von ungefaehr war einer der groessten
russischen herrscher, peter der grosse, auch der
groesste russische europaeer, der europa fuer russland
erschloss und umgekehrt russland europaeischem gedankengut
oeffnete.
ich erhebe mein glas, herr praesident, auf russland
als natuerliches, grosses und gleichberechtigtes mitglied
der europaeischen voelkerfamilie, auf eine zukunft,
die deutsche und russen in partnerschaft und freundschaft
zum beiderseitigen nutzen immer enger zusammenfuehrt,
und auf ihr persoenliches wohlergehen.