die wirtschaftliche lage in der bundesrepublik deutschland - monatsbericht maerz 1990

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das bundesministerium fuer wirtschaft teilt mit:

ueberblick

der konjunkturelle start in die neunziger jahre ist nach
einschaetzung des bundesministers fuer wirtschaft glaenzend
gelungen. die wirtschaft der bundesrepublik deutschland
expandiert kraeftig, nachfrage und produktion bleiben
aufwaerts gerichtet. auch am arbeitsmarkt schlaegt sich die
konjunkturelle dynamik deutlich nieder.
nach den juengsten amtlichen ergebnissen der
volkswirtschaftlichen gesamtrechnung nahm das bruttosozialprodukt
im letzten quartal 1989 preis- und saisonbereinigt um
rund 1 prozent zu und ueberschritt damit sein
entsprechendes vorjahresniveau um 3,6 prozent. waehrend sich der
aussenbeitrag gegenueber dem dritten vierteljahr
zurueckbildete, expandierte die inlandsnachfrage betraechtlich
(plus 21/2 v. h.). insbesondere die investitionstaetigkeit wies
eine ausserordentliche dynamik auf, die ausruestungsinvestitionen
uebertrafen ihr entsprechendes vorjahresniveau im
jahresendquartal 1989 real um fast 11 prozent.
gleichzeitig mit den zahlen fuer das vierte quartal hat das
statistische bundesamt revidierte ergebnisse fuer das
gesamtjahr 1989 vorgelegt. danach hat in diesem zeitraum
die inlandsnachfrage mit einer zunahme um fast 3 prozent das
reale wirtschaftswachstum von 4,0 prozent erheblich staerker
getragen, als dies aus den bisherigen daten hervorging.
die ausgezeichnete wirtschaftliche situation zu beginn des
jahres 1990 spiegelt sich klar in den ergebnissen von
unternehmensbefragungen wider. so zeigt die
fruehjahrsumfrage des deutschen industrie- und handelstages,
dass die firmen die aktuelle konjunkturlage als hervorragend
bewerten und sich ihr urteil gegenueber herbst 1989 sogar
nochmals verbessert hat. insbesondere hinsichtlich der
weiteren perspektiven herrscht grosse zuversicht. die
investitionsneigung der unternehmen hat sich abermals erhoeht.
alles deutet darauf hin, dass auch das laufende jahr durch
eine grosse investitionsdynamik und durch eine erheblich
zunehmende beschaeftigung gekennzeichnet sein wird.
die aktuellen konjunkturindikatoren unterstreichen den
ueberaus positiven gesamteindruck von der wirtschaftslage. um
die jahreswende verbuchten die unternehmen des
verarbeitenden gewerbes kraeftig zunehmende ordereingaenge,
wobei insbesondere die bestellungen aus dem inland
deutlich expandierten. die produktion wurde ebenfalls beachtlich
ausgeweitet. da vielerorts offenbar an den grenzen der
technischen kapazitaeten produziert wird, nahmen die
auftragsreserven weiter zu, gleichzeitig verringerten sich die
bestaende an fertigwaren.
eine ausgesprochen lebhafte nachfrageentwicklung
verzeichnete das bauhauptgewerbe, insbesondere die
vergaben von wohnungsbauauftraegen expandierten geradezu
stuermisch. die einzelhandelsumsaetze erhoehten sich um die
jahreswende ebenfalls wieder spuerbar, und auch die
juengsten haushaltsbefragungen spiegeln eine ausgesprochen
guenstige verbraucherstimmung wider.
in fast allen wirtschaftsbereichen verbesserte sich die
beschaeftigungssituation. die zahl der erwerbstaetigen nahm
nach ersten vorlaeufigen berechnungen des statistischen
bundesamtes von dezember auf januar saisonbereinigt um
rund 50000 zu und lag damit um 430000 hoeher als anfang
vergangenen jahres. inzwischen sind 1,5 millionen
arbeitsplaetze mehr besetzt als im sommer 1983. dennoch ist der
personalbedarf der wirtschaft derzeit gross. dies zeigen der
hohe bestand an offenen stellen und die lebhafte
vermittlungstaetigkeit der arbeitsaemter.
die zahl der arbeitslosen ging im februar staerker als sonst
um diese jahreszeit zurueck, sie lag um 152300 niedriger als
ein jahr zuvor. dabei duerfte neben der guenstigen
konjunkturlage auch die abermals sehr milde witterung entlastend
gewirkt haben.
trotz wachsender anspannungen bei den kapazitaeten hat
sich das preisklima nicht verschlechtert. die
verbraucherpreise erhoehten sich zwar von januar auf februar
um 0,4 prozent, die steigerung hielt sich aber in etwa im
saisonueblichen rahmen. im vergleich zur entsprechenden
vorjahreszeit ergab sich - wie im januar - ein preisanstieg
von 2,7 prozent. die erzeugerpreise der industrie blieben von
januar auf februar unveraendert, in den letzten sechs
monaten zogen sie insgesamt lediglich um 0,7 prozent an. die
einfuhrpreise liegen inzwischen sogar niedriger als zur
gleichen vorjahreszeit.
in der handelsbilanz ergab sich im januar ein ueberschuss von
12,8 mrd. dm, der damit um 1,0 mrd. dm hoeher ausfiel als vor
jahresfrist. auch bei den ergaenzungen zum warenverkehr
kam es zu einer leichten aktivierung. da sich gleichzeitig
jedoch der fehlbetrag in der uebertragungsbilanz fast
verdoppelte und sich auch die dienstleistungsbilanz wieder
passivierte, schloss die leistungsbilanz im ersten monat dieses
jahres mit einem um 0,5 mrd. dm niedrigeren ueberschuss als
zwoelf monate zuvor (plus 10,8 mrd. dm).

auftraege

die auftragseingaenge beim verarbeitenden gewerbe 1), die
in der zweiten haelfte des vergangenen jahres etwa auf dem
im letzten sommer erreichten hohen niveau verharrt hatten,
expandierten um die jahreswende 1989/90 recht kraeftig.
preis- und saisonbereinigt 2) nahm die nachfrage nach
industrieprodukten von oktober/november auf dezember/
januar um 31/2 prozent zu. den deutlichsten orderanstieg
verbuchte dabei das investitionsguetergewerbe. auch die
bestellungen beim verbrauchsguetersektor erhoehten sich
erheblich. beim grundstoff- und produktionsguetergewerbe
war die auftragsentwicklung dagegen zuletzt leicht ruecklaeufig.
der beachtliche schwung der binnenkonjunktur spiegelt sich
sehr deutlich in der entwicklung der inlandsorders wider, die
im dezember/januar erheblich anzogen (plus 4 v. h.).
ausgesprochen kraeftig nahmen zuletzt die auftragseingaenge
beim investitionsguetergewerbe (ohne fahrzeugbau) zu, was
die unveraendert hohe investitionsdynamik in der
bundesrepublik unterstreicht.
angesichts voll ausgelasteter kapazitaeten sind viele firmen
bestrebt, ihren maschinenpark zu erweitern. auch der
wachsende mangel an fachpersonal duerfte ein grund fuer
zusaetzliche investitionen sein. ausserdem wird die
investitionstaetigkeit durch die perspektiven des grossen
europaeischen binnenmarktes angeregt. verbrauchsgueter wurden im
dezember/januar ebenfalls erheblich mehr nachgefragt als im
vorhergehenden zweimonatszeitraum. dagegen fiel der
orderzuwachs beim grundstoff- und produktionsguetergewerbe
weniger ausgepraegt aus. hier setzte sich
insbesondere die seit mitte 1989 zu beobachtende abschwaechung
der nachfrage bei der stahlindustrie fort, dies spricht dafuer,
dass es in diesem bereich nicht zu einer ueberhoehten
lagerbildung kommt.
merkliche wachstumsimpulse gingen im dezember/januar
auch wieder von der auslandsnachfrage aus, die insgesamt
um 2 prozent zunahm. das investitionsguetergewerbe
verzeichnete dabei die lebhafteste orderentwicklung, wozu
insbesondere eine steigende nachfrage nach
elektrotechnischen erzeugnissen beitrug. auf der anderen seite
scheint sich die nachfrage nach maschinenbauerzeugnissen weiter
abzuflachen. die auslaendischen bestellungen beim grundstoff-
und produktionsguetergewerbe gingen zuletzt ebenfalls
spuerbar zurueck, dabei duerfte neben der verlangsamten
konjunkturellen expansion in einigen partnerstaaten auch die
deutliche aufwertung der d-mark gegenueber dem us-dollar
seit herbst letzten jahres eine rolle spielen, da die
nachfrage nach grundstoffen recht preisempfindlich ist. das
interesse auslaendischer kunden an deutschen
verbrauchsguetern hat sich demgegenueber weiter verstaerkt.
gegenueber der jahreswende 1988/89 konnten die
unternehmen des verarbeitenden gewerbes ihr auftragsvolumen
um 4,2 prozent steigern. dabei fiel der reale zuwachs der
bestellungen aus dem inland (plus 4,4 v.h.) etwas groesser aus
als der der auslandsorders (plus 3,7 v.h.).
der kraeftige aufschwung der baunachfrage setzte sich
um den jahreswechsel fort. von oktober/november auf
dezember/januar registrierte das bauhauptgewerbe preis-
und saisonbereinigt einen orderanstieg von 151/2 prozent. in
allen bausparten wurden dabei zweistellige zuwachsraten
registriert. so verbuchte der hochbau ein plus von
171/2 prozent. wohnungsbau, gewerblicher und oeffentlicher
hochbau meldeten hier auftragserhoehungen in aehnlicher
groessenordnung. im tiefbau kam es ebenfalls zu
beachtlichen nachfragesteigerungen. generell duerften diese
zahlen den trend der baunachfrage allerdings etwas
ueberzeichnen, da von einer ungewoehnlich milden witterung, wie
sie auch in diesem winter wieder vorherrschte, in der regel
nicht nur die bautaetigkeit, sondern auch die
auftragsvergaben beguenstigt werden - ein effekt, den auch die
saisonbereinigung nicht ausschalten kann.
den entsprechenden stand des vorjahres uebertrafen die
auftragseingaenge beim bauhauptgewerbe im dezember/
januar in realer rechnung um 22 prozent. auch hier
verzeichnete der wohnungsbau mit einem zuwachs von
beinahe 40 prozent den staerksten orderanstieg, doch nahm
im sonstigen hochbau die nachfrage binnen jahresfrist
ebenfalls um mehr als ein viertel zu. der tiefbau erzielte
mit einem plus von knapp 10 prozent einen ebenfalls
beachtlichen zuwachs. angesichts des auch um die jahreswende
1988/89 sehr milden wetters duerften die genannten
steigerungsraten durch witterungsverhaeltnisse nicht
nennenswert beeinflusst sein.
hier zeigt sich vielmehr einmal, dass der wohnungsbau
angesichts des erheblich gestiegenen wohnraumbedarfs
und der im herbst letzten jahres von der bundesregierung
beschlossenen foerderungsmassnahmen kraeftig in schwung
gekommen ist. zum anderen haben - wie die aehnlich
guenstige entwicklung im gewerblichen bau verdeutlicht - im
zuge der dynamischen gesamtwirtschaftlichen expansion
auch der druck und die bereitschaft zu kapazitaetserweiterungen
in der wirtschaft, die oftmals mit entsprechenden
bauaktivitaeten verbunden sind, spuerbar zugenommen.

produktion

die kraeftige ausweitung der gesamtwirtschaftlichen aktivitaet
dauerte auch in den letzten monaten des abgelaufenen
jahres an. nach den nunmehr vorliegenden ergebnissen
der volkswirtschaftlichen gesamtrechnung erhoehte sich das
bruttosozialprodukt vom dritten zum vierten quartal
saisonbereinigt und nach ausschaltung von
kalenderunregelmaessigkeiten real um 1 prozent.
dabei gingen ausserordentlich kraeftige
impulse von der inlandsnachfrage aus, die preis-
und saisonbereinigt um 21/2 prozent zunahm.
von der aussenwirtschaft kamen dagegen zuletzt
retardierende einfluesse, da die einfuhren von waren und
dienstleistungen kraeftig gesteigert wurden, waehrend
gleichzeitig die ausfuhren annaehernd auf dem zuvor erreichten
hohen niveau verharrten. mit ausnahme des staatsverbrauchs
waren alle inlaendischen nachfragekomponenten auf
expansion gerichtet, besonders ausgepraegt war dies bei den
bau- und den ausruestungsinvestitionen, die gegenueber dem
vorquartal um 3 prozent bzw. 4 prozent stiegen. insgesamt
uebertraf das bruttosozialprodukt seinen entsprechenden
vorjahresstand im letzten vierteljahr 1989 real um
3,6 prozent.
die entwicklung der industrieproduktion unterstreicht, dass
der konjunkturelle schwung weiter anhaelt. die erzeugung
des produzierenden gewerbes wurde von oktober/novem-
ber auf dezember/januar saisonbereinigt um 2 prozent
gesteigert. waehrend dabei die foerderung im bergbau um
21/2 prozent eingeschraenkt wurde, hat sich die
leistungsabgabe der elektrizitaets- und gasversorgungsunternehmen
um den gleichen prozentsatz erhoeht. gleichzeitig hat sich
die bautaetigkeit sprunghaft ausgeweitet, allerdings duerfte
die ausgewiesene steigerung von 9 prozent die
konjunkturelle entwicklung ueberzeichnen, da die produktion der
bauwirtschaft durch das aussergewoehnlich milde winterwetter im
januar stark beguenstigt wurde.
das verarbeitende gewerbe meldete ebenfalls eine kraeftige
ausweitung seiner aktivitaeten - und zwar um 11/2 prozent.
bei einem leichten rueckgang der fertigung im nahrungs-
und genussmittelgewerbe gab es hier unterdurchschnittliche
produktionszuwaechse im grundstoffbereich sowie im
verbrauchsguetersektor. am staerksten nahm die ausbringung im
investitionsguetergewerbe zu, wo vor allem die produktion
des maschinenbaus beachtlich expandierte.
den entsprechenden vorjahresstand uebertraf die
erzeugung des produzierenden gewerbes in den monaten
dezember und januar zusammengenommen um 4,7
prozent. aehnlich hoch fiel der produktionszuwachs im
verarbeitenden gewerbe aus (plus 4,9 v.h.), wo fuer den
investitionsguetersektor mit plus 7,6 prozent ein deutlich
ueberdurchschnittliches ergebnis zu verzeichnen war.
die bautaetigkeit war um
3,1 prozent hoeher als im gleichen vorjahreszeitraum, in dem
es ebenfalls ein ungewoehnlich gutes bauwetter gegeben
hatte.

privater verbrauch

nach der verhaltenen entwicklung im sommer und
fruehherbst 1989 hat der private verbrauch gegen jahresende
spuerbar angezogen. saisonbereinigt erhoehten sich die
verbrauchsausgaben vom dritten auf das vierte quartal 1989
um 11/2 prozent. nach abzug der preissteigerungen ergab
sich ein realer anstieg von 1 prozent. der entsprechende
vorjahresstand wurde nominal um 4,9 prozent, real um 1,9
prozent ueberschritten.
ursache fuer die beschleunigte entwicklung der
konsumtaetigkeit zum jahresende duerften verschiedene faktoren
gewesen sein. auf der einen seite ist die einwohnerzahl der
bundesrepublik deutschland wegen des rapiden anstiegs
der zahl der uebersiedler aus der ddr zum jahresende
1989 beschleunigt gewachsen, so dass der bedarf an
verbrauchsguetern entsprechend gestiegen ist. andererseits
haben im zuge der sich fortsetzenden gesamtwirtschaftlichen
expansion die beschaeftigtenzahl und damit auch die
arbeitseinkommen der privaten haushalte im jahresverlauf
deutlich zugenommen. schliesslich koennte sich bereits im
vorgriff auf die entlastungen durch die
einkommensteuerreform zum 1. januar 1990 die konsumneigung erhoeht
haben, dass auch viele buerger der ddr nach oeffnung der grenze
die neuen moeglichkeiten zum einkauf in der bundesrepublik
genutzt haben, schlaegt sich in der volkswirtschaftlichen
gesamtrechnung dagegen nicht im privaten verbrauch,
sondern in den lieferungen an laender ausserhalb der
bundesrepublik nieder.
die umsaetze des einzelhandels signalisieren, dass sich die
guenstige verbrauchskonjunktur auch ueber die jahreswende
hin fortgesetzt hat. insgesamt erhoehten sich die
einzelhandelsumsaetze in den monaten dezember/januar gegenueber
dem vorangegangenen zweimonatszeitraum preis- und
saisonbereinigt um 1/2 prozent.
verstaerkt nachgefragt wurden dabei vor allem
einrichtungsgegenstaende, aber auch textilien und kraftfahrzeuge.
ihren entsprechenden vorjahresabstand uebertrafen die verkaeufe
des einzelhandels im dezember/januar insgesamt dem
werte nach um 4,2 prozent und real um 1,8 prozent.
der von der gesellschaft fuer konsumforschung, nuernberg,
aus haushaltsbefragungen ermittelte konsumklimaindex ist
im februar weiter angestiegen, da die haushalte ihre eigene
finanzielle situation und kaufbereitschaft erneut guenstiger
einstuften. dies laesst auf einen weiter zunehmenden privaten
verbrauch in den kommenden monaten schliessen.

arbeitsmarkt

der arbeitsmarkt profitiert nach wie vor in erheblichem
umfang von der lebhaften gesamtwirtschaftlichen aktivitaet.
grosser personalbedarf in wirtschaft und verwaltung hat die
zahl der erwerbstaetigen erneut kraeftig ansteigen lassen.
gleichzeitig setzte sich der abbau der arbeitslosigkeit
- sicherlich auch beguenstigt durch die milde witterung -
deutlich fort.
die zahl der erwerbstaetigen erhoehte sich von dezember
auf januar in saisonbereinigter rechnung erneut kraeftig
(plus 50000). allein in den letzten drei monaten hat die
erwerbstaetigenzahl damit nach ausschaltung von
saisoneinfluessen um rund 200000 zugenommen. mit insgesamt
27,775 millionen erwerbstaetigen wurde der vorjahresstand
im januar um 430000 ueberschritten.
die zahl der arbeitslosen verringerte sich von januar auf
februar um 38900. dieser rueckgang war deutlich staerker
als meist um diese jahreszeit, so dass sich auch
saisonbereinigt eine kraeftige abnahme ergab (- 27000). ende
februar waren bei den arbeitsaemtern 2,153 millionen
arbeitslose registriert, 152300 personen weniger als ein
jahr zuvor. dies ist um so bemerkenswerter, als die zahl der
arbeitslosen aus- und uebersiedler binnen jahresfrist um
175600 auf nunmehr 278500 gestiegen ist. andererseits
konnten in den letzten zwoelf monaten fuer aus- und
uebersiedler 121200 beschaeftigungsverhaeltnisse durch die
arbeitsaemter vermittelt werden, daneben duerfte eine grosse
zahl von ihnen ohne einschaltung der behoerden einen
arbeitsplatz gefunden haben.
die arbeitslosenquote - bezogen auf alle zivilen
erwerbspersonen - lag ende februar bei 7,4 prozent. ende januar
hatte sie 7,7 prozent und ende februar 1989 8,1 prozent
betragen.
deutlicher noch als an den bestandsdaten zur erwerbstaetigkeit
und zur arbeitslosigkeit wird die grosse dynamik, die den
arbeitsmarkt in der bundesrepublik deutschland derzeit
kennzeichnet, an den entsprechenden bewegungsdaten
deutlich. so meldeten sich einerseits im februar dieses
jahres 323400 personen neu als arbeitslos, so viele wie in
keinem februar seit einfuehrung dieser statistik im jahre
1961. dabei ging freilich angesichts der weiter gestiegenen
gesamtwirtschaftlichen aktivitaet die zahl derjenigen, die vor
ihrer arbeitslosenmeldung in einem beschaeftigungsverhaeltnis
gestanden hatten, im vergleich zum februar 1989
spuerbar zurueck (- 6,4 v. h.). dagegen sind die meldungen von
arbeitslosen, die zuvor in der bundesrepublik deutschland
keiner erwerbstaetigkeit nachgegangen waren, drastisch
angestiegen (plus 74,3 v. h.).
dieser zusaetzlichen belastung des arbeitsmarktes stand
andererseits eine noch groessere zahl von personen
gegenueber, fuer die die arbeitslosigkeit im februar endete.
mit 362300 erreichte sie ebenfalls den hoechsten februar-stand
seit 1961. dies ist vor allem damit zu erklaeren, dass das
stellenangebot weiter kraeftig zunimmt. so wurden den
arbeitsaemtern im verlauf des februar 205100 offene
stellen neu zur besetzung gemeldet, 23,8 prozent mehr als vor
jahresfrist. die arbeitsvermittlungen nahmen in gleichem
umfang zu (plus 23,8 v. h.) und erreichten mit 192700 -
aehnlich wie der zugang an offenen stellen - ein niveau wie
seit anfang der siebziger jahre nicht mehr.
der bestand der den arbeitsaemtern zur besetzung
gemeldeten arbeitsplaetze belief sich ende februar auf 301500,
womit er um 85800 bzw. knapp 40 prozent ueber dem
niveau von vor zwoelf monaten lag. hier muss ausserdem
gesehen werden, dass - wie auch neueste untersuchungen
wiederum belegen - weit weniger als die haelfte aller offenen
stellen den arbeitsaemtern gemeldet werden. dies bedeutet
einmal, dass der tatsaechliche bestand erheblich hoeher ist als
der amtlich registrierte, zum anderen koennen daher auch die
in der arbeitsmarktstatistik ausgewiesenen
arbeitsvermittlungen die gesamtzahl von neueinstellungen nicht
vollstaendig erfassen.
die zahl der kurzarbeiter ist von mitte januar auf mitte
februar zwar um 14800 angestiegen, jedoch duerfte dies in
erster linie saisonbedingt sein, zumal mehr als die haelfte
dieser zunahme auf die besonders witterungsabhaengige
bauwirtschaft entfiel. mit insgesamt 105100 war die
kurzarbeiterzahl zuletzt um annaehernd die haelfte niedriger als
vor jahresfrist. auch die eingegangenen meldungen ueber
geplante arbeitszeiteinschraenkungen unterschritten ihren
vorjahresstand deutlich, so dass kurzarbeit in den
kommenden monaten gesamtwirtschaftlich gesehen weiterhin nur
eine untergeordnete rolle spielen duerfte.

aussenwirtschaft

die ausfuhren der bundesrepublik deutschland, die nach
einem langen und steilen anstieg seit dem spaetsommer
letzten jahres leicht zurueckgegangen waren, sind um die
jahreswende wieder deutlich gestiegen. dem werte nach
erhoehten sie sich von oktober/november auf dezember/
januar saisonbereinigt um 3 prozent. waehrend des
gleichen zeitraums nahmen die einfuhren um 1/2 prozent zu,
womit sich der seit anfang 1987 zu beobachtende aufwaertstrend
weiter fortsetzte. den entsprechenden vovwarenstroeme dem
werte nach weiterhin betraechtlich. die importsteigerung war
dabei mit 7,1 prozent deutlich staerker als die der exporte
(plus 3,1 v. h.).
im handel mit dem ausland wurden im januar fuer 12,8 mrd.
dm mehr waren geliefert als von dort bezogen wurden,
damit war der handelsbilanzueberschuss um 1,0 mrd. dm
groesser als vor jahresfrist. die dienstleistungsbilanz, fuer
die im januar des vergangenen jahres ein ueberschuss von 0,6
mrd. dm ausgewiesen wurde, verzeichnete dagegen
nunmehr einen geringen fehlbetrag (- 0,2 mrd. dm). darueber
hinaus hat sich das defizit in der uebertragungsbilanz
innerhalb von zwoelf monaten von 1,1 mrd. dm auf 2,0 mrd. dm
vergroessert. einschliesslich der ergaenzungen zum
warenverkehr ist in der leistungsbilanz damit im ersten monat
des laufenden jahres ein ueberschuss von 10,8 mrd. dm
entstanden, 0,5 mrd. dm weniger als im januar 1989. auch in
den drei vorangegangenen monaten war hier jeweils ein
niedrigeres plus als zur gleichen vorjahreszeit zu verzeichnen.
im kapitalverkehr mit dem ausland kam es am jahresanfang
per saldo zu mittelabfluessen in hoehe von 6,4 mrd. dm,
denen im januar des vorjahres ein nettokapitalexport von
9,5 mrd. dm gegenueberstand. binnen jahresfrist war zudem
eine deutliche akzentverschiebung zwischen langfristigen
und kurzfristigen transaktionen zu beobachten. resultierte
zwoelf monate zuvor das defizit fast ausschliesslich aus
abfluessen im langfristigen bereich, so war nunmehr die
langfristige kapitalbilanz nahezu ausgeglichen. umgekehrt
ueberwogen jetzt im kurzfristigen bereich die transfers an
das ausland, waehrend sich hier vor zwoelf monaten importe
und exporte weitgehend die waage hielten.

monetaere entwicklung
mit der dynamischen expansion der unternehmensinvestitionen
hat auch die kreditnachfrage weiter spuerbar
zugenommen. im jahresdurchschnitt 1989 uebertraf das volumen
der bankkredite an unternehmen und privatpersonen in der
bundesrepublik deutschland das niveau des vorjahres um
6,4 prozent. dies war der staerkste zuwachs seit 1984. in
den letzten monaten hat sich die entwicklung hier weiter
beschleunigt. saisonbereinigt und auf jahresrate
hochgerechnet, nahm die kreditgewaehrung von ende juli 1989 bis
ende januar 1990 um 9,5 prozent zu. hierin duerfte sich
auch der zu beginn des vierten quartals einsetzende
kraeftige aufschwung im wohnungsbausektor niederschlagen.
insgesamt spricht die hohe verschuldungsbereitschaft des
privaten sektors fuer eine weiterhin zuegige ausweitung der
gesamtwirtschaftlichen aktivitaeten.
die rege kapitalnachfrage von investoren und privaten
haushalten duerfte auch eine der hauptursachen fuer das seit
anfang 1989 zu beobachtende anziehen der zinsen sein.
aufgekommene besorgnisse ueber eine stark anziehende
nachfrage nach kapital im zuge einer beginnenden
sanierung der ehemals kommunistisch regierten staaten in mittel-
und osteuropa und ueber eventuelle preisrisiken im
zusammenhang mit einer einfuehrung der d-mark in der ddr, die
den zinstrend im februar noch merklich verstaerkt hatten,
scheinen inzwischen einer nuechterneren einschaetzung
gewichen zu sein. jedenfalls scheint der aufwaertsgerichtete
trend mittlerweile wieder zum stillstand gekommen zu sein,
zuletzt war sogar ein leichtes abbroeckeln des zinsniveaus
zu konstatieren. mitte maerz lag die umlaufrendite fuer
festverzinsliche wertpapiere bei 9,0 prozent.
die monetaere expansion hat sich zu jahresbeginn deutlich
beschleunigt. die geldbestaende in der abgrenzung m3
(bargeldumlauf, sichteinlagen, termingelder unter 4 jahren
sowie spareinlagen mit gesetzlicher kuendigungsfrist) waren
im januar - saisonbereinigt und auf jahresrate hochgerechnet
- um 6 prozent hoeher als im durchschnitt des vierten
quartals 1989. fuer das gesamte jahr strebt die bundesbank
eine geldmengenausweitung von 4 bis 6 prozent an.

einkommen

die einkommen der beschaeftigten arbeitnehmer
entwickelten sich auch 1989 moderat. das tariflohn- und
-gehaltsniveau - auf monatsbasis gerechnet - erhoehte sich
gegenueber dem vorjahr um 2,7 prozent und damit im gleichen
masse wie 1988. auf grund der in vielen branchen im laufe
des vergangenen jahres in kraft getretenen weiteren
arbeitszeitverkuerzungen nahmen die tarifeinkommen auf
stundenbasis etwas deutlicher zu, und zwar um 3,7 prozent.
die effektiveinkommen - ausgedrueckt durch die bruttolohn-
und -gehaltssumme je beschaeftigten - stiegen im
abgelaufenen jahr mit 3 prozent etwas staerker als die
monatlichen tarifeinkommen. der unterschied - die sogenannte
lohndrift - ist sowohl auf den verstaerkten einsatz von
ueberstunden als auch auf die im vergleich zum vorjahr noch
geringere bedeutung der kurzarbeit zurueckzufuehren.
ausserdem wurden zum teil uebertarifliche zahlungen und
sonderzahlungen geleistet. die arbeitgeberbeitraege zur
sozialversicherung erhoehten sich im vergangenen jahr nur
unterdurchschnittlich. bei insgesamt deutlich steigender
beschaeftigung (plus 1,5 v.h.) nahmen die bruttoeinkommen aus
unselbstaendiger arbeit 1989 in der summe um 4,4 prozent
zu. gleichzeitig stiegen die bruttoeinkommen aus
unternehmertaetigkeit und vermoegen, die neben den
unternehmenseinkommen - zu denen u. a. der bundesbankgewinn
gerechnet wird - auch andere einkunftsarten wie z. b.
mieteinnahmen und zinsertraege enthalten, im jahre 1989
insgesamt um 9,5 prozent.
der anstieg der gesamtwirtschaftlichen produktivitaet -
gemessen am realen bruttoinlandsprodukt je
erwerbstaetigen - lag 1989 bei 2,0 prozent und damit niedriger
als im vorangegangenen jahr (plus 2,9 v.h.). dies haengt nicht
zuletzt damit zusammen, dass in vielen branchen inzwischen
kapazitaetsgrenzen erreicht, produktionsausweitungen also
immer schwieriger und kurzfristig meist nur mit dem einsatz
zusaetzlicher arbeitskraefte zu bewerkstelligen sind.
die lohnstueckkosten, der wichtigste binnenwirtschaftliche
kostenfaktor, stiegen im vergangenen jahr dennoch
lediglich um 0,8 prozent.

preise

das preisklima in der bundesrepublik deutschland blieb
auch nach der jahreswende insgesamt vergleichsweise
entspannt:
mit der weiteren festigung der d-mark gegenueber dem
us-dollar gaben die einfuhrpreise im januar erneut deutlich
nach. insgesamt ermaessigten sie sich gegenueber dezember
um 0,6 prozent. besonders kraeftige abschlaege waren bei
rohstoffen und halbwaren, vor allem bei
mineraloelerzeugnissen und ne-metallen zu beobachten. aber
auch die preise fuer fertigwaren sind im durchschnitt weiter
gesunken, waehrend eingefuehrte ernaehrungsgueter sich - wohl
auch saisonbedingt - erneut leicht verteuerten. den stand von
januar 1989 unterschritten die einfuhrpreise zuletzt um
durchschnittlich 1,7 prozent.
auch bei den ausfuhrpreisen setzte sich die moderate
entwicklung der letzten monate fort. insgesamt blieb das
exportpreisniveau von dezember auf januar nahezu
unveraendert (plus 0,1 v.h.). die vorjahresrate, die im dezember
bei plus 1,0 prozent gelegen hatte, verringerte sich daher
spuerbar - auf nunmehr nur noch plus 0,3 prozent.
angesichts des deutlichen importpreisrueckgangs bei
nahezu stabilen exportpreisen verbesserten sich die
terms of trade zu jahresbeginn spuerbar (plus 0,7 v.h.).
das reale austauschverhaeltnis mit dem ausland war im
januar damit wieder um 2,0 prozent guenstiger als zwoelf
monate zuvor.
die erzeugerpreise gewerblicher produkte bewegten sich
im februar ebenfalls weiterhin in sehr ruhigen bahnen.
insgesamt blieb das preisniveau in der industrie im
vergleich zum vormonat unveraendert. deutliche
preisabschlaege verzeichnete wiederum das grundstoff- und
produktionsguetergewerbe (- 0,6 v.h.). hier kam es vor allem
bei den mineraloelerzeugnissen und im ne-metallbereich zu
kraeftigen verbilligungen. auch im nahrungs- und
genussmittelgewerbe gaben die preise insgesamt spuerbar nach
(- 0,4 v.h.). angestiegen sind dagegen die preise im
investitionsguetersektor (plus 0,4 v.h.) und im
verbrauchsgueterbereich (plus 0,3 v.h.). im vergleich zum februar
1989 haben sich die preise der gewerblichen erzeugnisse insgesamt
um 1,7 prozent erhoeht.
anders als in der verarbeitenden industrie sieht die situation
in der bauwirtschaft aus. der hohe bedarf an bauleistungen
- insbesondere im wohnungsbau - und die im verhaeltnis
hierzu relativ begrenzten kapazitaeten haben die baupreise
deutlicher nach oben in bewegung gebracht. dies zeigen
erste ergebnisse aus einzelnen bundeslaendern fuer februar
dieses jahres. angaben ueber die entwicklung in der
bundesrepublik insgesamt lagen bei abschluss dieses berichtes
noch nicht vor.
die verbraucherpreise zogen von januar auf februar um
0,4 prozent an. dieser anstieg entspricht in etwa der auch
sonst um diese jahreszeit zu beobachtenden entwicklung.
recht kraeftig verteuerten sich zuletzt erneut nahrungsmittel
(plus 0,9 v.h.), da die saisonabhaengigen waren mit den
ueblichen hohen preisaufschlaegen verkauft wurden, waehrend die
sonstigen nahrungsmittel im preis nahezu stabil blieben.
die preise fuer andere verbrauchs- und gebrauchsgueter
veraenderten sich im durchschnitt kaum (plus 0,1 v.h.).
waehrend hier kraftfahrzeuge sowie getraenke und tabakwaren
spuerbar teurer wurden, gaben die energie- und
kraftstoffpreise erheblich nach. dienstleistungen und reparaturen
verteuerten sich zuletzt staerker (plus 0,6 v.h.), was
insbesondere auf die anhebung von versicherungsbeitraegen
zurueckzufuehren war. die mieten stiegen im februar um
durchschnittlich 0,3 prozent. insgesamt uebertrafen die
verbraucherpreise - wie schon im januar - ihren entsprechenden
vorjahresstand um 2,7 prozent.