gespraech des bundeskanzlers mit nelson mandela

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der sprecher der bundesregierung, bundesminister
hans klein, teilte am 12. juni 1990 mit:

bundeskanzler dr. helmut kohl empfing am 12. juni 1990
den fuehrenden suedafrikanischen oppositionspolitiker und
vizepraesidenten des "african national congress" (anc),
nelson mandela, zu einem gespraech mit anschliessendem
mittagessen. nelson mandela haelt sich im rahmen einer
reise durch mehrere europaeische hauptstaedte auf
einladung des bundeskanzlers zu einem zweitaegigen besuch
in bonn auf.
der bundeskanzler aeusserte seine freude ueber diese erste
begegnung und wuerdigte die von nelson mandela seit
seiner freilassung bewiesene konstruktive und dem inneren
frieden verpflichtete haltung.
schwerpunkt des meinungsaustausches, der in freundlicher
und aufgeschlossener atmosphaere verlief, war die innere
entwicklung in suedafrika und insbesondere der stand der
bemuehungen um eine politische loesung der internen
konflikte des landes.
nelson mandela unterrichtete den bundeskanzler ueber
stand und ergebnisse der bisherigen vorgespraeche
zwischen dem anc und der suedafrikanischen regierung, die in
einem umfassenden dialog ueber die abschaffung der
apartheid und die politische zukunft suedafrikas einmuenden
sollen. er zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich des baldigen
beginns der eigentlichen verfassungsgespraeche, deren
ergebnis die volle politische, wirtschaftliche und kulturelle
gleichberechtigung aller buerger suedafrikas sein muesse.
der bundeskanzler unterstrich die notwendigkeit einer
baldigen vollstaendigen abschaffung der noch bestehenden
strukturen der apartheid und einer vollen einbeziehung aller
suedafrikaner in die politische willensbildung und
verantwortung. er begruesste die von nelson mandela wie von
staatspraesident de klerk gezeigte bereitschaft, konstruktiv
und im geiste der versoehnung aufeinander zuzugehen, um
gemeinsam eine verfassungsordnung zu schaffen, die fuer
alle buerger suedafrikas akzeptabel ist und ihnen
angemessene zukunftsperspektiven eroeffnet.
zugleich hob er hervor, dass ein langfristiger
interessenausgleich nur dann denkbar sei, wenn alle massgebenden
politischen kraefte suedafrikas an einer verhandlungsloesung
beteiligt seien und ihr zustimmen koennten.
wie bereits bei dem vorausgehenden besuch von
staatspraesident de klerk unterstrich der bundeskanzler auch
den besonderen nutzen des europabesuchs von nelson
mandela zu einem zeitpunkt, da die europaeische
gemeinschaft im begriffe sei, ihre suedafrika-politik auf grund
des bereits eingetretenen wandels und der berechtigten
hoffnung auf eine langfristig friedliche loesung der
bestehenden konflikte zu ueberpruefen.
der bundeskanzler hob abschliessend die auch schon
gegenueber staatspraesident de klerk erklaerte bereitschaft
hervor, im rahmen unserer moeglichkeiten den friedlichen
wandel in suedafrika zu foerdern und zu unterstuetzen.