Deutschland - weltoffener Gastgeber und moderner Standort - Rede des Bundeskanzlers in Berlin

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Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hielt anläßlich der Eröffnung der
Internationalen Tourismus-Börse 1997 am
8. März 1997 in Berlin folgende Rede:


I.

Sehr geehrter Herr Staatspräsident,
Herr Regierender Bürgermeister,
Exzellenzen, meine sehr verehrten Damen und Herren,


einen besonders herzlichen Willkommensgruß richte ich an die zahlreichen
ausländischen Gäste aus der ganzen Welt. Ich freue mich gemeinsam mit dem
Regierenden Bürgermeister darüber, daß viele unserer Freunde und Partner in
das wiedervereinigte Deutschland und nach Berlin gekommen sind. Eine Reise in
die deutsche Hauptstadt lohnt sich immer, nicht nur in diesen Tagen, in denen
Sie Ihre beruflichen Pflichten hierher führen. Und was für Berlin zutrifft,
gilt natürlich auch für die vielen anderen Städte, Regionen und Landschaften
Deutschlands.


Reisen und Urlaub, das Thema der Internationalen Tourismus-Börse, ist für uns
Deutsche ein Gegenstand von größtem Interesse. Gerade in diesen Tagen blättern
Millionen von Menschen in unserem Land in Urlaubsprospekten und überlegen sich
Reisepläne für den Sommer. Die Deutschen sind ein reisefreudiges Volk. Jahr
für Jahr reisen fast 50 Millionen Menschen, die Mehrzahl von ihnen ins
Ausland.


Reisen ist ein Grundbedürfnis überall auf der Welt. Zu allen Zeiten haben
Menschen den Wunsch verspürt, hinaus zu gehen in die Welt, Freunde, Bekannte
und Verwandte zu besuchen, sich im Urlaub zu erholen, fremde Kulturen
kennenzulernen und neue Beziehungen, auch Freundschaften, aufzubauen oder
geschäftliche Kontakte anzuknüpfen und zu vertiefen.


Dies, meine Damen und Herren, ist nicht zuletzt der Grund Ihres Aufenthaltes
hier in Berlin anläßlich der Internationalen Tourismus-Börse. Ihre Arbeit
verheißt vielen Menschen einen schönen Urlaub und schenkt ihnen damit ein
Stück Lebensfreude. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit tiefgreifender
Veränderungen in der Welt, die uns alle vor neue Aufgaben stellen. Deshalb
wünsche ich Ihnen für Ihren beruflichen Alltag Glück und Erfolg, aber auch
eigene Freude an Ihrem Beruf.


Reisen, wohin man will: Dies, meine Damen und Herren, ist zu allererst ein
grundlegendes Freiheitsrecht. Ein Merkmal von Diktaturen ist es, daß sie ihren
Bürgern Reisefreiheit verweigern. Sie wollen nicht, daß Menschen einander
begegnen, miteinander sprechen und auf diesem Weg erst richtig begreifen, was
sie in einer Diktatur verlieren. Wir Deutschen haben dies auch durch eigene
Schuld leidvoll erlebt während zweier Diktaturen in diesem Jahrhundert, einer
nationalsozialistischen und einer kommunistischen Gewaltherrschaft.


Noch bis zum Ende der 80er Jahre waren Berlin und Deutschland geteilt, waren
die Menschen im Osten unseres Landes eingesperrt hinter Mauer und
Stacheldraht. Ihre Sehnsucht nach Demokratie, nach Meinungs- und eben auch
nach Reisefreiheit, aufgestaut über vier Jahrzehnte, hat 1989 die Mauer
gesprengt, die diese Stadt und unser Land getrennt hat.


Reisefreiheit und Tourismus sind – richtig verstanden – ein Stück
Friedenspolitik. Das Reisen eröffnet den Menschen die Chance, aufeinander
zuzugehen und sich kennenzulernen. Verantwortliches Reisen hat immer etwas zu
tun mit dem Respekt vor der Kultur anderer Menschen und der Achtung ihrer
Menschenwürde. Auf dieser Grundlage kann der Tourismus seine segensreiche
Wirkung für das friedliche Zusammenleben der Menschen und Völker unserer Erde
entfalten.


Zu den großartigen Erfahrungen am Ende dieses Jahrhunderts zählt für mich die
Selbstverständlichkeit, mit der junge Menschen heute einander in Europa
begegnen. Jugendliche überwinden problemlos Grenzen, sie treffen sich mit
Altersgenossen in Paris, London oder Rom und seit wenigen Jahren endlich auch
ungehindert in Prag, Warschau oder Budapest.


Sie nehmen teil an internationalen Jugendfreizeiten oder besuchen
vorübergehend eine Schule im Ausland. Diese Entwicklung ist für mich ein Grund
zur Dankbarkeit. Die jungen Menschen in Europa können neue,
grenzüberschreitende Freundschaften in einem Alter schließen, in dem ihre
Väter und Großväter aufeinander schießen mußten.


Meine Damen und Herren, wir haben in diesem Jahrhundert auch gelernt, daß man
nicht nur für den Frieden der Menschen untereinander immer wieder den
richtigen Weg suchen muß, sondern ebenso für den Frieden mit der Natur. Urlaub
und Erholung sind nur möglich in einer gesunden Umwelt. Es ist die moralische
Pflicht von Reisenden und Gastgebern, die natürlichen Lebensgrundlagen auf
unserer Erde zu erhalten und die Schöpfung für kommende Generationen zu
bewahren.


Ich begrüße es deshalb sehr, daß die Umweltminister aus wichtigen
Tourismusländern heute hier in Berlin im Vorfeld der Internationalen
Tourismus-Börse gemeinsame Grundsätze für einen schonenden Tourismus
aufgestellt haben. Dies ist eine positive Initiative für eine gute Zukunft
unserer Umwelt und des Tourismus.


II.


Meine Damen und Herren, natürlich hat der Tourismus auch eine große
wirtschaftliche Bedeutung, die weiter zunehmen wird. Weltweit leben rund 250
Millionen Menschen von Dienstleistungen rund um Reise und Urlaub. In wenigen
Jahren werden es – Generalsekretär Frangialli hat dies soeben zum Ausdruck
gebracht – noch wesentlich mehr Menschen sein.


Die Geschichte der Internationalen Tourismus-Börse, der weltgrößten Reise-
und Dienstleistungsmesse, spiegelt diese Entwicklung wider. Als 1966 die erste
Messe ihre Pforten öffnete, beteiligten sich neun Aussteller aus fünf Ländern.
Heute sind 6500 Aussteller aus über 170 Ländern und Regionen aus diesem Anlaß
nach Berlin gekommen.


In Deutschland gehört der Tourismus zu den führenden Branchen unserer
Volkswirtschaft – deutlich stärker als zum Beispiel die Bauindustrie. In
unserem Land arbeiten zwei Millionen Beschäftigte für einen reibungslosen und
angenehmen Urlaub der zahlreichen in- und ausländischen Gäste. Rund 75000
junge Männer und Frauen werden in der Tourismuswirtschaft ausgebildet. Das ist
fast jeder zwanzigste Auszubildende in unserem Land.


Ich möchte bei dieser Gelegenheit ein herzliches Wort des Dankes an all
diejenigen Betriebe der Tourismuswirtschaft richten, die im vergangenen Jahr
ihr Lehrstellenangebot gegenüber dem Vorjahr nochmals gesteigert haben. Die
Jugend ist unsere Zukunft. Wer aus diesem Blickwinkel heraus denkt und
handelt, weiß, was auch in den nächsten Jahren in dieser Angelegenheit zu tun
ist.


Meine Damen und Herren, die Tourismuswirtschaft in ganz Deutschland muß sich
– wie Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt – auf die Zukunft vorbereiten.
Dies hat nicht zuletzt etwas mit Wachstum und Arbeitsplätzen in unserem Land
zu tun. Unbestritten ist: Deutschland ist ein schönes Reiseland mit
landschaftlicher Vielfalt, historischen Städten und Ortschaften, großem
kulturellen Reichtum und einer intakten Natur.


Nach der Wiedervereinigung ist unser Land noch attraktiver für Besucher aus
aller Welt geworden. Ich denke zum Beispiel an Plätze wie Rügen oder den
Spreewald, die sächsische Schweiz oder die Burgen an der Saale, das
Elbpanorama in Dresden oder die Wartburg bei Eisenach, um nur diese wenigen
Namen zu nennen. Und ich denke natürlich an die zusammenwachsende, lebendige
Metropole Berlin in der Mitte Europas.


All dies, meine Damen und Herren, sind gute Argumente für einen Besuch in
Deutschland. Die Menschen der Welt sind herzlich eingeladen, in unserem Land
Urlaub zu machen. Die Zahl der Besucher aus anderen Ländern ist in den
vergangenen Jahren stetig gestiegen. 1996 haben rund 14 Millionen Gäste aus
dem Ausland bei uns ihre Ferien verbracht.


Dennoch habe ich den Eindruck, daß hier noch nicht alle Chancen genutzt
werden. Ich freue mich deshalb, daß sich die Verbände und Unternehmen der
Reisebranche unter einem gemeinsamen Dach zusammengeschlossen und 1995 den
Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft gegründet haben. Wir müssen
alles tun für eine freundliche und umsichtige Betreuung gerade unserer
ausländischen Gäste. Höflichkeit und Menschlichkeit, Aufgeschlossenheit und
Gastfreundschaft sind die besten Visitenkarten unseres Landes. Mit diesen
Tugenden wird das Reiseland Deutschland eine gute Zukunft haben.


III.


Meine Damen und Herren, die Internationale Tourismus-Börse 1997 findet in
einer Zeit dramatischer Veränderungen in der Welt statt. Deutschland befindet
sich auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Wir bereiten unser Land vor auf die
Herausforderungen der Zukunft. Hier in der deutschen Hauptstadt können Sie
dies mit Händen greifen. Berlin ist drei Jahre vor dem Beginn des neuen
Jahrhunderts eine der größten Baustellen der Welt.


Deutschland ist nach den USA die zweitstärkste Exportnation. Jeder fünfte
Arbeitsplatz in unserem Land hängt vom Export ab. Wir sind fest entschlossen,
auch in Zukunft einen Spitzenplatz zu halten. Deshalb müssen und werden wir
dem tiefgreifenden Wandel in der Weltwirtschaft Rechnung tragen und unseren
Standort fit machen für das 21. Jahrhundert.


Neue leistungsstarke Volkswirtschaften in Asien und in Lateinamerika
entwickeln sich immer mehr zu ernst zu nehmenden Wettbewerbern für deutsche
Anbieter auf den Weltmärkten. Viele afrikanische Länder unternehmen große
Anstrengungen, um Anschluß an die Weltwirtschaft zu gewinnen.


Nicht zuletzt finden vor unserer Haustür, in den Reformstaaten Mittel- und
Osteuropas, großartige Entwicklungen statt. Viele unserer östlichen Nachbarn
sind heute abend zu uns gekommen. Ich freue mich ganz besonders über die Gäste
aus Polen, die mit ihrer hinreißenden Darbietung diesen Abend eröffnet haben
und die uns gleich noch einmal erfreuen werden.


Die Veränderungen zum Beispiel in Polen, in Tschechien und in Ungarn, in der
Ukraine und natürlich in Rußland sind Grund zur Freude. Dort können die
Menschen nun endlich – und dies haben wir immer erhofft – Demokratie,
Rechtsstaat und marktwirtschaftliche Ordnung aufbauen. Ich bin sicher, sie
werden dabei erfolgreich sein, und sie werden dann Bastionen des Friedens und
der Freiheit sein. Dies ist das beste, was wir uns am Ende dieses Jahrhunderts
wünschen können.


Umgekehrt gilt: Wenn die Entwicklung in den Reformstaaten weiter erfolgreich
voranschreitet, wachsen dort natürlich auch neue wirtschaftliche Konkurrenten
heran, so wie wir dies auch in anderen Regionen der Welt beobachten. Dies ist
für uns kein Anlaß zu lamentieren, wie dies gelegentlich hierzulande zu
beobachten ist. Deutschland ist gut gerüstet für den internationalen
Wettbewerb. Wir haben eine ausgezeichnete Infrastruktur, unsere Arbeitnehmer
sind hochqualifiziert, wir verfügen über eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur
und ein gutes soziales Klima. Mit einem Wort: Wir haben gute Chancen.


Die Wirtschaftsperspektive zu Beginn des Jahres 1997 ist positiv. Wir
erwarten für dieses Jahr ein reales Wachstum in ganz Deutschland in der
Größenordnung von plus zweieinhalb Prozent. Die Preise sind bei einer
Inflationsrate von eineinhalb Prozent im Jahresdurchschnitt 1996 faktisch
stabil. Die Zinsen in Deutschland bewegen sich auf einem historisch niedrigen
Niveau, die exportbelastende D-Mark-Aufwertung vom Frühjahr 1995 ist wieder
korrigiert.


Die zentrale Herausforderung der deutschen Innenpolitik ist und bleibt die
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Fast 4,7 Millionen Arbeitslose in Deutschland
– dies ist ein inakzeptabler Zustand. Ich bin deshalb fest entschlossen, alles
zu tun, damit neue wettbewerbsfähige Arbeitsplätze rasch geschaffen werden
können. In diesen Tagen werden wir wichtige Zukunftsentscheidungen treffen.
Dazu gehört eine große Steuerreform, mit der Bürger und Wirtschaft deutlich
entlastet und die Investitionskraft der Betriebe deutlich gestärkt werden
wird.


Zugleich werden wir unsere sozialen Sicherungssysteme reformieren – ich nenne
insbesondere das Gesundheitssystem und den Generationenvertrag der
Rentenversicherung. Das Ziel lautet, die Lohnzusatzkosten, die auf den
Arbeitsplätzen lasten, zu begrenzen und unsere sozialen Sicherungssysteme auf
den tiefgreifenden demographischen Wandel in unserer Gesellschaft
vorzubereiten.


Deutschland gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenziffer in
Europa. Zugleich steigt – und dies ist eine erfreuliche Entwicklung – die
Lebenserwartung der Menschen. Heute leben in Deutschland 13 Millionen
Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Im Jahr 2030 werden es bereits 19
Millionen sein. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird von heute 15 Prozent
auf fast 26 Prozent dramatisch weiter steigen. Es ist unsere Pflicht, bereits
heute ernsthaft und nüchtern die notwendigen Konsequenzen zum Beispiel für die
Renten zu ziehen.


IV.


Meine Damen und Herren, vor sechseinhalb Jahren haben wir die
Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit und mit Zustimmung
unserer Freunde und Partner in der Welt erreicht. Wir Deutschen sind all jenen
– gerade auch im Ausland – zu bleibendem Dank verpflichtet, die uns in den
Jahren 1989 und 1990 auf dem Weg zur Deutschen Einheit unterstützt und
ermutigt haben.


Ich möchte Sie ermuntern, meine Damen und Herren: Gehen Sie hinüber zum
Reichstag und schauen Sie sich die Stätte mit eigenen Augen an, an der im
November 1989 die Mauer durchbrochen wurde. Bei allen Sorgen, die wir
natürlich auch haben, hat die Welt mit dem Niederreißen der Mauer in Berlin
ein Stück Frieden und Freiheit dazugewonnen.


Wir Deutschen haben das Geschenk der Wiedervereinigung unseres Landes
erhalten, weil unsere Partner sicher sein konnten, daß unser Land fest in
Europa eingebettet ist. Wir wollen nicht zurück zum Nationalstaat vergangener
Zeit. Wir wollen aufbrechen und gemeinsam mit unseren Freunden und Partnern
Europa zusammenführen. Dies ist seit Konrad Adenauer, meinem ersten
Amtsvorgänger nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und nach der
Wiederbegründung einer deutschen Demokratie, ein entscheidendes Prinzip
unserer Politik.


Natürlich wollen wir nicht irgend ein Europa, sondern ein Europa, in dem die
Menschen frei leben und entscheiden können. Unser Ziel ist ein vereintes,
demokratisches und bürgernahes Europa, in dem wir unsere Identität als
Deutsche, Franzosen oder Italiener behalten und gleichzeitig Europäer sind.
Ich sage es – in meinen Worten und bezogen auf unsere Verhältnisse in
Deutschland – mit einem Satz von Thomas Mann: Wir wollen deutsche Europäer und
europäische Deutsche sein.


Die Fortsetzung des europäischen Einigungswerks ist eine elementare
Voraussetzung für Frieden und Freiheit im 21. Jahrhundert. Deswegen müssen wir
jetzt alles daran setzen, das gemeinsame europäische Haus stabil und
wetterfest zu bauen. Wir müssen lernen, unvermeidlichen gelegentlichen Streit
friedlich nach gemeinsamen Regeln im Haus auszutragen und nicht auf der
Straße. In wenigen Wochen werden wir beim Europäischen Rat in Amsterdam über
den Maastricht-II-Vertrag und damit über eine Hausordnung für das Haus Europa
entscheiden.


Ein wichtiger Baustein ist die Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und
Währungsunion. Zu diesem Thema wird jeden Tag vieles in den Medien verbreitet,
nicht selten mit dem Unterton eines gepflegten Pessimismus. Lassen Sie sich
davon nicht beeindrucken. Beim Rückblick auf die letzten Jahre und Jahrzehnte
werden Sie feststellen, daß es gerade im Zusammenhang mit dem Thema Europa
immer wieder auch Stimmungen der Resignation, ja der Untergangsprophezeiung
gegeben hat. Die tatsächliche Entwicklung hat diese Stimmungen stets
widerlegt.


Für die Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion gelten
klare Abmachungen. Wir haben uns in der Europäischen Union einen Termin
vorgenommen für die Einführung der neuen europäischen Währung, und wir haben
klare Stabilitätskriterien vereinbart, damit diese Währung – der Euro – stark
und stabil wird. Beides – Kriterien und Zeitplan – muß eingehalten werden.
Dies möchte ich bei dieser Gelegenheit im Gespräch mit unseren ausländischen
Gästen unterstreichen.


Es ist für uns Deutsche – dies füge ich gleich hinzu – von entscheidender
Bedeutung, daß der Euro eine harte Währung sein wird. Die Deutschen haben in
diesem Jahrhundert zweimal die Zerstörung ihrer Währung erlebt. Der Verlust
aller Ersparnisse, den Millionen Deutsche nach dem Ersten Weltkrieg hinnehmen
mußten, war – neben anderen – einer der Gründe für das Erstarken des
Nationalsozialismus Ende der 20er Jahre.


Sie alle kennen die schrecklichen Folgen dieser Entwicklung. Der Zweite
Weltkrieg hat furchtbares Leid über die Menschen in Europa und in Deutschland
gebracht. Millionen Deutsche haben ihre Heimat verloren, wurden vertrieben,
waren Flüchtlinge. Millionen sind im Krieg umgekommen. Die schändlichen Taten,
die in deutschem Namen in Auschwitz und an vielen anderen Orten verübt wurden,
sind ein Brandmal unseres Volkes, das unauslöschlich in den Geschichtsbüchern
steht.


In diesem Jahr feiern wir den 50. Geburtstag des Marshall-Plans. Die USA
haben uns nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ebenso wie den anderen
westeuropäischen Staaten geholfen, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen. Die
deutsche Währung war ein zweites Mal in diesem Jahrhundert völlig zerrüttet.
1948 ist die D-Mark eingeführt worden. Millionen Menschen aus allen Bereichen
unseres Volkes haben hart dafür gearbeitet, daß die D-Mark – allen Unkenrufen
mancher Gurus, die es auch damals gab, zum Trotz – eine erfolgreiche und harte
Währung wird.


Für viele in Deutschland ist die D-Mark zu einem nationalen Symbol geworden –
ein greifbares Stück Deutschland noch vor Gründung der Bundesrepublik und noch
bevor es Nationalflagge und Hymne gab. Das Verstehen dieser geschichtlichen
Zusammenhänge ist der Schlüssel zum Verständnis dafür, daß die Deutschen heute
beim Thema Euro mit Nachdruck darauf beharren, daß es eine stabile Währung
sein muß. Um dieses Verständnis bitte ich unsere ausländischen Gäste.


Meine Damen und Herren, Vertiefung und Erweiterung der Europäischen Union
sind kein Gegensatz. Das europäische Einigungswerk fortzusetzen, bedeutet
ebenso, die Voraussetzungen für den Eintritt neuer Mitglieder in die
Europäische Union zu schaffen. Dies sage ich insbesondere an die Adresse
unserer Freunde aus Mittel- und Osteuropa. Krakau und Prag, Budapest und
Bukarest – ich könnte noch viele andere Namen nennen – sind traditionsreiche
mitteleuropäische Städte. Europa ist ihre Heimat. Das Haus Europa muß offen
sein für diejenigen, die dort in dieser Gesinnung wohnen wollen.


Wir haben beste Chancen für das 21. Jahrhundert, wenn wir uns den
Herausforderungen der Gegenwart offensiv stellen und sie gemeinsam angehen. In
drei Jahren findet mitten in Deutschland, in Hannover, die Weltausstellung
EXPO 2000 statt. Dies ist eine großartige Chance für unser Land. Wir wollen
der Welt ein Jahrzehnt nach der deutschen Einheit und auf der Schwelle zu
einem neuen Jahrhundert zeigen, daß wir ein weltoffenes Land, ein friedliches
Land und ein Land sind, das seinen Beitrag zum Fortschritt in allen Bereichen
der menschlichen Kultur leistet. Die EXPO 2000 ist natürlich zugleich eine
große Herausforderung für den Tourismus in Deutschland.


Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen, daß Sie in so großer Zahl zur
Internationalen Tourismus-Börse nach Berlin gekommen sind. Ich wünsche Ihnen
einen erfolgreichen Messeverlauf mit guten Geschäftsabschlüssen. Je besser
Ihre Geschäfte sind, desto sicherer ist es, daß Sie wiederkommen und auch
andere für einen Besuch in Deutschland gewinnen. Noch einmal herzlich
willkommen in der Bundesrepublik Deutschland und in der deutschen Hauptstadt
Berlin. Hiermit erkläre ich die Internationale Tourismus-Börse 1997 für eröffnet.