dank an den botschafter der vereinigten staaten von amerika - ansprache des bundesministers des auswaertigen

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der bundesminister des auswaertigen, hans-dietrich
genscher, hielt bei einem abschiedsessen zu ehren
des scheidenden botschafters der vereinigten staaten
von amerika, richard r. burt, am 12. januar 1989 auf der
godesburg in bonn-bad godesberg folgende ansprache:

herr botschafter, sehr verehrte, liebe frau burt!

sie nehmen heute nach etwas mehr als drei jahren
abschied von bonn. sie haben die interessen ihres landes
mit tatkraft und engagement vertreten. sie haben zugleich
unablaessig an das gemeinsame und verbindende erinnert.
sie haben ein gespuer dafuer entwickelt, nach welchen
gesetzmaessigkeiten sich die verhaeltnisse in unserem lande
bewegen und entwickeln. sie haben aus der kenntnis der
dinge bei uns bei ihren eigenen landsleuten um verstaendnis
fuer uns und unsere anliegen geworben und fuer dieses
verstaendnis gelegentlich auch kritik in ihrem eigenen land
in kauf genommen. dafuer haben wir ihnen zu danken.
sie haben sich in zahlreichen vortraegen und interviews
immer wieder, auch zu kontroversen themen, zu wort
gemeldet. darueber hinaus haben sie rasch das interesse
einer breiteren oeffentlichkeit bei uns fuer sich gewonnen, das
sich vorteilhaft auf die deutsch-amerikanischen beziehungen
auswirkte. ich weiss, wovon ich spreche, wenn ich feststelle:
sie verstehen etwas von pr-arbeit. nicht von ungefaehr sind
sie fuer ihren kampf gegen den teuflischen sachzwang mit
der "goldenen kartoffel" ausgezeichnet worden. so sind wir
ordensbrueder geworden.
noch in guter erinnerung ist, wie sie mit diesem, fuer viele
typisch deutschen gewaechs nach einer verlorenen
fernsehwette zusammen mit dem deutschen aussenminister
aufgewogen wurden, und wie die von uns quasi in einem
"joint-venture" daraufhin angebotenen reibekuchen vor
dem bonner rathaus reissenden absatz fanden.
sie verlassen, herr botschafter, unser land zu beginn eines
geschichtstraechtigen jahres. die bundesrepublik
deutschland und die atlantische allianz feiern in diesem jahr
einen runden geburtstag. beide werden 40 jahre alt. an beiden
ereignissen haben die vereinigten staaten von amerika
entscheidenden anteil.
die vaeter und muetter unseres grundgesetzes haben uns auf
freiheit und menschenwuerde, auf menschenrechte und
selbstbestimmung verpflichtet. diese werte zu wahren und
zu verteidigen, ist auch das ziel der atlantischen allianz,
die vor allem anderen eine wertegemeinschaft ist. die
zugehoerigkeit zur gemeinschaft der europaeischen demokratien
und zum westlichen buendnis ist fuer uns eine demokratische
wertentscheidung.
die deutsch-amerikanische freundschaft gehoert heute zu
den konstanten in der politik unserer beiden laender. es
sind unsere beiden laender, die fuer die gemeinsame
sicherheit die groessten leistungen erbringen.
das uebertraegt uns eine besondere verantwortung fuer die
transatlantische partnerschaft. dieser verantwortung
werden wir am besten gerecht, wenn wir deutschen und wir
europaeer nicht vergessen, dass diese partnerschaft fuer
unsere sicherheit unverzichtbar ist, und wenn die
amerikaner nicht vergessen, dass es ihre eigene sicherheit
genauso ist wie die der europaeer, fuer die unser buendnis
sorgt. sie haben bei ihren vielen reisen und kontakten, herr
botschafter, erfahren koennen, dass die buerger unsers
landes, und dass die soldaten unserer bundeswehr, die
wehrpflichtarmee ist, einen unverzichtbaren beitrag zur
gemeinsamen sicherheit erbringen. sie wissen, dass es kein
land im buendnis gibt, in dem so viele soldaten und waffen
fuer die gemeinsame sicherheit aller anderen verbuendeten
stationiert sind.
die amerikanischen soldaten und ihre familien sind uns
dabei als freunde und verbuendete willkommen.
wir sind partner und verbuendete fuer beide teile des harmel-
berichts: fuer verteidigung und ebenso fuer entspannung,
ruestungskontrolle und abruestung.
auf der grundlage dieses harmel-berichts bemuehen wir uns
gemeinsam um eine europaeische friedensordnung. die
schlussakte von helsinki ist die kursbestimmung dorthin. die
teilnahme der usa und kanadas an dem ksze-prozess ist
die bekraeftigung der europaeischen bestimmung dieser
beiden grossen demokratien durch alle unterzeichnerstaaten
der schlussakte.
wir leben in einer phase des uebergangs, des uebergangs
von einer bipolaren zu einer multipolaren welt. nirgendwo
wird dies deutlicher als hier in europa.
waehrend ihrer zeit in bonn sind wir unserem ziel, der
schaffung einer europaeischen union, ein gutes stueck
naehergekommen. mit verabschiedung der einheitlichen
europaeischen akte haben sich alle mitgliedstaaten zu
diesem ziel bekannt. der gemeinsame binnenmarkt, der bis
zum ende des jahres 1992 vollendet werden soll, ist eine
wichtige etappe auf dem wege zu diesem ziel.
diese entwicklung ist ein gewinn nicht nur fuer die zwoelf
mitgliedstaaten. sie macht die gemeinschaft der
europaeischen demokratien zukunftsfaehig, sie aktiviert eine
grosse wachstumsreserve der weltwirtschaft, und sie eroeffnet
zusammen mit der gesamteuropaeischen entwicklung die
chance fuer eine neue bluete europas.
die vereinigten staaten gewinnen in der europaeischen
union einen partner, der handlungsfaehiger und auch
leistungsfaehiger und stabiler sein wird. der gedanke
john f. kennedys vom europaeischen pfeiler wird wirklichkeit,
und das keineswegs in einem auf das militaerische
begrenzten sinne, sondern in der entfaltung aller
schoepferischen kraefte unserer gemeinschaft.
wir sind uns dabei bewusst, dass unser fortschreitender
einigungsprozess ueberall in der welt - in den usa, in der
dritten welt, bei den efta-staaten und bei den staaten der
rgw - nur dann als gewinn empfunden werden kann, wenn sie
eine auf offenheit angelegte gemeinschaft bleibt, offen
fuer die zusammenarbeit mit allen, die mit ihr
zusammenarbeiten wollen, im westen, im osten, in der dritten
welt. fuer diesen freien welthandel tragen europa und die
vereinigten staaten eine besondere verantwortung. dass wir
wettbewerber sind, und in zukunft noch mehr sein werden,
liegt in unserem gemeinsamen verstaendnis einer liberalen
weltwirtschaft.
aber dass dieser wettbewerb auch ungehindert stattfinden
kann, dafuer muessen wir gemeinsam sorgen. wir wissen uns
darin einig mit praesident reagan genauso wie mit dem
gewaehlten praesidenten bush.
die buerger auf beiden seiten des atlantiks haetten kein
verstaendnis dafuer, wenn in einem zeitalter sichtbarer
erfolge bei ruestungskontrolle und abruestung die westlichen
verbuendeten untereinander sich in handelskriegen
befehden wuerden.
ihr vorgaenger, der unvergessene arthur burns, hat in einem
plaedoyer fuer die deutsch-amerikanische partnerschaft
gesagt: "wir brauchen deutschland und das restliche
westeuropa ebenso, wie sie uns brauchen." dem stimmen wir
zu, denn es gibt keine alternative zu einer konstruktiven, wie
sie, herr botschafter, es genannt haben, zu einer "reifen"
partnerschaft.
diese reife partnerschaft befaehigt uns, in einem
wechselseitigen bemuehen immer wieder uebereinstimmungen in
unserem gemeinsamen interesse zu erzielen. die engen
menschlichen beziehungen und die freundschaftlichen
gefuehle, die die buerger unserer beiden staaten verbinden,
garantieren das ebenso wie der gegenseitige respekt, der
zwischen freunden und gleichberechtigten partnern
selbstverstaendlich ist.
die deutsch-amerikanische freundschaft und partnerschaft
hat ein festes fundament und eine gesicherte zukunft.
ich danke ihnen, herr botschafter, fuer alles, was sie fuer
die deutsch-amerikanischen beziehungen getan haben, ich
danke hierfuer auch ihnen, liebe frau burt. mit charme und
menschlicher waerme, aber auch glaenzend vorbereitet durch
ihre eigenen beruflichen erfahrungen im weissen haus und
im amerikanischen aussenministerium, haben sie ein
gastliches, offenes haus gefuehrt und sich viele deutsche
freunde gewonnen.
ihr sohn christopher wird hoffentlich sein leben lang sagen:
"it is an honor to be a bonner! "
ich bin sicher, dass sie beide unserem land auch kuenftig
als freunde verbunden bleiben.
wir wuenschen ihnen fuer die zukunft von herzen alles gute.