beim Nationalen Dialogforum zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung am 10. März 2021 als Videobotschaft:
- Bulletin 39-1
- 18. März 2021
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen! Ich bringe Ihnen den Schwung aus dem Kabinett mit, wo wir heute die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen haben.
Warum sage ich das? Weil Sie Teil dieser wichtigen Strategie sind. Weil wir gemeinsam einen wichtigen Beitrag leisten zum Gelingen dieser Strategie – mit dem Ziel, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
Die Staatengemeinschaft hat sich dazu bekannt, die Verluste entlang der Produktions- und Lieferkette zu reduzieren und Lebensmittelabfälle pro Kopf auf Ebene des Einzelhandels und der Verbraucher zu halbieren.
Die Ziele der Agenda 2030 richten sich an uns alle: an die Regierungen weltweit, aber auch an die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft. Alle sind also in der Verantwortung.
Denn die Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren. Es landet Essen im Müll, tonnenweise. Allein bei uns in Deutschland sind es jedes Jahr etwa zwölf Millionen Tonnen. Gut die Hälfte davon landet zu Hause im Abfall. Und die andere Hälfte geht auf dem Weg vom Acker zum Teller verloren – und kommt so erst gar nicht bei uns an.
Das wollen wir ändern mit unserer Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Versorgungskette, von der Landwirtschaft über die Verarbeiter und den Handel bis zu den Verbrauchern. Dabei setzen wir auf branchenbezogene Lösungen, die in den sektorspezifischen Foren erarbeitet werden, damit wir mehr Wertschätzung für Lebensmittel erreichen und Abfälle erst gar nicht entstehen lassen. Zur Umsetzung der Strategie bringt sich mein Ministerium mit erheblichen Mitteln ein: für die Jahre 2019 bis 2023 mit fast zwölf Millionen Euro.
Wir wollen ein Umdenken aller Beteiligten, nicht erst seit der Verabschiedung unserer Strategie. 2012 hat unser Ministerium bereits „Zu gut für die Tonne!“ als Initiative zur Verbraucheraufklärung ins Leben gerufen und seitdem viele Verbraucher für das Thema sensibilisiert.
Seit 2016 verleihen wir unseren Bundespreis, denn gute Ideen müssen bekannt gemacht werden und Nachahmer finden! Im September vergangenen Jahres haben wir die erste bundesweite Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel!“ veranstaltet. Mit mehr als 130 Aktionen haben die Teilnehmenden gezeigt: mehr Lebensmittelwertschätzung geht! Wir haben viel erreicht. Das Thema ist angekommen in der Breite der Bevölkerung.
Seit Beschluss der Strategie vor zwei Jahren haben wir ganz konkrete Erfolge erzielt: Wir haben die Grundsatzvereinbarung unterzeichnet. Im Dialogforum Groß- und Einzelhandel haben sich 21 Unternehmen zu verbindlichen Maßnahmen verpflichtet und alle Beteiligten haben die Vorgaben erfüllt.
Wir haben die Datenlage zur Lebensmittelverschwendung im Einzelhandel deutlich verbessert. Und wissen jetzt: Im Einzelhandel werden nach wie vor jährlich rund 500.000 Tonnen Lebensmittel aussortiert, vor allem Brot- und Backwaren, gefolgt von Obst und Gemüse.
Das ist wichtig zu wissen, weil wir so besser mit konkreten Maßnahmen ansetzen können. Im nächsten Schritt sollen erstmals Abfalldaten des Lebensmittelgroßhandels erhoben werden. Das ist noch eine Blackbox!
Das Dialogforum Außer-Haus-Verpflegung hat als erstes Dialogforum den Entwurf einer Zielvereinbarung vorgelegt. Die Modellbetriebe haben im Schnitt bereits 25 Prozent der Lebensmittelabfälle eingespart.
Gleichzeitig laufen viele weitere Prozesse: Unser Dialogforum private Haushalte etwa entwickelt wissenschaftlich fundierte und alltagstaugliche Maßnahmen, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Zusammen mit den Verbraucherzentralen werden wir die Maßnahmen in die Breite tragen.
Die Dialogforen Primärproduktion und Verarbeitung haben ihre Arbeit aufgenommen. Und auch die ist wichtig, denn die beiden Sektoren tragen mit rund 30 Prozent zur Lebensmittelverschwendung bei. Umso dringender sollten sich die Akteure darauf einigen, schon am Anfang der Kette nicht nur zu reduzieren, sondern ebenfalls zu halbieren!
Im Bund-Länder-Gremium haben wir uns gemeinsam mit den Ländern darauf verständigt, Maßnahmen der öffentlichen Hand weiter zu fördern und die bundesweite Aktionswoche fortzusetzen. Und wir wollen Regelungen überprüfen, die sich nachteilig auf das Aufkommen von Lebensmittelabfällen auswirken – und diese erforderlichenfalls anpassen, etwa bei der Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen, wie die Tafeln.
Wo notwendig, wird sich unser Ministerium dafür einsetzen, auch mit gesetzlichen Regelungen nachzuhelfen. Ich bin davon überzeugt, dass auch die neuen Regelungen zum Verbot unlauterer Handelspraktiken dazu beitragen werden, dass weniger Lebensmittel in der Tonne landen.
Neben fairen Lieferbedingungen erfordert die Wertschätzung von Lebensmitteln aber auch eine faire Preisgestaltung. Dumpingangebote und dauerhafte Tiefstpreise sind hier ein fatales Signal! Für ein Umdenken braucht es branchenangepasste und praktikable Maßnahmen.
Einen wesentlichen Impuls erwarte ich auch durch die Berichtspflichten, denen wir gemäß der EU-Abfallrahmenrichtlinie nachkommen müssen. Für die europäische Ebene haben wir dazu ein Konzept zur dauerhaften Erfassung der Lebensmittelabfälle erarbeitet.
Denn ein erster Schritt ist, Lebensmittelabfälle sichtbar und messbar zu machen! Im zweiten Schritt müssen wir effektive Maßnahmen ergreifen. Dazu haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht. Und dafür brauchen wir noch weitere Kraftanstrengungen – und Akteure wie Sie, die sich einbringen. Deshalb, liebe Wirtschaftsverbände: Motivieren Sie Ihre Mitglieder, sich für ambitionierte Zielvereinbarungen einzusetzen und diese engagiert umzusetzen.
Liebe Vertreter der Betriebe und Unternehmen: Weniger Verschwendung bedeutet schließlich auch weniger Verlust! Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ist ein Beitrag zu ökonomischer Nachhaltigkeit. Und schließlich müssen wir alle unseren Beitrag leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre wertvolle Arbeit! Sie ist das Herzstück der Umsetzung in die Praxis. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!
Vielen Dank!