europa im weltraum - eroeffnungsansprache von bundesminister dr. riesenhuber

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der bundesminister fuer forschung und technologie,
vorsitzender des rates auf ministerebene der europaeischen
weltraumorganisation, dr. heinz riesenhuber, hielt
zur eroeffnung des internationalen symposiums "europa
im weltraum" in strassburg am 25. april 1988 folgende
rede:

sehr geehrter herr oberbuergermeister,
sehr geehrte abgeordnete des europa-parlaments
und der nationalen parlamente,
lieber kollege ruberti,
lieber kollege madelin,
lieber herr professor luest!

"europa im weltraum" ist das anspruchsvolle motto dieses
symposiums. es ist daher kein zufall, dass diese
veranstaltung gerade in strassburg stattfindet, dieser stadt im
zentrum europas, dem sitz des europaeischen parlaments und
des europarates. strassburg ist eine stadt mit einer langen
europaeischen geschichte. es trifft sich gut, dass wir hier zu
ihrem 2000. geburtsjahr zu gast sind. auch die
wechselvolle geschichte dieser stadt in den letzten drei
jahrhunderten fordert jeden, der hier lebt und arbeitet,
geradezu heraus, europaeisch zu denken und zu handeln.
das thema dieses symposiums, "europa im weltraum" mit
der betonung auf der anwesenheit und taetigkeit des
menschen im weltraum, geht nun weit ueber das jahr 2000
hinaus. die raumfahrt ist zwar ein alter, besonders auch ein
europaeischer menschheitstraum. ikarus stuerzte ins meer,
als er in die sonne fliegen wollte. der roemische
geschichtsschreiber lukianos beschreibt schon 160 n. chr. eine
fahrt zum mond - eine phantasiefahrt, die dann in berichten von
cyrano de bergerac einen nachahmer fand. und so haben,
nur der vollstaendigkeit halber zu erwaehnen, dumas, jules
verne, h. g. wells und andere schon vor vielen jahren in
europa von der raumfahrt, dem menschen im weltraum,
getraeumt und erzaehlt.
wir machen uns aber selten bewusst, wie jung die praktizierte
raumfahrt in wirklichkeit ist. beim rueckblick auf die
vergangenen drei jahrzehnte seit dem ersten kuenstlichen
satelliten in einer umlaufbahn um die erde koennen wir auf
rasante fortschritte zurueckschauen. noch nicht einmal vier
jahre nach dem ersten kuenstlichen satelliten war mit juri
gagarin der erste mensch im weltraum und acht jahre
spaeter mit neil armstrong der erste mensch auf dem mond.
europa hat hierauf anfang der sechziger jahre schnell mit
der gruendung der esro und eldo reagiert, die mitte der
siebziger jahre dann zur europaeischen
weltraumorganisation esa zusammengeschlossen wurden.
europas ziel in der bemannten raumfahrt seit seiner letzten
umorientierung anfang der siebziger jahre war die nutzung
des weltraums als labor. der erste gemeinsame flug mit
nasa des von europa entwickelten weltraumlabors 1983
und der 1985 folgenden deutschen spacelab-mission d-1
waren wichtige meilensteine zur erschliessung des neuen
nutzungsbereichs und gleichzeitig der einstieg europas
auch in die bemannte raumfahrt. wir werden die europaeischen
investitionen in das raumlabor durch weitere fluege
nutzen, die naechste deutsche mission d-2 ist fuer 1991 in
vorbereitung.
es lag nahe, aufbauend auf dem nur fuer einige tage im
weltraum verbleibenden weltraumlabor spacelab ein
staendig betreibbares und fuer den routinebetrieb geeignetes
freifliegendes labor als kernstueck einer raumstation als
logistisches zentrum im weltraum zu entwickeln. dieser
logische schritt war der ursprung der deutsch-italienischen
initiative columbus. es wird heute sehr oft vergessen,
dass diese initiative bereits zeitlich vor der amerikanischen
entscheidung getroffen wurde, eine permanente bemannte
raumstation zu errichten.
die bundesrepublik deutschland hat die fuehrung bei der
entwicklung von columbus als konsequenten weiteren
schritt nach ihren erfolgreichen aktivitaeten bei spacelab
und der mission d-1 uebernommen.
in einer wohlverstandenen arbeitsteilung konzentrierte sich
entsprechend frankreich auf die entwicklung der
weltraumtransportmittel mit ariane und dem raumgleiter hermes.
diese gemeinsamen europaeischen anstrengungen haben
erwiesen, dass europa in der lage war, auf dem gebiet der
konventionellen transportsysteme sich einen ueberzeugenden
anteil am weltmarkt zu sichern. bei den planungen der
spacelab-missionen war naemlich ferner deutlich
geworden, wie kritisch es ist, von nur einem transportmittel
auch fuer den transport von menschen in den weltraum und
zurueck abzuhaengen. dies fuehrte zum franzoesischen
vorschlag des raumgleiters hermes als konsequente
ergaenzung des lastentransporters ariane 5 fuer den
transport von menschen.
columbus, ariane 5 und hermes sind die
schluesselelemente des kohaerenten europaeischen
raumfahrtprogramms geworden, das am 9. und 10. november 1987
vom esa-rat auf ministerebene in den haag beschlossen
wurde. sie sind die basis des langfristigen
weltraumprogramms der europaeischen weltraumorganisation esa
und werden europa bei der erschliessung neuer dimensionen
der nutzung des weltraums teilhaben lassen. sie sind
komplementaer zu einem programm von satelliten und
automaten. ariane 5 ist fuer bemannte und unbemannte
weltraumfahrt gleichermassen erforderlich. und auch bei der
bemannten raumfahrt setzen wir automaten und ferngesteuerte
elemente ein, soweit dies sinnvoll moeglich ist, bei
columbus etwa mit den elementen polare plattform und auch
mit mtff, dem freifliegenden, weitgehend automatischen
labor.
hin und wieder wird die frage gestellt: wird sich europa mit
diesen ehrgeizigen plaenen nicht uebernehmen?
im verhaeltnis zu ihrer wirtschaftskraft investieren die
vereinigten staaten und die sowjetunion erheblich mehr mittel
in die raumfahrt, und insbesondere in die bemannte
raumfahrt, als europa und neuerdings auch japan, das den
gleichen betrag bis zum jahr 2000 ausgeben wird wie
europa, aber nur etwa die haelfte an bevoelkerung aufweist
wie die esa-staaten insgesamt. diese hohen ausgaben
sind nicht nur im wettbewerb der supermaechte begruendet,
sondern in erster linie in der sicherung zukuenftiger
wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und technologischer
nutzungsmoeglichkeiten.
es ist somit eine politisch-strategische entscheidung im
weitesten sinn, die die usa , die udssr und japan mit
ihren grossen weltraumausgaben treffen. wenn europa ein
wirtschaftsraum bleiben will, dessen erfolge auf
anspruchsvoller technologie beruhen, dann muss es im bereich
der spitzentechnologie auch in der raumfahrt schritt halten.
wenn dieser bereich jetzt ausgespart wuerde, waere der dann
entstehende vorsprung anderer in einigen jahren nicht
mehr aufzuholen. die rolle europas in der raumfahrt ist ein
wesentliches element fuer seine wirtschaftliche
rangstellung, aber auch fuer sein politisches gewicht in der
welt von morgen.
obwohl mir bewusst ist, dass ich hier vor einem publikum
spreche, das zum grossen teil aus raumfahrt-experten
besteht, moechte ich auf die technologische bedeutung der
raumfahrt eingehen. ich brauche wohl nicht die rolle der
raumfahrt zu betonen, die sie fuer die kommunikation,
erdbeobachtung und wettervorhersage spielt. diese
nutzungsmoeglichkeiten sind uns allen schon so selbstverstaendlich
geworden, dass man ab und zu daran erinnern muss, dass wir
diese errungenschaften erst seit wenigen jahren geniessen.
die raumfahrt hat schluesseltechnologien entwickelt, die
uns ueberzeugende fortschritte in der weltraumforschung
und in der nutzung ermoeglichen.
gerade die jetzt entschiedenen projekte columbus,
ariane 5 und hermes stellen technologische herausforderungen
dar, die ueber die bewaeltigung der operationellen
aufgaben dieser schluesselelemente hinaus von einer
beachtlichen breitenwirkung sind. bei columbus geht es
um lebenserhaltungssysteme im weltraum, um
energieerzeugung und vor allem um praezise raumflugoperationen.
ein besonderer schwerpunkt, der die europaeischen
elemente wie das freifliegende labor auszeichnen wird, sind
fortschrittliche entwicklungen der automation und
robotertechnik. beim raumgleiter hermes betreten wir in europa
im bereich der hyperschall-aerothermodynamik neuland,
das auch fuer die luftfahrt von strategischer bedeutung
ist. oder nehmen wir ariane 5: hier konfrontiert uns die
entwicklung grosser hochenergetischer antriebsstufen mit
extremen anforderungen der kryogentechnik und des
maschinenbaus.
sicher sind diese entwicklungen in erster linie mittel zum
zweck, naemlich zur bewaeltigung der flugaufgabe. wir
duerfen dabei aber nicht die bedeutung der umsetzung der
entwicklungsergebnisse in andere technikbereiche uebersehen.
vielen sachverstaendigen ist nicht bewusst, auf welch
breiter front die hochtechnologie der raumfahrt bereits in
andere technologiebereiche ausstrahlt, die sich auf unser
taegliches leben auswirken.
um hier nur einige beispiele zu nennen: solartechnik,
digitale bildverarbeitung, waermeschutz- und isolationsmaterial,
heat-pipes fuer waermetransport und -regelung auch in
der automobiltechnik, high-tech fuer archaeologie,
spezialfilterglaeser, tieftauchtechnik, medizintechnik wie
etwa tonometer zur frueherkennung des grauen stars und
insulinpumpe fuer diabetiker sowie klinische diagnose und
therapie bei herz-kreislauf- und vestibularorganbeschwerden.
gestatten sie mir hier nur den hinweis, dass beispielsweise
die wirtschaftliche bedeutung der raumfahrttechnologie
durch das konkrete interesse von renommierten
automobilfirmen an raumfahrtfirmen unterstrichen wird.
bei genauerer betrachtung des bisher erreichten kommt
man zum ergebnis, dass die raumfahrt in europa schon weit
mehr kommerziell genutzt wird, als wir uns allgemein
bewusstmachen: fuer die wettervorhersage, die
satellitengestuetzte datenuebertragung, das satellitenfernsehen
und den seenotfunk, um nur einige beispiele zu nennen. dieses
nutzungspotential wollen wir mit den neuen programmen
weiterausbauen.
das ehrgeizige ziel, das sich europa gestellt hat, um auch
weiterhin bestehen zu koennen, laesst sich angesichts der
notwendigen erheblichen investitionen nur durch buendelung
aller in den europaeischen mitgliedstaaten verfuegbaren
technologischen und finanziellen kraefte erreichen. mit der
europaeischen weltraumorganisation esa haben wir dafuer eine
schlagkraeftige organisation, die ihre leistungsfaehigkeit in
vielen gemeinsamen projekten unter beweis gestellt hat.
mit der verwirklichung des ins auge gefassten langfristigen
europaeischen weltraumplans kommt aber eine aufgabe auf
die esa zu, die in qualitaet und quantitaet wesentlich ueber
den bisherigen aktivitaeten liegt. es werden aeusserste
anstrengungen notwendig sein zur sparsamkeit und
kostentreue gemaess den verhandlungen der esa-minister-
konferenz vom november 1987. wir werden sorgfaeltig zu
pruefen haben, ob die bestehenden organisationsstrukturen
dieser herausforderung gerecht werden koennen.
es waere ein unnoetiges technologisches und finanzielles
risiko, wenn europa seine raumfahrtplaene voellig allein
verwirklichen wollte. wir koennen an die transatlantische
zusammenarbeit anknuepfen, die sich bei spacelab
bewaehrt hat. so war es fuer europa nur folgerichtig, die
einladung des amerikanischen praesidenten im jahre 1984
anzunehmen und zunaechst gemeinsame definitionsstudien
fuer eine raumstation durchzufuehren. auf der esa-rats-
tagung auf ministerebene in rom anfang 1985 haben die
europaeischen staaten die rahmenbedingungen formuliert,
die eine fruchtbare zusammenarbeit in echter partnerschaft
ermoeglichen sollen. diese bedingungen wurden im zuge
von verhandlungen auf regierungsebene und zwischen
den raumfahrtagenturen in den vergangenen drei jahren
konkretisiert.
die verhandlungen waren sehr schwierig. angesichts der
neuartigkeit des vorhabens, seiner finanziellen
groessenordnung, der technologischen risiken, der langen
zeitdauer, auf die die zusammenarbeit angelegt wird, und der
politischen bedeutung war dies aber, insbesondere auch im
hinblick auf die zahl der beteiligten staaten, nicht anders zu
erwarten. die verhandlungen sind nun abgeschlossen. der
esa-rat hat das memorandum of understandig zwischen
esa und nasa im maerz einstimmig verabschiedet, in den
europaeischen hauptstaedten wird zur zeit der text des
regierungsabkommens geprueft mit dem ziel, es den
jeweiligen regierungen und, wo noetig, den parlamenten zur
billigung vorzulegen.
ich gehe davon aus, dass schon in den naechsten monaten
das regierungsabkommen von den regierungen
unterzeichnet werden wird.
lassen sie mich an dieser stelle, meine sehr verehrten
damen, meine herren, kurz auf diese zusammenarbeit
zwischen europa, den usa, japan und kanada eingehen,
ohne hier eine abschliessende politische wuerdigung
vorwegzunehmen. diese transatlantische kooperation war und
bleibt ein hauptpfeiler der europaeischen aktivitaeten in
der weltraumfahrt. sie zieht sich wie ein roter faden durch
die geschichte der vorlaeuferorganisationen der esa,
der esro und eldo und dann der esa selbst, deren
25. geburtstag wir in fast genau einem jahr feiern werden.
die gemeinsamen anstrengungen europas und der
vereinigten staaten in einem besonders attraktiven und
herausfordernden hochtechnologiebereich koennen wegen ihrer
politischen, wirtschaftlichen, technologischen und auch
kulturellen bedeutung nicht hoch genug bewertet werden.
wir haben einschlaegige, sehr positive erfahrungen mit dem
bisher groessten gemeinschaftsvorhaben zwischen europa
und den vereinigten staaten von amerika, der entwicklung
des weltraumlabors spacelab. solche kooperationsvorhaben
in spitzentechnologien, die jetzt mit der gesamten
realisierung der internationalen raumstation und ihrer
spaeteren nutzung eine neue qualitaet erhalten, sind meines
erachtens ausgezeichnete instrumente, den freien fluss von
wissenschaft und technik ueber den atlantik zu foerdern. dies
ist um so bedeutender, als in diesem rahmen auch die
partner japan und kanada einbezogen werden.
bei den verhandlungen mit den usa wurde im uebrigen
deutlich, auf welch breiter basis der gegenseitigen
wertschaetzung, der gemeinsamen erfahrungen und der bereits
in bisherigen gemeinschaftsvorhaben gewachsenen
verbindungen dieses ehrgeizige projekt der raumstation in
angriff genommen werden kann. drei fragenkomplexe
standen dabei im vordergrund, die gleichzeitig die
besondere rolle europas als partner der usa augenfaellig
darstellen. es sind dies die politische frage der friedlichen
nutzung der raumstation, die frage des uneingeschraenkten
wissenschaftlichen arbeitens und die wirtschaftliche frage
einer ungehinderten nutzungsgarantie fuer alle partner.
lassen sie mich zunaechst die nutzungsgarantie
ansprechen. hier ging es um fragen der aufteilung der
nutzungskapazitaet, die die kuenftige internationale raumstation
bieten wird. dies betrifft insbesondere die zuteilung der
"ressourcen" wie zum beispiel verfuegbare besatzung, energie,
transport- und datenuebertragungskapazitaeten, ferner die
jurisdiktion, den technologietransfer und den
ungehinderten transit von daten und guetern von und zu start-
und landeplaetzen durch das territorium eines partnerstaates.
das zaehe ringen beider seiten um faire loesungen erfolgte
interessanterweise immer vor dem hintergrund konkreter
kuenftiger nutzungserwartungen.
dies verdeutlicht, dass alle beteiligten die geplanten
investitionen nicht als selbstzweck, nicht nur als
"grundlagenforschung", sondern zugleich als zielgerichtete
zukunftsinvestition zur sicherung der chance einer
langfristigen kommerziellen nutzung sehen.
ich glaube, europa kann mit dem bei den verhandlungen
erreichten insgesamt zufrieden sein. der freie zugang
europaeischer astronauten zu allen teilen der raumstation ist
nach dem prinzip der gegenseitigkeit gesichert. die
europaeischen elemente werden europaeisch registriert und
unterliegen europaeischer jurisdiktion. die aufteilung der
nutzungskapazitaeten ist fair. europa stellt den partnern als
gegenleistung fuer die bereitstellung der infrastruktur der
raumstation knapp die haelfte des angedockten labormoduls
zur nutzung zur verfuegung, behaelt aber die jurisdiktion.
europa traegt einen nach objektiven kriterien zu ermittelnden
fairen anteil an den gemeinkosten der raumstation. es
behaelt die volle verfuegung ueber die polare plattform und das
freifliegende labor sowie das recht, dieses labor zur
wartung an die internationale raumstation anzudocken.
das konsensprinzip bei sonstigen managemententscheidungen
hat einen hohen stellenwert. auch ariane 5 und
hermes sind als transportmittel fuer die internationale
raumstation akzeptiert. eine gewisse sorge bereitet die
noch unzureichende quantifizierung der betriebskosten,
aber ich bin sicher, dass auch dieses problem im geiste
echter partnerschaft geloest werden wird.
die frage der ausschliesslich friedlichen nutzung der
internationalen raumstation ist ein hochpolitischer punkt.
der verhandlungsspielraum der esa-mitgliedstaaten war
hierbei von vornherein durch die in der esa-konvention
festgelegte friedliche zielsetzung der esa-aktivitaeten abgesteckt.
die europaeischen staaten haben daher mit befriedigung zur
kenntnis genommen, dass das angebot des praesidenten der
vereinigten staaten zur zusammenarbeit als eine
zusammenarbeit im rahmen einer zivilen internationalen
raumstation fuer friedliche zwecke, in uebereinstimmung mit dem
voelkerrecht, konkretisiert wurde. im multilateralen
regierungsabkommen, das den beteiligten regierungen nun zur
billigung vorliegt, wird dies bereits in der ueberschrift
klargestellt, und im abkommen selbst wird die nutzung
der gesamten raumstation fuer friedliche zwecke
festgeschrieben.
europa hat insgesamt ein ausgewogenes verhandlungsergebnis
erzielt, und ich moechte bei dieser gelegenheit
sowohl dem verhandlungsteam auf regierungsebene als
auch dem verhandlungsteam der esa fuer ihren einsatz
danken. europa ist in noch staerkerem mass als vor 13 jahren
partner der weltraummacht usa geworden und als solcher
akzeptiert. ich sage dies bewusst, denn bitte vergessen sie
nicht, den loewenanteil an mittel fuer die kernraumstation,
von der wir europaeer profitieren, haben nach wie vor die
usa aufzubringen.
ein wesentliches element bei der erarbeitung der
europaeischen langfristplanung fuer die raumfahrt war das prinzip,
verschiedene optionen offenzuhalten. der plan setzt weder
ausschliesslich auf die transatlantische kooperation noch
ausschliesslich auf eine autonome europaeische loesung.
angestrebt wird ein optimales zusammenspiel der
verschiedenen elemente. dabei sollte unter allen umstaenden
vermieden werden, bereits in einer fruehen phase einen weg,
der sich spaeter als aussichtsreich erweisen koennte, zu
verbauen.
wenn europa mit hermes ein weiteres transportmittel fuer
die bemannte raumfahrt in der westlichen welt baut, so
sollte dies nicht als konkurrenz zur amerikanischen
raumfaehre gesehen werden, sondern - auch im hinblick auf die
schmerzlichen erfahrungen mit diesem transportmittel - als
eine zusaetzliche komponente der sicherheit in der
raumfahrt der westlichen welt. fuer den sicheren betrieb der
internationalen raumstation ist es von ausschlaggebender
bedeutung, auf zwei voneinander unabhaengige
transportsysteme zurueckgreifen zu koennen.
meine sehr verehrten damen, meine herren, seit den
beschluessen von den haag ist fast ein halbes jahr
vergangen. in diesen monaten hat sich ariane zweimal bewaehrt.
der start der ariane iv ist in einem monat vorgesehen. die
neuen geplanten programme der esa sind aufgelegt und
haben nach entsprechender zeichnung durch die
mitgliedstaaten begonnen. in den haag wurde die ausgewogenheit
entschieden zwischen nutzerprogrammen wie der
erdbeobachtung, der telekommunikation, dem wissenschaftlichen
programm der extraterrestrischen forschung, der nutzung
der schwerelosigkeit, und den investitionen zum ausbau
der raumtransportsysteme und zum aufbau der gesamten
infrastruktur. dies muss von allen partnern im auge behalten
werden.
eine noch offene frage ist insbesondere die weitere
ausgestaltung des erdbeobachtungsprogramms. ich moechte an
dieser stelle nicht nur als forschungsminister der
bundesrepublik, sondern auch als vorsitzender des esa-rates auf
ministerebene an meine kollegen appellieren: infrastruktur
und transportsysteme nuetzen ohne inhalte wenig. wir
muessen die vorhandenen und neu anfallenden daten auswerten
und starke, wirtschaftlich interessante nutzergemeinden
gleichzeitig mit der infrastruktur aufbauen.
dagegen begruesse ich sehr, dass die weitgehende
europaeisierung der kuenftigen astronautenausbildung vor wenigen
wochen erfolgreich vom esa-rat beschlossen wurde. esa
wird ein "astronauten-trainingszentrum" in koeln eroeffnen.
dies ist sicherlich ein weiterer schritt, europa im weltraum
im wahrsten sinne des wortes praesent zu machen.
zu diesem symposium "europa im weltraum" haben sich
die drei laender zusammengetan, die die initiatoren der drei
grossen neuen programme der europaeischen
weltraumorganisation waren: frankreich als initiator fuer ariane 5
und hermes, italien und die bundesrepublik deutschland
als initiatoren fuer columbus. diese drei laender werden
die programme, die sie als partner der esa zur
durchfuehrung anvertraut haben, in den kommenden jahren aktiv und
kritisch verfolgen, nicht zuletzt weil sie mit mehr als 75
prozent den weitaus ueberwiegenden finanziellen anteil tragen.
wir duerfen allerdings nicht vergessen, dass die beitraege der
anderen esa-mitgliedstaaten genauso wichtig sind. ich freue
mich besonders, dass sich grossbritannien an columbus
beteiligt. fuer mich war die transatlantische kooperation
ohne grossbritannien politisch und programmatisch
unvollstaendig.
diese gute partnerschaft, fuer die ich meinen kollegen
besonders danken moechte, ist ein garant dafuer, dass europa
den jetzt beschlossenen weg konsequent weitergehen wird.
dieses symposium dient der standortbestimmung, es ist
eine gute gelegenheit fuer eine bestandsaufnahme der
planungen und fortschritte, zur ueberpruefung der kohaerenz
zwischen den programmen, zur fuehrung des dialogs mit
potentiellen nutzern und nicht zuletzt zur umfassenden
information der oeffentlichkeit. dies ist eine anspruchsvolle
aufgabe.
allen unkenrufen zum trotz hat sich europa, so meine ich,
in den letzten jahren jedenfalls in der raumfahrt formiert.
es ist dabei, fuer europa den weltraum als arbeitsplatz und
aufenthalt fuer den menschen als techniker, als laborant,
als gegenstand von untersuchungen selbst und als "raum-
fahrer" vorzubereiten.
dies ist dem kulturellen erbe europas, seiner
wirtschaftskraft und seinem politischen gewicht angemessen,
wenn wie der amerikanische weltraumpionier robert goddard
1942 visionaer aussprach: "it is difficult to say what is
impossible, for the dream of yesterday is the hope of today and
the reality of tomorrow." vielen dank und guten erfolg fuer die
tagung.