- Bulletin 37-96
- 10. Mai 1996
Die Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland (4)
Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 1995
5. Einzelne Kriminalitätsbereiche
5.1 Gewaltkriminalität (Schlüssel: 8920)
Der Anteil der Gewaltkriminalität1) an der registrierten Gesamtkriminalität
betrug 1995 2,6 (1994: 2,4) Prozent. Mehr als die Hälfte (56,3 Prozent; 1994:
56,3) der Gewaltkriminalität sind gefährliche und schwere Körperverletzungen.
1995 wurden 170170 Gewaltdelikte registriert, 8,9 Prozent mehr als 1994
(156272 Fälle).
1) In der Polizeilichen Kriminalstatistik werden nach einer
Bund-Länder-Vereinbarung folgende Delikte zum Oberbegriff Gewaltkriminalität
zusammengefaßt: Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Kindestötung,
Vergewaltigung, Raub, räuberische Erpressung, räuberischer Angriff auf
Kraftfahrer, Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, gefährliche und schwere
Körperverletzung sowie Vergiftung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme
und Angriff auf den Luftverkehr.
Die langfristige Entwicklung der registrierten Gewaltkriminalität zeigt
folgende Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 60 701 99
1980 99 554 162
1990 109 997 175
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 126 245 194
1992 132 834 5,2 202
1993 135 219 1,8 203
1994 130 474 3,5 195
1995 141 188 8,2 210
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 160 680 198
1994 156 272 2,7 192
1995 170 170 8,9 209
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Mord und Totschlag (Schlüssel: 0100 + 0210)
1995 wurden insgesamt 3928 Mord- und Totschlagsfälle registriert, davon war
jeder dritte Fall (34,2 Prozent) eine vollendete Tat.
Bei Mord und Totschlag wurden 1995 für die alten Länder mit Gesamt-Berlin
3091 Fälle gegenüber 3017 im Vorjahr erfaßt. Dies ist ein Anstieg um 2,5
Prozent, der noch höher wäre ohne die im Vergleich zum Vorjahr verminderte
Erfassung von Grenzzwischenfällen für den Zeitraum von 1951 bis 1989, die von
der ZERV**) bearbeitet wurden. Nach Ausklammern der ZERV-Fälle allein für den
Tatort Berlin gab es insgesamt einen Anstieg von 2764 Fällen (1994) auf 2942,
d.h. um 6,4 Prozent.
**) Zentrale Polizeiliche Ermittlungsstelle für die Strafverfolgung von
Mitgliedern ehemaliger SED-geführter DDR-Regierungen und Verfolgung von
Straftaten im Zusammenhang mit dem Wiedervereinigungsgeschehen (ZERV).
Langfristig ergibt sich bei Mord und Totschlag folgendes Bild:
Bereich insgesamt darunter
Jahr erfaßte Häufig- vollendete Häufig-
Fälle keitszahl*) Fälle keitszahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 2 403 3,9 779 1,3
1980 2 705 4,4 833 1,4
1990 2 387 3,8 743 1,2
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 2 555 3,9 910 1,4
1992 2 910 1) 4,4 898 1) 1,4
1993 3 428 2) 5,1 1 093 2) 1,6
1994 3 017 3) 4,5 957 3) 1,4
1995 3 091 4) 4,6 959 4) 1,4
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 4 230 5) 5,2 1
468 5) 1,8
1994 3 725 5) 4,6 1 351 5) 1,7
1995 3 928 5) 4,8 1 343 5) 1,6
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
1) Einschließlich 43 von der ZERV bearbeiteten Fälle, davon 4 vollendet.
2) Einschließlich 404 von der ZERV bearbeitete Fälle, davon 32 vollendet.
3) Einschließlich 253 von der ZERV bearbeitete Fälle, davon 33 vollendet.
4) Einschließlich 149 von der ZERV bearbeitete Fälle, davon 19 vollendet.
5) Einschließlich von der ZERV bearbeitete Fälle. Die genaue Zahl für die
neuen Bundesländer ist nicht feststellbar.
Vergewaltigung (Schlüssel: 1110)
Die Zahl der polizeilich registrierten Vergewaltigungen (einschließlich
Versuche) betrug 1995 6175 Fälle, das sind 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die langfristige Entwicklung zeigt die folgende Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 6 889 11,2
1980 6 904 11,2
1990 5 112 8,2
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 5 454 8,4
1992 5 568 2,1 8,5
1993 5 527 0,7 8,3
1994 5 209 5,8 7,8
1995 5 315 2,0 7,9
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 6 376 7,9
1994 6 095 4,4 7,5
1995 6 175 1,3 7,6
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Gefährliche und schwere Körperverletzung (Schlüssel: 2220)
1995 wurden 95759 Fälle der gefährlichen und schweren Körperverletzung
erfaßt, das sind 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die langfristige Entwicklung zeigt die folgende Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 37 895 62
1980 65 479 106
1990 67 095 107
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 73 296 113
1992 77 160 5,3 117
1993 77 311 0,2 116
1994 76 124 1,5 114
1995 81 099 6,5 120
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 87 784 108
1994 88 037 0,3 108
1995 95 759 8,8 117
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer
(Schlüssel: 2100)
Im Berichtsjahr 1995 wurden 63470 Fälle von Raubdelikten erfaßt. Dies ist ein
Anstieg zum Vorjahr um 9,9 Prozent.
Die langfristige Entwicklung zeigt die folgende Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 13 230 22
1980 24 193 39
1990 35 111 56
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 44 638 69
1992 46 845 4,9 71
1993 48 587 3,7 73
1994 45 704 5,9 68
1995 51 154 11,0 76
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 61 757 76
1994 57 752 6,5 71
1995 63 470 9,9 78
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Die Fallentwicklung bei Raubüberfällen auf Geldinstitute und Poststellen
(Schlüssel: 2110) einschließlich der Fälle in Verbindung mit Geiselnahme
(Schlüssel: 2331) und erpresserischem Menschenraub (Schlüssel: 2341) zeigt
folgende Übersicht:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1971**) 297 0,5
1980 436 0,7
1990 930 1,5
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 1 094 1,7
1992 1 099 0,5 1,7
1993 1 227 11,6 1,8
1994 1 175 4,2 1,8
1995 1 107 5,8 1,6
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 1 669 2,1
1994 1 634 2,1 2,0
1995 1 545 5,4 1,9
**) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
**) Beginn der gesondeten Erfassung.
Einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr gab es auch z.B. bei den erfaßten
Raubüberfällen auf Spielhallen (0,4 Prozent auf 665 Fälle) oder Geld- und
Werttransporte (4,7 Prozent auf 530), bei Raubüberfällen auf Tankstellen
dagegen einen Anstieg um 11,5 Prozent auf 1059 Fälle.
1995 wurden 112 Fälle von erpresserischem Menschenraub (1994: 106 Fälle) und
128 Fälle von Geiselnahme (1994: 82 Fälle) registriert.
5.2 Sexueller Mißbrauch von Kindern (Schlüssel: 1310)
1995 wurden insgesamt 16013 Fälle von sexuellem Mißbrauch von Kindern erfaßt.
Dies ist ein Anstieg um 6,1 Prozent.
Nachfolgende Tabelle zeigt die langfristige Entwicklung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 16 468 27
1980 13 165 21
1990 12 741 20
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 13 196 20
1992 14 440 9,4 22
1993 12 873 10,9 19
1994 12 549 2,5 19
1995 13 333 6,2 20
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 15 430 19
1994 15 096 2,2 19
1995 16 013 6,1 20
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
5.3 Diebstahl (Schlüssel: ****)
1995 wurden 3848308 Diebstahlsfälle erfaßt. Davon waren 1530796 Fälle (39,8
Prozent) Diebstähle "ohne erschwerende Umstände" und 2317512 Fälle (60,2
Prozent) Diebstähle "unter erschwerenden Umständen". 1995 gab es im Vergleich
zum Vorjahr bei Diebstahl "unter" erschwerenden Umständen einen Rückgang (2,5
Prozent), bei Diebstahl "ohne" erschwerende Umstände einen Anstieg (2,8
Prozent) der erfaßten Fälle.
Die folgende Übersicht zeigt die langfristige Entwicklung der "einfachen" und
"schweren" Diebstahlsfälle:
Einfacher Diebstahl Schwerer Diebstahl
Bereich Jahr erfaßte Häufig- erfaßte Häufig-
Fälle keitszahl*) Fälle keitszahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 903 369 1 469
646 325 1 051
1980 1 164 317 1 891 1 273 507 2 069
1990 1 147 314 1 830 1 544 932 2 465
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 1 201 444 1 848 1 673 168 2 574
1992 1 290 940 1 963 1 905 295 2 897
1993 1 320 326 1 983 1 882 295 2 827
1994 1 220 077 1 820 1 735 226 2 588
1995 1 244 426 1 849 1 689 129 2 510
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 1 605 495 1 983 2
545 592 3 144
1994 1 489 037 1 831 2 377 299 2 923
1995 1 530 796 1 877 2 317 512 2 842
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Fast zwei Fünftel (39,7 Prozent) der einfachen Diebstahlsfälle entfallen auf
den Ladendiebstahl. Bei den Diebstahlsfällen unter erschwerenden Umständen
handelt es sich zu über der Hälfte (59,3 Prozent) um Diebstähle von oder
in/aus Fahrzeugen einschließlich Fahrrädern. Bei diesen meist schwer
aufklärbaren Fällen beruht die Einstufung als "schwerer" Diebstahl oft nur auf
den Angaben der Geschädigten (Versicherungsaspekt).
1995 waren bei den Fahrzeugdelikten im Vergleich zum Vorjahr folgende
Tendenzen festzustellen:
Diebstahl insgesamt von Kraftwagen einschl. unbefugte Ingebrauchnahme
(Schlüssel: ***1):
Abnahme um 4,8 Prozent (10083 Fälle) auf 201493 Fälle
Diebstahl insgesamt aus Kraftfahrzeugen (Schlüssel: *50*).
Abnahme um 4,4 Prozent (32501 Fälle) auf 713444 Fälle.
Diebstahl insgesamt an Kraftfahrzeugen (Schlüssel: *550):
Zunahme um 2,1 Prozent (4049 Fälle) auf 193292 Fälle
Diebstahl insgesamt von Mopeds/Krafträdern einschließlich unbefugte
Ingebrauchnahme (Schlüssel: ***2):
Zunahme um 0,6 Prozent (346 Fälle) auf 61127 Fälle
Diebstähle insgesamt von Fahrrädern einschl. unbefugte Ingebrauchnahme
(Schlüssel: ***3):
Abnahme um 3,0 Prozent (15891 Fälle) auf 513872 Fälle.
Der Rückgang des erfaßten Diebstahls von Kraftwagen (in den alten Ländern um
4,6 Prozent gegenüber 1994) und aus Kraftfahrzeugen (in den alten Ländern um
5,5 Prozent gegenüber 1994) könnte mit Präventionsmaßnahmen (Einführung von
elektronischen Wegfahrsperren) und wegen geänderter Versicherungsverträge
(Kaskoverzicht bzw. höhere Selbstbeteiligung) gesunkener Anzeigebereitschaft
zusammenhängen.
Wohnungseinbruch (Schlüssel 435*):
1995 wurden 211221 Diebstähle unter erschwerenden Umständen in/aus Wohnräumen
erfaßt. Ein Drittel entfiel auf den Tageswohnungseinbruch (73201 Fälle). Die
Zahl der "schweren" Diebstahlsfälle in/aus Wohnräumen insgesamt nahm
gegenüber dem Vorjahr nur unbedeutend um 0,1 Prozent, die der
Tageswohnungseinbrüche jedoch um 9,7 Prozent zu.
Die langfristige Entwicklung beim "schweren" Diebstahl in/aus Wohnräumen
zeigt die folgende Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 55 908 91
1980 99 133 161
1990 151 974 242
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 151 752 233
1992 173 600 14,4 264
1993 184 022 6,0 276
1994 175 834 4,4 262
1995 178 786 1,7 266
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 227 090 280
1994 210 982 7,1 259
1995 211 221 0,1 259
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Ladendiebstahl (Schlüssel: *26*):
614312 Fälle von Ladendiebstahl insgesamt wurden 1995 erfaßt. Dies sind
4,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
Taschendiebstahl (Schlüssel: *90*):
1995 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 109003 Taschendiebstähle
registriert. Damit nahm die Zahl der registrierten Taschendiebstahlsfälle um
13,3 Prozent zu.
5.4 Betrug (Schlüssel: 5100)
1995 wurden 623182 Betrugsfälle erfaßt. Die Zahl der registrierten
Betrugsfälle hat im Vergleich zum Vorjahr um 6,1 Prozent zugenommen.
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 170 702 278
1980 247 133 401
1990 363 888 581
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 371 542 572
1992 407 492 9,7 620
1993 459 715 12,8 690
1994 501 939 9,2 749
1995 530 500 5,7 788
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 528 410 653
1994 587 423 11,2 722
1995 623 182 6,1 764
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Die Vergleichbarkeit im Betrugsbereich ist durch Änderungen der
Erfassungsmodalitäten beeinträchtigt, die zwar schon am 1. 1. 1994 in Kraft
getreten sind, sich wegen der oft langen Ermittlungsdauer aber auch 1995 noch
auswirken. Dies gilt zumal für Betrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer
Zahlungsmittel mit einem Anstieg der erfaßten Fälle um 13,1 Prozent auf 98947.
Die Zahl der registrierten Konkursstraftaten (StGB) nahm gegenüber dem
Vorjahr um 23,3 Prozent auf 2426 Fälle zu.
Veruntreuungen nach §§ 266, 266a, 266b StGB wurden um 35,9 Prozent häufiger
als 1994 registriert (1995: 23028 Fälle, 1994: 16950). Dieser Anstieg ist
durch komplexe Ermittlungsvorgänge mit zahlreichen Einzelfällen beeinflußt.
Bei Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze auf dem Wirtschaftssektor
gab es einen Anstieg der erfaßten Fälle um 16,2 Prozent auf 27510. Die
besonders starke Zunahme in einzelnen Teilbereichen wie z.B.
Konkursverschleppung nach GmbH-Gesetz um 41,4 Prozent auf 3094 Fälle,
Straftaten gegen Urheberrechtsbestimmungen um 15,7 Prozent auf 2844 Fälle,
Delikte in Verbindung mit illegaler Arbeitnehmerüberlassung um 16,3 Prozent
auf 3471 Fälle, Straftaten in Verbindung mit dem Bankgewerbe um 12,3 Prozent
auf 850 Fälle oder Straftaten nach dem Arzneimittelgesetz um 88,9 Prozent auf
2148 Fälle könnte durch Großserien mit vielen Einzelfällen oder durch
verstärkte Kontrollen beeinflußt sein.
5.5 Wirtschaftskriminalität
Die Wirtschaftskriminalität wird unabhängig von der Deliktsaufschlüsselung in
der PKS erhoben. Hierbei wurden 1995 74177 Fälle erfaßt (19,6 Prozent mehr als
1994), davon entfielen 51895 Fälle (ein Anteil von 70,0 Prozent) auf Betrug.
28264 Fälle der Wirtschaftskriminalität betrafen den Anlage- und
Finanzierungsbereich, 25251 Fälle Beteiligungen und Kapitalanlagen, 5364
Insolvenzen, 3584 Arbeitsverhältnisse und 3443 Wettbewerbsdelikte.
Die Bewertung ist wegen fortbestehender Erfassungsprobleme schwierig. Zudem
fehlen teilweise in der PKS Wirtschaftsstraftaten, die von
Schwerpunktstaatsanwaltschaften unmittelbar ohne Beteiligung der Polizei oder
von Steuerbehörden verfolgt werden.
5.6 Computerkriminalität
1995 wurden 27902 Fälle von Computerkriminalität erfaßt und damit 32,9
Prozent mehr als im Vorjahr. Über vier Fünftel der Fälle, nämlich 23315,
entfielen auf Betrug mittels rechtswidrig erlangter Karten für Geldausgabe-
bzw. Kassenautomaten. Auf den Computerbetrug (§ 263a StGB) entfielen 3575
Fälle, 227 Fälle auf Fälschung beweiserheblicher Daten oder Täuschung im
Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung, 192 Fälle auf Datenveränderung oder
Computersabotage, 110 Fälle auf Ausspähen von Daten und 483 Fälle auf
Computer-Software-Piraterie.
Die Vergleichbarkeit zum Vorjahr ist durch die Auswirkungen einer zum 1. 1.
1994 erfolgten Änderung der Erfassungsmodalitäten immer noch beeinträchtigt.
5.7 Umweltkriminalität
Die Zahl der registrierten Straftaten gegen die Umwelt nach StGB hat
gegenüber dem Vorjahr, einschließlich der 1995 erstmals erfaßten
Bodenverunreinigung (1632 Fälle), um 11,1 Prozent (auf 35643 Fälle) zugenommen.
Der Schwerpunkt lag auf der umweltgefährdenden Abfallbeseitigung mit 24619
Fällen (69,1 Prozent der Umweltdelikte), die gegenüber dem Vorjahr um 14
Prozent zugenommen haben, Gewässerverunreinigungen haben dagegen um 13,8
Prozent (auf 7075 Fälle) abgenommen.
Die langfristige Entwicklung bei der Umweltkriminalität zeigt folgende
Aufstellung:
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1980 5 151 8
1985 12 875 21
1990 21 412 34
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 23 202 36
1992 23 387 0,8 36
1993 24 328 4,0 37
1994 24 905 2,4 37
1995 27 557 10,2 41
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 29 732 37
1994 32 082 7,9 39
1995 35 643 11,1 44
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
Eine Zunahme gab es bei den in den obigen Zahlen nicht enthaltenen Straftaten
gegen strafrechtliche Nebengesetze auf dem Umweltsektor (Schlüssel: 7400) um
10,6 Prozent auf 5373 Fälle.
5.8 Straftaten im Amt (Schlüssel: 6500)
Seit 1994 werden die folgenden Korruptionsdelikte gesondert ausgewiesen:
Vorteilsannahme (§ 331 StGB):
Abnahme um 17,2 Prozent auf 241 Fälle,
Bestechlichkeit (§ 332 StGB):
Abnahme um 3,9 Prozent auf 818 Fälle,
Vorteilsgewährung (§ 333 StGB):
Abnahme um 22,7 Prozent auf 150 Fälle,
Bestechung (§ 334 StGB):
Abnahme um 12,6 Prozent auf 1666 Fälle.
Gleichzeitig nahm jedoch die Zahl der Tatverdächtigen erheblich zu, nämlich
bei Vorteilsannahme um 10,2 Prozent auf 216, bei Bestechlichkeit um 18,6
Prozent auf 249, bei Vorteilsgewährung um 23,9 Prozent auf 140 und bei
Bestechung sogar um 59,0 Prozent auf 1507. Diese Diskrepanz zwischen der Fall-
und der Tatverdächtigenentwicklung dürfte damit zusammenhängen, daß 1994
Serien mit vielen Einzelfällen und 1995 Tatkomplexe mit einer Vielzahl von
Tatverdächtigen die Zahlen jeweils stark beeinflußt haben.
Ferner wurden 5572 sonstige Straftaten im Amt erfaßt: eine Zunahme um 49,9
Prozent. Die hohen Fallzahlen resultieren u.a. aus komplexen
Ermittlungsvorgängen mit zahlreichen Einzelfällen.
5.9 Rauschgiftdelikte (Schlüssel: 7300)
1995 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 158477 Fälle von
Rauschgiftdelikten registriert. Dies ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um
19,7 Prozent.
Mit 3596 erfaßten Fällen spielen Rauschgiftdelikte in den neuen Ländern immer
noch keine größere Rolle. Von einem 1994 noch niedrigen Stand aus (1910 Fälle)
ist dies aber ein Anstieg um 53,1 Prozent. In den alten Ländern einschließlich
Gesamt-Berlin wurde bei den Rauschgiftdelikten im Berichtsjahr ein Anstieg um
18,7 Prozent auf 154881 Fälle registriert.
Die nachfolgende Übersicht zeigt die Entwicklung der erfaßten
Rauschgiftdelikte, die stark von den Kontrollmaßnahmen durch Polizei und Zoll
beeinflußt ist (Ausschöpfen des Dunkelfeldes).
Bereich Jahr erfaßte Fälle Steigerungsrate Häufigkeits-
in v.H. zahl*)
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 16 104 26
1980 62 395 101
1990 103 629 165
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 117 046 180
1992 123 175 5,2 187
1993 121 080 1,7 182
1994 130 479 7,8 195
1995 154 881 18,7 230
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 122 240 151
1994 132 389 8,3 163
1995 158 477 19,7 194
*) Häufigkeitszahl: Fälle pro 100000 Einwohner.
In der Gesamtzahl der 1995 registrierten 158477 Fälle von Rauschgiftdelikten
sind enthalten:
101230 Fälle von allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG;
Zunahme um 18,8 Prozent
50023 Fälle von illegalem Handel mit und Schmuggel von Rauschgiften nach §
29 BtMG;
Zunahme um 21,7 Prozent
4866 Fälle von illegaler Einfuhr von BtM in nicht geringer Menge;
Zunahme um 22,4 Prozent
2358 Fälle von sonstigen Verstößen gegen das BtMG;
Zunahme um 14,1 Prozent
1995 wurde in 148 Fällen (1994: 206 Fällen) durch Abgabe pp. von
Betäubungsmitteln leichtfertig der Tod eines anderen verursacht. In 455 Fällen
(1994: 344 Fällen) wurde die Abgabe, Verabreichung oder Überlassung von
Betäubungsmitteln an Minderjährige registriert. Ferner wurden 22 Fälle (1994:
10 Fälle) der illegalen Verschreibung und Verabreichung von Betäubungsmitteln
durch Ärzte bekannt.
Bei der direkten Beschaffungskriminalität wie zum Beispiel Rezeptfälschung
oder Apothekeneinbruch wurde 1995 ein Rückgang um 12,3 Prozent auf 4377 Fälle
festgestellt. Über die Hälfte der Fälle (2458 Fälle) waren Rezeptfälschungen
zur Erlangung von Betäubungsmitteln.
Drogenarten
Angestiegen sind die registrierten Heroinfälle (Handel, Schmuggel, illegale
Einfuhr und allgemeine Verstöße gegen das BtMG zusammengenommen) um 5,2
Prozent auf 49056, die Kokainfälle um 25,9 Prozent auf 17687, die
Amphetaminfälle um 102,3 Prozent auf 11266 und die Cannabisfälle um 19,9
Prozent auf 70461.
Sicherstellungsmengen
Die Entwicklung der Sicherstellungsmengen in der Bundesrepublik Deutschland
zeigt die nachstehende Aufstellung:
Sicherstellungsmengen in kg
Bereich Jahr Heroin Kokain Amphetamin Cannabis
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1970 4 332
1980 267 22 4 3 200
1990 847 2 474 85 13 641
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 1 595 964 88 12 344
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1992 1 438 1
332 105 25 694
1993 1 095 1 051 109 13 210
1994 1 590 767 120 25 694
1995 933 1 846 138 14 248
(Quelle: Falldatei-Rauschgift)
1995 wurden ferner 380858 Tabletten (1. 4. 1994: 239051) Ecstasy
sichergestellt. Dieses Amphetaminderivat wird erst seit 1. 4. 1994 gesondert
erfaßt.
Drogentote
1995 starben 1565 Menschen an den Folgen des Drogenmißbrauchs. Gegenüber dem
Vorjahr bedeutet dies einen weiteren Rückgang um 3,6 Prozent.
Bereich Jahr Drogentote
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand vor 3.10.90) 1973 *) 106
1980 494
1990 1 491
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 2 125
Bundesrepublik Deutschland (Gebietsstand seit 3.10.90) 1992 2 099
1993 1 738
1994 1 624
1995 1 565
*) Beginn der gesonderten Erfassung.
(Quelle: Falldatei-Rauschgift)
Seit Beginn der Erhebung (1973) wurden der Polizei bereits 17716 Drogentote
bekannt. Meldepflichtig sind alle Todesfälle, die in einem kausalen
Zusammenhang mit dem mißbräuchlichen Konsum von Betäubungsmitteln oder als
Ausweichmittel verwendeten Ersatzmitteln stehen. Darunter fallen insbesondere
Todesfälle in beabsichtigter oder unbeabsichtigter Überdosierung, Todesfolge
wegen langzeitigen Mißbrauchs, Selbsttötung aus Verzweiflung über die
Lebensumstände oder unter Einwirkung von Entzugserscheinungen sowie tödliche
Unfälle unter Drogeneinfluß stehender Personen. Nicht nur bei der letzten
Fallkategorie muß von einem großen Dunkelfeld ausgegangen werden.
Die Zahl der Drogentoten ist allerdings kein Maßstab für die Entwicklung des
Rauschgiftmißbrauchs. Die Gründe für die trotz Rückgang immer noch hohe Zahl
der Drogenopfer sind vielschichtig.
Zahl der polizeilich erstauffälligen Konsumenten harter Drogen
Einen weiteren Hinweis auf die Entwicklung der Rauschgiftkriminalität gibt
die Zahl der polizeilich erstmals auffälligen Konsumenten harter Drogen:
Anzahl der Erstkonsumenten von
Bereich Jahr Gesamt Heroin Kokain Amphetamin1) Amphet. LSD1) Sonstigen
Derivate
(Ecstasy)
Bundesrepublik Deutschland 1977 2) 8 878 6 669 2 209
(Gebietsstand vor 3.10.90) 1980 6 856 6 091 364 401
1990 10 784 7 252 2 308 1 586 200 258
alte Länder mit Gesamt-Berlin 1991 13 083 9 371 2 467 1 588 254 196
Bundesrepublik Deutschland 1992 14 346 10 452 2 600 1 635 151 184
(Gebietsstand seit 3.10.90) 1993 13 009 8 377 3 234 1 880 168 334
1994 14 512 8 501 4 307 2 333 321 490
1995 2) 15 230 6 970 4 251 3 119 2 371 772 126
1) Amphetamin-Erstkonsumenten wurden bis 1981, LSD-Erstkonsumenten bis 1989
und "Ecstasy"-Erstkonsumenten bis 1994 unter den "Sonstigen" erfaßt.
2) Beginn der Erfassung.
(Quelle: Falldatei-Rauschgift)
Der Polizei im Berichtsjahr erstmals als Konsumenten "harter Drogen"
auffällige Personen können durchaus bereits seit mehreren Jahren unerkannt
konsumiert haben.
1995 ist bei den erstmals auffälligen Konsumenten harter Drogen insgesamt ein
neuer Höchststand erreicht worden. Der stärkste Zuwachs ist bei den Ecstasy-
und den Amphetamin-Erstkonsumenten festzustellen. Bei den
Heroin-Erstkonsumenten gab es dagegen eine deutlichen Rückgang, der auf
sinkende Attraktivität dieser Droge schließen läßt.
Die Erstkonsumenten-Zahlen ab 1988 sind nicht voll mit den Vorjahren
vergleichbar, weil seit 1988 die Erstkonsumenten beim Vorhandensein mehrerer
harter Drogen nicht mehr nur bei der am höchsten eingestuften Droge (Heroin
vor Kokain vor Amphetamin vor Sonstigen), sondern bei jeder einzelnen harten
Droge gesondert registriert werden. Daher kann aufgrund der Mehrfachzählung
die Summe der Erstkonsumenten der einzelnen Rauchgifte größer als die
Gesamtzahl sein. Außerdem sind seit 1991 Ostberlin und seit 1993 die neuen
Länder mit allerdings geringen Anteilen einbezogen.