- Bulletin 124-88
- 5. Oktober 1988
bundespraesident richard von weizsaecker sandte an
frau monika hohlmeier, muenchen, zum tode ihres vaters
folgendes beileidstelegramm:
liebe frau hohlmeier,
meine frau und ich teilen in herzlicher anteilnahme den
schmerz mit ihnen und ihrer familie.
mit franz josef strauss verlieren wir eine der grossen
persoenlichkeiten in der geschichte der bundesrepublik
deutschland. freunde und gegner zollen ihm gleichermassen
achtung.
franz josef strauss war gepraegt von unbeugsamer
freiheitsliebe und einer tiefen verbundenheit zu seiner heimat.
seine ueberzeugungskraft, seine ueberragenden analytischen
faehigkeiten und die bereitschaft zum demokratischen
konflikt praegten das format ihres vaters.
die unverwechselbare deutlichkeit seiner worte war ausdruck
eines geistes, der stets in langfristigen perspektiven
dachte und politik als geschichtliche aufgabe begriff.
in herzlicher anteilnahme
ihr
richard von weizsaecker
bundespraesident
bundespraesident richard von weizsaecker sprach
nach der eintragung in das kondolenzbuch der
bayerischen landesvertretung in bonn am 3. oktober 1988 zum
tode von franz josef strauss folgende gedenkworte:
mit franz josef strauss verliert die bundesrepublik
deutschland eine ihrer grossen persoenlichkeiten in ihrer
ganzen bisherigen geschichte. er war gepraegt von tiefer
heimatliebe, von unbeugsamem freiheitswillen, von mut und
von einer nimmermueden vitalitaet in der demokratischen
auseinandersetzung.
mit seiner ueberragenden analytischen gabe, seinem
historischen sinn und seinem kraftvollen charakter hat er
massstaebe gesetzt.
er war eine herausforderung, an der sich jeder messen
musste und die die positionen klaerte. so hat er jeden tag mit
seiner kraft in unserer mitte gewirkt, geachtet von freunden
und gegnern.
sein tod trifft uns unvorbereitet. wir fuehlen den grossen
verlust, aber ermessen koennen wir ihn noch nicht.
der praesident des deutschen bundestages, dr. philipp
jenninger, sandte an frau monika hohlmeier
das nachstehende beileidstelegramm:
sehr verehrte frau hohlmeier,
mit tiefer betroffenheit habe ich nachricht vom tode
ihres herrn vaters erhalten. im namen des deutschen
bundestages und persoenlich spreche ich ihnen und ihren
bruedern zu dem schweren verlust, den sie erlitten haben,
meine tiefempfundene anteilnahme aus.
franz josef strauss war einer der praegenden politiker
der ersten stunde im nachkriegsdeutschland. er hat
entscheidend am aufbau und an der entwicklung der
bundesrepublik deutschland mitgewirkt. seine aussergewoehnliche
persoenlichkeit und ausstrahlung fuehrten ihn bereits im
ersten deutschen bundestag in herausgehobene funktionen
und ab 1953 in hohe staatsaemter, durch die er sich
auch im internationalen bereich anerkennung und
wertschaetzung erwarb.
seine politische arbeit war ueber mehr als vier jahrzehnte
durch die klarheit seines standpunktes, die gabe des
entwurfs und der vermittlung demokratischer ideale und
durch den entschiedenen willen zu ihrer durchsetzung
gekennzeichnet. als demokrat hat er auseinandersetzungen
mit dem politischen gegner nie gescheut und doch im
zusammenspiel der staatstragenden politischen kraefte
kompromissbereitschaft gezeigt.
der mitreissende redner wusste seine partei und
anhaengerschaft immer wieder von neuem zu mobilisieren und
damit das gewicht der csu auf bundesebene zu staerken.
aus unmittelbarer zusammenarbeit mit ihm ist mir seine
profunde sachkenntnis auf vielen politikfeldern bestens
vertraut.
die bundesrepublik deutschland und insbesondere der
freistaat bayern haben dem ministerpraesidenten strauss
viel zu verdanken.
der deutsche bundestag wird ihm stets ein ehrendes
andenken bewahren.
mit stillem gruss
praesident des deutschen bundestages
ihr
philipp jenninger
bundeskanzler dr. helmut kohl, den die nachricht vom
tode des bayerischen ministerpraesidenten auf dem flug
von indonesien nach australien erreichte, wuerdigte franz
josef strauss in einer ersten erklaerung mit folgenden
gedenkworten:
durch den tod von franz josef strauss verliert die
bundesrepublik deutschland einen ihrer grossen gruendungsvaeter.
zugleich verliert sie eine persoenlichkeit, die die
geschichte unseres landes waehrend der bald 40 jahre
ihres bestehens in vielen entscheidenden positionen
mitgepraegt hat.
franz josef strauss hat sich in all den jahren seines
politischen wirkens grosse und bleibende verdienste um unser
vaterland erworben.
der aussenpolitik galt seine ganze leidenschaft. sein
massgeblicher anteil am aufbau unserer bundeswehr ist laengst
unbestritten. fuer franz josef strauss war und blieb sie
notwendiger ausdruck der unwiderruflichen bindung
unseres landes an die wertegemeinschaft freiheitlicher
demokratien.
in der deutschlandpolitik betonte er - ganz im sinne konrad
adenauers -, dass die freiheit bedingung der einheit sei. mit
franz josef strauss verlieren wir einen mutigen und
entschlossenen vorkaempfer fuer die freiheit der deutschen im
inneren wie nach aussen.
franz josef strauss ist kontroversen niemals ausgewichen.
immer wieder focht er leidenschaftlich fuer seine
ueberzeugungen. als demokrat war er davon ueberzeugt, dass
meinungsverschiedenheiten offen ausgetragen werden
muessten. auch im klaren widerspruch zollte ihm der politische
gegner respekt.
in fast drei jahrzehnten praegte franz josef strauss die csu
als deren vorsitzender. gemeinsam mit der cdu ist er stets
unbeirrt fuer die christlich-demokratische und
christlichsoziale idee eingetreten, insbesondere fuer den
unaufloeslichen zusammenhang von freiheit und verantwortung.
franz josef strauss war ein aussergewoehnlicher mensch
und eine der grossen gestaltenden persoenlichkeiten der
deutschen politik. wir alle sind ihm zu grossem dank
verpflichtet.
der praesident des bundesrates, dr. bernhard vogel,
sandte an frau monika hohlmeier, muenchen, folgendes
beileidsschreiben:
sehr geehrte frau hohlmeier,
die nachricht vom ploetzlichen tod ihres vaters hat mich
sehr erschuettert und erfuellt mich mit tiefer trauer.
zu dem schweren verlust spreche ich ihnen und allen
angehoerigen mein tiefes beileid aus.
ihr vater hat vom anfang staatlichen lebens nach dem
zusammenbruch die politik im bund, vor allem im freistaat
bayern und in den laendern entscheidend mitgepraegt.
seine unermuedliche schaffenskraft, seine vitalitaet, sein
erfahrener rat und die gestaltende und mitreissende kraft
seiner religioes verwurzelten ueberzeugungen werden uns
schmerzlich fehlen.
mit ihnen trauern um franz josef strauss die freunde, die er
in allen demokratischen parteien deutschlands hatte, die
buerger und viele politiker im ausland, fuer die seine arbeit
vorbildlich bleiben wird.
ich wuensche ihnen trost in dem bewusstsein, dass viele sich
verpflichtet fuehlen, sein vermaechtnis fortzufuehren.
mit stillem gruss
bernhard vogel
praesident des bundesrates
an den stellvertretenden ministerpraesidenten des
freistaates bayern und staatsminister der finanzen,
dr. h. c. max streibl, muenchen, sandte der praesident des
bundesrates, dr. bernhard vogel, nachstehendes
beileidstelegramm:
sehr geehrter herr minister,
zum ploetzlichen tode des ministerpraesidenten franz josef
strauss spreche ich der landesregierung des freistaates
bayern mein und des bundesrates herzliches beileid aus.
seit der uebernahme des amtes des ministerpraesidenten im
jahre 1978 war er mitglied des bundesrates und im
amtsjahr 1983/84 sein praesident. mit ministerpraesident franz
josef strauss verliert die bundesrepublik einen entschiedenen
kaempfer fuer den foederalismus und der freistaat bayern
einen ministerpraesidenten mit unermuedlicher schaffenskraft
und unnachahmlicher vitalitaet, dessen erfahrener rat und
gestaltende und mitreissende kraft uns allen schmerzlich
fehlen werden.
das deutsche volk, dessen schicksal er entscheidend
mitgepraegt hat, wird sich der ueberragenden verdienste
dieses staatsmannes stets dankbar und ehrfurchtsvoll
erinnern.
mit stillem gruss
bernhard vogel
praesident des bundesrates
der bundesminister des auswaertigen, hans-dietrich
genscher, sprach im fernsehen die folgenden worte
des gedenkens:
mit franz josef strauss ist eine der grossen persoenlichkeiten
der deutschen nachkriegsgeschichte von uns gegangen,
ein mann, der unsere demokratie mit dem gewicht seiner
ueberzeugungen und seiner kraft mitgepraegt hat. ich bin ihm
begegnet in der uebereinstimmung, aber auch in der fuer die
demokratie unverzichtbaren auseinandersetzung.
ich bin dabei immer auf eine persoenlichkeit getroffen, die
durch ihre menschlichkeit und durch ihre ueberzeugungskraft
beeindruckte. sein tod macht unser land und unsere
demokratie aermer.
unser mitgefuehl gehoert seiner familie und gehoert seinen
politischen freunden.
fuer den verstorbenen ministerpraesidenten des freistaates
bayern und vorsitzenden der christlich sozialen union,
dr. h. c. franz josef strauss, findet am 7. oktober 1988 in
muenchen ein staatsbegraebnis statt mit einem
pontifikalrequiem im liebfrauen-dom und einer trauerfeier im
herkulessaal der residenz muenchen.
der bundesminister des innern hat fuer alle dienststellen
des bundes im gesamten bundesgebiet trauerbeflaggung
angeordnet.