bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 2. September 2025 in Berlin:
- Bulletin 69-1
- 5. September 2025
Lieber Aki Watzke,
lieber Uli Hoeneß,
lieber Rainer Bonhof,
lieber Bernd Neuendorf,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung und für das herzliche Willkommen heute Abend hier in Berlin! Ich freue mich sehr, dass ich wenigstens kurz Gelegenheit habe, bei Ihnen zu sein, und Ihnen die herzlichen Grüße der Bundesregierung überbringen darf. Ich tue das ausdrücklich auch im Namen des Vizekanzlers Lars Klingbeil, von dem Sie vermutlich wissen, dass er – wie auch ich – im deutschen Fußball engagiert ist. Wir haben auch da eine gute Arbeitsteilung gefunden: Ich bin beim alten, traditionsreichen Arbeiterverein Borussia Dortmund, und Lars Klingbeil ist bei Bayern München. Sie sehen also, dass wir uns auch in der Koalition die Arbeit gut miteinander aufteilen.
Sie kommen zu einem Zeitpunkt zusammen, zu dem es spannender nicht sein könnte, auch nicht im deutschen Sport, im deutschen Fußball und bei Ihnen in der DFL. Herr Neuendorf, ich erinnere mich gern an meinen Besuch in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vergangenes Jahr in Frankfurt. Das hat mir große Freude bereitet. Das, was Sie dort geschaffen haben, hat bleibenden Eindruck hinterlassen.
Auch wenn ich hier bei der DFL bin und nicht beim DFB, erlauben Sie mir, dass ich heute eine Bemerkung mache: Ich finde, dass unsere Frauen im zu Ende gehenden Jahr, im Jahr 2025, allemal ein besonderes Lob verdient haben. Das, was die deutsche Frauennationalmannschaft in diesem Jahr bei der Europameisterschaft in der Schweiz geleistet hat, war sensationell. Das Spiel gegen Frankreich war wirklich sensationell. Ich hätte mir nichts mehr gewünscht, als dass die deutschen Frauen auch ins Endspiel gekommen wären; ich wäre in Basel dabei gewesen. Aber ich finde, das, was die deutschen Frauen in diesem Jahr im Fußball geleistet haben, ist einen besonderen Applaus wert.
Allem Weiteren, was Sie dann zu besprechen haben, greife ich hiermit nicht vor. Ich kenne die Brisanz dieses Themas jedenfalls vom Hörensagen ganz gut.
Sie haben im Deutschen Fußball-Bund acht Millionen Mitglieder. Das ist der mit Abstand größte Sportverband der Bundesrepublik Deutschland. Es gibt keine Sportart, die die Menschen in unserem Land so zusammenbringt wie der deutsche Fußball: Alt und Jung, Mann und Frau, von einfachsten Verhältnissen bis hin zu den Spitzen der deutschen Wirtschaft. Das können wir an jedem Wochenende während der Saison in allen Stadien sehen. Wir haben fantastische Fußballstadien in Deutschland. Dieser Sport bringt die Gesellschaft zusammen wie kein zweiter.
Deswegen möchte ich Ihnen nicht nur viel Erfolg bei dem wünschen, was Sie in der DFL auch an der Spitze des Leistungssports Fußball zu besprechen und zu beschließen haben. Ich möchte Ihnen auch sagen, dass wir aus voller Überzeugung und ganzer Kraft alles unterstützen, was diesem Sport nützt und hilft, denn er hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Er bringt die Menschen an den Wochenenden in den Stadien zusammen. Er bringt die Menschen an den Fernsehern zusammen. Und er bringt die Menschen am Montagmorgen in den Betrieben und an allen Arbeitsplätzen zusammen, wenn sie über das Wochenende und über die Fußballergebnisse sprechen.
Mir war das wichtig genug, um den Sport im umfassenden Sinne stärker in der Bundesregierung zu verankern. Sie werden vermutlich wissen, dass ich die Sportabteilung aus dem Innenministerium in das Kanzleramt geholt habe. Wir haben im Kanzleramt jetzt eine Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, die sich ganz besonders um das Ehrenamtliche im Sport kümmert. Wir wollen es einfach auch politisch besser beachten und fördern, weil wir wissen, welche große Bedeutung der Sport nicht nur gesellschaftlich, sondern auch für die Gesundheit unseres Landes hat. Insofern ist der Sport in der Bundesregierung so stark verankert und beachtet, wie er es nie war. Das, glaube ich, darf ich heute von dieser Stelle aus sagen. Dabei spielt natürlich auch der Fußball eine wichtige Rolle.
Ich weiß, welche Themen Sie haben. Ich nenne nur zwei Stichworte: das Thema der Stadionsicherheit und das Thema 50+1. Aki, du weißt es, wir haben darüber, wenn ich das so sagen darf, auch bei uns oft genug gesprochen. Ich bin und bleibe ein Befürworter dieser Regel, wissend, welche Begrenzungen damit einhergehen, insbesondere im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung der Vereine. Aber die feste Verankerung zusammen mit den Vereinen ist und bleibt wichtig. Insofern ist es eine immer wiederkehrende, schwierige Diskussion. Aber ich finde die Lösung, wie sie heute ist, gut, wissend, dass wir uns damit in Deutschland einige Begrenzungen auferlegen, die insbesondere im Hinblick auf die Kapitalausstattung der Vereine im Wettbewerb mit vielen anderen europäischen Vereinen durchaus die eine oder andere Herausforderung stellen. Aber es ist eben ein Vereinssport und sollte es, wie ich finde, auch bleiben, in dem die Vereine eine starke Rolle spielen.
Das Thema der Stadionsicherheit hat auch die Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht beschäftigt. Lassen Sie mich das losgelöst von allen juristischen Fragen sagen: Wir müssen ein gemeinsames gesellschaftspolitisches Interesse daran haben, dass die Stadien sicher sind und dass wir das, was von den Fans kommt, einigermaßen unter Kontrolle halten. Auch die Fanszene wird nicht einfacher. Aber auch diese Szene ist Ausdruck der gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die wir sehen, sogar der parteipolitischen Entwicklungen, die wir in Deutschland sehen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das alles gut bleibt und dass es vor allen Dingen auf den Sport, auf das Spiel, auf die Mannschaften ausgerichtet bleibt und keine Überfrachtung durch Themen erfährt, die in den Fußballstadien nichts zu suchen haben.
Ich freue mich jedenfalls sehr über jede Möglichkeit, auch einmal ein Spiel live und in Farbe zu sehen. Das ist in letzter Zeit leider etwas seltener geworden, als es früher der Fall war. Aber ich weiß es umso mehr zu schätzen. Deswegen wünsche ich Ihnen für Ihre diesjährige Tagung hier in Berlin viel Erfolg und morgen gute Beratungen.
Ich freue mich, dass Uli Hoeneß so geehrt wird. Schon jetzt, vorgezogen, auch von meiner Seite aus herzlichen Glückwunsch zu dieser, wie ich finde, verdienten Ehrung! Dass Rainer Bonhof die Laudatio hält, ist, denke ich, eine fantastische Idee. Ich hätte es heute Abend gern angehört. Schön, dass ich Sie heute Abend sehe und dass Sie das heute Abend zusammen machen.
Ich kann heute Abend leider nicht dableiben. Ich sage Ihnen auch, warum nicht. Sie können mich bemitleiden oder beglückwünschen, je nachdem, wie Sie wollen. Ich bin gleich mit der Bundesarbeitsministerin zum Abendessen verabredet. Aber auch das gehört zu meinen Pflichten dazu. Ich sehe auch dem Abschluss dieses Abends nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei mir mit Zuversicht entgegen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine gute Begegnung, eine gute Tagung. Seien Sie versichert: Nicht nur dem Profifußball und dem Profisport, sondern auch dem Vereinssport bleiben wir, bleibt diese Bundesregierung und bleibe ich persönlich engstens verbunden. Wir können gar nicht hoch genug einschätzen, wie wichtig es ist, dass wir gute Sportvereine haben, und zwar nicht nur im Fußball, sondern auch in anderen Sportarten. Schauen Sie sich Basketball, Handball, viele andere Sportarten an – in vielen Vereinen haben wir entsprechende Abteilungen, bei Uli Hoeneß, Aki Watzke, auch bei uns –, die in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen haben. Deutschland ist eine großartige Sportnation. Das wollen und sollten wir bleiben, denn nichts ist schöner als die schönste Nebensache der Welt und sich dieser zuzuwenden und zu widmen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg heute Abend. Ich wünsche gute Beratungen morgen. Ich freue mich auf manche Begegnung, sei es im Stadion oder außerhalb, auch heute Abend bei Ihnen.
Ganz herzlichen Dank! Alles Gute!