papst johannes paul ii. in der bundesrepublik deutschland vom 30. april bis 4. mai 1987

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papst johannes paul ii. stattete der bundesrepublik
deutschland vom 30. april bis 4. mai 1987 einen zweiten
pastoralbesuch ab. stationen seiner reise waren koeln/
bonn, muenster, kevelaer, bottrop, gelsenkirchen, essen,
muenchen, augsburg und speyer.

begruessung auf dem flughafen koeln/bonn

bundespraesident richard von weizsaecker begruesste
den heiligen vater bei seiner ankunft am 30. april 1987
auf dem flughafen koeln/bonn mit folgender ansprache:

eure heiligkeit!

im namen der bundesrepublik deutschland und im namen
aller deutschen heisse ich sie von herzen willkommen.
sie sind zu einem pastoralbesuch gekommen und werden
mehrere dioezesen aufsuchen. ich moechte ihnen aber
sagen, dass sich die ganze deutsche bevoelkerung aufrichtig
ueber ihren entschluss freut, zum zweiten mal waehrend ihres
pontifikats mitten unter uns zu sein.
sie werden edith stein in koeln und rupert mayer in
muenchen seligsprechen, zwei herausragende glaubenszeugen
dieses jahrhunderts. edith stein ist eine juden und christen
verbindende gestalt, sie ist in auschwitz den opfertod
gestorben. die erinnerung an sie weist in die zukunft.
mit pater rupert mayer ehren sie einen mann, der aus der
kraft seines glaubens dem ungeist und unrecht offen
widerstand. sie ehren mit ihm glauben und geist im
deutschen volk.
ihr besuch gilt auch dem land, von dem die reformation
ausging. jeweils ungefaehr zur haelfte sind die christen bei
uns katholisch und evangelisch. die christen hierzulande
hoffen und wuenschen, dass die kirchen deutlicher
aufeinander zugehen moegen und dass die menschen und die
familien - zumal die gemischtkonfessionellen - dies staerker als
bisher verspueren koennen. denn die trennung ist nicht bis an
die wurzel vorgedrungen. es sind daher nicht die
gegensaetze, die die menschen bei uns bewegen. vielmehr suchen
wir gemeinsam inmitten von technischer zivilisation, von
unfrieden und ungerechtigkeit in der welt vertiefte geistige
und geistliche kraft.
in diesem sinn freut sich unser volk ueber ihre ankunft und
wuenscht ihnen, ihrer kirche und uns allen, dass ihr besuch
unter einem guten stern stehen moege.

papst johannes paul 2ii. erwiderte den
willkommensgruss mit der nachstehenden ansprache:

"ihr werdet meine zeugen sein" - und das nicht nur in
jerusalem, in judaea und samarien, sondern "bis an die
grenzen der erde". mit diesen worten jesu an die apostel
unmittelbar vor seiner himmelfahrt begann der weg der
kirche in die welt und in die geschichte. dieser auftrag
christi hat durch die jahrhunderte hindurch maenner und
frauen als seine glaubensboten zu allen voelkern bis in die
entlegendsten gebiete der erde gefuehrt. er fuehrt in unseren
tagen auch den bischof von rom als nachfolger des
apostels petrus zu den ortskirchen, zu seinen glaubensbruedern
und -schwestern in aller welt, um sie gemaess seinem auftrag
in ihrem glauben zu bestaerken. er fuehrt mich heute zum
zweiten mal in die bundesrepublik deutschland.
in dankbarer erinnerung an meinen ersten pastoralbesuch
im jahre 1980 komme ich wiederum mit grosser freude der
freundlichen einladung nach, die zahlreiche deutsche
bischoefe zum besuch ihrer dioezesen an mich gerichtet
haben. aufrichtig danke ich allen, die mich hier bei meiner
ankunft in diesem geschaetzten land so gastfreundlich
empfangen und mich durch ihre anwesenheit beehren: allen
voran ihnen, sehr geehrter herr bundespraesident, fuer ihren
herzlichen willkommensgruss im namen der buerger ihres
landes. im verehrten herrn kardinal hoeffner, dem
vorsitzenden der deutschen bischofskonferenz, gruesse ich
zugleich alle bischoefe, priester, ordensleute und glaeubigen
der deutschen dioezesen, ganz besonders jene ortskirchen,
die ich auch bei dieser zweiten pastoralreise leider noch
nicht besuchen kann. in der gemeinschaft des einen
glaubens gilt auch dieser mein besuch wiederum der ganzen
kirche mn diesem land und auch allen menschen, die mir in
geistiger offenheit und solidaritaet als bruder in christus in
ihrer mitte herzliche gastfreundschaft gewaehren.
"ihr werdet meine zeugen sein." die herausragenden
ereignisse, die wir in den kommenden tagen in geistlicher
verbundenheit in den verschiedenen dioezesen gemeinsam
feiern werden, stehen in einer ganz besonderen weise im
zeichen der zeugenschaft. durch die beiden seligsprechungen
in koeln und muenchen ehrt die kirche zwei christen, die
inmitten aeusserster pruefungen und gefahren ein
unerschrockenes, heroisches zeugnis fuer ihren glauben abgelegt
haben. so edith stein, die in solidaritaet mit ihrem
gemarterten juedischen volk als juedin und katholische ordensfrau
in christlicher hoffnung den leidensweg ihres volkes in die
vernichtung gegangen ist.
in jesuitenpater rupert mayer gedenken wir eines mutigen
bekenners und apostels der naechstenliebe, der fuer die
kompromisslose verteidigung von glaube und sittlichkeit
gegenueber gottloser staatlicher willkuerherrschaft weder
verfolgung noch gefaengnis gescheut hat. dazu gilt mein
ehrerbietiger besuch dem grab des grossen kardinals clemens
august graf von galen, der gegen eine verbrecherische
mordmaschinerie "gelegen oder ungelegen" fuer die achtung
des lebensrechts und die unantastbare wuerde aller
menschen furchtlos seine stimme erhoben hat.
diese leuchtendess gestalten der kirche haben durch ihr
opferbereites zeugnis fuer christus und fuer die wahre groesse
des menschen das grausame dunkel einer ganzen
geschichtsepoche erhellt. sie stehen zugleich fuer alle jene
im deutschen volk, die nicht bereit gewesen sind, sich der
menschenverachtenden tyrannei des nationalsozialismus
zu beugen. darunter gedenken wir mit hochachtung auch
zahlreicher mutiger bekenner und opfer unter unseren
evangelischen bruedern und schwestern. sie allesamt sind
fuer uns zeichen der hoffnung und verpflichtung fuer das von
uns heute geforderte zeugnis fuer recht und gerechtigkeit in
unserer gesellschaft, fuer die verteidigung der immer wieder
neu bedrohten grundrechte des menschen und seiner
uebernatuerlichen berufung, von der her alle menschlichen
belange ihr wahres mass und ziel erhalten. moege das
gemeinsame glaubenszeugnis der christen allmaehlich auch
zu einer immer tieferen einheit unter den christlichen
kirchen und gemeinschaften fuehren.
mit dem ehrenden gedenken dieser vorbildlichen zeugen
der vergangenheit verbinde ich zugleich den ausdruck
meiner hohen wertschaetzung fuer das ganze deutsche volk, das
nach dem tragischen geschehen in seiner juengeren
geschichte einen so angesehenen platz unter den voelkern
europas und der welt zurueckgewonnen hat. mit anerkennung
erinnere ich an den grossen einsatz ihres landes fuer
frieden und gerechtigkeit unter den nationen und an die
umfangreiche solidarische hilfsbereitschaft fuer die voelker
der dritten welt. dabei verdienen die schon weitbekannten
und sehr wirksamen hilfswerke der deutschen bischoefe und
katholiken wie auch der evangelischen kirche eine
besondere erwaehnung und wuerdigung. moege das hilfsbereite
eintreten ihres volkes fuer die beduerftigen und die entrechteten
sich auch in ihrem eigenen land weiter bewaehren, in
dem gerade in den letzten jahren eine zunehmende zahl
von fluechtlingen und asylbewerbern um schutz und
aufnahme ersucht. die beiden kuenftigen neuen seligen, die
wegen ihrer religioesen und moralischen ueberzeugung oder
der zugehoerigkeit zu einer ethnischen minderheit schwerste
verfolgungen haben erdulden muessen, sind gleichsam
symbole fuer jene menschen, die noch immer aus
rassischen, religioesen oder ethnischen gruenden ihr land
verlassen muessen. schenken sie auch diesen hilfesuchenden in
der bundesrepublik deutschland nach kraeften weiterhin ihre
mitmenschliche solidaritaet und unterstuetzung.
mit nochmaligem dank fuer die herzliche gastfreundschaft,
die sie mir und meiner begleitung in diesen tagen in ihrem
land gewaehren, erwarte ich voller freude die zahlreichen
begegnungen mit den bischoefen, priestern und glaeubigen
in den verschiedenen dioezesen, mit vertretern der
juedischen gemeinde und der anderen christlichen kirchen
sowie aus der welt der arbeit. moegen diese und besonders
die grossen gottesdienste und eucharistiefeiern uns
gegenseitig in unserem glauben und in unserer christlichen
berufung bestaerken, damit wir heute - jeder einzeln und alle
gemeinsam - immer glaubwuerdigere zeugen fuer christus
und das schon in dieser zeit anbrechende gottesreich
werden.