die wirtschaftliche lage in der bundesrepublik deutschland - monatsbericht november 1991

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des bundesministeriums fuer wirtschaft
das bundesministerium fuer wirtschaft teilt mit:

ueberblick

die wirtschaftliche aktivitaet in den neuen bundeslaendern
zeigt deutliche anzeichen einer stabilisierung, waehrend sich
in westdeutschland die gesamtwirtschaftliche produktion
weiter auf hohem niveau haelt.
in den neuen bundeslaendern gewinnen die
expansiven impulse an gewicht:
in der bauwirtschaft ist unter dem einfluss der
umfangreichen staatlichen foerdermassnahmen ein aufschwung
eindeutig in gang gekommen. die auftragseingaenge beim
bauhauptgewerbe haben sich seit dem ersten quartal dieses
jahres - wenn auch von einem relativ niedrigen niveau aus -
dem werte nach mehr als verdoppelt. viele projekte
befinden sich zudem noch in der planungsphase und duerften in
naechster zeit auftragswirksam werden. die
geraeteauslastung des baugewerbes hat dem ifo-konjunkturtest
zufolge anschluss an das in westdeutschland beobachtete
ausmass gefunden.
wiederaufbau und ausbau der vom sozialistischen system
jahrzehntelang in erschreckendem masse vernachlaessigten
oeffentlichen infrastruktur haben begonnen. vor allem bei
der telekommunikation sind in kurzer zeit wichtige
verbesserungen erreicht worden. auch werden die initiativen
zur anpassung des strassen- und schienennetzes an die
erfordernisse einer modernen volkswirtschaft vorangetrieben.
darueber hinaus ist der ausbau der kommunalen infrastruktur
an vielen stellen in gang gekommen. die hierfuer von der
bundesregierung initiierten kreditprogramme werden in
grossem masse genutzt.
das engagement westdeutscher firmen in ostdeutschland
hat sich massiv verstaerkt. die zahl der kooperationen
nimmt taeglich zu und traegt entscheidend zur einfuehrung
moderner technologien und zur vermittlung der in einer
marktwirtschaft benoetigten kaufmaennischen kenntnisse bei.
darueber hinaus ist eine beachtliche welle von investitionen
westdeutscher firmen in den neuen bundeslaendern
angelaufen. befragungen des ifo-instituts haben ergeben, dass
westdeutsche betriebe (ohne verkehrsbetriebe und
wohnungswirtschaft) bereits 1991 in den neuen bundeslaendern
investitionen in hoehe von rd. 25 mrd. dm taetigen wollen. dabei
ist auch zu beruecksichtigen, dass es zunaechst vielfaeltige
investitionshemmnisse - vor allem im administrativen und
im rechtlichen bereich - gab, die nur allmaehlich an
bedeutung verlieren. ausserdem wurde ein entscheidender
standortvorteil der neuen bundeslaender fuer investitionen,
der in erheblich niedrigeren lohnkosten bestand, von den
tarifparteien im laufe dieses jahres zu einem grossen teil
verspielt. im naechsten jahr soll die investitionstaetigkeit
nach den umfrageergebnissen gleichwohl weiter erheblich
aufgestockt werden, waehrend ein grossteil der bestehenden
ostdeutschen betriebe mit verlusten arbeitet.
die privatisierung ehemals volkseigener betriebe durch die
treuhandanstalt hat inzwischen erhebliche fortschritte
gemacht. dies ist deshalb besonders wichtig, weil sich
gezeigt hat, dass die privatisierten betriebe im allgemeinen
besser am markt fuss fassen und mehr initiative entfalten als
die noch im besitz der treuhand befindlichen firmen. bis
ende september wurden 3800 betriebe oder betriebsteile
veraeussert und investitionen in hoehe von 85 mrd. dm
zugesagt. gleichzeitig wurden 720000 arbeitsplaetze
vertraglich abgesichert.
in westdeutschland ist die gesamtwirtschaftliche
aktivitaet bis zuletzt lebhaft geblieben, auch wenn es in
juengster zeit erwartungsgemaess zu einer abflachung von
auftragseingang und produktionsentwicklung gekommen ist. nach
dem kraeftigen anstieg zu beginn des jahres (plus 2 1/2 v. h.)
und dem leichten rueckgang im zweiten quartal (- 1/2 v. h.)
koennte das bruttosozialprodukt nach ausschaltung von
preis-, saison- und kalendereinfluessen sein niveau im
dritten quartal knapp gehalten haben. die kapazitaetsauslastung
bleibt damit insgesamt weiterhin hoch. den entsprechenden
vorjahresstand duerfte das sozialprodukt in westdeutschland
zuletzt real um 2 1/2 prozent bis 3 prozent uebertroffen haben.
im jahresdurchschnitt 1991 wird es voraussichtlich um gut
3 prozent hoeher liegen als im jahr zuvor.
am arbeitsmarkt kam es im oktober in den neuen
bundeslaendern nicht zu der im hinblick auf den
kuendigungstermin zum ende des dritten quartals von mancher
seite vorausgesagten drastischen verschlechterung. die zahl der
arbeitslosen nahm - nach rueckgaengen in den beiden
vormonaten - im oktober um 19800 zu. der anstieg blieb
damit weit hinter dem ausmass zurueck, das verschiedentlich
prognostiziert worden war. gleichzeitig sank die
kurzarbeiterzahl um 133900 auf 1199500. zu der juengsten
entwicklung hat erneut der einsatz des arbeitsmarktpolitischen
instrumentariums wesentlich beigetragen. in welchem
umfang daneben personen an neu entstandenen
arbeitsplaetzen eine beschaeftigung gefunden haben, laesst sich
mangels statistischer unterlagen nicht feststellen. ziemlich
sicher ist aber, dass die zahl der pendler aus den oestlichen
bundeslaendern nach westdeutschland weiter zugenommen
hat, sie wird inzwischen auf etwa 450000 geschaetzt.
im alten bundesgebiet blieb das bild des arbeitsmarktes
insgesamt guenstig. dies zeigt sich vor allem an der
entwicklung der erwerbstaetigkeit, die trotz der langsameren
gangart der konjunktur bis zuletzt deutlich zugenommen
hat. rechnet man die pendler aus den neuen bundeslaendern
mit ein (inlandskonzept), so haben im september nach
ersten schaetzungen des statistischen bundesamtes
saisonbereinigt rd. 75000 personen zusaetzlich eine beschaeftigung
aufgenommen. damit gab es zuletzt gut 940000 erwerbs
taetige mehr als vor jahresfrist. angesichts der betraechtlich
weiter wachsenden zahl von personen, die als nachfrager
nach arbeit in erscheinung treten, nimmt die zahl der
arbeitslosen freilich seit einiger zeit nicht mehr weiter ab.
die verbraucherpreise zogen in den alten
bundeslaendern von september auf oktober um 0,3 prozent an.
dennoch ermaessigte sich der abstand zum entsprechenden
vorjahresmonat erneut spuerbar, und zwar von plus 3,9
prozent auf plus 3,5 prozent. diese entwicklung, die scheinbar
eine verlangsamung des preisanstiegs signalisiert, sollte
allerdings nicht ueberbewertet werden. sie haengt vornehmlich
mit den preisbewegungen zur gleichen vorjahreszeit
zusammen, in der sich die notierungen an den
weltmineraloelmaerkten unter dem einfluss der
golfkrise drastisch erhoeht hatten.
da es zum jahresende 1990 hier wieder zu deutlichen
preisrueckgaengen gekommen war, kehrt sich dieser basiseffekt
in den kommenden monaten um. dies duerfte wieder zu
hoeheren vorjahresabstaenden beim preisindex fuer die lebens
haltung fuehren, ohne dass daraus auf eine beschleunigung
des preisanstiegs geschlossen werden kann.
in den neuen bundeslaendern sind die verbraucherpreise
im september um 0,2 prozent gestiegen, womit sie um
16,6 prozent hoeher waren als zwoelf monate zuvor. der
wesentlich groessere vorjahresabstand als in westdeutschland
haengt in erster linie mit der umstellung der ostdeutschen
wirtschaft auf marktwirtschaftliche verhaeltnisse zusammen.
im zusammenhang damit konnten die jahrzehntelang vom
staat kuenstlich niedrig gehaltenen preise - z. b. fuer
verkehrstarife, kommunale dienstleistungen, energie und
leistungen der post - nicht weiter auf einem niveau verharren,
das bei weitem nicht die kosten deckte.
da ab oktober auch die mieten in einem ersten schritt
heraufgesetzt werden konnten, nicht zuletzt um dem
jahrzehntelangen verfall der bausubstanz zu begegnen, ist es
in diesem monat zu einer weiteren, erheblichen steigerung des
verbraucherpreisniveaus gekommen. von september auf
oktober erhoehte sich der preisindex fuer die lebenshaltung
um 10,0 prozent, womit er zuletzt um 26,1 prozent ueber dem
entsprechenden vorjahresstand lag. die hohe
preissteigerungsrate ist nicht ausdruck einer inflationaeren
entwicklung, sondern haengt mit der umstellung der voellig verzerrten
preise in den genannten bereichen auf marktwirtschaftliche
verhaeltnisse zusammen. dabei ist auch zu beruecksichtigen, dass
das zur sozialen abfederung der mieterhoehung gezahlte
wohngeld bei der indexberechnung keinen niederschlag findet.
die leistungsbilanz der bundesrepublik deutschland wies
im dritten quartal 1991 ein defizit von 10 1/2 mrd. dm auf,
waehrend sich zur gleichen vorjahreszeit ein ueberschuss von
15 mrd. dm ergeben hatte. zum groessten teil ging dieser
umschwung auf eine betraechtliche passivierung der
handelsbilanz zurueck, die im zeitraum juli bis september einen
aktivsaldo von knapp 5 mrd. dm verzeichnete - das waren
20 1/2 mrd. dm weniger als vor jahresfrist. zwar fielen die
ausfuhren im dritten quartal trotz der schwachen konjunktur
in wichtigen partnerstaaten geringfuegig hoeher aus als
im jahr zuvor (plus 1 1/2 v. h.), gleichzeitig uebertrafen
aber die einfuhren angesichts der nach wie vor bemerkenswert
hohen inlandsnachfrage den entsprechenden vorjahresstand
um 17 v. h. in der dienstleistungsbilanz kam es im dritten
quartal - wie meist in dieser jahreszeit, die durch hohe
reiseausgaben deutscher touristen im ausland gepraegt ist -
zu einem fehlbetrag von 4 1/2 mrd. dm (3. vierteljahr 1990:
- 2,0 mrd. dm). auch der traditionelle passivsaldo der
uebertragungsbilanz fiel mit 11 1/2 mrd. dm um 2 1/2 mrd. dm
hoeher als zur gleichen vorjahreszeit aus.
in dem - international seit jahren immer wieder geforderten -
abbau der leistungsbilanzueberschuesse kommen vor allem
sondereinfluesse zum ausdruck. in erster linie sind hier die
verhaltenere wirtschaftsentwicklung in den meisten
westlichen industrielaendern sowie die zum teil drastischen
produktionseinschraenkungen in den laendern des ehemaligen
rgw-bereiches zu nennen, denen eine weiterhin hohe
inlandsnachfrage in westdeutschland gegenuebersteht. hinzu
kommen der starke importsog aus den neuen bundeslaendern
und erhebliche uebertragungen an das ausland, wie beitraege
zum eg-haushalt, hilfen fuer die sowjetunion sowie
insbesondere die deutschen zahlungen im zusammenhang mit
dem golfkrieg zu jahresanfang, die eine einmalige
belastung der deutschen leistungsbilanz darstellen.

auftraege

nachdem die auftragseingaenge beim verarbeitenden
gewerbe der alten bundeslaender in den ersten beiden
vierteljahren preis- und saisonbereinigt spuerbar gesunken
waren, stiegen sie im dritten quartal wieder leicht an
(plus 1 1/2 v. h.). dabei gab es im verbrauchsguetergewerbe, wo
zuvor der staerkste rueckgang gemeldet worden war, den
groessten zuwachs. im grundstoff- und produktionsgueter-
gewerbe sowie im investitionsgueter produzierenden
gewerbe nahmen die bestellungen ebenfalls zu.
das hohe niveau vom sommer 1990, in dem sich die
kaufwelle aus der ehemaligen ddr nach einfuehrung
der d-mark niedergeschlagen hatte, haben die auftragseingaenge
im dritten quartal damit nur knapp verfehlt
(-0,6 v. h.) dabei blieb die ordertaetigkeit im
investitionsgueter produzierenden gewerbe hinter ihrem
vorjahresstand um 1,8 prozent zurueck, waehrend sie diesen im
grundstoff- und produktionsguetersektor sowie im
verbrauchsgueter produzierenden gewerbe uebertraf.
aus dem inland erhielt die westdeutsche industrie im dritten
quartal ebenso viele auftraege wie im vorangegangenen
vierteljahr. das entsprechende vorjahresniveau wurde
dabei real leicht uebertroffen (plus 0,7 v. h.). dagegen hat die
ordertaetigkeit auslaendischer kunden erstmals seit langer
zeit wieder deutlich zugenommen (plus 4 v. h.), was mit dem
zeitweilig recht deutlich gestiegenen wechselkurs des
usdollar gegenueber der d-mark, aber auch mit der sich
allmaehlich wieder bessernden weltkonjunktur zusammenhaengen
koennte. dennoch waren die auslandsbestellungen immer noch
deutlich niedriger als vor jahresfrist (-3,2 v. h.).
bei der statistischen erfassung und bei der interpretation
der auftragseingaenge gewinnen mit zunehmendem
engagement westdeutscher industriebetriebe in den neuen
bundeslaendern fragen der regionalen abgrenzung an bedeutung.
sofern westdeutsche firmen unterauftraege an ostdeutsche
zweigbetriebe weitergeben, werden diese bestellungen dort
nicht mehr gesondert statistisch erfasst, nachdem der
gesamtauftrag zuvor in den alten bundeslaendern verbucht
worden war. das auftragsniveau der westdeutschen
wirtschaft duerfte insofern etwas ueberzeichnet, das der
ostdeutschen unterzeichnet sein.
andererseits gibt es in zunehmendem masse in den neuen
bundeslaendern betriebsstaetten westdeutscher firmen,
welche die produktion von erzeugnissen in eigener regie
uebernehmen, in diesen faellen erfolgt die statistische
erfassung der auftraege allein in ostdeutschland.
in den neuen bundeslaendern ist der auftragseingang
beim verarbeitenden gewerbe von mai/juni auf juli/august
um ca. 7 prozent gestiegen. dabei kam der kraeftigste
nachfragezuwachs aus dem ausland (ca. plus 23 v. h.), waehrend
die inlandsbestellungen nur leicht zunahmen (ca. plus 1 v. h.).
insbesondere beim inlandsgeschaeft ist zu beachten, dass die
zahlen noch nicht saisonbereinigt werden koennen und daher
moegliche daempfende einfluesse der ferienzeit nicht
ausgeschaltet sind. das grundstoff- und
produktionsguetergewerbe sowie das verbrauchsgueter produzierende
gewerbe verbuchten weniger auftraege als im vorangegangenen
zweimonatszeitraum. dagegen konnte das investitionsguetergewerbe
ein auftragsplus verzeichnen.
hinter dem vergleichbaren vorjahresniveau blieben die
auftraege des verarbeitenden gewerbes in den neuen
bundeslaendern nominal um fast 36 prozent zurueck, wobei die
auslandsbestellungen um 20 prozent und die
inlandsbestellungen um rd. 40 prozent niedriger ausfielen. dabei
ist allerdings zu beruecksichtigen, dass auch die industriellen
erzeugerpreise ruecklaeufig waren.
die baunachfrage in den alten bundeslaendern war
nach rueckgaengen in den beiden vorangegangenen quartalen
im dritten vierteljahr wieder deutlich hoeher. preis- und
saisonbereinigt nahm das bauhauptgewerbe rd. 6 prozent
mehr auftraege entgegen als im zeitraum april bis juni. im
bereich des hochbaus verbuchten dabei die im
wohnungsbau und die im wirtschaftsbau taetigen unternehmen
erheblich mehr orders, waehrend die vergabe von auftraegen fuer
oeffentliche hochbauten betraechtlich niedriger ausfiel. im
tiefbau kamen sowohl von der oeffentlichen hand als auch
von unternehmen wesentlich mehr auftraege als im zweiten
quartal. insgesamt fielen die bauauftraege damit zuletzt um
10,5 prozent hoeher aus als zur gleichen vorjahreszeit.
in den neuen bundeslaendern kam es im zeitraum juli/
august - beguenstigt durch staatliche foerdermassnahmen -
erneut zu einer ausgepraegten und breitangelegten steigerung
der baunachfrage. gegenueber dem vorangegangenen
zweimonatszeitraum erhoehten sich die auftragseingaenge beim
bauhauptgewerbe dem werte nach um 20 prozent.
besonders kraeftige impulse gingen erneut von der vergabe von
tiefbauorders aus, die um rd. 35 prozent aufgestockt
wurden. oeffentliche auftraggeber, bahn und post sowie private
unternehmen weiteten ihre nachfrage nach
tiefbauleistungen dabei gleichermassen betraechtlich aus. im
hochbau wurde vor allem eine schubartige steigerung der
auftragserteilungen von bahn und post registriert. aber auch
die anderen bausparten meldeten beachtliche
auftragszuwaechse. insgesamt erhoehten sich die hochbauorders
damit um 10 prozent.
gegenueber dem entsprechenden vorjahresstand haben sich
die bauauftraege im juli/august wertmaessig mehr als
verdoppelt, wobei freilich das relativ niedrige ausgangsniveau
nach der mitte des letzten jahres nicht uebersehen werden darf.
alle bereiche meldeten hohe auftragssteigerungen, am
ausgepraegtesten war diese im oeffentlichen bau, wo sich die
auftraege annaehernd vervierfacht haben.

produktion

die erzeugung des produzierenden gewerbes in den alten
bundeslaendern nahm nach einem kraeftigen anstieg zu
beginn des jahres in der folgezeit einen flacheren verlauf.
waehrend sie im zweiten quartal gegenueber dem
vorangegangenen vierteljahr nach ausschaltung von
saisoneinfluessen unveraendert geblieben war, ging sie im dritten
quartal leicht zurueck (-1 v. h.). sowohl die leistung der
elektrizitaets- und gasversorgungsunternehmen als auch die
foerderung im bergbau wurden dabei deutlich gedrosselt.
bautaetigkeit und produktion des verarbeitenden gewerbes wurden
demgegenueber leicht zurueckgenommen. das entsprechende
vorjahresniveau uebertraf die fertigung des produzierenden
gewerbes im dritten quartal arbeitstaeglich bereinigt um
durchschnittlich 1,7 prozent.
angesichts eher leicht sinkender produktion war auch die
kapazitaetsauslastung des verarbeitenden gewerbes nicht
mehr so angespannt wie vorher, zumal die dynamische
investitionstaetigkeit der letzten jahre auch 1991 andauerte
und erneut zu einer erweiterung der produktionsmoeglichkeiten
gefuehrt haben duerfte. nach aussagen der am ifo-konjunkturtest
beteiligten firmen nahm der nutzungsgrad der
maschinellen anlagen von juni auf september nach
ausschaltung von saisoneinfluessen um durchschnittlich 0,8 v. h.
ab. mit 87,2 v. h. der betriebsueblichen vollauslastung lag
er freilich weiterhin ueber dem langjaehrigen durchschnitt.
in den neuen bundeslaendern koennte die
industrieproduktion nach dem drastischen einbruch seit mitte
vergangenen jahres, der vor allem die mangelnde
wettbewerbsfaehigkeit der dortigen betriebe widerspiegelte, aber
auch mit dem zusammenbrechen der bilateralen lieferbeziehungen
zwischen den ehemaligen rgw-staaten zusammenhing,
inzwischen ihren tiefpunkt erreicht haben. zwar ist die um
schwankungen in der zahl der arbeitstage bereinigte
erzeugung des verarbeitenden gewerbes im zeitraum juli/
august gegenueber mai/juni um 1 prozent gesunken, dabei
muessen aber die daempfenden einfluesse der ferienzeit
beruecksichtigt werden, deren einfluss derzeit noch nicht
ausgeschaltet werden kann. als einzige hauptgruppe konnte
das grundstoff- und produktionsguetergewerbe seine
erzeugung ausdehnen (plus 4 v. h.). im verbrauchsgueterbereich
wurde die produktion dagegen um 5 prozent
zurueckgenommen. im investitionsgueter produzierenden gewerbe
sowie im nahrungs- und genussmittelgewerbe kam es jeweils zu
einbussen von 2 prozent.
der vergleich mit dem vorjahr macht das ausserordentlich
niedrige produktionsniveau des verarbeitenden gewerbes
in den neuen bundeslaendern besonders deutlich. der
entsprechende stand von 1990 wurde im juli/august um rd.
41 prozent unterschritten. die staerksten einbussen waren
bei der herstellung von investitionsguetern zu verzeichnen
(-52 v. h.). die produktionseinschraenkung bei den
verbrauchsguetern sowie bei den grundstoffen und
produktionsguetern betrug jeweils 34 prozent. der ausstoss von
nahrungs- und genussmitteln war um 8 prozent niedriger als
vor jahresfrist.

privater verbrauch

die seit dem fruehjahr zu beobachtenden ruhigeren
einzelhandelsaktivitaeten in den alten bundeslaendern hielten
an. im dritten quartal verringerten sich die
einzelhandelsumsaetze im vergleich zum zweiten vierteljahr preis-
und saisonbereinigt um 2 1/2 prozent. diese entwicklung duerfte
zum einen durch die zunehmende rueckverlagerung von
kaeufen ostdeutscher buerger in das beitrittsgebiet und zum
anderen durch die anhebung der staatlichen abgaben
wesentlich mitbestimmt worden sein. lediglich bei
nahrungsmitteln, getraenken und tabakwaren war ein
umsatzplus zu verzeichnen. das vor jahresfrist erreichte niveau
uebertrafen die verkaeufe des einzelhandels im dritten
quartal real um 1,5 prozent. der inzwischen nur noch
vergleichsweise geringe vorjahresabstand ist neben dem juengsten
umsatzrueckgang auch auf die kraeftige kaufwelle aus dem
beitrittsgebiet im dritten quartal 1990 zurueckzufuehren
(basiseffekt).
zu den einzelhandelsumsaetzen in den neuen
bundeslaendern sind weiterhin keine aktuellen amtlichen angaben
verfuegbar. bemerkenswert ist allerdings die weiterhin sehr
rege zulassung von neuen personenkraftwagen. die zahl
der pkw-erstanmeldungen betrug im juli fast 108000 und
im august knapp 30000, womit - was die automobilkaeufe je
kopf der bevoelkerung anbetrifft - annaehernd das
westdeutsche niveau erreicht wurde. im zeitraum januar bis
august zusammengenommen gab es 539000 zulassungen
fabrikneuer personenkraftwagen. dabei betrug der anteil von
im ausland erzeugten wagen mehr als die haelfte.

arbeitsmarkt

der arbeitsmarkt praesentierte sich im westen und im osten
deutschlands weiterhin sehr unterschiedlich. im frueheren
gebiet der bundesrepublik deutschland kam es im
september erneut zu einem kraeftigen anstieg der beschaeftigung.
das weiter wachsende angebot an arbeitskraeften hat neben
der ruhigeren konjunkturentwicklung andererseits dazu
beigetragen, dass die saisonbereinigte arbeitslosenzahl seit
einigen monaten tendenziell nicht mehr abnimmt und dass die
kurzarbeit sich zuletzt fuehlbar erhoehte. im beitrittsgebiet
stieg die zahl der arbeitslosen - nach einem merklichen
rueckgang im august und september - im oktober wieder
spuerbar an, die von vielen erwartete drastische
verschlechterung der situation auf grund von kuendigungen am
quartalsende blieb jedoch aus. gleichzeitig verringerte sich
die kurzarbeit deutlich.
in den alten bundeslaendern setzte sich der zuegige
anstieg der erwerbstaetigkeit bis zuletzt fort. dies laesst
sich nunmehr anhand saisonbereinigter zahlen verfolgen, in
denen auch die pendler aus den neuen bundeslaendern
schaetzungsweise miterfasst sind (inlandskonzept). danach kam
es im september zu einem anstieg der erwerbstaetigenzahl von
rd. 75000 (august plusrd. 65000). damit gingen im
september insgesamt 29,8 millionen personen einer beschaeftigung
nach, das sind fast 945000 mehr als vor zwoelf monaten.
die arbeitslosenzahl sank im oktober gegenueber dem
vormonat geringfuegig (-10600) und lag zuletzt bei 1,599
millionen. der entsprechende vorjahresstand wurde damit um
88500 unterschritten. die arbeitslosenquote belief sich - wie
im september - auf 5,4 prozent aller zivilen erwerbspersonen.
der bestand an registrierten offenen stellen ging von
september auf oktober um 20300 auf 320700 zurueck, was auch
saisonbereinigt eine leichte abnahme bedeutete. der vor
zwoelf monaten verzeichnete stand wurde um 10300
ueberschritten.
die kurzarbeiterzahl erhoehte sich im oktober deutlich, und
zwar um 40500 auf 173100. sie uebertraf damit das vor
jahresfrist verzeichnete niveau um 133700. dabei wurde in
einer groesseren zahl von wirtschaftszweigen staerker als
bisher verkuerzt gearbeitet. den hoechsten zuwachs (plus 14000)
und den hoechsten bestand an kurzarbeitern (66300) wiesen
die unternehmen des maschinenbaus auf, bei denen sich
insbesondere die deutlich ermaessigte nachfrage des
auslandes auf grund der weltweiten investitionsschwaeche
bemerkbar macht.
in ostdeutschland hat sich an der schwierigen lage am
arbeitsmarkt wenig geaendert. die zahl der arbeitslosen
stieg von september auf oktober um knapp 19800 auf
1,049 millionen. die arbeitslosenquote belief sich damit
zuletzt auf 11,9 prozent (september 11,7 v. h.). gleichzeitig
setzte sich der seit mai in gang befindliche rueckgang der
kurzarbeit fort. im oktober lag die zahl der kurzarbeiter
bei 1,2 millionen, womit der stand des vormonats um
133800 und das entsprechende vorjahresniveau um 504200
unterschritten wurden.
die deutliche abnahme der kurzarbeit und die tatsache,
dass der auf grund des vorangegangenen kuendigungstermins
zum quartalsende verschiedentlich erwartete starke anstieg
der arbeitslosigkeit ausgeblieben ist, duerfen nicht darueber
hinwegtaeuschen, dass die neuen bundeslaender
beschaeftigungspolitisch noch nicht ueber den berg sind. positiv
ist, dass eine zunehmende zahl von arbeitnehmern in neu
gegruendeten unternehmen einen arbeitsplatz gefunden hat. nach
den ergebnissen einer von infratest im auftrage der
bundesanstalt fuer arbeit durchgefuehrten umfrage
("arbeitsmarkt-monitor") gilt dies im juli 1991 bereits fuer
jeden zehnten arbeitnehmer in ostdeutschland, hinzu kommen
zusaetzlich entstehende arbeitsplaetze in bereits laenger
bestehenden betrieben - vor allem im handwerk.
darueber hinaus nimmt die zahl der pendler aus den neuen
in die alten bundeslaender weiter zu, sie wird inzwischen auf
ca. 450 000 geschaetzt. eine wesentliche entlastung bringt
aber auch das arbeitsmarktpolitische instrumentarium der
bundesregierung. so erhoehte sich im oktober die zahl
der in arbeitsbeschaffungsmassnahmen beschaeftigten um
35 300, daneben traten 91 900 personen in berufliche
weiterbildung ein. ferner ist die zahl der empfaenger von
altersuebergangsgeld um 55 700 gestiegen.
nach wie vor weisen jedoch viele ostdeutsche unternehmen
einen zu hohen personalbestand auf. zur verbesserung ihrer
produktivitaet und um den sprunghaft gestiegenen
lohnkosten zu begegnen, werden sich daher auch in zukunft
noch zahlreiche betriebe zu erheblichen einschnitten in ihre
beschaeftigtenzahlen gezwungen sehen.

aussenwirtschaft

der aussenhandel der bundesrepublik deutschland
expandierte zuletzt wieder in beiden richtungen. saisonbereinigt
wurden im dritten quartal dem werte nach 5 1/2 prozent mehr
gueter ausgefuehrt als in der vorperiode. dabei duerfte die
zeitweilige erhoehung des us-dollar-kurses gegenueber der
d-mark eine rolle gespielt haben. daneben gibt es anzeichen
fuer eine allmaehliche festigung der weltkonjunktur.
die einfuhren nahmen gleichzeitig um 2 1/2 prozent zu.
vergleicht man das niveau der aussenhandelsstroeme mit dem
des entsprechenden vorjahreszeitraumes, so zeigen sich
zwischen einfuhren und ausfuhren freilich nach wie vor
betraechtliche unterschiede. waren die importe im dritten
vierteljahr um 17,0 prozent hoeher als vor jahresfrist, so gab
es bei den ausfuhren lediglich eine geringe steigerung
(plus 1,6 v. h.).
die handelsbilanz weist fuer das dritte quartal 1991 einen
ueberschuss von 4,9 mrd. dm aus. seit beginn dieses jahres
ist damit ein aktivsaldo von 9,9 mrd. dm aufgelaufen. dem
stand zur gleichen vorjahreszeit ein ueberschuss von
90,2 mrd. dm gegenueber, wobei in dieses ergebnis ab mitte
letzten jahres auch die zahlen fuer die neuen bundeslaender
eingeflossen sind. ein positiver saldo wurde fuer die ersten
neun monate auch in der dienstleistungsbilanz registriert
(plus 3,8 mrd. dm einschliesslich der ergaenzungen zum
warenverkehr). in der uebertragungsbilanz fiel andererseits
im selben zeitraum ein hohes defizit an (- 44,2 mrd. dm).
dieser im vergleich zu den vorausgehenden jahren
aussergewoehnlich grosse fehlbetrag erklaert sich vor allem
durch die zahlungen im zusammenhang mit dem golfkrieg sowie
durch die ueberweisungen an staaten des ehemaligen
ostblocks und an die eg.
die zusammenfassung der drei genannten teilbilanzen zur
leistungsbilanz zeigt fuer die zeit von januar bis september
1991 ein defizit von insgesamt 30,6 mrd. dm. im gleichen
vorjahreszeitraum schloss die bilanz der laufenden posten
demgegenueber mit einem plus von 64,6 mrd. dm ab (ab juli 1990
einschliesslich des ergebnisses fuer die neuen bundeslaender).
im kapitalverkehr mit dem ausland flossen in den ersten
neun monaten dieses jahres per saldo 17,8 mrd. dm zu. im
langfristigen bereich wurden dabei nach wie vor mehr mittel
ins ausland transferiert als hereingenommen wurden
(- 41,2 mrd. dm), wobei direktinvestitionen deutscher
firmen in anderen staaten eine wesentliche rolle spielten.
die kurzfristigen nettokapitalimporte ueberstiegen mit
59,1 mrd. dm diesen betrag aber deutlich.

monetaere entwicklung

die monetaere expansion hat sich im september weiter
beschleunigt. die gesamtdeutsche geldmenge m 3 (bargeldumlauf,
sichteinlagen, termingelder bis unter 4 jahren
sowie spareinlagen mit gesetzlicher kuendigungsfrist)
erhoehte sich im monatsdurchschnitt gegenueber dem niveau
vom vierten quartal 1990 - saisonbereinigt und auf
jahresrate hochgerechnet - um 4,6 prozent. im august hatte der
zuwachs bei 4,2 prozent und im juli bei 3,7 prozent gelegen.
damit vollzog sich die ausweitung der geldmenge weiterhin
innerhalb des von der bundesbank fuer 1991 vorgesehenen,
im sommer vom zentralbankrat nach unten revidierten
zielkorridors von 3 prozent bis 5 prozent, nunmehr jedoch
naeher am oberen rand.
starke impulse auf die geldschoepfung gingen im september
wiederum von der kreditgewaehrung der banken an
unternehmen und private aus. dabei verringerten sich die kurz
fristigen kredite etwas, waehrend die laengerfristigen weiter
anstiegen. in den letzten sechs monaten
zusammengenommen erhoehte sich die kreditvergabe indessen mit
einer jahresrate von gut 10 1/2 prozent.
die kassendispositionen der oeffentlichen hand hatten
zuletzt alles in allem keine nennenswerten auswirkungen
auf die geldmengenentwicklung. dagegen hat der
leistungs- und kapitalverkehr mit dem ausland wesentlich zur
ausweitung der geldmenge beigetragen. die netto-
auslandsforderungen der banken, spiegelbild der mittelzufluesse
bei den nichtbanken aus ihrem geschaeftsverkehr mit
dem ausland, sind im september ausserordentlich stark
gestiegen.
auch die geldkapitalbildung hat gegenueber dem vormonat
deutlich zugenommen, wobei besonders
bankschuldverschreibungen auf eine lebhafte nachfrage stiessen.
jedoch konnten hierdurch die anderweitigen expansiven einfluesse
auf die geldmengenentwicklung nur zum teil ausgeglichen
werden. die umlaufsrendite festverzinslicher wertpapiere
lag mitte november bei 8,7 v. h., womit sie sich gegenueber
dem stand vom vormonat nicht nennenswert veraendert hat.

preise

die entwicklung der preise in der bundesrepublik
deutschland verlief in den verschiedenen bereichen recht
unterschiedlich, wobei sich an der insgesamt spuerbar aufwaerts
gerichteten entwicklung bisher wenig geaendert hat.
die einfuhrpreise, die derzeit nur fuer die alten bundeslaender
statistisch erfasst werden, wirkten allerdings leicht
daempfend auf das binnenwirtschaftliche preisniveau. im
september verringerten sie sich gegenueber dem vormonat um
0,2 prozent. erstmals in diesem jahr wurde der entsprechende
vorjahresstand unterschritten (- 1,4 v. h.), was
freilich auch mit starken preissteigerungen im sommer 1990
als folge des sich verschaerfenden golfkonflikts
zusammenhing (basiseffekt). besonders deutlich gingen zuletzt
die preise fuer rohstoffe und halbwaren zurueck.
die ausfuhrpreise verharrten gleichzeitig in etwa auf dem
stand der beiden vormonate und uebertrafen das
entsprechende vorjahresniveau nur geringfuegig (plus 1,3 v. h.).
auf grund dieser entwicklung der aussenhandelspreise
verbesserten sich die terms of trade gegenueber dem vormonat
wiederum leicht (plus 0,2 v. h.). sie waren damit um 2,7
prozent guenstiger als zwoelf monate zuvor.
die erzeugerpreise gewerblicher produkte haben sich in den
alten bundeslaendern von september auf oktober im
durchschnitt nur wenig veraendert (plus 0,1 v. h.), sie waren
zuletzt um 2,3 prozent hoeher als ein jahr zuvor. daempfend
wirkte im oktober die preisentwicklung fuer energietraeger
(- 0,4 v. h.), waehrend das preisniveau der anderen
industriegueter um 0,3 prozent anzog.
erstmals in diesem jahr lagen die westdeutschen erzeugerpreise
landwirtschaftlicher produkte im september deutlich
hoeher als vor jahresfrist (plus 2,9 v. h.). im vergleich zum
vormonat kam es zu einem anstieg von 1,9 prozent,
nachdem die preise im juni und juli ruecklaeufig gewesen waren
und sich im august kaum veraendert hatten. der umschwung
war vor allem auf einen kraeftigen anstieg der notierungen
fuer tierische produkte zurueckzufuehren, die sich im
september noch staerker als im vormonat verteuerten.
der preisanstieg fuer bauleistungen in westdeutschland
blieb kraeftig. fuer wohngebaeude, die sich im zweiten
vierteljahr - auch unter dem einfluss der in dieser zeit in
kraft getretenen nicht unerheblichen lohnsteigerungen - um
3,2 prozent verteuert hatten, wurde von mai auf august
ein preisanstieg von 1,2 v. h. registriert. gegenueber dem
vorjahr hielt sich die preissteigerungsrate unveraendert bei
plus 7,0 v. h. nur wenig geringer waren die vorjahresabstaende
bei den preisen fuer buerogebaeude (plus 6,4 v. h.) und fuer
gewerbliche betriebsgebaeude (plus 6,3 v. h.). im strassenbau
wurden mit plus 7,2 v. h. die staerksten verteuerungen binnen
jahresfrist registriert.
in den neuen bundeslaendern haben sich die
baupreise mit der einsetzenden belebung der bautaetigkeit und
den noch weitaus staerkeren lohnanhebungen teilweise noch
kraeftiger erhoeht. wohnbauten verteuerten sich von mai auf
august um 2,0 prozent, womit die preise hier zuletzt um
16,5 prozent ueber dem entsprechenden vorjahresstand
lagen. im gewerblichen bau belief sich die verteuerung
binnen jahresfrist auf 9,5 prozent und im strassenbau auf
3,9 v. h.
der preisindex fuer die lebenshaltung in den alten
bundeslaendern hat sich von september auf oktober um
0,3 prozent erhoeht. gleichwohl verringerte sich der
vorjahresabstand, der im september plus 3,9 prozent betragen
hatte, auf plus 3,5 prozent. diese entwicklung beruht freilich
vor allem auf dem starken preisanstieg zur gleichen
vorjahreszeit im gefolge des golf-konfliktes (basiseffekt). im
vergleich zum vormonat veraenderten sich die preise fuer
nahrungsmittel und fuer dienstleistungen im oktober kaum,
saisonabhaengige nahrungsmittel wurden sogar deutlich
billiger. dagegen zogen vor allem die preise der anderen
verbrauchs- und gebrauchsgueter und die entgelte fuer die
wohnungs- und garagennutzung spuerbar an (jeweils
plus 0,3 v. h.). binnen jahresfrist verteuerten sich besonders
die mieten und die dienstleistungen.
in den neuen bundeslaendern kam es im oktober 1991
von dem bisherigen extrem niedrigen niveau aus zu einer
drastischen erhoehung der mieten, nachdem der
jahrzehntelange staatlich verordnete mietenstopp, der eine
finanzierung der instandhaltungskosten aus den mieteinnahmen
unmoeglich gemacht hatte, gelockert worden war. ausserdem
wurde eine weitgehende ueberwaelzung der mietnebenkosten
gestattet. dies war ausschlaggebend dafuer, dass das
verbraucherpreisniveau von september auf oktober um 10 v. h.
stieg und um 26,1 v. h. hoeher lag als zwoelf monate zuvor.
der eingetretene preissprung signalisiert freilich keine
anschwellende inflation, sondern ist ausdruck der begonnenen
anpassung des bislang voellig verzerrten mietenniveaus
an marktwirtschaftliche verhaeltnisse. dabei ist zu
beruecksichtigen, dass ein grosser teil der mietsteigerungen
durch die zahlung von wohngeld ausgeglichen wird, was sich aber
im index nicht niederschlaegt. die anderen
verbraucherpreise in den neuen bundeslaendern erhoehten sich um
durchschnittlich 0,3 prozent und damit im gleichen ausmass wie
in den westlichen bundeslaendern.