Rede der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär,

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! 
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In der „Zeit“ stand neulich ein sehr schöner Vergleich: Der Haushalt sei – Zitat – „so etwas wie das Selbstporträt einer Regierung“. Ich finde, das ist ein sehr schöner Gedanke. Aber der Haushalt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist noch deutlich mehr als ein Selbstporträt, weil er schon so etwas wie ein Fenster ist, durch das wir in die Zukunft unseres Landes blicken können. Es ist eine sehr große Ambition der Bundesregierung, sich gerade in diesem Haushalt sehr stark mit investiven Maßnahmen zu beschäftigen. Ich darf das an ein paar Beispielen verdeutlichen.

Erstes Beispiel: die Quantentechnologien. Wir haben das Jahr 2025. Vor genau 100 Jahren hat Werner Heisenberg die Quantenmechanik mathematisch beschrieben. Seit 100 Jahren erforschen wir sie, kennen aber erst einen Bruchteil. Trotzdem hat die Quantentechnologie unser aller Leben dermaßen verbessert. Viele wissen gar nicht, wie. Wenn ich Sie jetzt fragen würde, wo sie im täglichen Leben im Einsatz ist, müssten Sie vielleicht erst einmal überlegen. Es fängt an mit der Atomuhr, geht weiter über den Laser bis hin zum GPS, das wir alle sicherlich fast täglich nutzen, und zum MRT, das zum Glück nicht jeder täglich nutzen muss. Das alles ist erst der Anfang; denn das Potenzial ist immer noch riesig. Das zeigen vor allem die wirtschaftlichen Prognosen. Studien sagen, dass es eine Wertschöpfung von bis zu zwei Billionen Dollar allein in den nächsten zehn Jahren geben kann, allein im Quantencomputing, allein in den Branchen Chemie, Biowissenschaften, Finanzen und Mobilität. Das heißt, die Forschung von heute ist definitiv auch die Wertschöpfung von morgen.

Was ist Forschung noch? Gerade in diesen Tagen ist Forschung natürlich ein großer Garant unserer Freiheit, wenn wir es richtig angehen, wenn wir diese Schlüsseltechnologien aktiv mitgestalten und beherrschen. Wenn wir aber diese Freiheit wollen – ich bin mir sicher, dass wir alle das tun –, dann brauchen wir eigene Stärke und eigene technologische Souveränität.

Wie unterfüttern wir diese Ambitionen? Ambitionen sind schön; aber wenn sie nicht hinterlegt sind, ist es schwierig. Wir haben für das Jahr 2025 einen Kernhaushalt in Höhe von 22,4 Milliarden Euro angemeldet. Schon heute ist klar, dass wir, wenn alles gut geht, bis zum Ende dieser Legislaturperiode für die Themen des BMFTR insgesamt eine Milliarde Euro zusätzlich investieren können, beispielsweise für die Raumfahrt – ich komme am Schluss noch darauf zurück –, für die Gewinnung kluger Köpfe aus dem Ausland, aber auch für Zukunftsbranchen wie Games.

Wir haben als BMFTR on top noch die Möglichkeit, mit 6,4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Forschung und Entwicklung eins draufzusetzen. Dasselbe gilt für den Klima- und Transformationsfonds und die 4,3 Milliarden für die Energie- und Batterieforschung. Das ist besonders schön; denn die Förderlinien des BMFTR sollten eigentlich auslaufen. Jetzt laufen sie weiter und steigen sogar noch an. 

Unter dem Strich ist dieser Haushalt vor allem eines: investiv. Er ist Zukunft pur.

Wo und wie investieren wir jetzt konkret? Unser Herzstück ist die Hightech-Agenda-Deutschland, eine ganz kraftvolle Offensive für Innovationen gerade bei den Schlüsseltechnologien, die für uns Priorität haben. Das sind neben der Quantentechnologie die künstliche Intelligenz, die Mikroelektronik, die Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energie sowie klimaneutrale Mobilität. Genau auf diesen Forschungsfeldern entscheidet sich die Zukunft. Sind das die einzig wichtigen Technologien? Nein, aber das sind die sechs Schlüsseltechnologien.

Selbstverständlich geht es auch bei anderen wichtigen Themen weiter, beispielsweise in der Gesundheitsforschung. Wie Sie wissen, ist mir sehr wichtig, Forschungsmittel für die Frauengesundheit nach und nach aufzubauen. Wir sind beim Thema Endometriose schon einen Schritt weiter; weitere werden noch folgen. Aber ich möchte nicht, dass Themen gegeneinander ausgespielt werden.

Die Hightech-Agenda-Deutschland ist unser Fahrplan für mehr Tempo, für mehr greifbare Erfolge. Ich habe ja eingangs gesagt, dass unser Haushalt ein Fenster in die Zukunft ist. Was sehen wir noch, wenn wir durch dieses Fenster schauen? Wir sehen beispielsweise, wie Sie auch im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD lesen können, die AI-Gigafactory – ein großes Thema –, Quantenhöchstleistungsrechner und den ersten Fusionsreaktor. All das wird eingebettet sein in starke Ökosysteme in Deutschland, in starke Hightechcluster und in starke Regionen. Das ist für uns die Grundlage für Innovation, Wachstum und technologische Souveränität.

Grundlage dafür ist und bleibt aber ein Wissenschaftssystem als Ganzes – das ist wichtig – mit Exzellenz, Vielfältigkeit, starken Hochschulen, aber auch – und das ist etwas besonders Schönes in Deutschland – mit einer ganz starken außeruniversitären Forschung.

Wir wollen mit diesem Haushalt größtmögliche Verlässlichkeit und Transparenz für Karrieren in der Wissenschaft schaffen; daran arbeiten wir mit Hochdruck. Wir wollen auch das BAföG reformieren. Auch wenn das BAföG erst im nächsten Jahr auf der Agenda steht, möchte ich es auf jeden Fall schon heute ansprechen, weil es zu wichtig ist, um unerwähnt zu bleiben, genauso wie die anderen wichtigen Brot-und-Butter-Themen – sehr höflich gemeint – wie der Hochschulbau.

Ich darf noch ein Programm ansprechen, das für uns von großer Bedeutung ist: unser 1.000-Köpfe-Plus-Programm. Damit wollen wir als sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit internationalen Topforschern und Toptalenten exzellente Bedingungen bieten. Ein schönes Beispiel: Ich darf die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger zitieren, die sagt, dass Nationalitäten an der Stelle keine Rolle spielen, weil, wenn sie auf internationalen Konferenzen ist, „nicht die Deutschen, die Franzosen oder die Amerikaner zusammenstehen, sondern die Sonnenphysiker, die Planetenforscher oder die Schwarze-Löcher-Experten“. Ich glaube, für diese Forscher kann Deutschland ein sicherer Hafen sein, und das wollen wir als Bundesregierung unterstützen.

Ich erlebe momentan ganz oft, dass gesagt wird: Oh, jetzt führt das Ministerium auch das Wort „Raumfahrt“ im Titel. Was ist eigentlich mit dieser Raumfahrt? Gibt es nichts Wichtigeres, worum ihr euch kümmern könntet? Braucht es überhaupt diese zusätzlichen Milliarden? Ist dieser finanzielle Kraftakt es wirklich wert? – Ja. Das ist schon einmal die richtige Antwort; aber das war jetzt schon vorweggenommen.

Diese Frage stellt sich nicht erst im Jahr 2025. Diese Frage hat sich schon 1983 Ulf Merbold gestellt. Er saß in Cape Canaveral – rückwärts hängend, festgeschnallt in einem Pilotensitz, 30 Meter über dem Boden – und musste eine Stunde warten. Er wusste, dass er als erster westdeutscher Mensch ins All fliegen würde. Da wird eine Stunde zur Ewigkeit. Dann hat er gedacht an die sechs Jahre harten Trainings, an die Milliarden Dollar und D-Mark, die die Rakete, in der er saß, gekostet hatte, und hat sich gefragt: War es das wirklich wert? Er hat in seinem Erlebnisbericht die gleiche Antwort gefällt: Ja, das war es wert. Warum? Er hat gesagt: Ob Astronomie, Atmosphärenphysik, Erdbeobachtung, Biologie, Medizin oder Materialforschung, die Mission hat nach nur neun Tagen im All eine unglaubliche wissenschaftliche Ernte eingefahren, eine Ernte, die es auf der Erde wahrscheinlich auch nach 900 Tagen noch nicht gegeben hätte, vermutlich nie.

Wir müssen nicht zu Ulf Merbold in das Jahr 1983 zurückreisen – obwohl es sehr beeindruckend ist, seinen Bericht zu lesen –, um festzustellen: Auch heute ist das Potenzial der Raumfahrt noch nicht ansatzweise ausgeschöpft. Heute haben wir eine neue Raumfahrergeneration, großartige Männer, großartige Frauen. Einer unserer Topastronauten, Alexander Gerst, hat kürzlich so treffend gesagt, dass der Mond unser achter Kontinent und nur drei Tage Flugzeit entfernt ist, und wir wissen noch so gut wie nichts über den Mond. Jetzt, wo der Weltraum immer mehr zum Wirtschaftsraum wird und entscheidend für unsere Sicherheit und Verteidigung ist, dürfen wir nicht reglos am Fenster stehen und nur zuschauen, sondern wir müssen diesen Zukunftsraum ganz dringend erobern.

Der Erfolg wird uns nicht einfach zufallen; aber ich glaube, er ist jede Anstrengung wert. Das BMFTR mit seinem neuen Zuschnitt bündelt dafür die Zukunftsthemen – von der Forschung über die Technologie bis zur Raumfahrt –, damit es vorangeht für Deutschland. Dieser Haushalt kann die nötigen Kräfte freisetzen; davon bin ich überzeugt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir alle das gemeinsam in Angriff nähmen.

Ganz herzlichen Dank.