- Bulletin 22-87
- 5. März 1987
Das Bundesministerium für Wirtschaft teilt mit: Der innerdeutsche Handel ist 1986 gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent zurückgegangen und erreichte einen Umsatz von 15,2 Mrd. VE (1985: 16,7 Mrd. VE).
Dabei haben sich Lieferungen und Bezüge wie folgt entwickelt:
Der wertmäßige Rückgang des Handels ist nahezu ausschließlich auf die Preisentwicklung auf den internationalen Ölmärkten zurückzuführen. Die gesunkenen Erlöse bei den Positionen Rohöllieferungen (-427 Mill. VE) und Mineralölbezüge (-801 Mill. VE) erklären den Umsatzrückgang von 1 563 Mill. VE weitgehend. Angesichts der Tatsache, daß noch weitere wichtige Positionen (Chemie, NE-Metalle, Eisen und Stahl) durch rückläufige Preise betroffen waren, dürfte mengenmäßig das hohe Niveau des Handels des Vorjahres wieder erreicht bzw. in einzelnen Bereichen sogar übertroffen worden sein.
Die Handelsbilanz schloß mit einem Saldo von 493 Mill. VE zu unseren Gunsten ab. Der Gesamtsaldo der gegenseitigen Verbindlichkeiten im innerdeutschen Handel (einschließlich Swinginanspruchnahme) hat sich gegenüber Ende 1985 (knapp 3,6 Mrd. DM/VE) auf zirka 4,1 Mrd. DM/VE erhöht.
Die wichtigsten Positionen der Lieferseite, die sich insgesamt um 749 Mill. VE verringerte, haben sich wie folgt entwickelt:
Die Entwicklung der Lieferseite ist von erheblichen Veränderungen geprägt: 13 Positionen haben überwiegend deutliche Zuwachsraten erzielt, 11 Positionen sind zum Teil nicht unerheblich zurückgegangen.
Die wertmäßig stärkste Veränderung (- 427 Mill. VEI -61 v. H.) ergibt sich bei den Rohöllieferungen, wo der Jahresdurchschnittswert pro Tonne Rohöl 1986 um 59 Prozent unter dem des Vorjahres lag. Auch die Rückgänge bei NE-Metallen (-25 v. H.) sowie bei chemischen Erzeugnissen (- 16 v. H.) sind im wesentlichen preisbedingt; allerdings sind im Chemiebereich bei Grundstoffen auch Mengenkürzungen erfolgt.
Sehr erfreulich verlief wiederum die Entwicklung unserer lnvestitionsgüterlieferungen. Der deutliche Zuwachs von 1985 hat sich auch 1986 mit +41 Prozent fortgesetzt. Ein Schwergewicht lag dabei bei maschinellen Ausrüstungen für die Konsumgüterindustrie der DDR. Infolge dieses Anstiegs erhöhte sich der Anteil der Investitionsgüter an den gesamten Warenlieferungen weiter von 17 Prozent im Jahr 1985 auf nunmehr knapp 27 Prozent; dadurch hat sich die Lieferstruktur deutlich verbessert. Zu begrüßen sind auch die weiteren Erhöhungen im Konsumgüterbereich, vor allem bei Leder und Schuhen (+ 25 v. H.), wo die DDR mittlerweile zu einem unserer größten Abnehmer von Straßenschuhen geworden ist, sowie bei Textil und Bekleidung (+ 11 v. H.). Im landwirtschaftlichen Bereich sind die Lieferungen erheblich (-31 v. H.) zurückgegangen, insbesondere bei Ölen und Fetten (-58 v. H.). Zum Rückgang beigetragen hat auch, daß die DDR 1986 bei uns kein Futtergetreide gekauft hat.
Unsere Lieferungen von Bergbauerzeugnissen (im wesentlichen Steinkohle) sind zwar gegenüber 1985 zurückgegangen (-39 v. H.), trotzdem hat die DDR ihre Käufe deutlich über die langfristig vereinbarte Grundmenge von 200 000 Tonnen erhöht und damit ihre Zusage erfüllt, vorrangig zusätzlich benötigte Steinkohle- und Steinkohlenkoksmengen in der Bundesrepublik Deutschland zu kaufen. Der Rückgang unserer Lieferungen im Eisen- und Stahlbereich (- 11 v. H.) ist im wesentlichen auf die nachhaltige Preisabschwächung im zweiten Halbjahr 1986 zurückzuführen.
Die Bezüge gingen im Jahr 1986 um insgesamt 814 Mill. VE zurück. Die wichtigsten Positionen weisen folgende Veränderungen auf:
Die Bewegungen in den einzelnen Positionen der Bezugsseite sind insgesamt weniger ausgeprägt als auf der Lieferseite. Eine Ausnahme bilden die Mineralölerzeugnisse, die preisbedingt um 47 Prozent zurückgingen; der durchschniftliche Produktpreis lag 1986 um 53 Prozent unter dem des Vorjahres. Gleiches gilt abgeschwächt auch für chemische Erzeugnisse (-14 v. H.). Der Rückgang der Bezüge bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen (-12 v. H.) ist durch die schwierige Lage, vor allem auf dem Fleischmarkt, zu erklären.
Bei den lnvestitionsgütern (+ 17 v. H.) hat die DDR von der günstigen konjunkturellen Entwicklung in der Bundesrepublik profitiert. Hingegen konnte sie bei Konsumgütern die vorhandenen Verkaufsspielräume nur wenig nutzen, da infolge des Rückgangs des Dollarkurses die Konkurrenz, insbesondere aus Schwellenländern, auf dem Markt der Bundesrepublik wieder stärker geworden ist.