- Bulletin 94-95
- 13. November 1995
ie Bundesanstalt für Arbeit teilt mit:
Ende Oktober zählten die Arbeitsämter in Deutschland 3525800
Arbeitslose. 78500 mehr als vor einem Jahr und 4800 mehr als vor
einem Monat. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen Jahresfrist
von 8,9 auf 9,2 Prozent. Als Gründe für den unverändert schwachen
Arbeitsmarkt nannte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit,
Bernhard Jagoda, am 7. November 1995 in Nürnberg das
langsamere Wirtschaftswachstum in den alten und den Rückgang der
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den neuen Ländern. Immerhin
gäbe es im neuen Teil Deutschlands weitere Fortschritte bei der
Beschäftigung. Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen
Bundesamtes hat sich die Erwerbstätigkeit - von jahreszeitlichen
Einflüssen abgesehen - im Juli weiter geringfügig erhöht. Allerdings
ist dies nicht durchgängig. Während in den neuen Ländern ein
Zuwachs zu verzeichnen war, gab es in den alten immer noch einen
Rückgang. Insgesamt belief sich die Zahl der Erwerbstätigen in
Deutschland im Juli auf 34824000. In den alten Ländern registrierten
die Arbeitsämter im Oktober 2492100 Arbeitslose, 45700 mehr als vor
einem Jahr und 3700 mehr als vor einem Monat. Die
Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vorjahr von 7,9 auf 8,1
Prozent. In den neuen Ländern wurden 1033700 Arbeitslose gezählt,
32800 mehr als vor einem Jahr und 1100 mehr als vor einem Monat. Die
Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 13,8 Prozent nach 13,3 Prozent im
Oktober 1994. Der Zugang an Stellen fiel geringer aus als vor einem
Jahr. Betriebe und Verwaltungen meldeten den Arbeitsämtern 250400
Angebote, 23700 weniger. Die Arbeitsämter vermittelten 280500
Arbeitsverhältnisse, 3100 weniger. Dem Rückgang an
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den neuen (-360000
gegenüber Vorjahr) stand ein Zuwachs in den alten Ländern (+30000)
gegenüber. Insgesamt entlasteten die Instrumente den Arbeitsmarkt
in einer Größenordnung von 1,5 Millionen, darunter 0,9 Millionen im
Osten. Die Arbeitsämter bewilligten in diesem Jahr 39800
Beschäftigungshilfen für Langzeitarbeitslose. Knapp 10000 weitere
Anträge auf diese Leistung liegen vor.
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Oktober 1995
I. Bundesrepublik Deutschland
Der deutsche Arbeitsmarkt blieb im
Oktober schwach. In den alten Bundesländern spiegelt die
Entwicklung weiterhin das langsamere Wirtschaftswachstum wider.
In den neuen Ländern macht sich insbesondere der Rückgang bei der
Arbeitsmarktpolitik negativ bemerkbar; die Kräfte eines
selbsttragenden Aufschwungs sind noch zu gering, um dies ganz zu
kompensieren. Immerhin dürfte der Abbau der Beschäftigung im
Sommer zum Stillstand gekommen sein. Nach vorläufigen
Schätzungen des Statistischen Bundesamtes hat sich die
Erwerbstätigkeit- von jahreszeitlichen Einflüssen abgesehen - im Juli
weiter geringfügig erhöht (+6000), ähnlich wie bereits im zweiten
Quartal. Denn seit dem Frühjahr waren - anders als noch im ersten
Vierteljahr - die Zuwächse in den neuen Ländern größer als die
Abnahme in den alten. Nicht saisonbereinigt lag die Erwerbstätigkeit
im Juli mit 34,82 Millionen um rund 20000 unter Vorjahresniveau, nach
-30000 in den Monaten zuvor und -50000 im Durchschnitt des ersten
Quartals. Die Arbeitslosigkeit hat sich wenig geändert.
Saisonbereinigt errechnet sich für Oktober nur eine geringe Zunahme
(+4000), nach +35000 im Durchschnitt der beiden Monate zuvor. Auch
nicht saisonbereinigt hat sich bei der Arbeitslosigkeit kaum etwas
getan; sie erhöhte sich um 4800 auf 3525800. Damit bewegt sie sich
inzwischen um 78500 über dem Vorjahresstand, nachdem sie im
September erst um 27700 darüber und im August noch um 57600
darunter gelegen hatte. Diese Entwicklung ist für die alten und neuen
Länder ähnlich. Aber während im Westen die Entlastung durch
Arbeitsmarktpolitik unverändert über Vorjahresniveau liegt, geht der
Anstieg der Arbeitslosigkeit im Osten mit einem ähnlich großen
Abbau der Arbeitsmarktpolitik einher.
Die gesamtdeutsche Arbeitslosenquote, auf der Basis aller zivilen
Erwerbspersonen, betrug im Oktober unverändert 9,2 Prozent
(Vorjahr: 8,9 Prozent); bezogen auf die abhängigen zivilen
Erwerbspersonen ist die Quote einen Prozentpunkt höher. Der
Bestand der den Arbeitsämtern gemeldeten Stellen war weiter
rückläufig. Im Oktober belief er sich auf 289300, dies sind - zum
erstenmal seit Juni 1994 - wieder weniger als vor Jahresfrist (-7800).
Im Vergleich zum Vormonat ermäßigte sich der Bestand um 23000;
dies ist mehr als meist um diese Jahreszeit.
II. Alte Bundesländer
Die Beschäftigung hat sich auch zu Beginn der
zweiten Jahreshälfte weiter leicht verringert. Vorläufigen Angaben
des Statistischen Bundesamtes zufolge gab es im Juli einen
saisonbereinigten Rückgang von knapp 10000, ähnlich wie im
Durchschnitt des zweiten Quartals. Im ersten Vierteljahr waren die
Abnahmen noch wesentlich stärker gewesen (durchschnittlich
-30000). Gleichzeitig liegt die Erwerbstätigkeit weiterhin spürbar
unter Vorjahresniveau, allerdings immer weniger. Nicht
saisonbereinigt gab es im Juli 28,36Millionen Erwerbstätige, dies sind
noch 175000 weniger als vor einem Jahr, nach -190000 im Juni und
-225000 im März. Die Arbeitslosigkeit ist nahezu gleich geblieben.
Saisonbereinigt errechnet sich eine geringfügige Abnahme (-2000)
nach deutlichen Zunahmen im September und August
(durchschnittlich +20000). Nicht saisonbereinigt gab es im Oktober
2492100 Arbeitslose, dies sind 45700 mehr als vor einem Jahr.
Allerdings hat sich der Vorjahresabstand zuletzt nur wenig
vergrößert (September: +36000; August: +12300; Juli: -21300). Dabei
bewegt sich die Entlastung durch Arbeitsmarktpolitik unverändert um
rund 30000 über Vorjahresniveau. Gegenüber September erhöhte
sich die Arbeitslosigkeit um 3700. Gleichzeitig nahm die Entlastung
durch Arbeitsmarktpolitik - vor allem wegen mehr beruflicher
Vollzeit-Fortbildung und -Umschulung - um rund 25000 zu.
Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen,
betrug im Oktober unverändert 8,1 Prozent (Vorjahr: 7,9 Prozent). Auf
der Grundlage der abhängigen zivilen Erwerbspersonen ergab sich
eine Quote von weiterhin 9,0 Prozent (Vorjahr: 8,8 Prozent). Die
Zugänge in Arbeitslosigkeit lagen wieder in der Größenordnung des
Vorjahres. Im Berichtsmonat meldeten sich 410700 Personen
arbeitslos, 1700 mehr als vor einem Jahr. Während aber die Zugänge
aus Nichterwerbstätigkeit mit 188700 um 13900 größer waren,
bewegten sich die Meldungen nach Erwerbstätigkeit (ohne
betriebliche Ausbildung) mit 215500 um 12300 ebenso deutlich
darunter. Im September hatte der Zugang aus Erwerbstätigkeit in
Arbeitslosigkeit dagegen um 12700 über Vorjahresniveau gelegen.
Diese Schwankung könnte mit einer abnehmenden Bedeutung des
Quartals-Kündigungstermins zusammenhängen. Durch die
Angleichung der Kündigungstermine für Angestellte und Arbeiter
(Kündigungsfristengesetz, in Kraft ab Oktober 1993) konzentriert
sich anscheinend die Kündigung von Angestellten nicht mehr so
stark auf das Quartalsende, so daß seit einiger Zeit der Monat nach
dem Quartalsende für den Zugang in Arbeitslosigkeit aus
Erwerbstätigkeit nicht mehr die Bedeutung wie früher hat. Der
Abgang aus Arbeitslosigkeit war etwas kleiner als vor Jahresfrist. Im
Oktober beendeten 406900 Personen ihre Arbeitslosigkeit, dies sind
8000 weniger. Der Rückgang geht überwiegend auf weniger
Arbeitsvermittlungen von Arbeitslosen zurück (-4900 auf 70600);
dabei hielt sich die Abnahme bei Beschäftigungschaffenden
Maßnahmen in Grenzen (-800 auf 9700). Andererseits hat es
wesentlich mehr Eintritte von zuvor Arbeitslosen in berufliche
Weiterbildung gegeben als vor einem Jahr (+9200 auf 46300). Alles in
allem dürften die Abgänge in Arbeit kleiner als vor Jahresfrist
gewesen sein. Darauf deuten auch die weiter rückläufigen
Stellenzugänge und die stagnierenden Vermittlungszahlen hin.
Betriebe und Verwaltungen meldeten den Arbeitsämtern im Oktober
170900 Stellen, dies sind - zum erstenmal seit über zwei Jahren-
wieder deutlich weniger als vor Jahresfrist (-14000). Dabei liegen
insbesondere die Stellenzugänge aus dem Verarbeitenden Gewerbe
spürbar unter dem Vorjahresniveau (-19 Prozent auf 35500).
Ähnliches gilt für den Bau (-18 Prozent auf 14300). Allein aus dem
Dienstleistungssektor kamen etwa genauso viele Stellen wie vor
einem Jahr (-2 Prozent auf 111700). Dennoch konnten die
Arbeitsvermittlungen gehalten werden. Die Arbeitsämter bahnten im
Oktober 143200 Beschäftigungsverhältnisse über sieben Tage Dauer
an (+300), trotz des erwähnten Rückgangs bei
Beschäftigungschaffenden Maßnahmen (-800 auf 9700). Insgesamt
wurden 210800 Arbeitsvermittlungen erzielt (+900). Der Bestand an
gemeldeten Stellen hat weiter merklich abgenommen. Saisonbereinigt
verringerte er sich um 7000, ähnlich wie in den beiden Monaten
zuvor. Nicht saisonbereinigt waren im Oktober nur noch 231200
Angebote gemeldet. Damit liegt der Stellenbestand -erstmals seit
August 1994- praktisch wieder auf Vorjahresniveau (+800).
Gegenüber September nahm der Bestand um 25400 ab, dies ist mehr
als meist um diese Jahreszeit. Kurzarbeit ist - wie jahreszeitlich
üblich - von September auf Oktober weiter angestiegen. Zur Zunahme
um 20300 auf 121600 trugen fast alle Wirtschaftszweige bei. Dabei
gab es bemerkenswerte Erhöhungen in der Bauwirtschaft, beim
Straßenfahrzeugbau und im Maschinenbau. Somit hat sich die Zahl
der Kurzarbeiter seit August fast verdoppelt (+59100). Vor Jahresfrist
hatte es zur gleichen Zeit eine etwa halb so große Zunahme gegeben
(+31700 auf 152700). Das Vorjahresniveau wurde im Oktober folglich
nur noch um 31100 unterschritten. Der Arbeitszeitausfall hat sich
gegenüber September etwas verringert. Er betrug durchschnittlich
35 Prozent; für 17 Prozent der Kurzarbeiter fiel mehr als die Hälfte der
Arbeitszeit aus (Vormonat: 37 Prozent bzw.
19 Prozent; Vorjahr: 33 Prozent bzw. 13 Prozent). Berufliche
Weiterbildung hat das Vorjahresniveau praktisch wieder erreicht.
Denn von Januar bis Oktober begannen mit 333000 Eintritten 82600
Personen mehr eine berufliche Fortbildung, Umschulung oder
betriebliche Einarbeitung als vor einem Jahr. Der Bestand lag mit
309700 kaum noch unter dem des Vorjahresmonats (- 1700).
Beschäftigungschaffende Maßnahmen boten auch im Oktober
zahlreichen Menschen eine Arbeit. Zuletzt waren dort 73400
Personen tätig, 4400 mehr als vor einem Jahr. Von Januar bis
Oktober wurden 67100 Arbeitslose in ABM gem. §§ 91 ff AFG vermittelt
(-4800) und 3000 mit Produktiven Lohnkostenzuschüssen gem. § 242s
AFG. Erneut wurde zahlreichen Existenzgründern ein
Überbrückungsgeld gem. § 55a AFG gewährt. So erhielten in den
ersten zehn Monaten knapp 40000 diese finanzielle Hilfe, rund 23000
mehr als vor Jahresfrist. Im bisherigen Jahresverlauf wurden 28200
Beschäftigungshilfen für Langzeitarbeitslose beantragt und 23300
bewilligt. Den Bedarf an diesen Leistungen belegt die große Zahl von
Personen, die schon länger als ein Jahr arbeitslos waren. Im
September gab es 827700 Langzeitarbeitslose, dies sind 30000 mehr
als vor einem Jahr. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen liegt bei einem
Drittel. Die Regelung gem. § 105c AFG, wonach 58jährige oder ältere
Leistungsempfänger nicht voll verfügbar sein müssen und somit
nicht als Arbeitslose gezählt werden, nutzten im September 141800
Personen, 700 weniger als vor einem Jahr. Einschließlich
Deutsch-Sprachkursen und Maßnahmen beruflicher Rehabilitation
wurde der Arbeitsmarkt durch die genannten Maßnahmen im Oktober
um gut 0,6 Millionen entlastet, rund 25000 mehr als vor einem Monat
und vor einem Jahr.
III. Neue Bundesländer
Die Beschäftigung ist in den neuen
Bundesländern weiter vorangekommen. Vorläufigen Schätzungen
des Statistischen Bundesamtes zufolge gab es im Juli
-saisonbereinigt- 15000 Erwerbstätige mehr als einen Monat zuvor.
Dies entsprach weitgehend dem durchschnittlichen Anstieg seit dem
Frühjahr. Nicht saisonbereinigt wurde die Erwerbstätigkeit zu Beginn
des zweiten Halbjahres 1995 mit 6,46 Millionen angegeben. Dies waren
rund 150000 mehr als im Juli 1994, nach +160000 im Juni. Damit hat
sich der Vorjahresabstand weiter etwas verkleinert; seit Herbst
letzten Jahres hatte er sich in der Größenordnung von 170000
bewegt. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit geht inzwischen allerdings
fast vollständig auf reguläre Beschäftigung zurück; zuletzt machten
Beschäftigungschaffende Maßnahmen nur noch gut ein Zehntel des
Zuwachses aus - im Vergleich zu noch knapp zwei Dritteln im Herbst
1994. Bei der Arbeitslosigkeit setzte sich die ungünstige Entwicklung
im Oktober fort. Das Saisonbereinigungsverfahren errechnet eine
Zunahme von 6000. Damit fiel der Anstieg geringer aus als vor einem
Monat (+30000); der September war jedoch wegen der ungewöhnlich
frühen Lage der Sommerferien zu ungünstig abgebildet worden.
Außerdem ist in Rechnung zu stellen, daß sich der Einsatz aktiver
Arbeitsmarktpolitik in diesem Jahr von September auf Oktober
verringerte, während es vor einem Jahr einen deutlichen Anstieg
gegeben hatte. Nicht saisonbereinigt gab es im Oktober 1033700
Arbeitslose. Damit liegt die Arbeitslosenzahl, zum erstenmal seit Juni
1994, wieder deutlich über Vorjahresniveau, und zwar um 32800. Im
September hatte sie noch um 8300 und im August um 69800 darunter
gelegen. Die Verschlechterung im Vorjahresvergleich geht indes auch
im Oktober 1995 mit weniger Entlastung durch Arbeitsmarktpolitik
einher. Kurzarbeit, Vollzeitmaßnahmen beruflicher Fortbildung und
Umschulung, Beschäftigungschaffende Maßnahmen sowie
Vorruhestandsregelungen stützten den Arbeitsmarkt im Oktober in
einer Größenordnung von knapp 0,9 Millionen, dies waren rund
360000 weniger als vor einem Jahr (September: rund -320000;
August: -275000). Diese Entwicklung beruht überwiegend auf weniger
Personen im Vorruhestand; andererseits nimmt im Zusammenhang
damit das Kräfteangebot zu. Im Vergleich zum September erhöhte
sich die Arbeitslosenzahl um 1100. Im Vorjahr hatte es noch eine
deutliche Abnahme gegeben (-40000). Auch dabei sind aber
Veränderungen im Einsatz der Arbeitsmarktpolitik zu
berücksichtigen. So verringerte sich im Berichtsmonat die Zahl der
Personen in Beschäftigungschaffenden Maßnahmen und in
VollzeitWeiterbildung um rund 6000, während sie im Oktober 1994 um
rund 30000 zugenommen hatte.
Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen,
betrug im Oktober unverändert 13,8 Prozent (Vorjahr: 13,3 Prozent).
Auf der Basis der abhängigen zivilen Erwerbspersonen belief sie sich
weiterhin auf 14,7 Prozent (14,1 Prozent). Die Zugänge in
Arbeitslosigkeit waren wiederum erheblich größer. Im Oktober 1995
meldeten sich insgesamt 166700 Personen arbeitslos, 24 Prozent
mehr als vor einem Jahr. Erneut kamen mehr Arbeitslose aus
Erwerbstätigkeit (+15 Prozent oder +13900 auf 105200). Dabei spielte
auch eine Rolle, daß im Berichtsmonat wesentlich mehr Arbeitnehmer
eine Beschäftigungschaffende Maßnahme beendeten als vor
Jahresfrist (ca. +7500). Nach einer betrieblichen oder schulischen
Ausbildung wurden ebenfalls mehr Personen arbeitslos (zusammen:
+32 Prozent oder +4100 auf 16600). Dies deutet auf zunehmende
Schwierigkeiten beim Übergang in den Beruf hin, hauptsächlich nach
einer Weiterbildung (Austritte aus beruflicher Weiterbildung Oktober
1995/94: +3000 auf 24100). Wie bisher gab es wesentlich mehr
Zugänge aus sonstiger Nichterwerbstätigkeit als vor einem Jahr
(+46 Prozent auf 44800). Dies ist jedoch vor allem verfahrensbedingt,
denn Bewerberdateien werden in den neuen Bundesländern
zunehmend EDV-geführt. Damit können Unterbrechungen der
Arbeitslosigkeit immer exakter registriert werden, was sowohl die
Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit in Nichterwerbstätigkeit als auch
die Zugänge aus Nichterwerbstätigkeit steigen läßt. Gleichwohl waren
die Abgänge insgesamt merklich kleiner als vor Jahresfrist. Im
Oktober beendeten 165600 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 5 Prozent
oder 8900 weniger als im Vorjahresmonat. Dies beruht allerdings
ausschließlich auf den geringeren Möglichkeiten aktiver
Arbeitsmarktpolitik. So traten erheblich weniger Arbeitslose in
berufliche Fortbildung oder Umschulung ein (-19600 auf 19600).
Spürbar abgenommen haben auch die Vermittlungen in
Beschäftigungschaffende Maßnahmen (-3600 auf 27900).
Hauptsächlich deshalb wurden im Oktober erneut weniger
Arbeitslose vermittelt (-4100 auf 56000). Der Zugang an Stellen blieb
auch im Oktober alles in allem lebhaft. Mit 79500 Angeboten war er
aber erneut deutlich kleiner als vor einem Jahr (-9700); nur zum
kleineren Teil dürfte dies auf weniger Angebote von
Beschäftigungschaffenden Maßnahmen zurückgehen. Auch deshalb
fielen die Vermittlungen geringer aus als im Oktober 1994. Insgesamt
bahnten die Arbeitsämter 69700 Arbeitsverhältnisse an, 4000 weniger
als vor Jahresfrist. Dabei war auch die Zahl der Vermittlungen in
reguläre längerfristige Beschäftigung etwas kleiner als vor einem
Jahr (-500 auf 34800). Der Bestand an Stellen lag auch im Oktober
unter dem Niveau des Vorjahres. Ende des Monats waren bei den
Arbeitsämtern 58200 Angebote registriert, 8600 weniger als vor
Jahresfrist (September: -7100). Hierbei spielten ebenfalls weniger
Beschäftigungschaffende Maßnahmen eine Rolle. Im Vergleich zum
Vormonat gab es wieder mehr Angebote (+2400). Die Zahl der
Kurzarbeiter hat sich seit Juli kaum verändert. Im Oktober war sie mit
57900 praktisch genauso groß wie im September; das sind nur noch
9500 weniger als im Vorjahr. Dabei ist der Arbeitszeitausfall merklich
größer als vor Jahresfrist. Er betrug durchschnittlich - wie im
Vormonat - 60 Prozent; ein Jahr zuvor waren es 53 Prozent gewesen.
Für 52 Prozent der Kurzarbeiter fiel mehr als die Hälfte der
Arbeitszeit aus (September: 51 Prozent; Vorjahr: 40 Prozent). Die
Förderung beruflicher Fortbildung, Umschulung und betrieblicher
Einarbeitung hat inzwischen nicht mehr den Umfang des Vorjahres.
In den ersten zehn Monaten dieses Jahres traten 224900 Personen in
derartige Maßnahmen ein; dies sind - zum erstenmal in diesem Jahr -
weniger als 1994, nämlich 10200. Der Teilnehmerbestand liegt mit
240300 inzwischen deutlich unter Vorjahresniveau, und zwar um
36300.
Auch Beschäftigungschaffende Maßnahmen haben inzwischen
geringere Bedeutung als vor Jahresfrist. Zwar legte die Förderung
mit Produktiven Lohnkostenzuschüssen gem.
§ 249h AFG um 11600 auf 111000 zu, aber die Zahl der
ABM-Beschäftigten nahm im gleichen Zeitraum um 36500 auf 185100
ab. Im Oktober hatten so insgesamt 296100 Arbeitnehmer einen
zumindest befristeten Arbeitsplatz, 24900 weniger als 1994. Die
Vermittlungen in diese Maßnahmen waren ebenfalls weiter rückläufig.
Seit Jahresbeginn wurden 211700 Personen zugewiesen, 65700
weniger als vor einem Jahr. Überbrückungsgeld gem. § 55a AFG hat
auch in den neuen Ländern stark an Bedeutung gewonnen. Im
bisherigen Jahresverlauf wurden knapp 20000 Leistungen bewilligt,
rund 8500 mehr als vor einem Jahr. Langzeitarbeitslosigkeit hatte im
September einen Anteil von schätzungsweise 28,5 Prozent am
Arbeitslosenbestand. Dies entsprach 294000 Arbeitslosen, 58000
weniger als vor Jahresfrist. Zu dieser Entwicklung trug auch das
Programm "Beschäftigungshilfen für Langzeitarbeitslose" bei. So
wurden seit Januar 21600 Anträge gestellt und 16500 bewilligt. Die
Möglichkeit des § 105c AFG spielt, trotz starker Zunahmen, nach wie
vor eine ausgesprochen geringe Rolle. Im Oktober nutzten sie 8700
Personen, 6000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der
Altersübergangsgeld-Empfänger gem. § 249e AFG nimmt dagegen -
demographisch bedingt - immer mehr ab. Gleichwohl wird dadurch
aber noch ein entscheidender Beitrag zur Entlastung des
Arbeitsmarktes geleistet. 285800 Personen erhielten im Oktober
Altersübergangsgeld, 213000 weniger als im Vorjahr.
Vorruhestandsgeld spielte im Oktober erstmals keine Rolle mehr
(500; Vorjahr: 94800). Diese Leistung konnte vom 1. Februar 1990 bis
2. Oktober 1990 von 55jährigen oder älteren Beschäftigten in den
neuen Bundesländern beantragt werden, die vorzeitig aus dem
Erwerbsleben ausschieden. Die Gesamtentlastung des
Arbeitsmarktes durch Arbeitsmarktpolitik wurde - vor allem auf
Grund weniger Vorruhestand - kontinuierlich kleiner. Im Oktober
belief sie sich auf knapp 0,9 Millionen, dies sind rund 25000 weniger
als vor einem Monat und gut 350000 weniger als vor einem Jahr.